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Muggen extrem

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Das Orchester, in dem ich früher mal mitgespielt habe, hat eine Konzertreise nach Wien unternommen. Auf dem Programm stand unter anderem die Sinfonie in D KV 133 von Mozart. Bei diesem 4-sätzigen Werk ist im 2. Satz eine einzelne Flöte besetzt. In den anderen Sätzen spielen 2 Oboen. Für diesem einzelnen Satz wurde nun jemand gesucht, der das spielt. Die Auserwählte war ich.

Ich fand es sehr unangemessen, einen Hobby-Flöter wie mich in eine Musikstadt wie Wien zu verfrachten, um dort einen technisch nicht sehr anspruchsvollen einzelnen Satz einer Sinfonie zu spielen. Und das ganze zu einem ziemlich hohen Preis, bestehend aus Flug- und Hotelkosten, der leicht eine akzeptable Gage für einen Profi sein könnte. Ich befand mich in einer seltsamen Zwickmühle. Mein ehemaliger Dirigent war bereit, einen hohen Preis dafür zu zahlen, dass genau ich diesen Satz spiele. Mir war das peinlich und ich konnte es gar nicht nachvollziehen, weil ich einfach sicher war, dass sehr viele das genauso gut oder besser spielen würden wie ich. Sein Anliegen war eigentlich ein Kompliment für mich, gleichzeitig war es mir aber auch furchtbar peinlich. Ich konnte verstehen, dass oder hätte verstanden, wenn der Rest von Chor und Orchester wegen einer derartigen „überflüssigen“ Ausgabe sauer gewesen wären. Und ich hatte die Befürchtung, dass diese Missstimmung sich in erster Linie gegen mich richten könnte, weil ich nicht bereit war, meinen Aufenthalt selbst zu bezahlen, um dem Orchester eine Besetzungslücke zu füllen. Mein Verstand sagte mir, ich sollte das nicht tun. Mein Bauchgefühl sagte mir, mein ehemaliges Orchester mit überwiegend netten Menschen und einem netten Dirigenten, sucht eine Flöte zur Aushilfe, Du kannst nicht nein sagen.

Naja. Ich habe Ja gesagt. Dann ging der Stress los. Ich musste Freitags viel früher als die Kernzeit normalerweise erlaubt, aus dem Büro los und habe damit mein Gleitzeitkonto belastet. Damit alles reibunsglos klappt, habe ich bereits Mittwochs per Web Checkin meine Boardkarte ausgedruckt. Donnerstag habe ich dann erkannt, dass mein Ticket kein Gepäck umfasste, mein Koffer jedoch dank Notenständer, Konzertschuhen etc. nicht auf 8 kg Gewicht für Handgepäck zu bringen war. Also habe ich versucht, das Gepäck nachzubuchen. Im Internet, weil es da nur die Hälfte kostet wie am Schalter. Leider geht das aber nicht mehr, wenn man schon eingecheckt ist. Also habe ich den Koffer wenigstens für den Rückflug nachgebucht und auch dafür schon eingecheckt. Leider war es aber kein Checkin sondern eine Platzreservierung (die nur genauso aussah wie der Checkin). Somit hatte ich insgesamt 20 Euro für das Gepäck auf dem Hinweg, und 19,50 für Reservierung (überflüssig) und Gepäck rückwärts zu bezahlen.  Meine Begeisterung für die Veranstaltung und den Fluganbieter stieg ins Unermessliche……

Es folgte ein angenehmer Flug, die Nachricht, dass die gebuchte Pension dank Wasserrohrbruch kein Zimmer für mich hatte und ich ein Stück weiter in einer anderen sehr schönen Pension zum gleichen Preis das kleinste Zimmer der Welt beziehen durfte, dann ein schöner Abend mit neuen Freunden in Wien und eine schlafarme Nacht dank meiner Unverträglichkeit mit fremden Betten und einer Straßenlaterne unmittelbar vor dem Zimmerfenster.

