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Musik und Gedächtnis

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Vermutlich kennt das jeder, auch jemand der selbst keine Musik macht. Musik kann Erinnerungen wecken und sogar die Gefühle, die man mal in einer Situation hatte. Ich habe das in letzter Zeit ziemlich häufig in den verschiedensten Zusammenhängen wieder erlebt.

Als kürzlich Whitney Houston starb und schon morgens der Radiowecker ihre Lieder spielte, da bekam ich so ein eigenartiges Gefühl. Das ist die Musik meiner Teenager-Tage, sie wieder zu hören hat ein bisschen meines damaligen Selbstgefühls wieder hochgeholt. Das war eigenartig, aber auch schön.

Heute hatte ich ein ähnliches Gefühl, nur für die Zeit als ich in den zwanzigern war. Heute habe ich mir nämlich eine Aufnahme des Shea Stadion Konzertes von Billy Joel auf Video angesehen. Das ist meine Musik, wenn ich mich von irgendeinem Musiker als „Fan“ bezeichnen würde, dann von ihm. Diesmal kam zu diesem Erinnerungsschwall noch dazu, dass er inzwischen ganz gut gealtert ist. Da sass also ein fast zwanzig Jahre älterer Mann und spielte die Musik von „damals“. Da konnte ich aber sehr deutlich merken, wie viel Zeit seit damals vergangen ist. Ich habe mir fest vorgenommen, die Platten wieder rauszuholen…. schön.

Noch etwas viel besondereres ist aber Musik, die man selbst gespielt hat. Wir haben heute Flute en vacances von Casterede gespielt. Ein wunderschönes Stück. Wir haben das an der Musikschule im Quartett gespielt. Da war ich so zwischen 15 und 17 Jahre alt, ich weiß es nicht mehr so genau. Dann, ca. 10 Jahre später habe ich das wieder in einem Quartett gespielt, in Sankt Augustin. Beim ersten Mal an der Musikschule habe ich die erste Stimme gespielt. Das war damals ganz schön schwierig für mich und ich habe ordentlich geübt, vor allem am vierten Satz. Welche Stimme ich 10 Jahre später gespielt habe, das weiß ich gar nicht mehr. Naja und nun spielen wir es wieder, diesmal im Trio (die vierte Stimme ist sowieso ad libitum). Wir haben uns erst mal alle Stimmen angesehen, um dann heute zu entscheiden, wer welche übernimmt. Was soll ich sagen, die erste lief einfach noch immer. Beinahe ohne Probleme. Alle anderen Stimmen waren mir sehr fremd, obwohl ich definitiv in den 90ern nicht die erste hatte. Aber ich habe keine andere wiedererkannt.  Daran habe ich gemerkt, dass ich damals an der Musikschule wohl wirklich gut geübt habe. Und das hat gehalten, bis heute. Beim Proben kam heute dann so vieles wieder hoch. Ich habe die Gesichter meiner Mitmusiker an der Musikschule wieder vor mir gesehen. Ich konnte mich an den Proberaum erinnern und sogar an meine Haltung den anderen gegenüber, wie die Atmosphäre war bei den Proben und all das. Einfach alles war wieder da…. was Musik so alles bewegt. Und außerdem: wie lohnend wahres Üben doch ist, das hält eine Ewigkeit. Ist das nicht eine wunderbare Motivation?

Und je länger man musiziert, desto mehr akustische Erinnerungen sammeln sich an. Ich habe so oft Besuch von meiner Vergangenheit, wenn ich Pretty Woman im Radio höre oder den Radetzky Marsch oder die Sportpalast-Polka oder Billy Jean von Michael Jackson oder den Dritten Mann aus Harry Lime oder Words oder Africa von Toto oder In the Mood oder Just a Gigolo, oder, oder, oder…. so ist das, wenn man Blasmusik gemacht hat und Tanzmusik und Big Band und Orchester und Kammermusik. Natürlich (und glücklicherweise) sind nicht alle Erinnerungen mit viel Emotion verbunden und manchmal weiß ich auch nur: „das hab ich schon mal gespielt, was ist das bloß?“

Altern mit Musik. Vielleicht nicht immer schön, aber auf jeden fall VIEEEEEEEEEEELLLLLL besser als ohne…..

Das mag vielleicht erst mal komisch klingen, aber das tut man ja ständig, wenn man neue Noten auflegt. Mit manchen Gruppierungen spielt man das dann zum ersten Mal und übt es in der Folge konsequent und manchmal spielt man auch viele verschiedene Sachen durch, um die Literatur kennenzulernen, einfach aus Spaß oder um dann ein Werk zum richtig Üben auszuwählen.

