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Durchsuche Beiträge in Atmung

Als kleine Abwechslung zwischen den vielen Berichten vom Flöten Festival in Freiburg kommt jetzt mal wieder eine Buchbesprechung. Schon vor einigen Wochen habe ich hier kurz von diesem Buch berichtet. Jetzt hat es doch noch ganz schön lang gedauert, durch den Schinken durchzukommen. Das lag aber nicht daran, dass das Buch langweilig oder schlecht zu lesen gewesen wäre, nein eher daran, dass ich so viel zu tun hatte und mir der Schmöker von sicher gut einem Pfund Gewicht zum Reisen einfach zu unhandlich war.

Damit wären wir auch schon wieder bei den üblichen äußeren Fakten zum Buch. Der Band ist etwas größer als DIN A 5, gute 3 cm dick und als Paperback gebunden. Der Autor ist Manfred Spitzer, ein Arzt, Psychologe und Philosoph aus Baden-Württemberg, die in seiner Freizeit musiziert. Der Titel lautet Musik im Kopf, erschienen ist das ganze im Schattauer Verlag. Insgesamt umfasst der Schinken über 460 Seiten.

Nun also zum Inhalt. Gegliedert ist das Buch in fünf Teile:

  • ein einleitender allgemeiner Teil
  • Musik hören
  • Musik erleben
  • Musik machen
  • Musik verstehen.

Diese Abschnitte sind jeweils nochmals in mehrere Kapitel unterteilt (alles in allem 17 Stück davon). Die Kapitel sind nochmals in Abschnitte mit eigenen Überschriften unterteilt. Diese kleinsten Einheiten sind selten mehr als ein oder zwei Seiten lang. Die Kürze der einzelnen Abschnitte macht neben der Sprache die gute Lesbarkeit aus. Im ganzen Werk ist immer zu spüren, dass der Autor ein Musikbegeisterter ist. Das Ganze ist sehr informativ aber trotzdem nicht trocken und sprachlich nicht übermäßig wissenschaftlich oder abgehoben.

Im einleitenden Teil wird hauptsächlich die gesellschaftliche, religiöse und kulturelle Bedeutung von Musik dargestellt, sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart.

Der Abschnitt „Musik hören“ vollzieht alles erforderliche von der Klangentstehung bis zum Merken des Gehörten nach. Das heißt, es beginnt mit der Schallentstehung (Physik, Akustik), geht weiter mit dem Empfang von Tönen im Ohr und ihrer Verarbeitung im Gehirn (Mischung aus Akustik, Physiologie und Neurologie). Der vierte Abschnitt erklärt die Bedeutung von Intervallen, Harmonie und Disharmonie. Auch hier vermischen sich Physik und Neurologie. Es folgt ein Kapitel zur Bedeutung des Gedächtnisses für das Musik hören.

Der zweite Hauptteil „Musik erleben“ spielt sich praktisch ausschließlich im Gehirn ab. Was können Föten im Mutterleib hören und wie wirkt es sich auf deren Entwicklung aus? Wie und funktioniert die Verarbeitung von Musik im Gehirn? Dann widmet sich der Autor ganz dem Thema Rhythmus und Tanz. Abgeschlossen wird die Frage des musikalischen Erlebens mit dem absoluten Gehör im Vergleich zum relativen.

Im dritten Teil „Musik machen“ wird zunächst die direkteste Form, das Singen, besprochen. Dazu gehören Erläuterungen zu den beteiligten Organen (Stimme, Atmung, Phonation etc.). Im nächsten Abschnitt folgt instrumentales Musizieren (Blattspiel, Unterschiede zwischen Mann und Frau, ein Blick auf die Hände und Fragen zu Technik und Ausdruck). Abgerundet werden diese Darstellungen durch „Musizieren lernen“ und gemeinsames Musizieren (hier spürt man den Musiker mit Leib und Seele besonders).

Unter dem abschließenden Topic „Musik verstehen“ sind Fragen zur Evolution der Musikwahrnehmung und des Musizierens zusammengefasst (Musik im Tierreich und bei unseren Vorfahren), emotionale Wirkung von Musik auf den Menschen, was wirkt wie auf wen? Die „Nutzung“ von Musik an den Beispielen der Werbung, der Filmmusik und der musikalischen Akustik von Konzertsälen. Den Abschluss bildet Musik im Zusammenhang mit der menschlichen Gesundheit, dazu zählen sowohl spezifische Erkrankungen bei Musikern als auch Ausführungen zur Musiktherapie.

