Vertriebspolitik

Sie lassen mich nicht los, die Notenverlage dieser Republik. Kürzlich habe ich im Antiquariat eine Orchesterausgabe eines Flötenkonzerts erworben. In der Hülle mit den Einzelstimmen lag ein Blatt, auf dem der Herausgeber für Verständnis dafür warb, dass keine Einzelstimmen mehr zu erwerben seien, sondern stets ein kompletter Satz von Ergänzungsstimmen gekauft werden müsse.

Bei einer anderen Orchesterausgabe liegt keine Solostimme bei, stattdessen muss man sich für eine Aufführung die Ausgabe für Solo mit Klavierauszug kaufen. Stimmen sind auch hier nicht einzeln erhältlich.

Bei Kammermusikausgaben hatte ich dieses Thema ja schon mehrmals. Auch hier sind in der Regel eher keine Ersatzstimmen erhältlich (oder nur für absolute Fantasiepreise).

Was versprechen sich Verlage von dieser Vertriebspraxis? Kopieren ist nicht erlaubt, was ja auch korrekt und verständlich ist. Wenn man aber ganz brav die Stimmen, die man benötigt, käuflich erwerben möchte, werden einem Steine in den Weg gelegt oder man wird zur Anschaffung von Paketen genötigt, die man gar nicht braucht. Glauben die Verlage in der Tat, dass sie damit die Quote der illegalen Kopien verringern können? Es kann doch nicht so schwer sein, eine Einzelstimme zu verschicken. Man kann Porto und Verpackung ja ganz offiziell abrechnen.

Ich bin in der Tat ein sehr korrekter Notenbesitzer. Ich kaufe geradezu massenweise, wie auch die Auflistung auf dieser Website zeigt. Ich gebe Originale an Mitmusiker raus, weil ich das Kopierverbot respektiere, keine gute Kopiergelegenheit habe und auch das Spielen aus Originalen selbst bevorzuge (keine Zettelwirtschaft, ordentlich geheftet, in der Regel gutes Papier, Eintragungen sind auch beim nächsten Üben noch verfügbar). Und wenn, was glücklicherweise selten ist, dann mal was verschütt geht, werde ich für diese „Gesetzestreue bestraft“, in dem man mich zwingen möchte, die komplette Ausgabe nochmal ganz zu kaufen. Das ist fast wie ein Auto, dass man bei Defekt wegwerfen muss, weil es keine Ersatzteile gibt.

Vielleicht liest das ja irgendjemand, der im Verlagswesen arbeitet und erklärt mir, warum diese Dinge so gehandhabt werden, warum Service nur so selten (Ausnahme: Zimmermann) eine Rolle spielt. Selbst die Musikbranche bietet mittlerweile den Download einzelner Tracks von CDs an. Dort hat man sich an aktuelle Entwicklungen adaptiert (wobei der Verlust von Einzelstimmen ja nix neues ist). Ich denke, auch die Verlage und Notengeschäfte müssen irgendwie zu einer anderen Umgangsweise mit diesem Thema kommen, wenn sie eine Zukunft haben möchten. Ich jedenfalls bin schon einige Zeit verwundert und in letzter Zeit schon eher verärgert…..

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