Woran erkennt man einen guten Querflötenlehrer?

Wie schon häufiger angemerkt bin ich ein absoluter Verfechter von Unterricht. Dennoch besteht immer das Risiko, durch einen schlechten Lehrer mehr kaputt zu machen als Freude am Instrument zu wecken. Woran erkennt man also einen guten Lehrer?

Ich denke, es gibt verschiedene Arten von „guten“ bzw. „schlechten“ Lehrern. Zum einen gibt es natürlich Fälle, in denen ein Lehrer selbst nicht spielen kann oder zumindestens nicht gut. Es gibt Lehrer, die falsches lehren. Das ist in jedem Fall natürlich von Übel. Daneben gibt es aber auch Lehrer, die sehr gut spielen, es aber nicht vermitteln können. Entweder, weil ihnen hierfür passende Worte, Techniken und Bilder fehlen, oder weil sie kein wirkliches Interesse daran haben.  Und dann gibt es noch den Fall, dass ein Lehrer alles richtig macht, aber nicht zum Schüler kompatibel ist. Und, ganz wichtig, ein Lehrer, von dem man vieles gelernt hat, kann irgendwann nicht mehr der richtige sein, weil sich das Lehrer-Schüler-Verhältnis mit der Zeit abnutzt.

Ein aus meiner Erfahrung wichtiger Rat ist daher auch der rechtzeitige Wechsel des Lehrers.

Ich bin der Ansicht, ein Lehrer sollte das Instrument, das er lehrt in jedem Fall unbedingt selbst beherrschen. Auch dies ist leider keine Selbstverständlichkeit. Zum zweiten muss zwischen Schüler und Lehrer eine Art Sympathie und auch gegenseitiger Respekt herrschen, sonst wird der Unterricht nichts bringen. Ein Lehrer, der ausschließlich unterrichtet, um davon zu leben und keinerlei persönliches Interesse am Fortkommen des Schülers hat, wird wohl häufig auch nicht viel zum Lernen beitragen können.

Ich bin der Ansicht, dass es für die wichtigen Qualitäten eines Lehrers verschiedene Gewichtungen gibt, je nachdem, wie weit ein Schüler ist. Für den Anfänger ist es wichtig, nichts wirklich falsches zu lernen und eine Bindung zum Instrument zu entwickeln. Bei Kindern heißt das auch eine Begeisterung für das Spielen zu wecken. Das hat hier auch viel mit Sympathie und mit Freude am Spielen zu tun. Je älter und je fortgeschrittener die Schüler werden, desto wichtiger ist die Systematik des Unterrichts und eine gewisse Forderung und Förderung durch den Lehrer. Auch die Arbeit an Literatur und die Möglichkeit zum Vorspielen finde ich mit wachsendem Können wichtiger. Bei Jugendlichen spielt Ensemblespiel mit Gleichaltrigen hier auch eine sehr große Rolle, um gerade über die Pubertät hinweg, die Musik weiterhin als selbstverständlichen Lebensanteil zu erhalten.

Bei Erwachsenen ist es wichtig, dass die Randbedingungen (Uhrzeit, Häufigkeit, Flexibiltät und Zahlungsplan) des Unterrichts zum eigenen Lebensstil passen, sonst ist das Vorhaben Unterricht sofort zum Scheitern verurteilt. Je stärker die Bindung zum Instrument ist, desto weniger sollte die Sympathie für den Lehrer eine Rolle spielen, da ein erwachsener Mensch in der Lage sein sollte, auch gegen die eigene Neigung den Nutzen des Unterrichts erkennen zu können. Für alle, die schon eine gewisse Selbsteinschätzung Ihres Spiels haben, ist außerdem wichtig, dass der Schwerpunkt des Unterrichts sich mit den eigenen Interessen und Bedürfnissen deckt.

