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Das heutige Buch habe ich nicht nur gelesen, sondern auch “ausprobiert”. Zu großen Teilen jedenfalls. Es handelt sich um Übungen, die dazu führen sollen, dass man längere Phrasen spielen kann, mehr Klang entwickelt und weniger verspannt.  Wie gewohnt zunächst ein wenig allgemeines und äußerliches. Das Büchlein ist etwas größer als DIN A 5 und ziemlich dünn (87 Seiten).  Erschienen ist es im Zimmermann Verlag.  Hier die bibliographischen Infos:

Regula Schwarzenbach – Letizia Fiorenza

Höhenflüge mit Bodenhaftung

Die Methode Atem-Tonus-Ton für Flötistinnen und Flötisten

Ein Übungsbuch für Neugierige

Neben sieben Inhaltskapiteln finden sich ein Vorwort, eine Einführung, ein Anhang mit Begriffsdefinitionen, ein Literaturverzeichnis und die Biografien der Autorinnen und der Fotografin. Der inhaltliche Aufbau ist:

  1. Vorbereitende Übungen (lockern und Körperbewusstsein schaffen)
  2. Die Kraft aus Beinen und Becken (wichtig für den tiefen Atem)
  3. Die Brustresonanz (Lockerung des Brustbereichs, gut für Atmung und Klang)
  4. Die Kopfresonanz (Lockerung von Kiefer und Rachen, wichtig für Atmung und Klang)
  5. Übungen mit Hilfe einer Partnerin oder eines Partners
  6. Die Verbindungen
  7. Die Brücke zur Musik

Ganz grundsätzlich finde ich das Buch und seine “Aussage” sehr sinnvoll und auch hilfreich. Ich glaube, die Übungen können einen flötistisch und auch in Sachen “Wohlbefinden” weiterbringen. Mein Problem bei der Bewertung des Systems ist, dass ich diese und ähnliche Übungen schon seit mehreren Jahren in Einzelstunden mit einem “Trainer” oder “Therapeuten” mache. Beim Ausprobieren der einzelnen Übungen merke ich, dass mir unbekannte Bewegungsabläufe nur nach Text und Bild schwer nachzuvollziehen sind, bzw. ich aus meiner Erfahrung aus den Übungsstunden skeptisch bin, ob das alles so richtig ist, wie ich es mache. Ein anwesender Trainer korrigiert ziemlich viel oder zeigt auch Spielräume auf. Das finde ich sehr hilfreich. Ein Buch kann das natürlich nicht leisten.

Ich gehe die Übungen jetzt mal von vorne nach hinten durch und gebe meinen Senf dazu. Wen das anspricht, dem möchte ich in jedem Fall empfehlen, vielleicht zu versuchen, mal einen Wochenendkurs oder so etwas für solche Übungen zu besuchen, danach ist es sicher auch nach Buch einfacher.

