Was zeichnet eine “gute” Notenausgabe aus?

Vielleicht haben sich schon manche gewundert, dass ich im Bereich Noten in den Kommentaren auch auf Papierqualitäten, Ausklappseiten und solche Details eingehe. Das mag vielleicht pedantisch klingen, ist aber, wie ich finde durchaus relevant.

Notenausgaben sind teuer und das Kopieren greift um sich und verschlimmert gleichzeitig die Situation der Verlage und auch der kaufenden Kunden. Ich erwarte daher von einem Verlag auch, dass er alltagstaugliche Ausgaben verkauft. Das heißt, sie müssen zum Üben, mit sich Rumtragen und auch für ein Konzert taugen.

Überformatige Hefte leiden in jeder Tasche, franzen aus und sehen in kürzester Zeit übel aus. Das gleiche gilt für zu weiches oder zu dünnes Papier. Ensemble-Ausgaben ohne Taktnummern oder Buchstaben zeigen, dass der Herausgeber noch nie an einer Probe teilgenommen hat und kosten Stunden für jeden Musiker, die Taktzahlen nachzutragen. Einzelblätter, bei denen Vorder- und Rückseite bedruckt sind, am besten noch mit zweierlei Stimmen, sind eine Aufforderung zum Kopieren. Das gleiche gilt für Ausgaben von schweren Duetten, die nur mit einer einzelnen Partitur daherkommen.

Es gibt derzeit wohl zwei Entwicklungen zu beobachten. Normal-preisige Editionen, die wirklich viel Überlegung und Liebe in ihre Ausgaben stecken und so einen echten Kaufanreiz und Mehrwert bieten und Spareditionen, bei denen nix geboten wird, dafür aber der Preis eine Einladung zum Kauf darstellt. Leider halten sich aber auch noch immer die Dinosaurier unter den Notenverlagen mit teuren oder normal-preisigen Ausgaben, die nichts oder schlechtes bieten.

In die letzte Kategorie fällt leider häufig auch der teure französische Verlag Leduc, der zwar meist ordentliches Papier anbietet, das war es aber auch. Ältere Ausgaben sind auch noch überformatig, Erläuterungstexte sind in der Regel Fehlanzeige und die Ausgaben zählen zu den teuersten überhaupt. Man kommt ja nicht drum rum, da viele französische Komponisten nur über Leduc erhältlich sind. Monopol heißt sowas wohl…. schade!

Ich kaufe gerne Noten und würde mich schon als Sammler bezeichnen. Manchmal ist es eine echte Freude, ein neues Schätzchen zu sehen und dabei auch erkennen zu können, dass da Herz und Verstand am Werk waren. Manchmal hat man aber leider auch das Gefühl, abgezockt zu werden. Ich finde, diese Eindrücke sind es wert irgendwo publik gemacht zu werden. So entstehen also die „materiell“ orientierten Kommentare hier…..

Zu den „Guten“ gehört für mich der Zimmermann-Verlag, der mit einem Duo von Jensen bei mir die Frage ausgelöst hat, ob es einen neuen Studiengang „Umblätteringenieur“ oder „Notensatzkonstrukteur“ gibt.

Zu den eher „Unüberlegten“ zähle ich die Phoenix Music mit ihrer Serie Tea Junction. Diese Reihe richtet sich wohl an Musikschüler, kommt aber auf Billigpapier daher, dass Kinderhände nicht überleben wird. Die Schutzhülle aus Kunststoff ist unpraktisch, da die Noten nur schwer rein- und rausgefummelt werden können und nach dem Verteilen der Stimmen ja sowieso nur eine Stimme in der Hülle verbleiben kann. Gleichzeitig klebt das farbig bedruckte Deckblatt am Kunststoff fest und man hat Sorge, die Noten beim Rausziehen zu zerreissen.

Ebenfalls wenig Überlegung zeigte Hal Leonard bei seiner Version der Duette von Villa-Lobos für Flöte und Fagott. Eine einzelne Spielpartitur für ein Stück, das wohl wirklich jeder üben muss. Erwartet der Verlag allen ernstes, dass beide Spieler die Ausgabe kaufen, um nach dem Üben festzustellen, dass das Werk nicht gefällt oder zu schwierig ist?

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