Die Vielzahl der behandelten Inhalte zeigt schon, dass die Darstellung nirgends ganz in die Tiefe gehen kann. Dennoch wird ein gut verständliches Bild jedes Bereichs gezeichnet. Dazu versorgt einen der Autor mit unzähligen Literaturverweisen (20 Seiten Literaturverzeichnis), die ein tieferes Studium zu jedem der Themen ermöglichen. Abgerundet wird das alles durch ein Stichwortregister.

Im Vorwort empfiehlt der Autor, das ganze zweimal zu lesen und jetzt wo ich durch bin, könnte ich dem zustimmen. Ich werde es allerdings nicht tun, weil da noch so viele andere Bücher warten, auf die ich sehr gespannt bin. Das Buch enthält unglaublich viele spannende Details, die mir zuvor nicht bekannt waren. Zum Beispiel gibt es im Ohr Muskeln, die bei lauten Geräuschen automatisch die Schallwahrnehmung dämpfen, um das Ohr zu schützen. Es gibt aber auch Menschen, die diese Muskeln willentlich anspannen und damit die Lautstärke runterregeln können, wenn das nicht cool ist.  Ein anderes Beispiel ist, dass die Satzmelodie, die sich am Ende immer nach unten bewegt, sich auch aus der Druckabnahme in der Lunge des sprechenden erklären lässt. Überall ist also auch Physik im Spiel. Es ist einfach unglaublich faszinierend, wie perfekt wir konstruiert sind. Manchmal kann man schon ins Grübeln kommen, ob das ausschließlich die Evolution vollbracht haben soll?

Das Ganze ist ein Plädoyer für die Musik und vor allem für das gemeinsame Musizieren. Nochmals besonders deutlich wird das im Schlussabschnitt:

„…So können wir mit Musik vielleicht ein Stück dem Wahren, Guten und Schönen nähern. Das wäre doch etwas! Also auf geht’s: A one, a two, a one-two-three-four…..“

Ich kann das Buch absolut empfehlen, wer sich für Musik interessiert kann hier viele neue Perspektiven finden, lernt, wie Musik machen und hören wirklich funktioniert und blickt über den Tellerrand. Und das Ganze dann auch noch unterhaltsam und einfach „nett“. Eine echte Fundgrube.

Google Alerts ist eine Fundgrube. Für mich jedenfalls. Vor ca. 2 Wochen meldete mir Google da einen Forumsbeitrag, in dem der 2. Hagener Flötentag angekündigt wurde. Ein ganzer Tag mit Workshops und einer Instrumentenausstellung von Flutissimo, dazu Sofortreparaturen (kleinerer Art) durch den Flötenbauer Nold. Klang nach einem interessanten Programm.

Da habe ich also, anstatt wegen ein paar Kleinigkeiten nach Sankt Augustin zu Flutissimo zu fahren, mich dort mit Flutissimo-Chef Bernd verabredet und parallel dazu beim Veranstalter, dem Flötenorchester Schöne Töne Hagen, angemeldet und einen einzelnen Workshop zum „Schnuppern“ gebucht.

Angeboten wurden Workshops von Krzysztof Kaczka (bei dem war ich, Soloflötist des Guangzhou Symphony Orchestra), Sita Herber (Diplom-Flötistin), Jil Gräfen (Hagen), Tanja Rödel (Flutissimo), Wiebke Klostermann (Flötenstudentin), Markus Klein (Diplom-Flötist), Markus Nold (Flötenbauer), Karin Steenstra (Flutissimo), Claudia Rahtge (Flutissimo) und Bernd Wysk (Flutissimo).

Die Workshops waren hauptsächlich in Richtung Flötenorchester ausgerichtet (Spielen auf Bass- und Altflöten, Ensemblespiel in verschiedenen Schwierigkeitsstufen, Schnupperkurs für Kinder). Daneben gab es aber auch allgemeinere Workshops wie „Singen und Spielen für Anfänger“ oder die Workshops mit Herrn Kaczka.

Berichten kann ich wie gesagt nur von letzterem. Wir waren insgesamt 9 Personen unterschiedlichsten Alters und verschiedenster flötistischer Erfahrung. Los ging es mit einer Vorstellungsrunde: Vorname und wie lange jeder schon spielt. Das ging von ca. 2 Jahren bis zu über 30 Jahren (und das war leider ich).