  •  Dehnen als Vorbereitungsübung – gute Idee, vor allem nach einem Tag Büroarbeit oder ähnlichem. Macht den Kopf frei und erleichtert den Einstieg. Werde ich beibehalten
  • Körpergerechte Haltung im Stehen: mit Füßen parallel, nicht durchgedrückten Knien, Schwerpunkt auf den Zehenballen - nicht ganz neu aber sinnvoll. Das mit dem Gewicht auf den Ballen ergibt sich bei mir spätestens, wenn ich mit Restluft spiele. Gar nicht bewusst, hat sich einfach ergeben.
  • Körpergerechte Haltung im Sitzen: ganz wichtig und viel schwerer als Stehen (finde ich). Ich habe die Tage jetzt auch endlich mal im Sitzen geübt, wenn man einen geeigneten Hocker schon für die Übungen geholt hat, dann ist der Weg nicht mehr so weit. Interessant war für mich Beckenbewegung, die ich aus meinen Übungsstunden kenne, aber ich habe das nie bewusst fürs Flötespielen verwendet. Kommt übrigens aus der Feldenkrais-Ecke. Das Becken-Kippen hilft, mit dem Atem tief zu kommen. Sehr gute Übung!
  • Federn in der körpergerechten Haltung auf den Ballen und runter mit den Fersen. Sehr gut, macht locker und aktiviert die Atmung noch weiter. Werde ich auch weiterhin machen vor dem Üben.
  • Standbein und Spielbein: Das habe ich nicht richtig hinbekommen. Irgendwie wird das nicht organisch bei mir. Eines der Beispiele, bei denen ich mir Führung wünschen würde. Es geht darum, beim Spielen bzwl Atmen das Gewicht von einem Bein aufs andere zu verlagern.
  • Widerstand – sich Aufrichten: bekomme ich auch nicht so recht hin. Vielleicht habe ich auch ein Koordinationsproblem.
  • Körperschwung (in die Knie, vorbeugen, aufrichten mit Armschwung): mache ich einfach vor dem Üben. Das kenne ich aus einem Übungsprogramm, dass ich in den 90ern mal angefangen habe: Callanetics, war auch gut für den Rücken. Die Übung macht wach und locker, ebenfalls ein guter Übergang vom Alltag zum Musizieren. Daumen hoch!
  • Beckenkreis: perfektes Mittel gegen Rückenschmerzen und Verspannungen. Auch Feldenkrais. Das kann ich gut, weil ich das in den Übungsstunden oft mache. Im Sitzen ist natürlich nahe am Spielen. Generell kann ich empfehlen die gleichen Bewegungen mit dem Becken mal auf dem Rücken liegend zu machen. Viel einfacher, viel entspannender und gerade für Anfänger ein guter Start. Ich nehme für die Sitzübungen übrigens den FROSTA-Hocker von Ikea. Unter 10 Euro, Höhe ist ziemlich gut, für mich eine perfekte Lösung.
  • Ball an der Wand: Konnte ich nicht üben, ich habe noch keinen Ball, will mir aber einen besorgen.
  • Beckenhocke: habe ich auch nicht gut hinbekommen. Zur Aktivierung des Beckenbodens gibt es aber auch noch eine Übung aus dem Callanetics-Programm: Knien, Hände links und rechts der Knöchel hinten und dann Po nach vorne (wie ein gespannter Bogen) und wieder runter. In der gedehnten Stellung ruhig ein bisschen aushalten.  Ist einfacher, finde ich….
  • Hängebauchschweinchen: geht zwar, war für mich aber jetzt keine richtige Offenbarung.
  • Spielen auf einem Bein: cool, erstaunlich und etwas, das ich gerne in meinem Programm behalten will. Wenn man balancieren muss, verändert sich das ganze Spiel und das zum Guten, finde ich. Genial einfach!
  • Nehmen Sie Platz! (während der Phrase aus dem Stand mit dem Hintern auf den Hocker, so dass man genau beim höchsten Ton unten ankommt) Funktioniert für mich nicht, weil ich nicht weiß, wie lange ich runter brauche oder wann ich da sein werde. Müsste man vielleicht mit Spiegel versuchen. Seltsam.
  • Kreisen der Schultern: einfach und hilfreich. Gut ist aber auch, die Schulter hoch zu ziehen bis zum Ohrläppchen und dann Schulter und Kopf parallel hoch und runter zu nehmen. Auf der unbeteiligten Seite lösen sich die Muskeln. Ganz cool!
  • Armschwung mit Flöte (Flöte mit einer Hand halten, die andere schwingt “blind” ran, wechselseitig): einfach, machbar. Kann man öfter mal machen.
  • der kleine Körperkreis: konnte ich nicht so recht nachvollziehen. Da mache ich lieber die Lockerungsübungen, die ich von meinem “Trainer” habe.
  • Summen mit Hilfe der Hände: interessant und tatsächlich irgendwie aktivierend.
  • Singen und spielen: immer gut, um den Halsbereich zu lockern, das mache ich seit Graf’s Check-up. Empfehlenswert!
  • Wirbelsäule abrollen: sehr gut, bekannt von Callanetics und Gyrotonics.
  • Kopf neigen: Beim Einatmen den Kopf  nach vorne bewegen ist für mich irgendwie anti. Müsste ich nochmal probieren. Beim ersten Mal war es nur befremdlich.
  • Pinselstriche: Beim Spielen den Kopf bewegen. Sehr interessant und auch übenswert, denke ich. In der Art minimaler Bewegungen gibt es viele Richtungen, in denen man Kreise machen kann. Gut zum Entspannen.
  • Beweglichkeit des Kiefers: kenne ich auch aus meinen Übungsstunden. Mit Hilfe ist das aber einfacher. Alleine finde ich es schwierig.
  • Obertöne spielen: auch seit Check-up im Repertoire. Nix neues aber empfehlenswert.
  • Kopfresonanz: die Sachen habe ich nicht ausgiebig getestet.
  • Übungen zu zweit: Habe ich nicht gemacht, sieht aber hilfreich aus und ist für Unterricht in der Gruppe sicher eine gute Idee.
  • Die Verbindungen: verschiedene Übungen, um Koordination zu verbessern und die isolierten Bewegungen miteinander zu verknüpfen. Auch diese Übungen sind mir aus Feldenkrais und Kinesiologie bekannt. Auf jeden Fall sinnvoll.