Wichtig ist, zu verstehen, dass es nicht „den guten Lehrer“ gibt, sondern es sich um eine Beziehung handelt, die durchaus von Mensch zu Mensch verschieden gelingen kann. Darum muss ein mündiger Schüler auch selbst entscheiden, ob und wie lange er einem Lehrer treu bleibt (Ausnahme ist natürlich die Beziehung zwischen Student und Professor, wo ein Wechsel unter Umständen viele Schwierigkeiten mit sich bringen kann). Musik ist stark mit Persönlichkeit und Gefühl verknüpft. Daher kann auch der damit verbundene Lernprozess meiner Ansicht nach nur in einem menschlich angenehmen Klima wirklich funktionieren. Daher möchte ich auch Eltern ermutigen, andauernde Unlust des Kindes oder häufige Beschwerden ruhig ernst zu nehmen und nach Alternativen Ausschau zu halten oder/und das Gespräch mit dem Lehrer zu suchen (ich konnte nie verstehen, dass so viele Eltern ihre Kinder einmal die Woche zum Unterricht schicken, ohne den dort auf die Kinder wartenden Menschen auch nur einmal kennengelernt zu haben).

Für funktionierenden Unterricht halte ich es für besser, wenn Eltern nicht permanent im Raum anwesend sind (außer das Kind fürchtet sich, aber das spricht dann wohl dafür, dass es der falsche Lehrer ist).

Für mich sind wichtige Qualitäten eines guten Unterrichts, dass ich mich auf jede Stunde freue, dass ich nach jeder Stunde das Bedürfnis habe, das Gelernte und Gehörte auszuprobieren, dass ich das, was ich gehört habe in meinem Musizieren auch bei anderen Stücken nutzen und einsetzen kann, dass mein musikalischer Horizont durch den Unterricht erweitert wird (neue Literatur und zusätzliche Informationen), dass möglichst alle Bereiche des Flötenspiels zum Tragen kommen (musikalische Arbeit, Fingertechnik, Ansatz, Atmung, Haltung) und insbesondere das Wechselspiel dieser Bestandteile erkannt wird.

Mich irritiert es, wenn die Information einer Stunde derjenigen einer anderen Stunde diametral entgegengesetzt ist. Ich mag es, wenn ich auch verstehen kann, warum ich etwas tun soll und nicht nur Vorgaben erhalte, was zu tun ist (z. B. Herleitung von Betonungen oder Spannungsbögen aus der Harmonik, stilistische Details eingebettet in musikhistorische Tatsachen, Zusammenhang zwischen Physiologie und Klang etc.).  Ich wünsche mir von meinem Lehrer, dass er mein Empfinden eigener Schwachpunkte in seiner Unterrichtsgestaltung berücksichtigt.

Ein ganz besonderer Glücksfall ist es dann, wenn ein Lehrer auch noch selbst die geübte Literatur am Klavier begleiten kann. Aber erwarten sollte man das nicht, es ist die Ausnahme (und das hier ein freundlicher Gruß in Richtung Karl Strobel).

9 Gedanken zu „Woran erkennt man einen guten Querflötenlehrer?“

  1. Liebe Susanne,
    das finde ich ulkig. Ich selbst liebe Klarinette und gehe auch freiwillig in Konzerte. Wenn das tatsächlich so ist, dann liegt es vermutlich irgendwie an den Frequenzbereichen und der Hüllkurve. Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich nicht streiten…..

    Viele Grüße

    Claudia

  2. Liebe Susanne,
    herzlichen Dank! Ich freue mich immer riesig, wenn ich was von den „Besuchern“ lese. Wenn es dann noch so freundlich und positiv ist, umso besser 🙂
    Ich habe nur ca. alle 8 Wochen mal Unterricht. Aber das ist trotzdem eine echte Bereicherung. Aber auch bei mir gab es häufig und auch längere Phasen ohne Unterricht. Wer nicht so viel Zeit hat, hat eventuell mehr davon, die dann in ein Kammermusik-Ensemble zu stecken.
    Herzliche Grüße
    Claudia

  3. Liebe Claudia, was für eine schöne Seite für Querflöten-Fans und was für ein detaillierter und ausgewogener Artikel über Querflöten- und sonstige Insturmentallehrer. Vieles davon habe ich selbst erlebt, Du hast es sehr treffend geschildert. Ich habe mir erst mit Anfang 30 den Wunsch erfüllt, Querflöte zu lernen, und mit meinen beiden Lehrerinnen – eine eineinhalb Jahre, die andere viereinhalb Jahre – sehr viel Glück gehabt. Sie haben ein ausgewogenes Verhältnis zwischen dem Üben von Blastechnik, Geläufigkeit und Musizieren gefunden, von dem ich noch heute zehre. Leider habe ich keine Zeit mehr, um Unterricht zu nehmen. Doch das Erlernte reicht immer noch zum Spaß am Spielen.