Am Samstag dann um 9 Uhr die Probe in der Votivkirche. Viele bekannte Gesichter und das ungute Gefühl eine Art teurer Luxus zu sein, der den anderen aufgezwungen worden ist. Ich war also etwas unsicher und fühlte mich nicht so recht wohl in meiner Haut. Die Kosten dieser Reise, übernommen vom „Kollektiv“ machten aus der einfachen Partie in der Sinfonie plötzlich eine sehr schwierige Partie. Die Verantwortung, nun auch den „Vorschusslorbeeren“ oder „Erwartungen“, die in Form dieser ungewöhnlichen „Beauftragung“ zu mir rübergeschoben worden waren, gerecht zu werden, lag schwer auf meinen Schultern und machte mich unverhältnismäßig nervös. Erschwerend kam dazu, dass das Konzert am Sonntag um 17 Uhr stattfinden sollte, mein Flieger um 20.45 Uhr starten sollte und Einchecken laut Ticket um 20.15 Uhr angesetzt war. Laut Fahrplan sollte der Weg von der Kirche zum Flughafen mit öffentlichen Verkehrsmitteln ca. 1 Stunde dauern. Dabei musste ich allerdings zwei mal umsteigen und hatte keinerlei Vorstellung, wie weit es nach Ankunft noch von der Haltestelle zum Gate sein würde und wo ich das Gepäck loswerden könnte. Solche Unsicherheiten hasse ich. Das Ticket war nicht umbuchbar und Montag morgen sollte ich wieder an meinem Arbeitsplatz sein. Mir sass also meine paranoide Panik im Nacken, diesen Flug nicht zu bekommen.

Nach einem entspannten Samstag mit Probe, Sightseeing und Abendessen, rückte der „Tag der Entscheidung“, der Sonntag näher. Bis spätestens 11 Uhr musste das Pensionszimmer geräumt sein. Blieb die Frage, wohin mit dem Gepäck für den Rest des Tages? Die Lösung lautete CAT (City-Airport-Train). Die bieten nämlich einen Eincheck-Service inklusive Gepäck Dropoff an. Also habe ich morgens erst mal mein Zimmer bezahlt, bin quer durch die Stadt zum Terminal des CAT gefahren, habe mir ein Ticket gekauft (nochmal 10 Euro) und den Koffer abgegeben. Mit der Aktion war ich den Koffer los und wusste gleichzeitig, wo ich am Abend lang musste, um zum Flughafen zu kommen, allerdings wies das neue Boardticket eine noch frühere Boardingzeit, nämlich 20.00 Uhr aus. Noch weniger Zeit zwischen Konzert und Flughafen . Also zurück Richtung Votivkirche und auf das Konzert warten. Es war jetzt erst ca. 11 Uhr und die Anspielprobe war für 16 Uhr angesetzt. Bis dahin war ich sozusagen obdachlos zusammen mit meiner Flöte. Mein Buch hatte ich leider schon ausgelesen und in Wien schien es keine Kioske zu geben. Nach einer kleinen Wanderschaft gelang es mir, eine ct als Lektüre zu ergattern. Der kalte Wind in Wien vertrieb mich gegen Mittag dann von meiner Parkbank in die Hotelbar. Mein Instrument durfte ich bei freundlichen Chor-Kollegen im Zimmer deponieren und gegen Mittag stießen dann Freunde zu mir, der Tag war gerettet.

Der letzte Akt, Einspielprobe und Konzert. Die Flötenstimme bei Mozart ist nicht schwer, aber unangenehm. Die Flöte als einziger Bläser liegt nackt und alleine über dem Orchester, spielt aber eigentlich fast ständig unisono mit den ersten Geigen. Das ganze dann nach ca. einer halben Stunde rumsitzen und zuhören, wenn die Flöte schon wieder kalt ist, das Einspielen so gut wie vergessen. Intonationsmässig heikel, jeder unsaubere Ton bestens zu hören. Wenn bei so einem Einsatz der Ansatz nicht fest wird, wann dann? Ich sass wie auf Kohlen, ein Auge immer auf der Uhr. Der zweite Satz begann und mein Ton war erwartetermaßen verbesserungswürdig. Glücklicherweise gelang es irgendwie, von Zeile zu Zeile die Luft tiefer runter und die Lippen lockerer und exakter zu bekommen. Von Takt zu Takt wurde der Klang besser und am Ende war ich mit meinem Klang dann ganz zufrieden. Der Abgang noch während des Konzertes war sehr befremdlich, die Tour zum Flughafen funktionierte aber problemlos und ich war mehr als rechtzeitig am Gate um dort dann ewig warten zu müssen, weil der Flieger auch noch Verspätung hatte.

