Wie vor kurzem schon mal angemerkt, durfte ich die letzten Wochen mal wieder einen Ausflug in die so genannte “U-Musik” machen…. nicht aufregen, soll nicht abwertend sein. Was ich meine, ist die Reihe von Musical-Konzerten, von denen ich ja schon berichtet hatte. So eine Mugge ist ja etwas reichlich anderes, als Bläserquintett oder Sinfonieorchester. Daher fand ich, dass das vielleicht auch mal ein paar Anmerkungen verdient.

Zunächst ein paar Infos zur Besetzung: wir waren ein Midi-Keyboard (als Orchester), ein E-Piano, Gitarre (je nach Stück akustisch oder E-), ein E-Bass, ein E-Schlagzeug und ich. Und damit eindeutig eine einzelne Flöte als einziger Bläser und einziger wirklich dauerhaft akustisch agierender. Damit was zu hören war und auch der Klang nicht gar so rausfiel, gab es dann ein Mikro. Ein richtig gutes von Neumann.

Das Problem mit Mikro und Flöte ist immer, wo man das Ding hinplatziert. Direkt vor den Mund ist meist keine gute Idee, da immer ein Teil der Luft über das Mundloch weggeht, hat man schnell Strömungsgeräusche, die dann mitverstärkt werden. Wir hatten es diesmal schräg von oben leicht rechts vom Mundloch (je nachdem, wo ich auf die Noten gucken musste in anderem Winkel und in größerer Entfernung). Die Wahl war gut (habe ich mir sagen lassen). Das liegt vielleicht auch daran, dass der Klang der Flöte sich über die Länge des Instrumentes “verteilt” und teilweise auch aus den Grifflöchern kommt.

Die zweite Besonderheit gegenüber einem klassischen Konzert war die Beleuchtung. Dunkel war es und dazu kam gelegentlich noch der Nebel aus der Nebelmaschine zu uns (das stinkt). Zweite technische Ergänzung also eine Pultleuchte. Ich hab da so eine riesige mit länglichen Spezialglühbirnen, die man am Notenständer befestigt (K & M). Das wirklich schöne (und teure) Teil hat zwei Nachteile: ein normaler Notenständer knickt schon mal ein, wenn so ein Dingen dran hängt und außerdem sind die Birnen empfindlich und ebenfalls teuer. Diesmal bin ich also ganz modern auf LED-Technik umgestiegen. Mighty bright mit zwei Schwanenhälsen, in denen jeweils zwei LEDs sitzen und!!! Mit Netzteil!!! Super daran ist, dass man die Dinger so biegen und drehen kann, dass man wirklich alles sieht, auch wenn sich die Noten nicht ganz flach auf den Notenständer packen lassen. Das Ding ist super leicht und der Notenständer damit sehr extrem (ich habe das sogar an der Mappe der Noten befestigt statt am Ständer, hat auch funktioniert).

Soweit die Technik. Nun die Tücke des ganzen. Die Anordnung der Instrumente und Musiker war so (und der Platz so beengt), dass ich kaum Noten und Dirigent im Auge halten konnte. Daher hieß es vier Konzerte lang Kreuz zu verbiegen, Augen zu verdrehen und ständig von Noten zu Chef hin und her gucken. Erschwerend kam dazu, dass der Kopf des Maestro direkt vor einem Scheinwerfer war, Mimik nicht zu erkennen, Blickkontakt unmöglich und Blendung permanent (dafür hatte er eine Art Heiligenschein, toll). Dazu kann ich nur sagen: das funktioniert nicht gut. Muss nächstens unbedingt anders sein.

Musikalisch ist man als einziger Bläser in einer solchen Besetzung sowas wie das permanente Sahnehäubchen. Die Flöte macht Farbtupfer und Ausschmückung. Nicht mehr und nicht weniger. Da heißt es, viel zählen, auf den Punkt einsetzen, viel Charakter im Spiel zeigen und penibel darauf achten, dass man mit den Sängern gut zusammenklingt (INTONATION!!!). Und das auch, wenn die mal nicht stimmen (egal ob rhythmisch oder im tuning). So ein Konzert ist also extrem aktiv zu spielen. Immer am Ball, immer genau hinhören und schnell reagieren.

Neben den Verzierungen enthalten die Flötenstimmen hier auch häufig die Melodielinie, die dann entweder mit einem Solisten oder einer Chorgruppe parallel läuft. Da empfiehlt es sich, gut auf den Text zu hören und an passenden Stellen zu atmen (nicht mitten im Wort). Über das Mikro sind garantiert auch diese Details zu hören.

Stilistisch betrachtet ist von Jazz bis Schmalz da alles dabei. Beim Jazz sollte man sich das aus Big Band Musik bekannte ungleiche Spielen der Achtel aneignen (swingen: doowa doowa…). Viel vom Swing lässt sich über die Luftführung machen (mehr Luft auf betonten Tönen), ein weicher Anstoss macht sich da auch gut. Schlusstöne können mit Glissandi verziert werden. Bei jazzigem Umfeld mit dem nach unten Spielen die Luft reduzieren und es eher verschmiert klingen lassen (aushauchen).

An anderen Stellen begleitet die Flöte (oder dann Piccolo) auch mal eine Art Marschmusik, hier ist natürlich ein härterer Anstoss und zickiger Klang angebracht. Und so kann man den ganzen Abend mit den Klangfarben spielen. Sehr, sehr schön und ein tolles Betätigungsfeld.
Eine