Spitz oder breit?

Ich bin total für breit 🙂 Nein, Spaß beiseite. Was ich meine ist Förderung. Man unterscheidet immer so schön zwischen Spitzen- und Breitenförderung. Und ich bin ein großer Verfechter der Breitenförderung. Zumindestens bei Musik. Warum?

Ich glaube, der musikbegeisterte und -interessierte sowie -ausübende Teil der Bevölkerung schrumpft. Die Konzertsäle zeigen viele leere Plätze und viel Publikum im Rentenalter. Die Kinder singen kaum mehr, kennen keine Volks- oder Kinderlieder mehr und schon gar keine klassischen Titel.

Und ich glaube vor allem, dass das Musizieren keine elitäre Angelegenheit, kein Luxus und vor allem nichts Überflüssiges ist. Musik ist Kommunikation und Entspannung, es ist Miteinander und Gefühlsausdruck. Ich glaube, Musik ist etwas, das gerade solchen Kindern, die es schwer im Leben haben, eine Stütze sein kann. Musik selbst machen gibt einem eine Stimme, es liefert einem Erfolgserlebnisse, es bietet die Möglichkeit, Gefühle auszudrücken oder auch, sich mal auszutoben. Es fördert die Konzentrationsfähigkeit und die Auffassungsgabe, die Fähigkeit assoziativ zu denken. Ich glaube, Musik schafft Chancen, fördert Kinder in allen Lebensbereichen und bietet uns eine Möglichkeit, Kinder zu integrieren, die anders vielleicht alleine blieben, keine Chancen hätten oder irgendwann in Verzweiflung und Gewalt enden.

Darum bin ich für Breitenförderung, weil ich denke, wenn wir Spitzenförderung betreiben, dann werden diese Spitzenmusiker irgendwann vor leeren Sälen spielen, dann wird sich auch im Kulturellen unser Land immer mehr aufspalten in eine kleine spezialisierte Gruppe und einen Haufen uninteressierter. Volksmusik im Sinne eines Volkes, das an der Musik aktiv teil hat, das glaube ich, würde auch dem gesellschaftlichen Autismus entgegenwirken und zu mehr Miteinander führen. Immerhin muss wer Musik macht auch das Hinhören trainieren.

Wie komme ich darauf gerade heute? Heute morgen bin ich in eine Reportage über die Stiftung „Jedem Kind ein Instrument gestolpert“ (JeKi). Und es war so schön zu sehen, wie begeistert diese Kinder waren und wie stolz. Kinder mit Selbstbewusstsein und Erfolgserlebnissen, mit einem Halt in Form ihres eigenen Instruments. Ich finde, das ist das Größte überhaupt.

Meine Flöte ist mein Freund, seit dreißig Jahren. Wenn es mir schlecht geht, kann ich spielen. Ich habe unzählige liebe menschliche Freunde über das Musizieren kennengelernt, ich habe Zuhören gelernt und ich kann auch mal Trauer oder Freude einfach in die Welt blasen. Ich bin mir ganz sicher, ich wäre heute nicht die, die ich bin, wenn ich nicht diese Möglichkeit gehabt hätte, Musik zu machen. Das ist ein Geschenk und ich finde, dieses Geschenk sollten noch viel mehr Kinder bekommen. Darum hier noch ein paar Adressen zum Thema:

Bertelsmann-Stiftung,

Stiftung Kinder brauchen Musik (Rolf Zuckowski),

Castringius-Stiftung (München),

Baydur-Stiftung,

Haspa-Musikstiftung (Hamburg),

Robert-Bosch-Stiftung

da scheine ich wohl nicht alleine mit diesem Anliegen zu sein.

Ein Gedanke zu „Spitz oder breit?“

  1. Hallo.
    Ein schöner Artikel von dir.
    Eine Breitenförderung in der Musik ist auf jeden Fall unabdingbar.
    Diese sollte schon möglichst früh beginnen.
    Wie du so schön beschrieben hast führt Musik zu mehr Kommunikation untereinander, die Konzentrationsfähigkeit steigert sich, Musik öffnet Grenzen.
    Erwiesenerweise haben Kinder die schon früh damit anfangen ein Insrument zu spielen weniger Schwierigkeiten in der Schule!
    Wobei eine Breitenförderung eine Spitzenförderung nicht unbedingt ausschließen muss.
    Wichtig ist, dass die „Breite“ bzw. die große Masse dabei nicht vergessen wird!

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