Was ist das Fazit der ganzen Geschichte? Es ist schlecht, wenn ein Konzert durch zu viel drum herum zusätzlich befrachtet ist. Das Gefühl, teure Töne zu spielen, durch sein Spiel die eigene Anwesenheit rechtfertigen zu müssen und gleichzeitig den eigentlichen Spannungshöhepunkt auf der anschließenden Heimreise zu haben, ist in jedem Fall abträglich. Dass es trotzdem geklappt hat (obwohl ich das sicher erst sagen möchte, nachdem ich die Aufnahme gehört habe) macht mich zwar stolz, meine Neurosen während der ganzen Aktion sind mir dennoch peinlich. Alle Musiker und Sänger mit denen ich gesprochen habe oder die mich angesprochen haben, schienen sich in der Tat zu freuen, dass ich dabei war. Ob die allerdings überhaupt wussten, wer die Reise bezahlt hat, weiß ich nicht. Jedenfalls sollte ich daraus lernen, dass es nicht meine Verantwortung ist, wenn andere es gerne so haben möchten. Leichter gesagt als getan. Nochmal würde ich so eine Tour in der Form nicht mitmachen. Entweder schaffe ich es dann, mich von dem Verantwortungsgefühl zu distanzieren, oder ich werde es einfach nicht wieder machen.

Mit Transfer zum Flughafen, Gepäck, Reservierung hat mich die Fahrt jetzt doch noch zusätzlich 50 Euro gekostet, dazu kommen natürlich die „Lebenskosten“ an so einem Wochenende. Also doch wieder eine Minus-Gage 😥

In den 80-ern war dieses Buch, soweit ich mich noch erinnern kann, eine völlige Neuheit. Dieses Werk geht in der Tat sehr strukturiert und wissenschaftlich an das Thema und steht damit in starkem Kontrast zu den bis dahin erschienen Büchern, die größtenteils auf Erfahrungen von altgedienten Flötisten beruhten und weniger die wissenschaftlichen Grundlagen bemühten.

Ich selbst habe es kurz nach dem Erscheinen (1986) erworben und auch in dieser Zeit gelesen. Jetzt habe ich es wieder hervorgeholt und arbeite mich noch einmal durch. Zu meiner Freude verstehe ich heute mehr und stelle fest, dass ich auf vielen Ebenen doch wohl etwas dazu gelernt habe.

Bisher bin ich mit erst mit dem ersten Kapitel durch „Der Spieler und das Instrument“. In vielen Punkten möchte ich Herrn Richter laut zustimmen. Erstens denke auch ich, dass das Flötenspiel an sich ein sehr dynamisches und damit auch anfälliges System darstellt, bei dem sich alle Komponenten gegenseitig beeinflussen. Auch teile ich die Ansicht des Autors, dass die früher sehr übliche Prüfung der körperlichen Tauglichkeit fürs Flötenspiel eigentlich ziemlich überflüssig ist (außer jemand hätte nicht alle zehn Finger oder ähnliches). Der dritte Punkt, der meinen stillen Applaus verdiente, war die Behauptung, dass eine übertriebene Willensleistung, purer Fleiß und das Abarbeiten von irgendwelchen Pflicht-Kontingenten (mindestens 5 Stunden am Tag üben und ähnliches) nicht der Weg zum Erfolg sind. In all diesen Punkten bin ich also überzeugtermaßen der gleichen Ansicht wie Herr Richter.

Allerdings denke ich, dass man durchaus schon früh auf Intonation eingehen sollte. Sicher kann und soll man von einem Anfänger nicht perfekte Intonation fordern. Aber ich denke, man muss frühzeitig auf grobe Intonationsmängel hinweisen und zeigen, was dagegen getan werden kann. Ich denke, aufgrund meiner eigenen Lernerfahrungen und dessen, was ich beim Unterrichten erlebt habe, dass man von Beginn alle Parameter des Musizierens vermitteln und korrigieren sollte. Ich glaube, so lernt es sich leichter, auch bei der Flöte. Die Frage ist, welchen Anspruch man dann stellt. Das Achten auf Intonation, Rhythmus, Klangqualität und -farbe aber sollte man von Anfang an fördern und fordern. Neben dieser einen Abweichung bin ich außerdem der Ansicht, dass Schüler lieber früher als später auch an Vorspielen teilnehmen sollten. Wichtig ist nur, dass die Vorbereitung und die Atmosphäre stimmt.