Ein Grundproblem beim Spielen unbekannter Noten in der Gruppe ist die Wahl des Tempos. Nach meiner Erfahrung hat jeder so seine intuitiven Grundtempi für die verschiedenen Bezeichnungen. Dieses automatisch gespielte Tempo beim Alleinespielen muss in der Gruppe natürlich erst mit allen abgestimmt werden. Und das ist nicht immer einfach.  Ich musiziere mit einigen, bei denen die Vorstellung eines Allegro relativ genau mit der meinigen übereinstimmt. Andere Kollegen haben es für mein Gefühl immer ausgesprochen eilig. Jemand deutlich langsameres hatte ich noch nicht, vielleicht bin ich ja einfach schon an der unteren Grenze mit meinem Tempoempfinden.

Seltsamerweise hat das intuitiv angeschlagene Tempo nicht immer etwas damit zu tun, wie gut der Tempomacher dann auch die eigene Stimme in diesem Tempo im Griff hat. Ich für meinen Teil überfliege gern ein Stück zunächst, identifiziere die technisch anspruchsvollen Stellen und versuche dann, mir vorzustellen, wie schnell ich das wohl hinbekommen würde. Das geht am Ende nicht immer auf, weil manchmal die Tücke im Detail steckt, aber es kommt meist in etwa hin um durchzukommen.

Während des Spielens kommt es dann eigentlich immer zu Tempoverlusten. Weil man eben genauer gucken muss, die Läufe nicht gehen oder einfach, weil eigentlich ohne Lampenfieber fast jedes Stück bei uns ein wenig verschleppt. Ich selbst neige dazu, das Tempo zu bremsen zu versuchen, wenn ich merke, dass ein Mitmusiker an einer technisch schwierigen Stelle richtig Probleme bekommt. Ich finde, auch das ist Teil des Begleitens, dass man erkennt, wenn etwas nicht geht und nachgibt. Der „Solist“, der mit der interessanten und/oder wichtigen Stimme, hat das Sagen, daher darf man ihn oder sie nicht hetzen, finde ich. Das ist etwas anderes, wenn man ein Stück probt (unter Umständen). Beim Blattspiel finde ich wichtig, dass jeder das Recht hat, am Ende anzukommen.

Es gibt auch eine umgekehrte Ansicht. Ein Mitmusiker merkt, dass das Tempo nicht mehr stimmt und zieht an. Meist wenn er nicht sooooo viel zu tun hat (einfach, weil er dann überhaupt erst merkt, dass es zu langsam ist und weil er dann gut anziehen kann, unstressigerweise). Das sind die Fälle, in denen die Begleitstimme (mit Nachschlag oder ähnlichen, eigentlich unterstützenden Stimmen) dann den „Solisten“ jagt. Ich sage ehrlich: das hasse ich. Ich finde es unkollegial und auch unmusikalisch. Man kann so etwas absprechen, wenn ein Stück immer im gleichen Teil zu langsam wird und der technisch am meisten geforderte es eigentlich auch schneller könnte. Wenn aber eine Stelle für einen Mitmusiker wirklich an die Grenze des Machbaren geht, dann ist sie eben etwas langsamer, dann muss man danach wieder anziehen (oder man darf eben so ein schweres Stück gar nicht auflegen). Ich finde immer, ein Ensemble muss wie ein Organismus sein. Wir sind dann aber keine Eidechsen, die bei Gefahr einfach den Schwanz abstoßen, nein, wir wollen gemeinsam und am Stück am Ende ankommen (ich jedenfalls).

Meist wenn man dann mit dem ersten Spielen eines Stückes durch ist kommen direkt die ersten Kommentare zum Werk: „Das ist aber schön!“, „Naja, ein bisschen langweilig.“ oder „Das gehört viel schneller, dann wirkt es sicher auch besser.“

