Stimmung und Intonation

Ich bin ein Intonationsphobiker. Das ist wenigstens zum Teil das Ergebnis pädagogisch zweifelhaften Unterrichts. Zum anderen aber auch ein Resultat von mangelndem Selbstbewußtsein. Wie auch immer…. es quält. Und besonders unangenehm war für mich immer das Einstimmen. Ich konnte wohl hören, ob es stimmte. Aber wenn es nicht stimmte, war ich sehr häufig unsicher: zu hoch? oder zu tief? Gruselig…..ein a bitte….. tuuut…. nochmal….. tuut. Rausziehen…. tuuuut….. noch schlimmer. tuuut…. erster Schweißausbruch….. wieder reinschieben…. tuuut….. aber es ist doch zu hoch….. etc.

Heute habe ich das Problem besser im Griff. Das liegt an ein paar einfachen Einsichten bzw. Erkenntnissen. Auch hier kommt wieder ein Lehrer ins Spiel (Danke, Markus Hufschmidt!). Folgende Überlegungen: beim Spielen muss man sowieso permanent kontrollieren und korrigieren, also genügt es, wenn die Flöte in etwa stimmt (wir stimmen ja meist sowieso nur auf einen Ton oder vielleicht zwei, im Stück spielen wir dann aber viel mehr und auch über einen größeren Tonbereich). Ich bin daher dazu übergegangen, ein oder zweimal zu vergleichen und es dann zu belassen. Beim Spielen wird die Flöte war, in gut gefüllten Räumen auch die Umgebungsluft aufgeheizt und dann geht das Instrument sowieso hoch, warum also die Nerven beim Stimmen lassen? Gut ist, wenn man in etwa weiss, wieviel man bei einer Standardstimmung (z. B. 442 Hz) ausziehen muss. So beginnt man gleich in der Nähe des Ziels. Größere Differenzen finde ich häufig schwieriger….

Zum zweiten habe ich von besagtem Markus Hufschmidt gelernt, dass es immer besser ist, in der Höhe richtig powern zu können, daher ist es gesünder, etwas zu tief gestimmt zu haben, als zu hoch. Oben fallen lassen ist extrem unangenehm und bringt alles durcheinander. Oben hoch zu ziehen ist einfacher und klingt auch besser.

Das dritte ist schwieriger. Man muss einfach anfangen, zu vertrauen. Nicht immer ist man selbst das Problem und eigentlich müssen ja alle zusammenspielen. Das heißt auch, nicht auf Teufel komm raus suchen, sondern ruhig bleiben. Das Schlimmste ist diese Such-Panik. Auch während des Stückes kann ja noch ein wenig am Kopf gezogen oder gedrückt werden, was soll’s also? Etwas mehr Gelassenheit wirkt Wunder. Mittlerweile fühle ich mich meist sogar recht wohl und so ist Musizieren einfach schöner.

Hier noch die Basics zum Thema Stimmung:

  • Wenn die Flöte zu hoch ist, den Kopf rausziehen. Ist sie zu tief, reinschieben
  • Leise Stellen werden gerne zu tief, laute zu hoch (das liegt auch an Spannung und Stütze)
  • die Tiefe Lage säuft gern nach unten ab, die hohe geht nach oben weg
  • Ausgleichen kann man über den Anblaswinkel oder die Luftgeschwindigkeit
  • je steiler der Anblaswinkel (mehr Luft ins Loch), um so tiefer der Ton und umgekehrt
  • Korrektur des Winkels geht über die Lippen, den Kiefer oder Drehen der Flöte.
  • Klangfarben beeinflussen das Hörempfinden (bei mir jedenfalls). Viel Oberton ist nicht gleich zu hoch (das habe ich beim Stimmen mit Oboen schmerzhaft lernen dürfen) und mit einem ungewohnen Instrument zu stimmen ist schwierig (an den Klang gewöhnen)

Und nun: Nur Mut!!! Das ist vielleicht das wichtigste. Eine gute Mischung von Selbstkritik (damit man überhaupt merkt, dass man was tun muss) und Selbstbewusstsein. Und lasst Euch von keinem verrückt machen. Das A und O ist zu wissen, dass der richtige Griff noch nicht den richtigen Ton macht, auch nicht, wenn man eingestimmt hat.

Ein Gedanke zu „Stimmung und Intonation“

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.