Stimmung und Intonation

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Ich bin ein Intonationsphobiker. Das ist wenigstens zum Teil das Ergebnis pädagogisch zweifelhaften Unterrichts. Zum anderen aber auch ein Resultat von mangelndem Selbstbewußtsein. Wie auch immer…. es quält. Und besonders unangenehm war für mich immer das Einstimmen. Ich konnte wohl hören, ob es stimmte. Aber wenn es nicht stimmte, war ich sehr häufig unsicher: zu hoch? oder zu tief? Gruselig…..ein a bitte….. tuuut…. nochmal….. tuut. Rausziehen…. tuuuut….. noch schlimmer. tuuut…. erster Schweißausbruch….. wieder reinschieben…. tuuut….. aber es ist doch zu hoch….. etc.

Heute habe ich das Problem besser im Griff. Das liegt an ein paar einfachen Einsichten bzw. Erkenntnissen. Auch hier kommt wieder ein Lehrer ins Spiel (Danke, Markus Hufschmidt!). Folgende Überlegungen: beim Spielen muss man sowieso permanent kontrollieren und korrigieren, also genügt es, wenn die Flöte in etwa stimmt (wir stimmen ja meist sowieso nur auf einen Ton oder vielleicht zwei, im Stück spielen wir dann aber viel mehr und auch über einen größeren Tonbereich). Ich bin daher dazu übergegangen, ein oder zweimal zu vergleichen und es dann zu belassen. Beim Spielen wird die Flöte war, in gut gefüllten Räumen auch die Umgebungsluft aufgeheizt und dann geht das Instrument sowieso hoch, warum also die Nerven beim Stimmen lassen? Gut ist, wenn man in etwa weiss, wieviel man bei einer Standardstimmung (z. B. 442 Hz) ausziehen muss. So beginnt man gleich in der Nähe des Ziels. Größere Differenzen finde ich häufig schwieriger….

Zum zweiten habe ich von besagtem Markus Hufschmidt gelernt, dass es immer besser ist, in der Höhe richtig powern zu können, daher ist es gesünder, etwas zu tief gestimmt zu haben, als zu hoch. Oben fallen lassen ist extrem unangenehm und bringt alles durcheinander. Oben hoch zu ziehen ist einfacher und klingt auch besser.

Das dritte ist schwieriger. Man muss einfach anfangen, zu vertrauen. Nicht immer ist man selbst das Problem und eigentlich müssen ja alle zusammenspielen. Das heißt auch, nicht auf Teufel komm raus suchen, sondern ruhig bleiben. Das Schlimmste ist diese Such-Panik. Auch während des Stückes kann ja noch ein wenig am Kopf gezogen oder gedrückt werden, was soll’s also? Etwas mehr Gelassenheit wirkt Wunder. Mittlerweile fühle ich mich meist sogar recht wohl und so ist Musizieren einfach schöner.

Hier noch die Basics zum Thema Stimmung:

  • Wenn die Flöte zu hoch ist, den Kopf rausziehen. Ist sie zu tief, reinschieben
  • Leise Stellen werden gerne zu tief, laute zu hoch (das liegt auch an Spannung und Stütze)
  • die Tiefe Lage säuft gern nach unten ab, die hohe geht nach oben weg
  • Ausgleichen kann man über den Anblaswinkel oder die Luftgeschwindigkeit
  • je steiler der Anblaswinkel (mehr Luft ins Loch), um so tiefer der Ton und umgekehrt
  • Korrektur des Winkels geht über die Lippen, den Kiefer oder Drehen der Flöte.
  • Klangfarben beeinflussen das Hörempfinden (bei mir jedenfalls). Viel Oberton ist nicht gleich zu hoch (das habe ich beim Stimmen mit Oboen schmerzhaft lernen dürfen) und mit einem ungewohnen Instrument zu stimmen ist schwierig (an den Klang gewöhnen)

Und nun: Nur Mut!!! Das ist vielleicht das wichtigste. Eine gute Mischung von Selbstkritik (damit man überhaupt merkt, dass man was tun muss) und Selbstbewusstsein. Und lasst Euch von keinem verrückt machen. Das A und O ist zu wissen, dass der richtige Griff noch nicht den richtigen Ton macht, auch nicht, wenn man eingestimmt hat.

