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Ein Taschenbuch von 1963, Verfasser ist Dr.  med. D. Kerner. Es gibt dazu übrigens auch einen zweiten Band sowie inzwischen eine Neubearbeitung aus dem Jahr 2007.

Hier geht es aber um dieses blau-schwarze Büchlein mit leicht vergilbten Seiten.  Erschienen ist es im Friedrich-Karl Schattauer Verlag in Stuttgart. Mit nicht einmal 220 Seiten durchaus kein dicker Wälzer.

Behandelt werden hier die Biographien von zehn Komponisten: Mozart, Beethoven, Schubert, Schumann, Chopin, Reger, Debussy, Mahler, Berg und Schönberg. Jedem der Kandidaten ist ein Kapitel gewidmet, dass die Biographie kurz abhandelt, wobei der Schwerpunkt auf Informationen zu Erkrankungen liegt (logisch). Schön sind die vielen Wortzitate aus Briefen und anderen Schriftstücken von Zeitzeugen. Teilweise werden auch Arzt-und Obduktionsberichte zitiert. Sinnvollerweise endet dann auch jedes Kapitel mit einer wissenschaftlich korrekten Literaturliste der Quellen.

Eingefasst werden die biographischen Kapitel von einem Vorwort und einem Ausklang, der die gefundenen medizinischen Fakten nochmals zusammenfasst. Jedem Kapitel ist ein Stückchen Poesie vorangestellt. In der Mitte des Büchleins finden sich einige Abbildungen der portraitierten, darunter insbesondere viele Fotografien von Totenmasken.

Je nach Quellenlage wird nach der kompletten Biographie vom Autor in fast kriminalistischer Weise aus den Quellen ein „moderner“ Befund hergeleitet. Das gilt insbesondere für die Fälle Mozart und Beethoven. Bei den jüngeren Lebensgeschichten, die größtenteils auch medizinisch besser belegt sind, bleibt eine solche Zusammenfassung teilweise aus bzw. fällt eben sehr kurz aus.

Schön fand ich die Zusammenhänge, die zwischen Gesundheitsstatus und Produktivität hergestellt werden, auch die ausführlichen Zitate von Angehörigen, den Komponisten selbst und ihrem Umfeld fand ich spannend. Leider konnte ich den medizinischen Betrachtungen teils nicht folgen, weil mir die Fachbegriffe einfach nichts sagen. Im Ergebnis kommt der Mediziner auf eine Quecksilbervergiftung als Todesursache bei Mozart, Syphilis (wenn ich es recht verstanden habe) bei Beethoven und Schubert, Schumann erlag einer Hirnsklerose (?), Chopin einer Lungentuberkulose, Debussy hatte eine bösartige Wucherung im Darm, Reger starb an den Folgen von Bluthochdruck, Berg und Mahler wurden jeweils von einer Sepsis dahingerafft und Schönberg wurde das Opfer eines schwachen Herzen.

Interessant ist auch, dass die Fakten teilweise vorsätzlich verschleiert wurden, um das Andenken der verblichenen aufzuhübschen (insbesondere in Sachen Syphilis).

Im „Ausklang“ stellt der Autor auch noch die eher dünne Nachkommenschaft der genannten dar. Besonders schön ist in diesem Zusammenhang, dass eine für mehrere Fälle wesentliche Zeitzeugin, Alma Mahler-Werfel, zum Zeitpunkt der Entstehung des Buches noch lebte, ebenso einige der direkten Nachkommen Mahlers und Schönbergs. Ich finde, solche zeitlichen Zusammenhänge zeigen einem erst, wie nahe deren Lebenszeit der unsrigen doch ist, auch wenn das heute fern scheint. Das gleiche gilt für die zeitlichen Zusammenhänge von Biographien und Weltkriegen. Solche Zusammenhänge mache ich mir eigentlich viel zu selten bewusst, wenn ich nicht gerade Biographien lese.

An dieser Stelle zum Abschluss vielleicht noch ein Wort-Zitat, das ich aus heutiger Sicht sehr witzig, wenn auch fast prophetisch, finde:

„Die Erfahrung lehrt, daß in der Regel erst einige Dekaden nach dem Tode eines Tonschöpfers dessen künstlerisches Vermächtnis Weltgeltung erlangt. So werden die Werke von Max Reger und Gustav Mahler in unseren Tagen allmählich Allgemeingut der Konzertsäle auf der ganzen Erde.

Aus dem Repertoire der modernen Musik ist der Name Alban Berg nicht mehr wegzudenken; auch Arnold Schönbergs Stunde wird kommen!“

Und recht hat er behalten, der Herr Dr. Kerner!

Volles Risiko ohne Airbag

1 Kommentar

Dieses Konzert heute morgen war ein echtes kleines Ereignis. Glück hatte, wer noch rein kam, ohne vorher reserviert zu hatten. Ausverkauft bis auf den letzten Platz und noch darüber hinaus, es wurden zusätzliche Stühle an den Seiten aufgestellt.

Der helle freundliche Raum in der ServiceResidenz im Bensberger Schloss bot die perfekte Kulisse für ein wunderschönes Konzert. Sheila Arnold am Hammerklavier und Michael Faust auf einem Lot-Flöten-Nachbau (Böhmsystem) der Firma Brannen. Der im ersten Moment für den modernen Hörer ungewohnte, etwas leisere, sanftere Klang der beiden Instrumente wurde in kürzester Zeit zur Gewohnheit und harmonierte perfekt.

