In den 80-ern war dieses Buch, soweit ich mich noch erinnern kann, eine völlige Neuheit. Dieses Werk geht in der Tat sehr strukturiert und wissenschaftlich an das Thema und steht damit in starkem Kontrast zu den bis dahin erschienen Büchern, die größtenteils auf Erfahrungen von altgedienten Flötisten beruhten und weniger die wissenschaftlichen Grundlagen bemühten.

Ich selbst habe es kurz nach dem Erscheinen (1986) erworben und auch in dieser Zeit gelesen. Jetzt habe ich es wieder hervorgeholt und arbeite mich noch einmal durch. Zu meiner Freude verstehe ich heute mehr und stelle fest, dass ich auf vielen Ebenen doch wohl etwas dazu gelernt habe.

Bisher bin ich mit erst mit dem ersten Kapitel durch „Der Spieler und das Instrument“. In vielen Punkten möchte ich Herrn Richter laut zustimmen. Erstens denke auch ich, dass das Flötenspiel an sich ein sehr dynamisches und damit auch anfälliges System darstellt, bei dem sich alle Komponenten gegenseitig beeinflussen. Auch teile ich die Ansicht des Autors, dass die früher sehr übliche Prüfung der körperlichen Tauglichkeit fürs Flötenspiel eigentlich ziemlich überflüssig ist (außer jemand hätte nicht alle zehn Finger oder ähnliches). Der dritte Punkt, der meinen stillen Applaus verdiente, war die Behauptung, dass eine übertriebene Willensleistung, purer Fleiß und das Abarbeiten von irgendwelchen Pflicht-Kontingenten (mindestens 5 Stunden am Tag üben und ähnliches) nicht der Weg zum Erfolg sind. In all diesen Punkten bin ich also überzeugtermaßen der gleichen Ansicht wie Herr Richter.

Allerdings denke ich, dass man durchaus schon früh auf Intonation eingehen sollte. Sicher kann und soll man von einem Anfänger nicht perfekte Intonation fordern. Aber ich denke, man muss frühzeitig auf grobe Intonationsmängel hinweisen und zeigen, was dagegen getan werden kann. Ich denke, aufgrund meiner eigenen Lernerfahrungen und dessen, was ich beim Unterrichten erlebt habe, dass man von Beginn alle Parameter des Musizierens vermitteln und korrigieren sollte. Ich glaube, so lernt es sich leichter, auch bei der Flöte. Die Frage ist, welchen Anspruch man dann stellt. Das Achten auf Intonation, Rhythmus, Klangqualität und -farbe aber sollte man von Anfang an fördern und fordern. Neben dieser einen Abweichung bin ich außerdem der Ansicht, dass Schüler lieber früher als später auch an Vorspielen teilnehmen sollten. Wichtig ist nur, dass die Vorbereitung und die Atmosphäre stimmt.