Sinfonieorchester des WDR in der Kölner Philharmonie

Unter der Überschrift

Apotheosen der Virtuosität und des Tanzes

fand gestern das zweite Konzert des Deutschlandfunk-Abonnements in Köln statt. Auf der Bühne das WDR Sinfonieorchester mit seinem neuen Chef Jukka-Pekka Saraste.

Los ging es im ausverkauften Haus mit Scherzo fantastique von Strawinsky. Ein Werk, das voller Farben einfach nur Freude machte. Für Flötisten von besonderem Interesse ein vierköpfiger Flötensatz, bei dem zu meiner Überraschung die Altflöten-Passagen von Martin Becker übernommen wurden.  Hans-Martin Müller dafür zeitweise am Piccolo. Neben ihm gewohnt routiniert Leonie Brockmann am Piccolo. Erste Soloflöte der junge Kollege des abwesenden Michael Faust, Jozef Hamernik. Bewusst hatte ich den jungen Mann noch nie gehört und ich habe es genossen. Gelegentlich fand ich, hätte er etwas lauter spielen dürfen, aber das kann auch an unseren Plätzen gelegen haben, die diesbezüglich nicht günstig liegen. So jedenfalls fand ich bei parallelen Passagen ab und an die Oboe etwas dominant. Aber dafür fügt sich Herr Hamernik einfach hervorragend ein.

Ab dem zweiten Programmpunkt, Rachmaninoff’s erstes Klavierkonzert, dann nur noch zwei Flöten, Hamernik und Brockmann. Damit hatten Müller und Becker einen zeitigen Feierabend. Die Klaviersolistin Valentina Lisitsa sorgte bei ihrem Auftritt bereits für hörbares Raunen. Strohblond, groß und schlank in feuerrotem Kleid mit hinter ihr flatterndem roten Umhang. Sehr eindrucksvoll und irgendwie in dieser strahlenden Jugendlichkeit auch ein wenig überraschend.

Das rote Kleid erwies sich als gute Wahl, so feurig wie die Farbe war auch das Spiel. Mit viel Kraft und nach meinem Empfinden in gutem Zusammenspiel mit dem Orchester fand ich Rachmaninoff wunderbar. Ist es wichtig, ob das Unterhaltungsmusik ist oder was sonst? Ich hatte wunderbare Minuten beim Zuhören und dafür gehe ich ja ins Konzert. Danach entsprechend begeisterter Applaus und eine Solozugabe von Chopin.

Vermutlich waren viele im Konzert gespannt auf den zweiten Akt, Beethovens siebte Sinfonie. Wie würde der neue Chef an Beethoven rangehen? Ich fand, sehr schön. Auswendig dirigierend und sehr beschwingt, mit relativ kleinen Gesten, an denen aber das gesammelte Orchester hing. Wie ein Puppenspieler zauberte jede Handbewegung vollkommen organisch das gewünschte Ergebnis. Ich fand, das wirkte sehr vertraut und sehr natürlich. Hier fielen mir höchstens die Blechbläser ein bisschen negativ auf. Insgesamt fand ich die kurzen Themenköpfe sehr betont. Generell bin ich zwar kein Freund davon, die Klassiker und frühen Romantiker nach den groß orchestrierten Werken ihrer Nachfolger zu hören. Als Freund der dramatischen und dicken Orchesterwerke finde ich das immer etwas schwierig, wieder eine „kleine“ Besetzung vor mir zu haben. Aber das ist vermutlich Geschmackssache.

Beim Applaus zeigte sich, dass das Orchester wohl auch sehr zufrieden mit seinem Frontmann ist. Applaus aus den Reihen der Musiker zu frühem Zeitpunkt. Die Sympathie Richtung Pult kann man hören.

Alles in allem für mich ein sehr gelungener Abend. Ich freu mich schon auf meine Brille, dann kann ich auch aus der 26. Reihe wieder etwas erkennen. Aber Hören ist ja das wichtigste und das hat sich definitiv gelohnt. Vielen Dank!

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