Herr Kaczka bemühte sich mit seinem lockeren Stil, die Runde entspannt zu halten. Leider ist es in solchen Konstellationen immer so, dass Nervosität und ein „Wettbewerbsgefühl“ herrschen (ich habe das jedenfalls noch nie anders erlebt). In diesem Fall hat es der Dozent geschafft, diese Anspannung weitgehend zu reduzieren. Leider gab es dennoch Stimmen, die eine Teilung des Kurses vorschlugen, „damit sich die Fortgeschrittenen nicht langweilen“. Ich glaube, für Anfänger im Erwachsenenalter ist die Mischung aller vielleicht am schwersten zu ertragen, weil man schon „groß“ ist und dennoch vielleicht schlechter spielt als andere jüngere. Ich habe früh angefangen und kenne dieses Gefühl in diesem Fall nicht (aber bald vielleicht im Zusammenhang mit Geige). Dennoch möchte ich hier alle Musiker in einer solchen Situation ermuntern, sich keinen Kopf über solche Dinge zu machen und forsch drauf los zu probieren. Es handelt sich ja nicht um eine Konkurrenzsituation, alle wollen Spaß an der Musik haben und etwas lernen, egal wie alt oder wie weit.

Ich habe den größten Respekt davor, sich Wünsche neben dem Beruf oder danach im Ruhestand zu verwirklichen, zu lernen und sich weiter zu entwickeln. Es ist schade, wenn das Erlernen von Musik so stark auf Kinder und Jugendliche fokussiert wird. Musik machen tut jedem gut.

Vermutlich war ich heute der Grund für dieses „Problem“. Alle anderen kannten sich wohl schon irgendwie über das Flötenorchester Schöne Töne oder auch aus dem Projektorchester NRW. Nur ich war „neu“ und „fremd“ und vermutlich wusste keiner so recht, was ich da will, wie ich da hinkomme etc. Aber gefragt hat auch keiner….. täte mir leid, wenn es für die anderen Teilnehmer die Situation verkompliziert hat, dass ich da war….

In unserem Workshop ging es um Atmung und die Öffnung von Hals- und Kieferbereich für einen offenen Ton. Als Mittel zum Ziel gab es viel bewährtes (und mir schon bekanntes) aus De la Sonorite von Moyse aber auch Neues. Beispielsweise der Einsatz von Flatterzunge als Lockerungsmassnahme beim Spielen war mir unbekannt. Auch sehr spannend: Einen Ton aushalten und gleichzeitig im Glissando nach unten singen. Je tiefer gesungen, je lockerer wird der Hals. Beides kombiniert, zusätzlich vielleicht noch mit ultralangsamem Vibrato („Oma-Vibrato“), alles ohne Anstoß…. gute Methoden zur Lockerung und Vergrößerung des Klangs.

Es war total beeindruckend, wie Kaczka für jeden die passenden Worte hatte, wie fünf Minuten Arbeit immer wieder eine hörbare Verbesserung des Klangs erbrachten. Meine eigene relative Kurzatmigkeit (nicht richtig eingespielt und vormittags, sonst geht auch mal etwas mehr als heute) führte glücklicherweise auch zur Entspannung derer, die vielleicht vor jemandem mit so langer Spielerfahrung ungerechtfertigten Respekt oder Scheu empfanden (war mein Eindruck anfangs, da könnte ich im Boden verschwinden).

Kaczka selbst ist eine lebende Luftpumpe. Riesenton, ewig lange Phrasen. Ein Power-Flötist. Ich fand seine lockere, nette, aufmunternde aber auch fordernde Art für eine solche Veranstaltung perfekt.

Nach dem Kurs gab es Zeit, die riesige Instrumentenausstellung von flutissimo zu betrachten und natürlich auch auszuprobieren. Vom Piccolo bis zur Bassflöte, von der 300-Euro-Schülerflöte bis zur handmade Vollsilberröhre war alles da. Im Foyer gab es Getränke und Brötchen.

Die Ausstellung wurde fleißig frequentiert von Musikern aller Kaliber. Beratung war gewohnt gut und ausführlich. Instrumente konnten sogar in Workshops ausgetestet werden. Alles das in einem kleinen Gemeindehaus der evangelischen Kirche in einem Hagener Wohngebiet, veranstaltet von einem Flötenorchester. Jede Workshop-Teilnahme kostete übrigens 10 Euro, dafür gab es zwei Stunden Gruppenunterricht von einem Profi. Hut ab, ich bin begeistert. Echte Breitenarbeit. Vielleicht könnte man das noch mit einer Notenausstellung ergänzen, das wäre perfekt.

