Beim Zusammenschreiben der vielen Biographien bin ich immer wieder verwundert, wie eng die Geflechte zwischen den Lebensläufen sind. Das eine sind musikalische und biologische Stammbäume. Das soll heißen familiär miteinander verbundene Musiker und Komponisten, wie die Bach-Familie, die Brüder Doppler, Rampal und sein Herr Papa oder auch Mozart, sein alter Herr und weniger bekannt, auch sein Sohn. Musikalische Stammbäume sind die zahllosen Schüler-Lehrer-Beziehungen, auf deren Spuren man vermutlich vom Barock bis zu Stockhausen von einem großen zum nächsten wandeln könnte.

Neben diesen sehr organischen Zusammenhängen gibt es aber auch unzählige Freundschaften, unterstützende Beziehungen und Zufallsbegegnungen. Gerade unter diesen unerwarteten Zusammenhängen findet man viele echte Überraschungen. Zum Beispiel schätzte Beethoven einen Herrn Emmanuel Aloys Förster sehr, dessen Quintett meine Kollegen und ich eher als langweilig bewertet haben. Herr Spohr, heute ein Insidertipp, war ebenfalls mit Beethoven befreundet. Danzi war durch eine enge Freundschaft mit Carl Maria von Weber verbunden. Im Licht der Musikgeschichte aus heutiger Sicht eher ein ungleiches Paar. Weber war außerdem auch mit Fürstenau, dem Flötisten befreundet, der noch dazu Weber nach dessen Tod in seiner Wohnung auffand.

Auch Liszt scheint ein weites Netzwerk an musikalischen Freundschaften gepflegt zu haben, darunter Chopin und Saint-Saens. Milhaud war mit Villa-Lobos und Koechlin verbandelt, Joseph Bohuslav Foerster stand mit Mahler in engem Kontakt. Im Barock war Händel ein Kumpel von Scarlatti, Haydn war ein väterlicher Freund für Mozart… so könnte man ewig fortfahren.

Oftmals erfreuten sich die “kleinen” großer Wertschätzung durch ihre heute berühmten Kollegen und sicher haben gemeinsame Abende und Musizieren beide Seiten bereichert. Teils verhalfen sich Freunde gegenseitig zu Schülern, Veröffentlichungen oder Gönnern oder die Werke des einen wurden durch den anderen bearbeitet oder instrumentiert. Und all dies zeigt nur, was jeder musizierende Mensch auch heute noch erfährt. Musik verbindet, sie ist ein guter Grundstein für Freundschaften, überdauert Entfernungen und Jahre und ist sehr kommunikativ. Konkurrenz spielt da häufig anscheinend eher eine kleinere Rolle.