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Gestern Nachmittag haben wir mit unserem Flötentrio unsere Premiere gegeben. Anlass war ein Benefizkonzert zugunsten der Erdbebenopfer in Italien (genauer Finale Emilia). Initiator war der Kirchenmusiker der Veranstaltungsgemeinde in Leverkusen-Opladen, der selbst aus der Region stammt. Das Verbindungsglied, über das wir dazu kamen, da mitzumachen, war unser Quintett-Oboist, der eigentlich bei eben unserem Quintett angefragt hatte, ob wir mitmachen würden. Aber wie das so ist bei kurzfristigen Terminen, zwei hatten keine Zeit. Ich eigentlich auch nicht, denn wir hatten eine lange vereinbarte Trioprobe.

Ich fand die Idee aber so gut, dass ich einfach vorschlug, statt zu proben doch mitzumachen. Sowohl auf Seite des anfragenden Kollegen als auch auf Seiten meiner Mit-Triolinnen wurde genickt und so haben wir unsere letzte Probe vor zwei Wochen auf die Stückwahl verwendet. Zur Auswahl boten wir an: Trio von Mattheson (Barock), ein paar einzelne Sätze von Mozart (aus einer Sammlung von Menuetten, Largos etc.), Vier Miniaturen von Berthomieu und zwei Sätze aus dem Tcherepnin-Trio.

Die Wahl des Programmgestalters fiel auf Berthomieu und Mozart, da Barock schon reichlich geboten wurde und der Tcherepnin als vermutlich zu schräg eingeschätzt wurde (ein Glück, sonst hätte ich noch richtig üben müssen :)).

Nach reichlich Mailverkehr zur Abstimmung von Zeit, Ort, Parkmöglichkeiten und Garderobe traten wir dann gestern um 13.30 Uhr zum An- und Einspielen an. Die Kirche (St. Remigius in Opladen) war groß, hell und freundlich. Auf diesen einladenden Eindruck bereiteten einen zahlreiche geöffnete Schranken zu sämtlichen auf dem Gelände befindlichen Parkplätzen vor (super!). Auch alle da herumspazierenden Menschen waren ausgesprochen freundlich und ich fühlte mich spontan gut aufgehoben.

Das Konzert wurde mit einer freien und sehr persönlichen Ansprache des Organisten mit Wurzeln in der betroffenen Region eröffnet. Dann folgten Orgelwerke von lokalen Komponisten (Erdbeben-lokal, nicht Opladen-lokal), der Kirchenchor Cäcilia Opladen, mehr Orgel und ein weiterer „junger“ Chor, eine gemischte Besetzung (Ensemble Flautinello) mit Blockflöten, Oboe und Fagott (die die Barockepoche belegte) und dann wir…..

Ein bisschen nervös war ich mittlerweile schon. Schlecht eingespielt, weil zuvor aufgrund einer Bauspiele in den umliegenden Einbahnstraßen verirrt und schlecht vorbereitet (falsche Stimme für Mozart mitgebracht und beim Einspielen noch gewechselt). Wir traten also auf, stimmten ein bisschen (hat nicht so richtig viel geholfen bei den kalten Instrumenten) und legten los. Offensichtlich kam es gut an, massenweise Applaus schon nach dem Mozart und noch mehr nach dem Berthomieu.

Nach dem abschließenden Orgelwerk, das hervorragend zu unseren eher unterhaltsamen Stückchen von Berthomieu passte, folgte eine kurze Ansprache des Pfarrers der Gemeinde. Auch hier wieder der Eindruck eines sehr offenen, freundlichen und patenten Menschen. Spontan sympathisch, wie alle Bestandteile dieser Gemeinde, die ich gestern kennenlernen durfte.

Anschließend gab es Kaffee und Kuchen im benachbarten Gemeindehaus. Der Andrang war ungeheuerlich, die große Kirche zuvor wirklich gut gefüllt, und alle wollten wohl auch noch den Kaffee mitnehmen. Lange Schlangen am feudalen Kuchenbuffet mit zahllosen selbstgemachten Leckereien. Sitzplätze und Kaffee waren Mangelware, aber der abgedeckte Flügel diente als stilvoller Stehtisch. Für unglaubliche 2,50 Euro gab es zwei Stücke Kuchen und Kaffee (wenn denn einer zu bekommen gewesen wäre) und  der Nachmittag klang mit vielen netten Gesprächen aus. Noch nie habe ich so viel positives Feedback nach einem Konzert erhalten. Fast jeder dem man begegnete war voll des Lobs und der Begeisterung. Sehr, sehr nett und motivierend.

Nachdem ich meine letzten alten Visitenkarten (falsche Adresse, ungültige Festnetznummer) unters Volk gebracht hatte, musste ich abends erst mal neue bestellen (ist doch viel einfacher als selber drucken). Heute kam dann noch eine Notenbestellung hinterher. Und jetzt sind wir sehr gespannt, ob wir denn tatsächlich wieder angerufen werden. Egal ob oder ob nicht. Es war ein wirklich sehr schöner Nachmittag und es hat viel Freude gemacht, mal wieder auf unbekanntem Terrain unterwegs zu sein. So viele nette und offene Menschen und so viel Musik und das dann noch für einen guten Zweck. Und damit der nicht zu kurz kommt, hier noch eine Möglichkeit, auch ohne beim Konzert gewesen zu sein, den traurigen Zweck zu unterstützen: Da ich nicht weiß, ob ich die Bankverbindung für Spenden so einfach veröffentlichen darf, bitte bei Spendenabsicht einfach bei mir melden, ich gebe dann die Daten durch oder vermittle nach Opladen.