Vielen Dank nach Hagen! Ich denke, ich war vermutlich nicht zum letzten Mal da.

Das heutige Buch habe ich nicht nur gelesen, sondern auch „ausprobiert“. Zu großen Teilen jedenfalls. Es handelt sich um Übungen, die dazu führen sollen, dass man längere Phrasen spielen kann, mehr Klang entwickelt und weniger verspannt.  Wie gewohnt zunächst ein wenig allgemeines und äußerliches. Das Büchlein ist etwas größer als DIN A 5 und ziemlich dünn (87 Seiten).  Erschienen ist es im Zimmermann Verlag.  Hier die bibliographischen Infos:

Regula Schwarzenbach – Letizia Fiorenza

Höhenflüge mit Bodenhaftung

Die Methode Atem-Tonus-Ton für Flötistinnen und Flötisten

Ein Übungsbuch für Neugierige

Neben sieben Inhaltskapiteln finden sich ein Vorwort, eine Einführung, ein Anhang mit Begriffsdefinitionen, ein Literaturverzeichnis und die Biografien der Autorinnen und der Fotografin. Der inhaltliche Aufbau ist:

  1. Vorbereitende Übungen (lockern und Körperbewusstsein schaffen)
  2. Die Kraft aus Beinen und Becken (wichtig für den tiefen Atem)
  3. Die Brustresonanz (Lockerung des Brustbereichs, gut für Atmung und Klang)
  4. Die Kopfresonanz (Lockerung von Kiefer und Rachen, wichtig für Atmung und Klang)
  5. Übungen mit Hilfe einer Partnerin oder eines Partners
  6. Die Verbindungen
  7. Die Brücke zur Musik

Ganz grundsätzlich finde ich das Buch und seine „Aussage“ sehr sinnvoll und auch hilfreich. Ich glaube, die Übungen können einen flötistisch und auch in Sachen „Wohlbefinden“ weiterbringen. Mein Problem bei der Bewertung des Systems ist, dass ich diese und ähnliche Übungen schon seit mehreren Jahren in Einzelstunden mit einem „Trainer“ oder „Therapeuten“ mache. Beim Ausprobieren der einzelnen Übungen merke ich, dass mir unbekannte Bewegungsabläufe nur nach Text und Bild schwer nachzuvollziehen sind, bzw. ich aus meiner Erfahrung aus den Übungsstunden skeptisch bin, ob das alles so richtig ist, wie ich es mache. Ein anwesender Trainer korrigiert ziemlich viel oder zeigt auch Spielräume auf. Das finde ich sehr hilfreich. Ein Buch kann das natürlich nicht leisten.

Ich gehe die Übungen jetzt mal von vorne nach hinten durch und gebe meinen Senf dazu. Wen das anspricht, dem möchte ich in jedem Fall empfehlen, vielleicht zu versuchen, mal einen Wochenendkurs oder so etwas für solche Übungen zu besuchen, danach ist es sicher auch nach Buch einfacher.