Gerade die letzte Phrase höre ich häufig und habe sich wohl auch manches mal selbst ausgesprochen. In letzter Zeit denke ich aber, dass die Stücke, die nur in waghalsigem Tempo anhörbar sind einfach auch schlechte Stücke sind (meistens).  Ich denke auch, dass man die Frage, ob ein Stück durch höheres Tempo gewinnt, leicht schon beim langsamen spielen sicher erkennen kann. Im Regelfall können dutzendfache Wiederholungen eines einfallslosen Themas nicht durch Tempo geheilt werden. Auch Stücke, die ständig alle Stimmen doppeln, gewinnen nicht durch Geschwindigkeit. Zerhackte Kompositionen ohne einen inneren Zusammenhang gehen schneller nur einfach schneller vorüber. Daher tendiere ich jüngstens dazu, das Anliegen, ein Stück „mal im Originaltempo“ zu versuchen, wobei dann aber innerhalb kürzester Zeit vielleicht das Originaltempo, nicht aber die Originalbesetzung verfügbar ist, weil in jeder Kurve ein weiterer Mitmusiker die Rennbahn verlässt, eher abzulehnen. Meistens verschwimmt dann alles, der eine rennt in Balkenpanik los, der andere sieht Sechzehntel und spielt nur noch zwei Drittel so schnell wie zu Anfang, alle spielen viel zu laut und vor lauter Panik hört keiner mehr hin, was eigentlich gerade abgeht. Und in diesem Tohuwabohu kann man dann erkennen, dass das Stück schneller plötzlich ganz toll ist? pffffff…. ich glaube nicht.

Veröffentlichung

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Beim Verfolgen veralteter Verlinkungen auf  www.flutepage.de bin ich auf eine Veröffentlichung gestoßen, die als Quelle auch auf diese Website verweist.  Ein Jungforscher hat eine „Silent-Flöte“ zum Üben ohne Belästigung der Nachbarn entwickelt (wenn das funktioniert, wäre es ja wirklich toll). Der ganze Artikel steht online: http://www.issuu.com/jungewissenschaft/docs/juwi_78

Frei nach der aktuellen Anti-Aids-Kampagne, habe ich mich gestern mal wieder am Improvisieren versucht. Als bekennender Noten-Abhängiger ist das für mich immer eine ganz spezielle Herausforderung. Noten sind ja irgendwie eine Deckung, ein Handbuch, was zu tun ist.  Jedenfalls taugen sie immer gut dazu, sich dahinter zu verstecken.

Gestern habe ich also mit einer lieben und ausgesprochen fähigen befreundeten Pianistin unserer dritten Frau im Trio ein Geburtstagsständchen auf ihrer Party gebracht. Auf dem Programm standen Caravan, Girl from Ipanema und Take five (zum Anhören siehe unten). Alle drei in recht schlichten Arrangements in Art eines Songbooks. Und alle drei dazu gedacht, variiert zu werden. Wir hatten das natürlich auch geübt, Abläufe abgesprochen usw. Insgesamt drei Proben und dann gestern „die Show“.

Festgestellt habe ich, während der Proben und erst Recht im gestrigen Ernstfall, dass ich eigentlich immer ein bis zwei Durchläufe oder ca. 20 Minuten brauche, um mich reinzufinden und vor allem auch, um frei zu werden und mich zu „trauen“. Das hat mir gestern natürlich gefehlt. Probeläufe gehen ja vor Publikum schlecht….

Außerdem bekam ich mal wieder bestätigt, dass nach einem guten Essen, zwei Kölsch und entspannter Unterhaltung der Sprung auf „die Bühne“ kaum mehr möglich ist. Ein bisschen zu müde, ein bisschen zu wenig konzentriert und ganz ohne die erforderliche Anspannung. Nicht so gut……

Auch eine frühere Erfahrung, dass es beim Improvisieren für mich sehr wesentlich ist, eine Klangvorstellung von dem zu haben, was meine Finger da greifen, schon bevor der Ton erklingt, wurde bestätigt. Gelernt habe ich das erstmalig als Teenager bei den ersten Improvisationsversuchen auf dem Alt-Saxophon. Da ich notorisch nie geübt habe und die Griffe denen der Flöte in weiten Bereichen gleichen, war ich immer aufs neue irritiert, wenn ich was gegriffen habe und der erklingende Ton dann regelmässig eine kleine Terz darüber lag (Alt-Saxophon ist in Es gestimmt, Flöte in C). Das ging so gar nicht. Auf der Flöte kam mir das bei meinen seltenen Versuchen schon einfacher vor, weil ich hier tatsächlich eine korrekte Erwartung des zu hörenden Klangs habe.

Gestern also hatten wir es mit einem angekündigt sehr tiefen Klavier zu tun. Und ich glaube in der Tat, das hat zu meiner Verwirrung noch beigetragen (so weit da noch was beizutragen war).

Da es ein Klavier war, das wie so häufig an der Wand stand, fehlten auch die bei der Probe dank Flügel häufig ausgetauschten Blicke, da ich nur in den Nacken meiner Begleitung starren konnte…. schade.