Wie kommt es, dass man so wenig Flötisten trifft, die gerne Piccolo spielen?
Vermutlich liegt das daran, dass es so schwer ist und relativ undankbar, da falsche Töne und schlechte Intonation fast in allen Lebenslagen von jedem zu hören sind, weil das Piccolo sich meist in luftigen Höhen über allem anderen bewegt und heraussticht. Sticht… ja, das trifft wohl das Hörempfinden in den meisten Fällen auch ganz gut.

Es ist so schwierig, ein Piccolo angenehm und unauffällig erklingen zu lassen. Die Größe des Mundstücks erfordert einen noch viel exakteren Ansatz, jede kleine Abweichung von der Ideallinie ist ja in Relation zur Größe des Instrumentes schon ein Riesenfehltritt und wirkt sich auch so aus. Hier sind echte Feinmechaniker gefragt!

Als weiter Ursache für die weit verbreitete Abneigung würde ich vermuten, dass viele Flötisten und Flötistinnen ihre ersten Versuche am Piccolo auf entsetzlich schlechten Instrumenten machen müssen. Man braucht die Dinger ja nicht so oft, Orchester und Kapellen schaffen welche an, damit sie den Musikern geliehen werden können, aber investiert wird in solche Instrumente wenig (ich hatte eine Schülerin bei deren Vereins-Piccolo (Kunststoff-Instrument von Yamaha) die Klappen abfielen, weil die Gewinde für die Schräubchen im Korpus fast alle ausgebrochen waren).

In meinem Fall war das erst Piccolo ein uraltes Metallinstrument der Firma Grassi, das vermutlich schon sehr viele Flötisten aber noch nie eine Werkstatt von innen gesehen hatte. Die enge Mensur und meine Unkenntnis der Problematik führten zu wahnsinnigen Kraftanstrengungen. Das Ganze spielte sich in einem der unzähligen Musikvereine Süddeutschlands ab. Ich war etwa 10, spielte ein gutes Jahr die Querflöte und quälte mich nun mit Marschmusik, einer entsprechenden Marschgabel am linken Arm, dem Gleichschritt, dem Ansatz und der auswendig zu spielenden Locke (die Problematik der Pferdeäpfel kam dann beim ersten Ernstfall dazu)…….

Im nächsten Schritt dann der Florentiner-Marsch…. eine Hassliebe…. gegenüber Repertoire a la „Gruß aus Kiel“ ein wirklich reizvolles Werk…. mit einem fetten Piccolopart, technisch sehr anspruchsvoll (damals jedenfalls für mich). Zunächst die solistische Einleitung und später das Genudel im Trio…. viel geübt und nie gehört, weil das Blech an der Stelle alles andere plattgetrötet hat.

Und dann wurde ein neuer Dirigent eingestellt und beim Probedirigieren wurde der Florentiner aufgelegt. Ich war schon gewohnt, dass keiner hört oder hören will, was und ob und wie ich diesen technischen Part von mir gebe…. aber weit gefehlt. Der „neue“ hatte studiert, viel gelernt und probte das mit mir…. vor der versammelten Kapelle. Ich ca. 13 und seeeeeeehr peinlich berührt unter den Mitmusikern (die meisten um die 50)….. üble Erinnerungen.