  •  Dehnen als Vorbereitungsübung – gute Idee, vor allem nach einem Tag Büroarbeit oder ähnlichem. Macht den Kopf frei und erleichtert den Einstieg. Werde ich beibehalten
  • Körpergerechte Haltung im Stehen: mit Füßen parallel, nicht durchgedrückten Knien, Schwerpunkt auf den Zehenballen – nicht ganz neu aber sinnvoll. Das mit dem Gewicht auf den Ballen ergibt sich bei mir spätestens, wenn ich mit Restluft spiele. Gar nicht bewusst, hat sich einfach ergeben.
  • Körpergerechte Haltung im Sitzen: ganz wichtig und viel schwerer als Stehen (finde ich). Ich habe die Tage jetzt auch endlich mal im Sitzen geübt, wenn man einen geeigneten Hocker schon für die Übungen geholt hat, dann ist der Weg nicht mehr so weit. Interessant war für mich Beckenbewegung, die ich aus meinen Übungsstunden kenne, aber ich habe das nie bewusst fürs Flötespielen verwendet. Kommt übrigens aus der Feldenkrais-Ecke. Das Becken-Kippen hilft, mit dem Atem tief zu kommen. Sehr gute Übung!
  • Federn in der körpergerechten Haltung auf den Ballen und runter mit den Fersen. Sehr gut, macht locker und aktiviert die Atmung noch weiter. Werde ich auch weiterhin machen vor dem Üben.
  • Standbein und Spielbein: Das habe ich nicht richtig hinbekommen. Irgendwie wird das nicht organisch bei mir. Eines der Beispiele, bei denen ich mir Führung wünschen würde. Es geht darum, beim Spielen bzwl Atmen das Gewicht von einem Bein aufs andere zu verlagern.
  • Widerstand – sich Aufrichten: bekomme ich auch nicht so recht hin. Vielleicht habe ich auch ein Koordinationsproblem.
  • Körperschwung (in die Knie, vorbeugen, aufrichten mit Armschwung): mache ich einfach vor dem Üben. Das kenne ich aus einem Übungsprogramm, dass ich in den 90ern mal angefangen habe: Callanetics, war auch gut für den Rücken. Die Übung macht wach und locker, ebenfalls ein guter Übergang vom Alltag zum Musizieren. Daumen hoch!
  • Beckenkreis: perfektes Mittel gegen Rückenschmerzen und Verspannungen. Auch Feldenkrais. Das kann ich gut, weil ich das in den Übungsstunden oft mache. Im Sitzen ist natürlich nahe am Spielen. Generell kann ich empfehlen die gleichen Bewegungen mit dem Becken mal auf dem Rücken liegend zu machen. Viel einfacher, viel entspannender und gerade für Anfänger ein guter Start. Ich nehme für die Sitzübungen übrigens den FROSTA-Hocker von Ikea. Unter 10 Euro, Höhe ist ziemlich gut, für mich eine perfekte Lösung.
  • Ball an der Wand: Konnte ich nicht üben, ich habe noch keinen Ball, will mir aber einen besorgen.
  • Beckenhocke: habe ich auch nicht gut hinbekommen. Zur Aktivierung des Beckenbodens gibt es aber auch noch eine Übung aus dem Callanetics-Programm: Knien, Hände links und rechts der Knöchel hinten und dann Po nach vorne (wie ein gespannter Bogen) und wieder runter. In der gedehnten Stellung ruhig ein bisschen aushalten.  Ist einfacher, finde ich….
  • Hängebauchschweinchen: geht zwar, war für mich aber jetzt keine richtige Offenbarung.
  • Spielen auf einem Bein: cool, erstaunlich und etwas, das ich gerne in meinem Programm behalten will. Wenn man balancieren muss, verändert sich das ganze Spiel und das zum Guten, finde ich. Genial einfach!
  • Nehmen Sie Platz! (während der Phrase aus dem Stand mit dem Hintern auf den Hocker, so dass man genau beim höchsten Ton unten ankommt) Funktioniert für mich nicht, weil ich nicht weiß, wie lange ich runter brauche oder wann ich da sein werde. Müsste man vielleicht mit Spiegel versuchen. Seltsam.
  • Kreisen der Schultern: einfach und hilfreich. Gut ist aber auch, die Schulter hoch zu ziehen bis zum Ohrläppchen und dann Schulter und Kopf parallel hoch und runter zu nehmen. Auf der unbeteiligten Seite lösen sich die Muskeln. Ganz cool!
  • Armschwung mit Flöte (Flöte mit einer Hand halten, die andere schwingt „blind“ ran, wechselseitig): einfach, machbar. Kann man öfter mal machen.
  • der kleine Körperkreis: konnte ich nicht so recht nachvollziehen. Da mache ich lieber die Lockerungsübungen, die ich von meinem „Trainer“ habe.
  • Summen mit Hilfe der Hände: interessant und tatsächlich irgendwie aktivierend.
  • Singen und spielen: immer gut, um den Halsbereich zu lockern, das mache ich seit Graf’s Check-up. Empfehlenswert!
  • Wirbelsäule abrollen: sehr gut, bekannt von Callanetics und Gyrotonics.
  • Kopf neigen: Beim Einatmen den Kopf  nach vorne bewegen ist für mich irgendwie anti. Müsste ich nochmal probieren. Beim ersten Mal war es nur befremdlich.
  • Pinselstriche: Beim Spielen den Kopf bewegen. Sehr interessant und auch übenswert, denke ich. In der Art minimaler Bewegungen gibt es viele Richtungen, in denen man Kreise machen kann. Gut zum Entspannen.
  • Beweglichkeit des Kiefers: kenne ich auch aus meinen Übungsstunden. Mit Hilfe ist das aber einfacher. Alleine finde ich es schwierig.
  • Obertöne spielen: auch seit Check-up im Repertoire. Nix neues aber empfehlenswert.
  • Kopfresonanz: die Sachen habe ich nicht ausgiebig getestet.
  • Übungen zu zweit: Habe ich nicht gemacht, sieht aber hilfreich aus und ist für Unterricht in der Gruppe sicher eine gute Idee.
  • Die Verbindungen: verschiedene Übungen, um Koordination zu verbessern und die isolierten Bewegungen miteinander zu verknüpfen. Auch diese Übungen sind mir aus Feldenkrais und Kinesiologie bekannt. Auf jeden Fall sinnvoll.