Trotz allem, es hat gut geklappt (nicht so gut wie in den Proben leider), was ich vor allem der Professionalität und guten Reaktionszeit meiner lieben Mitmusikerin zu verdanken habe, die über meine Aussetzer souverän hinweggespielt hat. Danke!

Wichtig ist, dass es beiden Geburtstags“kindern“ gut gefallen hat und anscheinend auch den Gästen. Wichtig ist auch, dass ich meinen inneren Schweinehund bezwungen habe (normalerweise trau ich mich ja gar nicht), wichtig ist, dass es uns beiden viel Spaß gemacht hat und das Vorfreude auf mehr macht.

Gelernt habe ich, was ich eigentlich auch schon wusste, dass man für gutes Improvisieren wirklich viel üben muss. Man muss das Harmonieschema gut kennen, man sollte sich irgendwelche Patterns und Linien überlegen, man muss die Harmonien sicher in den Fingern haben (wenigstens Skalen und Akkorde). Das ist richtig viel Arbeit, für die man sich auch noch selbst einen Plan, ein Vorgehen entwickeln muss. Der zunächst verlockende Eindruck, keine Noten, absolute Freiheit, keine Arbeit ist also grundlegend falsch.

Und das gleiche gilt natürlich auch für Improvisieren im Klassischen. Ich sollte da noch eigene Kadenzen für Carl Philipp Emanuels Solosonate kreieren. Das gleiche Problem. Es ist so schwer, die Deckung zu verlassen…..

Ich denke, dieses freie Spielen ist aber total wichtig. Und ich hoffe (und glaube), dass dies in modernem Instrumentalunterricht ein fester Bestandteil ist. Kindern fällt das sicher viel leichter und sie gewöhnen sich dann frühzeitig daran. Ich glaube einfach, dass es ein sehr wesentlicher Bestandteil von Musikalität und Gestaltung ist, auch mal ohne Noten auszukommen. Und ich für meinen Teil leider manchmal darunter, dass mir das so schwer fällt bzw. ich es eigentlich gar nicht kann.

Hier unsere Playlist zum Anhören:


Die vielen Jahre, in denen ich Flötenunterricht genommen und die wenigen, in denen ich auch welchen gegeben habe, haben mir sehr eindrücklich gezeigt, wie wichtig die richtigen Bilder sind. Der Lernprozess beim Flötespielen beginnt meiner Meinung nach mit einer richtigen Zielvorstellung, dem korrekten Gedanken sozusagen. Diese Zielvorstellung wird durch Worte hervorgerufen. Wahlweise kann ein Lehrer (oder auch Dirigent) dabei „technisch“ bzw. „physiologisch“ beschreiben oder aber auch „bildlich“. Ich glaube, die bildliche Beschreibung ist insbesondere bei Anfängern und bei nicht so sehr reflektierten Musikern die beste. Das heißt, man beschreibt beispielsweise eine Klangvorstellung (majestätisch… stelle Dir einen schreitenden König mit Krone und Mantel vor oder weich und zärtlich, wie das Fell einer Katze). Nach allem, was ich über das Gehirn weiß, ist diese bildhafte Arbeitsweise auch dem menschlichen Denken näher als die Abstraktion, die immer ein paar weitere Verarbeitungsschritte erforderlich macht.
In der technisch-physiologischen Sprachführung würde ein Lehrer vielleicht sagen: spiele mit härterem Stoss, kürzere Töne, lauter, betonter. Das ist recht abstrakt. Noch schwieriger wird es, wenn die Anweisung lautet: die Spitze der Zunge muss am Gaumen direkt hinter den Zähnen berühren. Solche Anweisungen lenken leicht von der Musik ab und führen auch zu Verkrampfung, weil man dann ganz auf den in der Anweisung genannten Körperteil fixiert ist.
Die Definition der Zielsetzung direkt klanglich zu definieren birgt den Vorteil, dass der Musizierende zur Kontrolle hören muss, was leider keine Selbstverständlichkeit ist.
Die Aufgabe eines Lehrer ist es, für jeden Schüler die passenden Bilder zu finden. Jeder ist da anders und eine Vorstellung, die dem einen hilft, mag einem anderen ganz fremd sein.
Irgendwann wird man durch diese Vorstellung, indem man an sie denkt während man spielt, zu einem neuen Spielgefühl gelangen. Wenn der Erfolg sich einstellt, so kann man im nächsten Schritt des Lernprozesses versuchen, das Spielgefühl des richtigen Ergebnisses abzuspeichern. Der Gedanke wird dann irgendwann überflüssig und nur die Spielsituation intuitiv nachempfunden. Bei falsch gelernten Arbeitsweisen muss dieser Prozess wieder umgekehrt werden. Das heißt, automatische Abläufe müssen bewusst gemacht werden, dann durch neue Zielgedanken ersetzt und später wieder automatisiert werden. Ganz schön viele Schritte, die viel Zeit benötigen. Auch das ist ein Argument für qualifizierten Unterricht.