Im Abschlusskapitel “Die Brücke zur Musik” wird erklärt, wie man das Ganze (wie andere Veränderungen des eigenen Spiels auch) in sein Musizieren integrieren kann.

Insgesamt dient dieses Programm schon mal dazu, den eigenen Körper mehr wahr zu nehmen. Das ist eine Hauptveränderung, die ich erlebe, seit ich regelmäßig in dieser Richtung tätig bin. Man merkt Verspannungen früher und kann auch besser los lassen. Das ist schon mal super. Wesentlich ist für mich das Verständnis, dass das Becken unser Zentrum ist. Ein großer, schwerer Knochen mit vielen Muskeln dran, dem man ruhig auch viel der Arbeit machen lassen kann. Das gilt fürs Flöten aber auch für andere Bewegungsabläufe. Mein “Trainer” spricht manchmal von der Vorstellung, das Becken sozusagen wörtlich als Schale zu betrachten. Das ist ein gutes Bild. Für das Spielen kann man sich dann vorstellen, dass die Luft dieses Becken füllt, wie Wasser.  Ich denke, jeder hat andere Bilder, die ihn ansprechen oder ihm einleuchten. Wichtig ist, sich kennenzulernen und auch ernst zu nehmen. Es ist einfacher Bewegungsgewohnheiten zu ändern, als ich gedacht hätte. Und es führt zu sehr viel Veränderung im Klang. Nur nicht zu ehrgeizig sein, nehmt Euch Zeit, gebt sie Euch. Bei mir wurde durch das Training der Atem in jedem Fall freier und die Phrasen länger. Natürlich gepaart mit dem Flötenunterricht, den ich nehme.

Alles in allem ein vielversprechendes Buch, ein Kurs für diese Methode wäre mal reizvoll. Die positive Wirkung kann ich voll bestätigen, auch wenn ich nicht exakt die selben Übungen gemacht habe. Feldenkrais und andere körperorientierte Methoden machen ähnliches. Das hier vorgestellte Programm ist vermutlich expliziter in Richtung “Leistungsatmung” ausgerichtet.

Als notorischer Schreibtischtäter mit eckigen Bildschirmaugen hatte ich eine ganze Weile einmal im Jahr den Hexenschuss. Lendenwirbelbereich, Becken stand schief und nix ging mehr. Irgendwann führte mich der Zufall und ein anderes Wehwehchen zu einem mir sympathischen Physiotherapeuten mit Vertrauen erweckender Ausstrahlung. Seitdem mache ich einmal die Woche eine halbe Stunde “betreute” Rückengymnastik im Einzelunterricht. Das heißt korrekt Gyrotonic und ist ausgesprochen unanstrengend. Das Ergebnis kann sich dennoch sehen lassen, seit bald zwei Jahren kein Hexenschuss mehr, seltenst Rückenschmerzen und nicht dieses gepanzerte Gefühl um die Schultern. So weit schon sehr schön, aber was hat das in einem Flötenblog zu suchen?

Wie wohl alle, die hier vorbeikommen, wissen, lese ich derzeit Bewusste Flötentechnik von Werner Richter zum zweiten Mal. Da steht wirklich viel über Muskelwirkungen und Haltung drin und auch über Körpergefühl und Stütze usw.  Außerdem habe ich ja schon einige Zeit einen neuen Lehrer und in letzter Zeit auch richtige Erfolgserlebnisse und gelegentlich auch ein für mich völlig neues Körpergefühl beim Spielen. Aufgrund der Beschreibungen von Richter denke ich, dass das Stütze ist. Und weil ich gelegentlich nach Trainings-Pausen auch schon mal Muskelkater nach meinen Gyrotonics habe, weiß ich, dass die dann betroffenen Muskeln in der gleichen Gegend liegen. Und nun habe ich eins und eins zusammengezählt und denke mir, dass das neue Körpergefühl und auch der bessere Klang mit der Stütze zusammenhängen und diese außer durchs Üben eben auch durch die “körperliche Ertüchtigung” besser geworden ist. Schließlich zielen die Übungen auf eine Kräftigung der Haltemuskulatur unten hin, um durch mehr Stabilität den Schulterbereich zu entlasten. Ja, und das ist gut fürs Flöte spielen. Sind die Muskeln erst mal aufgeweckt…. Beweisen kann ichs nicht, aber dennoch bin ich mir relativ sicher und total froh, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen……