Irgendwann hielt ich es dann für einen klugen Schachzug, mir selbst ein Piccolo zuzulegen. Erstens um nie wieder auf solchen Gurken spielen zu müssen und zweitens in der Hoffnung, dadurch vielleicht für ein paar Muggen attraktiver zu werden (hat auch einmal geklappt). Naja und dann kam die Bewerbung beim Landesblasorchester mit Vorspiel und mein damaliger Lehrer (Karl Strobel in Stuttgart) hat mit mir auch eine Piccolostelle eingeübt. Und da gab es dann tatsächlich ein paar Tipps, die mir seither das Leben leichter machen. Zum Beispiel hatte ich das Piccolo immer zu tief angesetzt. Und da merkte ich zum ersten Mal, dass das tatsächlich ein Instrument und kein archaisches Folterwerkzeug ist…

Inzwischen kann ich durch Querflöten-Quartett, Sinfonieorchester und Bläserquintett das Piccolo etwas besser leiden und akzeptieren, dass ich es eben nicht kann, weil man dieses schwierige Instrument einfach richtig gut üben muss, was ich ja nicht tue. Friede ist eingekehrt und seit ich von einer Freundin die CD von Gudrun Hinze erhalten habe auch Freude am Piccolo hören….. seit ein paar Tagen besitze ich das wunderschöne Piccolo-Konzert von Stephenson von dieser CD nun auch als Noten und habe sogar freiwillig Piccolo gespielt.

Vielleicht macht das Alter ja wirklich reifer und versöhnlich?

Zu meiner Anfängerzeit (inzwischen gut 30 Jahre her…. o Mann) lernte man Noten lesen, richtig greifen, richtig zählen und dann wurde versucht, möglichst schnell spielen zu können. Der richtige Ton kam durch den richtigen Griff, irgendetwas darüber hinaus wurde nicht diskutiert. Auf diese Art habe ich jahrelang gespielt, ohne mir zuzuhören. Der erste Lehrer, der mir was von Intonation erzählt hat, erklärte mir für jeden Ton einzeln, den musst Du höher spielen, den tiefer usw. Leider war daraus für mich kein systematisches Problem erkennbar. Ich war immer genau für das aktuell geübte Stück informiert, beim nächsten fingen wir wieder von vorne an. Erst bei einem späteren Lehrer habe ich gelernt, dass jeder Ton geprüft sein will, dass Laut und Leise, die Richtung aus der man zu einem Ton kommt (von oben oder unten), der harmonische Zusammenhang etc., dass all diese Parameter Einfluss darauf haben, ob und dass man stimmt. Und, o Wunder, ich habe gelernt, dass man sich zuhören muss, um das zu merken und korrigieren zu können. Na sowas….. Ich habe in der Tat über zehn Jahre gespielt, OHNE mir wirklich zuzuhören. Und als ich anfing, das zu versuchen, wusste ich auch, warum ich das vorher nicht getan habe. Was ich gehört habe war sterbenslangweilig…. Damals war man der Ansicht, dass diese Feinheiten für Anfänger zu schwierig sind, dass es leichter ist, sich zunächst nur mit den anfänglichen technischen Schwierigkeiten auseinanderzusetzen und den Rest dann später anzugehen.

Glücklicherweise ist das heute anscheinend ganz anders. Meine Nichten und Neffen spielen in einem Musikverein in Süddeutschland, dort gibt es für die Jugendausbildung die sogenannten D-Prüfungen, bei denen Theorie und Praxis trainiert werden. In dem Übungsheft zum ersten Kurs sind bereits Hörübungen enthalten. Welch ein Glück!

Hören ist meiner Meinung nach vor allem Übungssache. Je früher man damit beginnt, um so leichter ist es und um so besser wird man. Kinder sind da sowieso viel offener, sie lernen leichter und haben häufig nicht so große Versagensängste. Richtig spielen lernt man eben nur mit richtig hören…. und darum muss alles gemeinsam trainiert werden.

Ich bin auf diesem Weg, erst gar nicht zu wissen, dass es Intonation überhaupt gibt, dann in Einzelfällen auf relativ rüde Art korrigiert zu werden und am Ende dann wie der Ochs vor dem Berg zu stehen als ich mal die Zusammenhänge allmählich durschaut habe, zu einem Intonationsphobiker geworden. Mich treibt ständig die Panik, wenn irgendwas nicht passt, dass das immer ich bin und dann fange ich an zu suchen…. auch nicht gut.

Darum mein Appell: Zuhören, an alle Lehrer: Zuhören trainieren und an alle Schüler: genießt Euer eigenes Spiel… das ist das Ziel. Und auch das ist ein weiterer Grund, nicht autodidaktisch an die Flöte ranzugehen…..

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