Spielen im Sitzen

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Für mich ist das schon immer und auch immer mehr ein heikles Thema. Geübt wird bei mir grundsätzlich im Stehen. Allmählich habe ich da auch ein ganz gutes Gefühl, die Atmung passt und die Gesamtspannung ist auch ok. In vielen Proben und im Orchester wird aber im Sitzen gespielt. Und das ist leider gar nichts meins. Atmung und Spannung passen nicht und ich glaube, mir fehlt auch die im Stehen vorhandene Beweglichkeit. Gerade in den letzen Monaten bewege ich mich relativ viel, einen Ausfallschritt nach vorne oder ein wenig zur Seite, Gewichtsverlagerung, auf die Zehenspitzen gehen, all das ist irgendwie auch Teil davon, die für den aktuellen Zustand richtige Spannung zu erzeugen. Mit dem Hintern auf dem Stuhl, dem Notenständer davor, ist man da reichlich eingeschränkt.

Die Grundregeln für das Spielen im Sitzen sind simpel und mir schon lange bekannt:

  • Nicht anlehnen
  • Aufrecht sitzen
  • Beine nicht einfach schräg ausstrecken, sondern anständig aufstellen

Im Fall des Orchesterspiels gehört unbedingt dazu, den Stuhl und den Notenständer so einzurichten, dass der Dirigent gut zu sehen ist. Beim Ensemblespiel sollte man die Mitmusiker im Auge behalten können. Der Notenständer muss so weit weg stehen und eine Höhe haben, die verhindert, dass man den Kopf senken muss und damit den Hals ein bisschen zu macht.

Ganz früher habe ich dazu tendiert, mich auf dem Stuhl zu drehen und den rechten Arm irgendwie auf der Rückenlehne abzulegen. GANZ SCHLECHT! Ich hab das auch von anderen schon gesehen. schlecht ist auch, wie im Stehen, die Arme am Körper anliegen zu lassen, da bekommt man keine Luft.

Im Sitzen ist es besonders störend, wenn man vor der Probe zu viel gegessen hat, oder die Hose zu eng ist. Da staut sich alles und Luft geht gar keine mehr rein.

Werner Richter widmet dem Spielen im Sitzen in Bewusste Flötentechnik  einen eigenen Abschnitt. Dadurch bin ich auch auf diesen Problembericht gekommen. Wesentlich finde ich den sehr naheliegenden Tipp, wichtige Stücke, die im Sitzen gespielt werden müssen, auch im Sitzen zu üben. Ich nehme mir das immer wieder vor und tu es dann nicht, weil ich dafür hier alles umräumen müsste (schlechte Ausrede). Es ist also von Vorteil, im eigenen Übezimmer einen tauglichen Stuhl und auch ausreichend Platz dafür zu haben. Tatsächlich kann ich viele Stücke, die im Stehen super gehen, im Sitzen nur schlecht spielen.

Ein weiter wichtiger Tipp aus Bewusste Flötentechnik ist, dass Becken beim sitzend Spielen zu kippen.

Noch ein Wort zu tauglichen Stühlen: ich mag keine irgendwie schrägen Sitzflächen, keine Armlehnen und keine wackeligen Stühle. Auch solche mit einer richtigen Sitzkuhle sind nicht toll. Eine Kante am vorderen Rand ist auch nicht schön, da sitze ich drauf, weil ich zum Spielen immer nach vorne rutsche (macht die richtige Haltung einfacher). Ganz ohne Rückenlehne mag ich nicht, da bekomme ich Rückenschmerzen, weil ich wenigstens in den Pausen mich ab und an anlehnen möchte. Für Quartettspiel habe ich mir mal vier Klappstühle gekauft, die kann man leicht wegpacken und die gibt es günstig bei einem bekannten schwedischen Möbelhaus. Habe ich mir von einer früheren Mitmusikerin abgeguckt… noch schöner ist aber, wenn alle im Stehen spielen können und mögen… finde ich.

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