Im Abschlusskapitel „Die Brücke zur Musik“ wird erklärt, wie man das Ganze (wie andere Veränderungen des eigenen Spiels auch) in sein Musizieren integrieren kann.

Insgesamt dient dieses Programm schon mal dazu, den eigenen Körper mehr wahr zu nehmen. Das ist eine Hauptveränderung, die ich erlebe, seit ich regelmäßig in dieser Richtung tätig bin. Man merkt Verspannungen früher und kann auch besser los lassen. Das ist schon mal super. Wesentlich ist für mich das Verständnis, dass das Becken unser Zentrum ist. Ein großer, schwerer Knochen mit vielen Muskeln dran, dem man ruhig auch viel der Arbeit machen lassen kann. Das gilt fürs Flöten aber auch für andere Bewegungsabläufe. Mein „Trainer“ spricht manchmal von der Vorstellung, das Becken sozusagen wörtlich als Schale zu betrachten. Das ist ein gutes Bild. Für das Spielen kann man sich dann vorstellen, dass die Luft dieses Becken füllt, wie Wasser.  Ich denke, jeder hat andere Bilder, die ihn ansprechen oder ihm einleuchten. Wichtig ist, sich kennenzulernen und auch ernst zu nehmen. Es ist einfacher Bewegungsgewohnheiten zu ändern, als ich gedacht hätte. Und es führt zu sehr viel Veränderung im Klang. Nur nicht zu ehrgeizig sein, nehmt Euch Zeit, gebt sie Euch. Bei mir wurde durch das Training der Atem in jedem Fall freier und die Phrasen länger. Natürlich gepaart mit dem Flötenunterricht, den ich nehme.

Alles in allem ein vielversprechendes Buch, ein Kurs für diese Methode wäre mal reizvoll. Die positive Wirkung kann ich voll bestätigen, auch wenn ich nicht exakt die selben Übungen gemacht habe. Feldenkrais und andere körperorientierte Methoden machen ähnliches. Das hier vorgestellte Programm ist vermutlich expliziter in Richtung „Leistungsatmung“ ausgerichtet.

Atemlosigkeit

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Normalerweise bin ich relativ wenig nervös, wenn ich irgendwo spielen muss. Die Nervosität, die da ist, verschwindet dann auch in der Regel beim Spielen. An Heilig Abend war das leider ein bisschen anders. Ich habe mit dem Trio (Flöte – Klarinette und Klavier) zum ersten Mal wirklich ganz öffentlich gespielt. Im 18 Uhr Gottesdienst der evangelischen Kirche in Brauweiler haben wir eine Triosonate von Reinhard Keiser und die Sicilienne von Faure gespielt. Das Trio ist für mich die musikalisch fortgeschrittenste Besetzung in der ich derzeit spiele. Bei uns passt irgendwie alles gut zusammen und so können wir auf Augenhöhe entspannt miteinander musizieren, Dynamik, Agogik, Kommunikation, Intonation…. es klappt einfach. Ich glaube, das war auch der Grund dafür, übermäßig nervös zu sein. Ich wollte alles, wollte die Qualität aus der Probe auch öffentlich reproduzieren können. Das Ergebnis war ein dicker Klumpen an der Stelle, an der normalerweise das Zwerchfell sitzt. Tiefe Atmung ging einfach nicht und leider hat sich das auch während des ganzen Gottesdienstes nicht wirklich geändert.

