Dieses Konzert heute morgen war ein echtes kleines Ereignis. Glück hatte, wer noch rein kam, ohne vorher reserviert zu hatten. Ausverkauft bis auf den letzten Platz und noch darüber hinaus, es wurden zusätzliche Stühle an den Seiten aufgestellt.

Der helle freundliche Raum in der ServiceResidenz im Bensberger Schloss bot die perfekte Kulisse für ein wunderschönes Konzert. Sheila Arnold am Hammerklavier und Michael Faust auf einem Lot-Flöten-Nachbau (Böhmsystem) der Firma Brannen. Der im ersten Moment für den modernen Hörer ungewohnte, etwas leisere, sanftere Klang der beiden Instrumente wurde in kürzester Zeit zur Gewohnheit und harmonierte perfekt.

Auf dem Programm standen als bekannte Namen Schubert und Böhm, daneben der etwas unbekanntere Ferdinand Ries und der mir völlig neue Wilhelm Wilms. Beide in etwa Zeitgenossen Beethovens und beide aus der Region. Detaillierte Informationen zu Komponisten und Werken finden sich bei Dr. Wieners.

Der Vormittag begann gleich aufregend. Während der ersten Töne des Flötisten ertönte vom Klavier (das von meiner Position schwer einzusehen war) Geraschel. Es gab wohl Probleme beim Umblättern. Faust brach völlig souverän ab und man begann mit einem Lächeln von Neuem. Nach diesem ersten Programmpunkt wurde die Ursache offenbar, die junge Dame, die geblättert hatte, war spontan eingesprungen, da die Erstbesetzung für diesen schwierigen Job, nicht rechtzeitig eintraf (die Räumlichkeiten waren nicht von der Tiefgarage kommend wohl nicht so einfach zu finden). Natürlich gab es für diesen Ersthelfer-Einsatz auch den entsprechenden Applaus. Ich glaube, ich hätte mich das gar nicht getraut.

Beim dritten Programmpunkt setzte das Klavier an, der Flötist blickte etwas irritiert und schon nach kaum einem Takt wurde wiederum abgebrochen. Auf dem Pult lag das falsche Stück, wenn auch vom richtigen Komponisten. Zudem wurde der Solist an zwei, drei Stellen von kurzem Husten geplagt. Alles in allem also etwas erschwerte Bedingungen, die wohl manche weniger routinierte und professionelle Musiker aus dem Tritt hätten bringen können.

Nicht so bei diesem Duo, das das gemeinsame Spiel schlicht zu genießen schien. Musikalisch wurde geflirtet, dazwischen auch mit Blicken das Publikum in die Kommunikatione mit einbezogen. Der Solist sang Passagen des Klaviers stumm mit und lebte die Musik auch in Gestik und Mimik voll aus. Schauspiel und Entertainment eben so sehr, wie musikalische Meisterleistung.

Was sich aufgrund der überdurchschnittlichen Zahl von kleinen Pannen vielleicht nach einem etwas chaotischen Morgen anhört, war der reine Genuss. Beide Musiker brillierten mit technisch perfektem Spiel und musikalischem Ausdruck vom Feinsten. So drückte sich die Professionalität nicht alleine in der Perfektion aus, sondern vor allem in der Bereitschaft an die Grenzen zu gehen. Unfassbar leise, sehr laut, ins Unendliche gedehnte Schlussphrasen am Klavier, die einen den Atem anhalten ließen.  Das Wagnis verlangte gelegentlich Tribut, wenn die Flöte nicht auf Anhieb sondern erst durch Korrektur die Intonation erwischte, ein Ton nicht ansprach oder beide rhythmisch nicht 100%ig zusammen kamen. Diese Feinheiten störten jedoch zu keinem Zeitpunkt sondern trugen nur zu dem lebhaften Eindruck bei, der den Zuhörer Zeit und Raum vergessen lassen konnte. Ein Rundum-Genuß gekrönt durch die vom Solisten auswendig vorgetragenen Variationen über „Trockne Blumen“. Man fragt sich, ob ohne die offensichtliche Erkältung von Michael Faust, das ganze noch besser hätte werden können.

Vielen Dank! Da bin ich wirklich froh, dass ich mich aufraffen konnte, an einem Sonntag meinen Wecker zu stellen um mich in Richtung Bergisches zu bewegen.