Für mich ist das schon immer und auch immer mehr ein heikles Thema. Geübt wird bei mir grundsätzlich im Stehen. Allmählich habe ich da auch ein ganz gutes Gefühl, die Atmung passt und die Gesamtspannung ist auch ok. In vielen Proben und im Orchester wird aber im Sitzen gespielt. Und das ist leider gar nichts meins. Atmung und Spannung passen nicht und ich glaube, mir fehlt auch die im Stehen vorhandene Beweglichkeit. Gerade in den letzen Monaten bewege ich mich relativ viel, einen Ausfallschritt nach vorne oder ein wenig zur Seite, Gewichtsverlagerung, auf die Zehenspitzen gehen, all das ist irgendwie auch Teil davon, die für den aktuellen Zustand richtige Spannung zu erzeugen. Mit dem Hintern auf dem Stuhl, dem Notenständer davor, ist man da reichlich eingeschränkt.

Die Grundregeln für das Spielen im Sitzen sind simpel und mir schon lange bekannt:

  • Nicht anlehnen
  • Aufrecht sitzen
  • Beine nicht einfach schräg ausstrecken, sondern anständig aufstellen

Im Fall des Orchesterspiels gehört unbedingt dazu, den Stuhl und den Notenständer so einzurichten, dass der Dirigent gut zu sehen ist. Beim Ensemblespiel sollte man die Mitmusiker im Auge behalten können. Der Notenständer muss so weit weg stehen und eine Höhe haben, die verhindert, dass man den Kopf senken muss und damit den Hals ein bisschen zu macht.

Ganz früher habe ich dazu tendiert, mich auf dem Stuhl zu drehen und den rechten Arm irgendwie auf der Rückenlehne abzulegen. GANZ SCHLECHT! Ich hab das auch von anderen schon gesehen. schlecht ist auch, wie im Stehen, die Arme am Körper anliegen zu lassen, da bekommt man keine Luft.

Im Sitzen ist es besonders störend, wenn man vor der Probe zu viel gegessen hat, oder die Hose zu eng ist. Da staut sich alles und Luft geht gar keine mehr rein.

Werner Richter widmet dem Spielen im Sitzen in Bewusste Flötentechnik  einen eigenen Abschnitt. Dadurch bin ich auch auf diesen Problembericht gekommen. Wesentlich finde ich den sehr naheliegenden Tipp, wichtige Stücke, die im Sitzen gespielt werden müssen, auch im Sitzen zu üben. Ich nehme mir das immer wieder vor und tu es dann nicht, weil ich dafür hier alles umräumen müsste (schlechte Ausrede). Es ist also von Vorteil, im eigenen Übezimmer einen tauglichen Stuhl und auch ausreichend Platz dafür zu haben. Tatsächlich kann ich viele Stücke, die im Stehen super gehen, im Sitzen nur schlecht spielen.

Ein weiter wichtiger Tipp aus Bewusste Flötentechnik ist, dass Becken beim sitzend Spielen zu kippen.

Noch ein Wort zu tauglichen Stühlen: ich mag keine irgendwie schrägen Sitzflächen, keine Armlehnen und keine wackeligen Stühle. Auch solche mit einer richtigen Sitzkuhle sind nicht toll. Eine Kante am vorderen Rand ist auch nicht schön, da sitze ich drauf, weil ich zum Spielen immer nach vorne rutsche (macht die richtige Haltung einfacher). Ganz ohne Rückenlehne mag ich nicht, da bekomme ich Rückenschmerzen, weil ich wenigstens in den Pausen mich ab und an anlehnen möchte. Für Quartettspiel habe ich mir mal vier Klappstühle gekauft, die kann man leicht wegpacken und die gibt es günstig bei einem bekannten schwedischen Möbelhaus. Habe ich mir von einer früheren Mitmusikerin abgeguckt… noch schöner ist aber, wenn alle im Stehen spielen können und mögen… finde ich.