Diese Erfahrung passte in einen Themenkomplex, der mich schon eine Weile beschäftigt. Atemlosigkeit, Tiefatmung, Luftführung… ein total wichtiges Thema beim Flöte spielen.

Ich hatte die letzten Jahre immer extrem das Gefühl, viel zu wenig Luft zu haben. Insbesondere auch nachdem ich vor ca. 5 Jahren meine neue Flöte gekauft habe. Ein anderer Schnitt des Mundlochs, ein dickwandigeres Instrument… man braucht mehr Luft für die gleiche Phrase. Ich war lange sehr unzufrieden. Im vergangenen Jahr hat sich das sehr gebessert, mittlerweile bin ich manchmal richtig stolz, wie weit ich mit einem Atem kommen kann und ich habe wieder viel mehr Spielraum für die musikalische Gestaltung. Wie kommt das?

Die Reichweite des Atems wird logischerweise hauptsächlich von zwei Faktoren beeinflusst: der Menge der verfügbaren Luft (Atemvolumen) und dem Verbrauch beim Spielen. Ich denke, bei mir hat sich beides gewandelt. Für den Verbrauch ist es wichtig, jeden Ton exakt anzuspielen, so dass möglichst keine Luft vergeudet wird. Für das Atemvolumen ist wichtig, wie man Luft holt, welche Räume man im Körper nutzen kann und wie man das Ein- und Ausströmen kontrollieren bzw. geschehen lassen kann.

In beiden Punkten habe ich in den letzten zwei Jahren im Unterricht viel gelernt. Gleichzeitig hatte ich aber fast ungewollt Unterstützung von anderer Seite. Ich gehe seit einigen Jahren regelmäßig in eine Übungsstunde für den Rücken. Angefangen habe ich mit Gyrotonics. Nach dem Wechsel meines „Therapeuten“ wird das Programm jetzt auch mit Feltenkrais ergänzt. Ich hatte schon dauernd das subjektive Gefühl, dass diese Übungen, die auch die Rippen lockern, neue Bewegungsmuster, eine bessere Haltung, die Entspannung der Schultern und viele andere Effekte mit sich bringen, meine Atemkapazität verbessern. Aber das war natürlich nur ein Gefühl.

Was ich im Unterricht erklärt bekam, konnte ich meiner Meinung nach teilweise nur umsetzen, weil ich durch die Übungen ein Bewusstsein für Muskeln und Körperpartien gewonnen habe, die ich in meinem Bürojob jahrelang ignoriert oder misshandelt hatte und die auch erst durch die Übungen wieder beweglich geworden sind. Diese Kombination war für mich sehr fruchtbar.

Eine Bestätigung für meine Vermutung habe ich vergangene Woche beim Beginn der Lektüre des Büchlein Atem-Tonus-Ton gefunden. Das „Übungsbuch für Neugierige“ wendet sich speziell an Flötisten. Und siehe da, in diesem Büchlein habe ich viele mir schon aus meinem Rückentraining bekannte Übungen wieder entdeckt, die hier explizit dem Zweck der Unterstützung von Atmung und Flötenspiel gewidmet sind. Mein Gefühl hat also nicht getäuscht.

Ich denke, für jeden Blasmusiker kann es nur von Vorteil sein, seinen Körper besser kennen zu lernen und ihn ergonomischer einzusetzen. Das kann zu einem Füllhorn neuer Möglichkeiten führen. Zu den Details bezüglich des Büchleins werde ich in Kürze noch einen Bericht schreiben, wenn ich durch bin und die Sachen mal alle ausgetestet habe. Die Vertrautheit mit einigen der Übungen zusammen mit der von mir empfundenen Veränderung meines Flötenspiels seit ich in dieser Richtung aktiv bin, machen mich aber auch hinsichtlich des vorgeschlagenen Übungsprogramms sehr optimistisch.

Im Job habe ich gerade richtig viel zu tun. Projektabschluss zum Monatsende, da muss ein dicker Bericht fertig sein. Arbeitstechnisch heißt das täglich so neun bis zehn Stunden vor dem PC sitzen und mit Word, Worten und Zahlen kämpfen. Die einzigen zwischenmenschlichen Kontakte finden dann in der Mittagspause statt, dazwischen stürzt Word auch mal ab, dann muss ich Daten auswerten, Informationen nachschlagen etc. Alles in allem ein recht trockenes Geschäft, dass sich im Hirn einnistet wie der Holzwurm. Auf dem Heimweg, zuhause und manchmal auch nachts drehen sich dann die Gedanken noch um das wie und was, ist das zu schaffen, wo mache ich weiter, was habe ich vergessen. Abschalten? Ein echtes Problem….

