Capella und Finale – Vergleich der Notenbearbeitung

Nachdem ich mich  jetzt ein bisschen eingiebiger mit Finale befasst habe, kann ich etwas mehr zu den Unterschieden zwischen den beiden Systemen sagen, als in Teil 1 des Vergleichs.

Im ersten Schritt habe ich versucht, eine Partitur mit Finale einzuscannen. Es zeigte sich leider, dass die Installation eines Mehrfunktionsgerätes von Brother (Fax, Telefon, Drucker, Scanner und Kopierer) den schon zuvor installierten Finale-Scannertreiber irgendwie zerstört hatte. Das heißt, das Einscannen aus Finale heraus funktionierte gar nicht. Aber Finale kann als Alternative auch eine tiff-Datei einlesen. Also habe ich mit dem Brother-Treiber eine Seite gescannt und als Tiff gespeichert. Die Datei selbst zeigt ein recht deutliches Notenbild. Dennoch hat Finale leider so gut wie nichts korrekt erkannt. Meine Erfahrungen mit Capella Scan sind da deutlich besser. Bleibt zu vermuten, dass nur die Light-Version so schlecht arbeitet, damit man motiviert ist, ein upgrade anzuschaffen. Außerdem ist denkbar, dass der handschriftartige Satz das Scannen erschwert oder die Auflösung noch nicht optimal war.
Partitur

Ich habe dann einfach die Noten von Hand eingegeben, eine gute Möglichkeit, das Programm besser kennenzulernen.

Beide Anwendungen (Capelle und Finale) unterscheiden sich in der Grundphilosophie. Für Finale ist ein Takt eine feste Einheit. Beim Anlegen einer Partitur wird ein Takt immer als Pausentakt angelegt, die ganztaktige Pause kann dann mit Noten überschrieben werden. Muss später etwas geändert werden, dann muss man erst mal was löschen, um Platz zu schaffen. Gibt man beim Schreiben von Noten eine Note ein, die in den Takt nicht mehr hineinpasst, so wird sie über den Taktstrich hinweg mit einem Haltebogen notiert. Der Takt stimmt immer.

Wenn man bei Capella zu viele Schläge in einem Takt angibt, dann markiert Capella den fehlerhaften Takt farbig. Wenn der Cursor irgendwo zwischen den geschriebenen Noten steht und man gibt neue Töne ein, dann wird alles danach einfach verschoben.

Beide Philosophien haben ihre Vor- und Nachteile. Bei Capella kann man leicht mal versehentlich alles durcheinanderbringen, wenn der Cursor nicht an der richtigen Stelle steht, bei Finale ist es schwer, nachträglich Fehler auszubessern (jedenfalls für den Anfänger).

Die Regelung zur Eingabe von Vorzeichen ist ebenfalls in beiden Systemen geregelt. Gemeinsam ist beiden die erforderliche Tastenkombination: + setzt ein Kreuz, – ein B. Der erste auffällige Unterschied (der den Wechsler leicht Fehler machen lässt), ist die Reihenfolge. Bei Capella muss man erst das Vorzeichen eintippen, dann die Tonhöhe. Bei Finale ist es genau umgekehrt. Noch gravierender empfinde ich aber die Logik, die bei Capella verlangt, den klingenden Ton einzugeben, bei Finale dagegen den geschriebenen. Das klingt erst mal schwer verständlich, heißt aber im Fall von im Takt vorgezeichneten Versetzungszeichen, dass bei Capella das Versetzungszeichen für jeden Ton im Takt anzugeben ist, auf den das Vorzeichen zutrifft (man tippt, als ob man es spielen müsste). Bei Finale dagegen gibt man ein, was man auf dem Papier sieht (wie abschreiben oder sogar abmalen). Das heißt, man gibt ein zusätzliches Versetzungszeichen ein, wenn es notiert ist, bei Wiederholung des modifizierten Tones nicht noch einmal. Das bedeutet, bei Capella wird bei Tonwiederholungen, zu denen ein Versetzungszeichen nicht erneut angegeben wird, ein Auflösungszeichen setzen. Finale dagegen macht bei erneuter Eingabe eines bereits einmal im Takt vorkommenden zusätzlichen Vorzeichens eine Verdoppelung daraus. Tricky!

Die Nachbearbeitung von Noten, das heißt das Setzen von Dynamik, Artikulationszeichen und anderen Anweisungen, habe ich in Capella meist weitgehend per Tastatur erledigt. In Finale gelingt mir das noch nicht und ich bin auch nicht sicher, ob es überhaupt möglich sein wird. Finale bevorzugt für viele Aktionen den Doppelklick. Man wählt ein Werkzeug und wendet es über Doppelklick an. Ich brauche auf diesem Weg relativ lang um alle Einträge vorzunehmen. Schön ist, dass die Positionierung von Dynamik, Bögen etc. tatsächlich recht sauber erfolgt und mir scheint, die resultierende Partitur sieht auch dank dieser Ordnung etwas professioneller aus, als die Seiten, die ich mit Capella gestaltet habe.

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