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Diese Frage beschäftigt die Menschen ja immer wieder und auf allen Gebieten des Lebens. So natürlich auch in der Musik. Ganz besonders scharf und öffentlich war die Diskussion wohl zu Lebzeiten Brahms’. Zwischen den Anhängerschaften Brahms’ und Wagners entbrandt ein regelrechter Glaubenskrieg darüber, wer der beiden ungleichen Komponisten nun der wahre Meister sei.

Interessanterweise tendierte Brahms persönlich dazu, allzu scharfe Worte über Wagner zu korrigieren und dessen Leistungen zu betonen, wohingegen Wagner nichts lieber tat, als selber übelsten Spott über Brahms auszugießen.

Ich muss gestehen, ich war kein Wagner-Fan und habe auch nur Parzival bisher ganz gern gesehen. Ich fürchte nur, nachdem ich nun einige seiner Veröffentlichungen und derer seiner damaligen “Jünger” gelesen habe, wird es nicht mehr viel mehr werden. Natürlich spielt hier auch seine Weltanschauung eine wesentliche Rolle. Der überzeugte Antisemit kann für mich samt seines Werkes nur abstoßend sein. Mit seinen eigenen Texten und einigen Berichten von Zeitgenossen hat sich aber nun ein viel breiteres Bild des Herrn für mich gezeigt, das ich insgesamt als ausgesprochen unsympathisch bezeichnen muss.

Ist die Persönlichkeit des Komponisten wesentlich, wenn man sich mit dessen Musik befasst? Für mich persönlich schon. Warum soll ich mich mit den Ergebnissen eines Kopfes befassen, dessen nicht-musikalische Gedanken ich in Bausch und Bogen ablehne? Es gibt so viel Musik auf dieser Welt…..

Seit einigen Wochen lese ich ein Buch, das mir Freunde geschenkt haben. Eigentlich wollte ich erst eine Empfehlung schreiben, wenn ich ganz durch bin, aber da stieß ich heute im Fernsehprogramm auf einen Beitrag, der mich veranlasst hat, den Tipp doch vorzuziehen.
Das Buch heißt

Konzert für die linke Hand von Lea Singer

Es handelt sich um die Romanfassung der Biographie des Pianisten Paul Wittgenstein, Sohn einer reichen österreichischen Industriellenfamilie und Bruder des Philosophen Ludwig Wittgenstein.

Puristen mögen jetzt sagen, hat ja nix mit Flöte zu tun. Richtig. Aber viel mit Musik. Brahms und Hindemith spielen kleine Nebenrollen und insgesamt zeichnet das Buch ein schönes Bild vom Verhältnis zwischen Mäzen und Künstler, von Wien vor, während und nach dem ersten Weltkrieg und von der Stelle, die Musik in einem Leben einnehmen kann. Das ist natürlich für jeden Menschen verschieden und genau das zeigt das Buch auch. Nebenbei habe ich auch noch viel geschichtliches dazugelernt (was nie meine Stärke war) und es ist sehr schön zu lesen, wie ich finde. Wunderbar verpackte Fakten sozusagen.

Nebenbei handelt das Buch von einer meiner Grundängste, da die Hauptfigur, wie der Titel ahnen lässt, im Krieg einen Arm verliert und seine gerade angebrochene Pianisten-Karriere beendet scheint. Nicht nur das, das Klavierspiel scheint zunächst verloren, wenn einen solch ein Schicksal trifft. Für mich war die Vorstellung, einen Finger zu verlieren oder ähnliches immer ein Horror, da ich nicht ohne Flöte spielen sein wollte. Verstärkt wurde diese Angst durch eine Freundin, die Cello spielte und dann durch einen Unfall die Fingerkuppe des Zeigefingers an der Griffhand verlor. Unvorstellbar! Dieses Buch allerdings macht tatsächlich Hoffnung, der “Held” spielt weiter…. sehr, sehr bewegend wie ich finde……

Der Anlass für diese verfrühte Empfehlung (obwohl ich sicher bin, die zweite Hälfte des Buchs wird genauso fesselnd bleiben) war wie gesagt das Fernsehprogramm. Am 16.9. zeigt der Bayrische Rundfunk um 23:40 Uhr eine Biographie von Paul Wittgenstein, die ich mir sicher ansehen oder aufnehmen werden. Vielleicht kann der filmische Beitrag ja noch den einen oder anderen für das Buch gewinnen.

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