Und obwohl ich eigentlich, wenn ich um halb acht heimkomme, müde und unfit aufs Sofa sinke, habe ich festgestellt, dass es sich lohnt, sich zum Üben aufzuraffen. Wenn ich das nämlich tue, dann wird der Kopf frei. Tonübungen haben was von Meditation irgendwie. Luft fließen lassen, den Ton an den Lippen und in den Fingern spüren. Je stupider, je besser. Sonorite zum Einspielen, dann auch ein bisschen Technik (Tonleitern im Maximaltempo), da denken überhaupt nur die Finger. Das Körperliche am Spielen läßt mich irgendwie wieder zusammenfinden, Kopf und Rest,  und der Körper, der den ganzen Tag vernachlässigt und ignoriert wurde, hat wieder zu tun.  Das ist geradezu heilsam.

Oft komme ich an solchen Tagen gar nicht über die Übungen raus, weil mir Stücke oder gar richtig Üben viel zu anspruchsvoll sind. Aber wenn es sich dann doch ergibt, wenn der Ton gut ist, alles fließt und das Gefühl einfach Lust auf mehr macht, dann ist das die eine halbe Stunde des Tages, die mir wirklich was gibt, wo ich dann endlich mal wieder das Gefühl habe, dass ich noch lebe.  Und wenn nicht, zwanzig Minuten oder eine halbe Stunde Ton und ein bisschen Technik, das reicht schon, um richtig auf der Höhe zu bleiben und wenigstens nicht mehr ausschließlich an die Arbeit zu denken. So eine Art Softreset. Für mich ganz ungewohnt, mein Leben lang habe ich das eigentlich immer gemieden und wollte nur spielen. Und jetzt bin ich ein wahrer Tonübungssüchtiger. Vielleicht ist das ja auch so eine Art flötistische Altersweisheit. :)

Verdachtsmomente

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Als notorischer Schreibtischtäter mit eckigen Bildschirmaugen hatte ich eine ganze Weile einmal im Jahr den Hexenschuss. Lendenwirbelbereich, Becken stand schief und nix ging mehr. Irgendwann führte mich der Zufall und ein anderes Wehwehchen zu einem mir sympathischen Physiotherapeuten mit Vertrauen erweckender Ausstrahlung. Seitdem mache ich einmal die Woche eine halbe Stunde „betreute“ Rückengymnastik im Einzelunterricht. Das heißt korrekt Gyrotonic und ist ausgesprochen unanstrengend. Das Ergebnis kann sich dennoch sehen lassen, seit bald zwei Jahren kein Hexenschuss mehr, seltenst Rückenschmerzen und nicht dieses gepanzerte Gefühl um die Schultern. So weit schon sehr schön, aber was hat das in einem Flötenblog zu suchen?

Wie wohl alle, die hier vorbeikommen, wissen, lese ich derzeit Bewusste Flötentechnik von Werner Richter zum zweiten Mal. Da steht wirklich viel über Muskelwirkungen und Haltung drin und auch über Körpergefühl und Stütze usw.  Außerdem habe ich ja schon einige Zeit einen neuen Lehrer und in letzter Zeit auch richtige Erfolgserlebnisse und gelegentlich auch ein für mich völlig neues Körpergefühl beim Spielen. Aufgrund der Beschreibungen von Richter denke ich, dass das Stütze ist. Und weil ich gelegentlich nach Trainings-Pausen auch schon mal Muskelkater nach meinen Gyrotonics habe, weiß ich, dass die dann betroffenen Muskeln in der gleichen Gegend liegen. Und nun habe ich eins und eins zusammengezählt und denke mir, dass das neue Körpergefühl und auch der bessere Klang mit der Stütze zusammenhängen und diese außer durchs Üben eben auch durch die „körperliche Ertüchtigung“ besser geworden ist. Schließlich zielen die Übungen auf eine Kräftigung der Haltemuskulatur unten hin, um durch mehr Stabilität den Schulterbereich zu entlasten. Ja, und das ist gut fürs Flöte spielen. Sind die Muskeln erst mal aufgeweckt…. Beweisen kann ichs nicht, aber dennoch bin ich mir relativ sicher und total froh, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen……

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