    Liebe Grüße,
    Susanne (PS: Gucke jetzt öfter hier vorbei).

  4. ich bin querflötenlehrerin – schon lange und je länger, je lieber…
    querflöte spielen geht ab 6 jahre – gebogenes kopfstück ist dann nötig oder kinderflöte – preise ab 350 euro – üben geht leider nur direkt, akustisch (nicht mit kopfhörer oder knopf zum leise schalten) – querflöte ist nicht besonders laut – aber üben, wenns die nachbarn stört, das geht irgendwie nicht, da bin ich ja dauernd im stres…
    ich empfehle, wenn mans autodidaktisch machen will, trotzdem mal irgndwo ein paar stunden unterricht – falsch erlerntes ist sehr schwer umzulernen – mechthild roller

  5. Hallo,

    mir ist da nichts bekannt. Das Problem ist wohl, dass der Klang aus „allen Löchern“ kommt, das heißt, verteilt über das gesamte Instrument. Und Blasen muss man, das ist ja das wesentliche beim Üben. Der Ton entsteht dann und man kann ihn nicht mehr richtig fangen. Bei elektrischen Geigen lässt man wohl einfach den Resonanzraum weg (so wie bei E-Gitarren). Dann ist der Ton nur ganz leise. Aber man kann eine Flöte ja nicht zustopfen, dann kann man auch das Spielgefühl nicht üben. Ich glaube, das ist aussichtslos. Es gibt ja Midi-Saxophone…. aber ich glaube nicht, dass man auf denen Üben kann, wie man Saxophon spielt. Aber vieleicht ist da ja jemand besser informiert als ich und klärt uns mal richtig auf…..

    Claudia

  6. Hallo !

    Ich hacke mir hier kurz ein. Ich finde das Instrument interessant. Ich spiele z.B. E-Gitarre. Da kann man viel mit Kopfhören machen und es beschwert sich keiner. Gibt es etwas ähnliches für eine Querflöte ? Ich habe schon elektrische Geigen gesehen !

  7. Hallo Thomas,

    selbst hab ich mit etwas über neun angefangen. Dritte oder vierte Schulklasse geht in jedem Fall. Mit einem Instrument mit gebogenem Kopf geht es auch früher. Das einzige Kriterium ist, dass das Halten nicht zu anstrengend ist (wegen dem Hebel), finde ich. Ansonsten, anfangen, wenn der Wunsch danach besteht. Mit Schülerflöten bin ich nicht auf dem Laufenden. Für etwas über 500 Euro bekommt man auf jedenfall was sehr gutes. Zum Ausprobieren ist Mietkauf eine gute Idee. Beim Ausleihen an der Musikschule muss man immer bisschen aufpassen, die Flöten sind häufig fast schon Schrott. Es gibt massenweise neue Firmen, die sich auf Schülerflöten spezialisiert haben, da würde ich mal gucken. Ein Beispiel ist Viento (http://www.viento-querfloeten.de), mit denen hatte ich schon mal losen Mailkontakt, das klang alles ganz vernünftig. Ich würde vermuten, dass man auch für 200 oder 300 schon was spielbares bekommt. Wichtig finde ich, dass jemand, der schon spielen kann (der Lehrer?) das Ding probiert vor dem Kauf. Nicht dass ein Kind den Spaß verliert, weil die Tröte nicht funktioniert….

    Viel Erfolg! und dem Nachwuchs ganz viel Spaß!

    Liebe Grüße

    Claudia

  8. Hallo !

    Erstmal danke für eine Tipps. Was wäre eigentlich allgemein ein gutes Alter um mit dem spielen zu beginne und was sollte man min. in eine Querflöte investieren, damit man was gutes hat und schauen kann ob das Kind Spaß damit hat ?

    Danke und Gruß

    Thomas

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