Claudia hat es ja schon angedeutet, ich möchte ein ganz unscheinbares „Sportgerät“ vorstellen, das mir seit einer guten Woche zum ständigen Begleiter bei meinen Flötenübungen geworden ist.
Kurz die Vorgeschichte: Ich hatte eine Unterrichtstunde und war, wie es je nach Verlauf des vorangegangen Tages gelegentlich vorkommt, ziemlich verspannt. Ich fühlte das zwar, konnte aber mit der Erkenntnis alleine nicht viel zur Verbesserung der Situation beitragen.
Meine ausgesprochen kompetente und aufmerksame Lehrerin, bat mich dann, mich auf ein Balance Board zu stellen.
Kurz eine Beschreibung, was sich hinter dem neudeutschen Begriff Balance-Board verbirgt:
Eine kreisrunde Scheibe, ca. 40cm Durchmesser mit einer Halbkugel mittig auf der Unterseite. Radius der Halbkugel etwa 6-8 cm.
Mit den einführenden Worten „Kinder können das am besten, Frauen lernen es auch sehr schnell und Du…“, bat mich meine Lehrerin auf die Scheibe. Umsichtiger weise hatte sie mir das Instrument abgenommen.
Mein Erstkontakt mit diesem Teil war ein persönliches Waterloo. Eindeutig bin ich weder Kind noch Frau.
Aber allein die Ablenkung und der Versuch mich auf diesem Teil zu halten, reichten aus, um einen Teil meiner musikalischen „Verkrampfung“ an diesem Abend zu lösen.
Inzwischen habe ich so ein Teil, kann es ganz gelöst besteigen und ohne Gefahr für Schüler und Instrument auch darauf stehend spielen. Mit erstaunlichen Auswirkungen auf den Ton, die Luftreserve und nicht zuletzt auf die Allgemeinbefindlichkeit.
Hiromi, vielen Dank!
Nebenbei: Zu diesen Boards gibt es Anleitungen mit einer Vielzahl von zum Teil sehr anspruchsvollen Übungen, die keinen Lärm machen und auf kleinstem Raum ausgeführt werden können.

Christian

Derzeit lese ich “Die Flöte” von Pierre-Yves Artaud und bin dabei heute im Kapitel zur Technik und Physiologie gelandet. Artaud’s erstes Stichwort zu diesem Thema ist “Gleichgewicht”.

Einerseits ist das natürlich nicht überraschend, da wohl bei jeder Muskelnutzung das Gleichgewicht das wichtigste ist und ja auch jede Verspannung, Rückenschmerzen oder ähnliches letzten Endes aus einem Ungleichgewicht zwischen den verschiedenen Muskelgruppen entsteht (dank an meinen lieben Physiotherapeuten, der mir mit Gyrotonics (keine Ahnung, ob man das so schreibt) da endlich Abhilfe geschaffen hat). Gleichgewicht an sich ist also logisch. Aber warum ist das gerade für Flötisten vielleicht ein besonderes Thema? Und hier hat Artaud eine interessante und für mich sehr logische Beobachtung angeführt.

Die Flöte unterscheidet sich in verschiedener Hinsicht sehr von anderen Instrumenten. Zum einen erfolgt die Tonerzeugung an sich vollkommen unsichtbar indem die Luft auf die Schneide des Mundlochs trifft. Und die Luft kann man ja nicht sehen…. Das heißt auch, die Intensität mit der man spielt kann sich nicht so leicht in Form entsprechend ausladender oder kraftvoller Bewegung beim Spielen “entladen”.  Zum anderen geht die Luft durch die Lippen direkt in die Umgebung, man hat also auch keinen “Gegendruck” (das merken auch Trompeter unangenehm, wenn sie mal auf einer Flöte zu spielen versuchen. Die Luft geht einfach weg. Die Dosierung muss man selbst machen, das wird nicht durch einen Gegendruck irgendwie geregelt). Und, das fand ich besonders interessant, wir sehen die Flöte ja nicht. Die meisten Instrumentalisten haben ja Blickkontakt zu dem was sie da machen und gerade Anfänger können sonst immer sehen, was ihre Hände so machen. Dieses “Nicht Sehen” führt zu einer am Anfang sehr spürbaren Verunsicherung. Man hat zu Beginn immer das Gefühl, dass einem die Flöte wegrollt und dass sie nicht stabil liegt.

Und nun passt diese Beobachtung und die von Artaud angestellten Überlegungen auch noch zu einem Thema, dass mein lieber Coautor Christian demnächst mal vorstellen will. Die interessante Übevariante, auf einem Balance Board stehend zu spielen. Und auch da geht es, wie der Name sagt, ja um Gleichgewicht. Und so schließt sich der Kreis und Praxis und Theorie begegnen sich.