Auf dem Programm standen als bekannte Namen Schubert und Böhm, daneben der etwas unbekanntere Ferdinand Ries und der mir völlig neue Wilhelm Wilms. Beide in etwa Zeitgenossen Beethovens und beide aus der Region. Detaillierte Informationen zu Komponisten und Werken finden sich bei Dr. Wieners.

Der Vormittag begann gleich aufregend. Während der ersten Töne des Flötisten ertönte vom Klavier (das von meiner Position schwer einzusehen war) Geraschel. Es gab wohl Probleme beim Umblättern. Faust brach völlig souverän ab und man begann mit einem Lächeln von Neuem. Nach diesem ersten Programmpunkt wurde die Ursache offenbar, die junge Dame, die geblättert hatte, war spontan eingesprungen, da die Erstbesetzung für diesen schwierigen Job, nicht rechtzeitig eintraf (die Räumlichkeiten waren nicht von der Tiefgarage kommend wohl nicht so einfach zu finden). Natürlich gab es für diesen Ersthelfer-Einsatz auch den entsprechenden Applaus. Ich glaube, ich hätte mich das gar nicht getraut.

Beim dritten Programmpunkt setzte das Klavier an, der Flötist blickte etwas irritiert und schon nach kaum einem Takt wurde wiederum abgebrochen. Auf dem Pult lag das falsche Stück, wenn auch vom richtigen Komponisten. Zudem wurde der Solist an zwei, drei Stellen von kurzem Husten geplagt. Alles in allem also etwas erschwerte Bedingungen, die wohl manche weniger routinierte und professionelle Musiker aus dem Tritt hätten bringen können.

Nicht so bei diesem Duo, das das gemeinsame Spiel schlicht zu genießen schien. Musikalisch wurde geflirtet, dazwischen auch mit Blicken das Publikum in die Kommunikatione mit einbezogen. Der Solist sang Passagen des Klaviers stumm mit und lebte die Musik auch in Gestik und Mimik voll aus. Schauspiel und Entertainment eben so sehr, wie musikalische Meisterleistung.

Was sich aufgrund der überdurchschnittlichen Zahl von kleinen Pannen vielleicht nach einem etwas chaotischen Morgen anhört, war der reine Genuss. Beide Musiker brillierten mit technisch perfektem Spiel und musikalischem Ausdruck vom Feinsten. So drückte sich die Professionalität nicht alleine in der Perfektion aus, sondern vor allem in der Bereitschaft an die Grenzen zu gehen. Unfassbar leise, sehr laut, ins Unendliche gedehnte Schlussphrasen am Klavier, die einen den Atem anhalten ließen.  Das Wagnis verlangte gelegentlich Tribut, wenn die Flöte nicht auf Anhieb sondern erst durch Korrektur die Intonation erwischte, ein Ton nicht ansprach oder beide rhythmisch nicht 100%ig zusammen kamen. Diese Feinheiten störten jedoch zu keinem Zeitpunkt sondern trugen nur zu dem lebhaften Eindruck bei, der den Zuhörer Zeit und Raum vergessen lassen konnte. Ein Rundum-Genuß gekrönt durch die vom Solisten auswendig vorgetragenen Variationen über „Trockne Blumen“. Man fragt sich, ob ohne die offensichtliche Erkältung von Michael Faust, das ganze noch besser hätte werden können.

Vielen Dank! Da bin ich wirklich froh, dass ich mich aufraffen konnte, an einem Sonntag meinen Wecker zu stellen um mich in Richtung Bergisches zu bewegen.

Hier die Ankündigung zweier vollkommen verschiedener Konzerte, die sich aber sicher beide lohnen:

20. Februar, 11:00 (Matinee) in der Residenz in Bensberg, Raum Vier Jahreszeiten.

Michael Faust auf konischer Holzflöte und Sheila Arnold am Hammerflügel spielen Werke aus der Zeit Schuberts und Beethovens, nämlich:

  • Joseph Haydn / Theobald Böhm: Thema mit Variationen „Gott erhalte Franz, den Kaiser“ aus dem Streichquartett op.76 Nr.3
  • Friedrich Kuhlau: Introduktion und Variationen über ein Thema aus C.M. v. Webers „Euryanthe“ für Flöte und Klavier op.63
  • Ferdinand Ries: Sonate Es-Dur op.169 für Flöte und Klavier
  • Ferdinand Ries: Fantasia op. 133, II
  • Carl Maria von Weber: Sonate aus 6 Sonaten für Flöte und Klavier JV 99-104
  • Franz Schubert: Thema und sieben Variationen über „Ihr Blümlein alle“, op. 160

Der Eintritt kostet 15 Euro und wer mag kann anschließend für 32,50 Euro im Restaurant brunchen (Edelküche).

Tolle Aussicht, wenn das Wetter mitspielt, ist inklusive 🙂

Knapp zwei Wochen später gibt es eher modernes mit Flöte solo und Flöte mit Gesang:

Am 2. März um 20 Uhr im Dialograum Kreuzung an Sankt Helena Bornheimer Straße 130 – Bonn-Nord
Die Solowerke von Peteris Vasks, York Höller und Steve Reich werden ergänzt durch Werke für Flöte und Gesang (Agnes Lipka, Sopran) von Roussel und Texten, gelesen von Bernt Hahn.

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