Was zeichnet einen wahren Meister aus?

Diese Frage beschäftigt die Menschen ja immer wieder und auf allen Gebieten des Lebens. So natürlich auch in der Musik. Ganz besonders scharf und öffentlich war die Diskussion wohl zu Lebzeiten Brahms‘. Zwischen den Anhängerschaften Brahms‘ und Wagners entbrandt ein regelrechter Glaubenskrieg darüber, wer der beiden ungleichen Komponisten nun der wahre Meister sei.

Interessanterweise tendierte Brahms persönlich dazu, allzu scharfe Worte über Wagner zu korrigieren und dessen Leistungen zu betonen, wohingegen Wagner nichts lieber tat, als selber übelsten Spott über Brahms auszugießen.

Ich muss gestehen, ich war kein Wagner-Fan und habe auch nur Parzival bisher ganz gern gesehen. Ich fürchte nur, nachdem ich nun einige seiner Veröffentlichungen und derer seiner damaligen „Jünger“ gelesen habe, wird es nicht mehr viel mehr werden. Natürlich spielt hier auch seine Weltanschauung eine wesentliche Rolle. Der überzeugte Antisemit kann für mich samt seines Werkes nur abstoßend sein. Mit seinen eigenen Texten und einigen Berichten von Zeitgenossen hat sich aber nun ein viel breiteres Bild des Herrn für mich gezeigt, das ich insgesamt als ausgesprochen unsympathisch bezeichnen muss.

Ist die Persönlichkeit des Komponisten wesentlich, wenn man sich mit dessen Musik befasst? Für mich persönlich schon. Warum soll ich mich mit den Ergebnissen eines Kopfes befassen, dessen nicht-musikalische Gedanken ich in Bausch und Bogen ablehne? Es gibt so viel Musik auf dieser Welt…..

2 Gedanken zu „Was zeichnet einen wahren Meister aus?“

  1. Nein, das tue ich nicht. Habe ich auch nicht behauptet, dass ich das tue. Was ich meine ist eher, wenn mir irgendwelche Kenntnisse zur Person vorliegen, die mir den Urheber eines Werkes unsympathisch machen, dann leidet mein Interesse für sein Werk darunter, ebenso meine Begeisterungsfähigkeit. Ich habe den Blog dazu nochmal gelesen und kann da auch nicht viel mehr als das an Aussage finden.
    Es handelt sich ganz klar, wie in allen meinen Artikeln, um meine ganz persönliche Meinung, die man in unserem Land ja glücklicherweise laut sagen (und schreiben) darf. Ich schreibe keinen Aufruf, Wagner nicht mehr zu spielen oder seine Opern zu boykottieren. Ich schreibe lediglich, dass für mich persönlich zu viel Kenntnis von einer Person manchmal zu einem Desinteresse für deren Werke führt. Ich schreibe auch nicht, seine Musik wäre schlecht.
    Gerade im Fall Wagner hatte ich ja vor Jahren Parzival gehört und das hat mich keineswegs dazu animiert, mir mehr von ihm anzuhören, weil es mich eben nicht begeistert hat (Geschmäcker sind bekanntlich verschieden). Nun kam noch die eher zufällige Lektüre zweier seiner Hetzpamphlete dazu und das hat mir den Appetit verschlagen. Mehr habe ich nicht behauptet und geschrieben. Meine ganz persönliche Meinung. Daher muss ich mir leider die Behauptung, ich mache es genau wie er, auch verbitten. Ganz abgesehen vom Inhalt ist mir der Ton Wagners in seinen schriftlichen Aussagen persönlich zuwider. Ein kurzes Beispiel (wohl wissend, dass es aus dem Zusammenhang gerissen steht, jedoch nur auf den Ton bezogen):

    Ihre politischen Erfolge, insofern die der „Wirkung“ Abholden das Feld der Wirksamkeit auf dem Gebiete des deutschen musikalischen Gemeinwesens behaupten, soll uns jetzt nicht kümmern, wogegen die religiöse Entwickelung ihrerer Gemeinde uns interessiert. In diesem Betreff ist nun die frühere, mehr von ängstlicher Befangenheit und selbstbesorgter Bedenklichkeit eingegebene Maxime: „nur keinen Effekt!“ aus einer fast zartsinnigen Klugheitsmaßregel zu einem wirklich aggressiven Dogma erhoben worden, dessen Bekenner mit muckerischer Scheu ihre Augen abwenden, wenn ihnen in der Musik einmal ein ganzer Mann begegnet, als ob si da gar etwas Unzüchtiges gewahren könnten. Diese Scheu, wie sie ursprünglich nämlich nur eigene Impotenz verdeckte, wird jetzt zur Anklage der Potenz, und diese Anklage gewinnt aktive Kraft aus der Verdächtigung und Verleumdung….“

    Ein zweites Beispiel:

    …Mendelssohns großes Wort: „Jeder komponiert so gut er kann“ – gilt als weise Norm, welche im Grunde auch nie überschritten wird. Die Schuld beginnt erst dann, wann man besser komponieren will, als man kann; da dies nicht füglich angeht, so verstellt man sich wenigstens so, als könnte man des; dies ist die Maske. Auch das schadet noch nicht viel; schlimm wird es erst, wann viele Leute – Vorsteher u. dgl. – durch die Maske wirklich getäuscht werden, und etwas Hamburger Festbankette und Breslauer Diplome hieraus hervorgehen; denn diese Täuschung ist nur dadurch zu ermöglichen, daß man die Leute glauben macht, man komponiere besser als andere, welche wirklich gut komponieren

    So, wenn Du meinst, ich mache es genauso, dann zeige mir einen Artikel von mir, in dem ich irgendjemanden derartig runtermache.

    Ich habe noch nicht einmal behauptet mir „nie wieder“ Wagner ansehen und anhören zu wollen. Ich weiß nur, dass mein persönlicher Antrieb, meine Neugier im Moment in dieser Hinsicht ziemlich gegen Null geht. Und ich betone „meine persönliche“. Man mag behaupten, dieser ganze Artikel habe etwas Seelen-exibitionistisches. Das hat er. Haben aber alle. Ich bin einfach ein Mensch, der hier über Dinge zum Thema Musik und/oder Flöte schreibt, die ihn persönlich bewegen. Meine Meinung, mein Geschmack, mein Blog… nicht mehr und nicht weniger.

  2. Befasst Du Dich wirklich erst einmal mit der Persönlichkeit eines Komponisten, bevor Du – bei Wohlgefallen – seine Musik hörst?? Machst Du das auch bei Interpreten? Und wie ist das mit andere Menschen, mit denen Du zu tun hast, oder mit deren Produkten Du zu tun hast???
    Luther liest Du dann sicher auch nicht, der war z. B. auch Antisemit….
    Barenboim sieht das mit Wagner übrigens anders und engagiert sich sehr dafür (und inzwischen erfolgreich), dass er in Israel aufgeführt wird.
    Brahms’s Haltung ist tatsächlich meisterlich – und zu Recht: Wagner hat wirklich tolle Musik komponiert
    Nebenbei bemerkt: Du machst genau das Gleiche wie Wagner….

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