Ich finde das immer wieder sehr faszinierend. Mehr, wie gesagt, in Kürze hier….

Am Ende eines wirklichen langen Tages möchte ich kurz berichten, wie es war, beim Workshop für Musik-Kinesiologie der DGfF im Hochschen Konservatorium in Frankfurt.

Los ging es um 10 Uhr. Leider ohne mich…. eine Viertel Stunde zu spät und unausgeschlafen. Um sieben raus am Samstag, das war ziemlich heftig für meine Motivation. Glücklicherweise war ich trotz allem nicht die letzte.

Versammelt hatte sich ein bunt gemischtes Trüppchen von Schülern, Studierenden, Studierten und Hobbymusikern. Sogar eine Geigerin und Blockflötist gesellten sich dazu und gaben dem ganzen einen weniger “inzestuösen” Geschmack. Alles in allem eine gute Mischung lauter sympathischer Menschen, die auch dazu führte, dass während des Tages keine Hemmungen oder peinliche Momente auftraten. Glück gehabt!

Vielleicht das wichtigste für so einen Ein-Tages-Workshop: die Dozentin, Britta Roscher. Ebenfalls eine sehr sympathische Erscheinung, die für den Kurs eine gute Mischung von Theorie und Praxis, einen aufmunternden und frischen Ton und die richtige Ansprache für die durchaus bunte Truppe fand. Auch hier also ein Glücksfall.

Der Kurs begann nach der gegenseitigen Vorstellung der bereits anwesenden Teilnehmer mit einer kurzen Einführung in die Geschichte der Kinesiologie. Dann ging es gleich ziemlich in die vollen. Ein paar Übungen, ein bisschen Erklärung und immer wieder Diskussion, Fragen etc.

Inhaltlich will ich nicht zu vieles aus dem Nähkästchen plaudern, schließlich wäre das auch so was wie eine Copyright-Verletzung. Nur in Kürze mein persönliches Fazit: die vielen Übungen für die Muskeln, die Durchblutung oder um das Hirn dazu zu bringen, seine beiden Hälften zu benutzen, fand ich durchweg überzeugend und interessant und will ich auch auf jeden Fall versuchen in meine Gewohnheiten mit einzubauen.

Zum Thema Noten “bemalen” denke ich, bleibe ich für mich weiterhin bei meiner “Technik”, mir Stichworte einzutragen und Farben eher zum Hervorheben von Auszeichnungen (z. B. Dynamik) zu verwenden. Das liegt aber vor allem daran, dass ich sehr “wortorientiert” bin und mir ein Wort irgendwie mehr sagt als ein Bild (denke ich jedenfalls). Für Schüler glaube ich, ist diese Technik wirklich interessant. Was ich auch probieren will, ist Transparenzpapier über die Noten zu legen. Ich glaube, Farben erzeugen Stimmungen. Allerdings denke ich, nur dann, wenn ich sie sehe und nicht, wenn ich darauf sitze (aber das ist ein Insider).

Besonders interessant ist die Übetechnik mit dem Überkreuzgehen und auch das in die Hocke gehen beim Spielen, dass hörbar das Einatmen verändert. Beides sehr interessant. Für ersteres werde ich das Wohnzimmer entrümpeln müssen und letzteres habe ich auch schon mal in einem anderen Buch gelesen… aber das macht die Anwendung ja eher noch interessanter.

Der Tag wurde abgerundet durch ein nettes und leckeres gemeinsames Mittagessen beim Italiener, interessante Mitteilnehmer und nette Gespräche. All das für 50 Euro, nicht zu verachten.

Ich würde sagen, wenn Wiesbaden nicht so weit wäre, wäre Britta Roscher auch eine interessante Alternative sowohl für Flötenunterricht als auch für Kinesiologie-Stunden. Aber von Köln ist das leider ein wenig weit.

Wer näher dran ist, erfährt weit mehr auf der Homepage www.brittaroscher.de. Übrigens ist sie auch Mitglied des Flötenquartetts verquer. Eine Intensiveinheit, Flöte, Ensemble und Kinesiologie in Italien wäre eine weitere Möglichkeit: vom 11.- bis 16.6.2011 in Italien. Alle Infos dazu beim Veranstalter Cinqueterre Urlaub.

Ein rundum schöner Tag also, aber müde bin ich jetzt trotzdem.

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