Danke, dass wir mitmachen durften und herzlichen Dank für diese mehr als freundliche Aufnahme!

Tage wie dieser…..

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Heute ein Mittwoch, der eigentlich ein Montag ist. Nach extra langem Wochenende (letzter Arbeitstag war Donnerstag, dank Kingma-Ausflug, Brückentag und Allerheiligen) bin ich extra etwas früher aufgestanden, weil mein Gleitzeitkonto gähnend leer ist und mit einer Probe heute um halb sechs, einer Probe morgen um halb acht und einer weiteren am Freitag um halb acht schon sehr fest steht, dass ich eigentlich jeden Tag eher Miese mache als mal wieder etwas Zeit zurückzulegen.

Die Motivation dümpelte heute morgen irgendwo im bodenlosen. Die Aussicht auf diese Restwoche inklusive Wochenende und nächster Woche (Samstag Probe, Sonntag Konzert, Montag bis Donnerstag Probe, Freitag bis Samstag Musical-Konzerte) führte schon in der Perspektive dazu, dass ich mich müde fühlte und tendenziell überfordert, gestresst, gehetzt usw…..

Im Büro bewahrheitet sich eigentlich all das sehr genau, ich komme zu nix, den ganzen Tag von einer Baustelle zur anderen und abends hat man das Gefühl, eigentlich nix geschafft zu haben. Na toll. Dann um halb fünf nach Hause, Noten und Flöte packen, ab ins Auto und zur Probe. Ich bin einfach nur müde und habe das Gefühl, mir diese einfach nur fürs private Vergnügen angesetzte Probe hätte ich mir vielleicht in dieser Woche einfach schenken sollen. Naja, es ist wie es ist, also los und versuchen, halbwegs pünktlich zu sein.

Ich hole also meine liebe Mitmusikerin ab, sie wirkt auch einigermaßen abgehetzt, die bessere Hälfe mosert ungebremst von wegen schon wieder eine Probe und das Frauen immer unterwegs sein müssen etc. Wir verhandeln also, dass wir heute eigentlich beide nicht so lange können und wollen, weil alles liegen bleibt und wir uns beide irgendwie fragen, wie wohl dieser Termin überhaupt zustande gekommen ist.

Fünf Minuten später Ankunft bei der dritten im Bunde, Standort des Flügels und unser Proberaum mitten im Wohnzimmer der durchaus lebhaften Familie. Wir klingeln, die Tür öffnet sich und wir blicken in verwunderte Augen: ach, wollten wir heute proben? Ups…… passt es denn? Ja klar, eigentlich sollte ich einkaufen, aber ein bisschen spielen können wir schon.

Irgendwie war ich da zunächst etwas beklommen und wunderte mich, alle drei haben eigentlich keine Zeit, irgendwie klemmt die Probe quer im Zeitplan unserer jeweiligen Woche wie eine Gräte im Hals. Aber nun sind wir schon hier, also wollen wir ein bisschen spielen….

Und was passiert? Eine Traumprobe, gemeinsame Gestaltung, stimmige Intonation, der Klang mischt sich und es macht sich eine wohlige herbstliche Wärme im Gemüt breit. Ist das schön. Ist das unglaublich. Letztes mal ging das doch alles nicht, da fand ich den Einsatz nach der Pause nicht, verstand nicht, wie das alles zusammengehört, da schrillten die hohen Töne zwischen Flöte und Klarinette und nichts wollte so ganz passen. Heute aber, mit drei gestressten Köpfen, die zuvor eher ein wenig widerwillig den Weg zueinander fanden, heute spielen wir blind wie einer, musizieren wirklich, statt einfach nur zu spielen und es klingt und befriedigt ungeheuer.

Nach ca. anderthalb Stunden sind wir alle drei am Grinsen und machen uns auf zu den wartenden Verpflichtungen (von Tapezieren über Kochen und Einkaufen bis hin zum Bloggen ::-D ) So muss es sein, dafür mache ich Musik.

Und was hat uns heute so bezaubert? Hier das Repertoire der heutigen Trio-Probe (Flöte, Klarinette und Klavier):

  • Schostakowitsch: Vier Walzer (sehr frisch, davon gibts eine wunderbare Aufnahme mit Pahud)
  • Massenet: Under the Linden Trees (wunderbar lyrisch, tiefe Lage für Flöte und Klarinette, sehr herbstlich)
  • Borodin: Solicitude, Nocturne aus dem Steichquartett und Thema aus den Polovtsian Dances (alle drei einfach wunderbar, mit pfiffigen Harmonien und gut gesetzt) und zu guter letzt:
  • Offenbach: Barcarolle (das kennt jeder, muss man nicht viel zu sagen, außer dass ich eine etwas tiefere Lage in der Flöte netter fände. Geschmackssache)
  • Faure: Sicilienne (immer wieder nett und auch ein Klassiker)
  • Harris: Five Waltzes (das schließt sich der Kreis zum Beginn, auch diese sehr pfiffig, leicht schräg und jeder der fünf mit ganz eigenen Einfällen)

Das macht definitiv sehr viel Lust auf mehr und auch auf eine Gelegenheit, mal öffentlich zu werden. Ein sehr passendes Programm für einen adventlichen Nachmittagskaffee oder ähnliches…..

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