Sie ist wieder da! Meine schöne eigene, frisch geputzte und überholte Flöte. Nein, keine Generalüberholung, aber doch eine sehr spürbare Verbesserung. Fast zwei Wochen war ich ohne und die beiden wahlweisen Vertreter (meine alte Haynes und eine neue Yamaha) konnten mir diese zwei Wochen nicht wirklich versüßen.

Da ich aktuell etwas knapp auf meinem Gleitzeitkonto bin (ich habe für zwischen den Jahren schon zwei Tage Gleitzeit genommen und die Stunden sollten dann wenigstens vorhanden sein, damit ich nicht im neuen Jahr zur Arbeit komme und direkt Miese aufholen muss, das wäre ja der pure Horror), hatte ich starke Bedenken, dass UPS hier klingelt wenn keiner da ist und ich dann zeitig aus dem Büro weg muss, um am nächsten Tag rechtzeitig beim UPS-Office zu sein, um das erwartete Paket abzuholen. Aber da hatte ich doch tatsächlich das fast unfassbare Glück, dass der Paketbote knapp 10 Minuten bevor mein Freund das Haus verlassen musste, vor der Tür stand. Besser geht es doch gar nicht!

Das Auspacken des ausgesprochen sorgfältig eingewickelten Instruments kann in Sachen Vorfreude wohl kaum von einem der Weihnachtsgeschenke übertroffen werden, die da vielleicht in zwei Wochen auf mich zukommen mögen. Manchmal ist es doch in der Tat viel schöner das auszupacken, was man ganz genau kennt und auf was man sich genau aus diesem Grund freut, als durch den Inhalt überrascht zu werden. Obwohl ich zugeben muss, es gab da ja auch den Faktor des Unbekannten in Form des Ergebnisses der Reparaturen. Nach Öffnen des Kartons, Wühlen in Styropor-Chips und Auswickeln aus diversen Schichten von Pups-Folie, stieg die Spannung beim Öffnen des Flötenkastens auf den vorläufigen Höhepunkt (nur übertroffen von der Erwartung des ersten Tons): und da lag sie…. funkelnd und silbern wie seit über zwei Jahren (seit der letzten Generalüberholung) nicht mehr. Beim Zusammenbauen (ich habe gelernt: Fuß ausschließlich in eine Richtung drehen), konnte ich schon merken, wie stramm der Fuß jetzt sitzt, nachdem er zuvor kippelte und zweimal sogar (wegen meiner Blödheit) von der Flöte abgefallen war. Das war ein Hauptgrund für die Reparatur gewesen.

Also zusammen- und angesetzt und geblasen. Noch ein bisschen fremd. Ein bisschen, als wäre auch das Instrument nicht begeistert davon, zwei Wochen ins Exil verschickt gewesen zu sein. Ein bisschen widerborstig. Aber nicht lange: einspielen, Reinecke-Konzert…. wow. Kein Klappern und Surren mehr von lappriger Mechanik und losen Federn. Dank gereinigtem Rohr (ich habe gelernt, in Flöten kann sich ein Fett- oder Silikonfilm bilden, wenn man immer mit dem gleichen Tuch wischt, das führt zu mehr Problemen mit Kondenswasser und kann durch Auswischen mit Essigreiniger behoben werden.) kein Problem mit Wasser. Also nach dem Reinecke noch ein paar frisch erworbene Quintette anspielen und dann die Keiser-Triosonate für Weihnachten…. ach, was ist es schön, wenn man sich beim Spielen wieder so ganz zuhause fühlen kann.

Dieses Gefühl des Wiedersehens wird mir meine Entscheidung für einen Termin zur Generalüberholung nicht leichter machen. Soll ich mich gleich Anfang des nächsten Jahres tatsächlich wieder für mehr als drei Wochen von ihr trennen? Wird das im Mai leichter werden? Ich glaube, diese Fragen schiebe ich noch ein bisschen auf und genieße jetzt erst mal die „Wiedervereinigung“ 🙂