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Kürzlich bin ich zufällig über das Musikhaus Schlaile in Karlsruhe gestolpert. Online natürlich. Ich kenne den Laden von gaaaaaanz früher, weil ich da ein paar meiner allerersten Notenausgaben und Flöten-LPs gekauft habe. In meiner Erinnerung war der Laden nix besonderes und schon kurze Zeit später fanden alle derartigen Fischzüge nur noch in Stuttgart statt.

Nun also Schlaile online. Und ich war überrascht, ein wirklich gutes Sortiment hatten die da anzubieten. Die Such- und Filteroptionen finde ich recht übersichtlich, es wird angezeigt, ob die Sachen noch am Lager sind und der Versand ist kostenlos, unabhängig von der Bestellsumme. Das ist alles schon mal ziemlich gut, finde ich.

Ich habe da also was bestellt. Kam dann auch zügig (wenigstens die Hälfte, waren aber auch eher exotische Titel). Leider war bei einer Ausgabe die Flötenstimme fehlerhaft geheftet. Die Heftzwecken sitzen gut 2 cm vom Rand mitten im Notenbild, die Doppelseiten sind dementsprechend schief und krumm und das ganze lässt sich quasi nicht blättern.

Da ich die Noten für eine Probe diese Woche bestellt hatte, habe ich direkt bei Schott angefragt, leider eine Woche keine Reaktion. Darum habe ich dann auch beim Händler das Problem geschildert und nach einer Lösung gefragt, die die Probe dennoch ermöglicht.

Kurz darauf kam dann doch noch eine Antwort von Schott. Sehr kulant und freundlich wurde mir zugesagt, dass sie eine neue Stimme schicken und ich solle die alte einfach wegschmeißen. Ohne irgendeinen Beweis oder so. Ich habe also beim Musikhaus Schlaile Entwarnung gegeben und von dort eine ebenso freundliche Antwort erhalten. Eine der noch fehlenden Ausgaben ist schon auf dem Weg und ich solle zurückschicken, wenn etwas nicht passt. Die 14 Tage Frist würden sie da auch nicht so eng sehen.

Das nenn ich mal eine positive Serviceerfahrung. Oder eigentlich gleich zwei und beide an einem Tag.  . Und Schott hat auch eine gute Figur gemacht (wenn die Noten jetzt auch gut hier ankommen)

Schon vor einigen Wochen habe ich hier  mehrfach über meine Versuche, verloren gegangene Stimmen für Ausgaben beim Verlag nachzukaufen, berichtet. Wie die beiden oben verlinkten Artikel zeigen, mit durchaus unterschiedlichem Erfolg. Zimmermann reagierte mit aller größter Freundlichkeit und verschickte eine Originalstimme sogar kostenlos. Schott erklärte, es sei nicht möglich Einzelstimmen zu verschicken. Nun mein dritter Versuch. Es handelt sich um eine Ausgabe von Simrock, das ist der gleiche Verlag wie bei Bote & Bock bzw. Boosey & Hawkes.

Nach meiner Erfahrung mit Schott und weil das Stück mit der fehlenden Stimme mir außerordentlich gut gefällt, habe ich ausgesprochen freundlich angefragt und auch die Option, Verlagskopien statt Stimmen zu verkaufen, angesprochen. Sozusagen mit Erfolg. Verlagskopien könnte ich erhalten. Es handelt sich um eine einzelne Hornstimme für ein Bläserquintett. Das Bläserquintett als Stimmsatz kann man für nicht ganz 25 Euro komplett kaufen. Der Verlag bietet mir nun überaus großzügig die Hornstimme einzeln als Verlagskopie (also vermutlich nicht einmal gebunden) für 12,40 Euro plus Versand an. :-| Ist das nicht toll? Für alle, die schlecht im Kopfrechnen sind: 25 durch 5 macht genau 5.

Eigentlich bin ich ja quasi noch sprachlos. Ich habe mal gefragt, was für eine Kalkulation da dahinter steht. Bin gespannt, ob ich darauf auch noch eine Antwort bekomme.

Als Fazit bleibt eigentlich nur, bei mehreren verfügbaren Ausgaben, am besten eine von Zimmermann zu wählen, dort scheint der Service in der Tat am besten.

Und mir bleibt nur, zu versuchen, das wunderschöne Quintett von Theodor Blumer, namens Tanzsuite, vielleicht irgendwo gebraucht zu kaufen. Ich habe keine Lust, mich durch eine solche Verlagspolitik dazu nötigen zu lassen, die gleiche Ausgabe noch einmal zu kaufen. Man fragt sich in der Tat, wer sich da noch traut, Originale an seine Mitmusiker zu verteilen und so dem Nicht-Kopier-Gebot zu folgen, wenn bei Verlust einer Stimme keine Chance besteht, für einen angemessenen Preis Ersatz zu erwerben. Irgendwie erscheint mir das ziemlich kurzsichtig von den Verlagsherren.

Kürzlich habe ich über den tollen Service beim Zimmermann-Verlag berichtet. Aufgrund dieser positiven Erfahrung war ich ganz entspannt, als ich kürzlich feststellte, dass in dem Stapel Noten, den ich aus einem Nachlass erworben habe, einzelne Stimmen in der einen oder anderen Ausgabe fehlten.

Locker flockig ein Mail an den Schott-Verlag geschrieben. Leider hieß es hier nur: “Bei uns liegen alle Ausgaben nur komplett auf Lager, Verkauf einzelner Stimmen ist nicht möglich.” Schade auch. Natürlich ist mir auch klar, dass ein Verlag nicht Einzelstimmen rumliegen hat. Andererseits habe ich schon häufig richtig Geld für Verlags-authorisierte Kopien bezahlt. Warum ist man also nicht so schlau, auf diesem Weg ein Geschäft zu machen? Und gibt es bei so einem Verlag gar keinen Ausschuss, der zu übrigen Stimmen führt oder ähnliches? Kann ein Verlag nicht erkennen, dass jemand, der so anfragt einfach auf legalem Weg eine Ausgabe vervollständigen möchte?

Ich jedenfalls fühle mich etwas alleine gelassen und vermutlich nur, weil ein Bearbeiter nicht eben über viel Fantasie verfügt. Sehr schade. Immer wieder werde ich von anderen Musikern gefragt, ob ich bestimmte Ausgaben habe, damit jemand sich eine ihm abhanden gekommene Stimme kopieren kann. Das ist im Grunde illegal. Aber was bleibt einem übrig, wenn Verlage nicht helfen, wenn Stimmen fehlen? Mitmusikern nur Kopien statt Originale geben ist ja genauso illegal.

Es wäre schön, wenn der Service vom Zimmermann Verlag hier ein wenig Schule machen könnte….

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