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Fast hätte ich es gar nicht mitbekommen, wenn ich nicht einen Weckruf per Mail bekommen hätte. ON Neue Musik Köln veranstaltet vom 13.2.-23.3. ein Festival unter dem Titel Hommage à Horatiu Radulescu. Von dem Komponisten hatte ich zuvor offen gestanden noch nie gehört. Von einem der Mitwirkenden aber sehr wohl: Pierre-Yves Artaud. Zum einen habe ich erst kürzlich eine DVD gesehen, auf der Unterrichtsstunden von ihm dokumentiert sind, zum anderen habe ich sein Buch gelesen. Artaud spielte am 19. März, also gestern ein Konzert mit Werken Radulescus in der Kunst-Station St. Peter und für heute war ein vierstündiger Meisterkurs angesetzt, in dem Werke des gleichen Herrn besprochen werden sollten. Aktive Teilnahme nur für „Profis“, aber passiv ging und kostete nur schlappe 10 Euro. Also habe ich heute einen Tag Urlaub…..

Aber fangen wir von vorne an. Gestern Abend Konzert. Ich gestehe, ich war zuvor noch nie in der Kunst-Station und so kam es, dass ich direkt vom Büro kommend mit einem anderen Zuhörer erst mal rund um die Kirche irrte, um im Dunkeln den offiziellen Eingang zu finden. Für passive Meisterkurs-Teilnehmer gab es ermässigten Eintritt. Kurz nachdem ich mich auf einem recht zentralen Platz niedergelassen hatte, begann die Einführung. Normalerweise suche ich diese Vorerklärungen nicht auf, in diesem Fall jedoch schien es mir sinnvoll, da im Schriftverkehr zum Meisterkurs erklärt wurde, die Noten könne man ohne Hilfe sowieso nicht lesen, daher werde das zu besprechende Stück erst im Kurs bekannt gegeben. Da fand ich ein bisschen Erklärung vor dem Hören dann schon ganz interessant.

Die Kirche war ca. zur Hälfte gefüllt schätze ich, das war mehr als ich befürchtet hatte. Der Meisterkurs war nach Anmeldeschluss nämlich noch stark unterbesetzt, wodurch ich überhaupt erst davon erfahren hatte, das sprach dafür, dass die Werbung nicht gut funktioniert hatte.

Die Einführung hielt ein älterer Herr aus Brüssel, den man leider dank mannigfaltiger Nebengeräusche (schnaufen, zu viel Spucke etc.) recht schwer verstand. Er war persönlich mit dem verstorbenen Komponisten befreundet und berichtete hauptsächlich Schwänke aus deren gemeinsamer Vergangenheit sowie allgemeines zu dessen Stil und Werdegang. Ich hätte mir etwas zu den aufgeführten Stücken gewünscht, das fehlte leider, aber dennoch bereitete einen das Gesagte prinzipiell auf alles Folgende vor.

Radulescu gehört zu den so genannten Vertretern der „spektralen Musik“. Das heißt, er arbeitet mit reiner Stimmung und der Obertonreihe. Es geht um Resonanz und natürliche Klänge. Klanggestaltung steht im Vordergrund. Die Werke des gestrigen Abends zeigten einen Querschnitt seines Werdegangs, wodurch sie stilistisch doch einigermaßen verschieden waren.

Es fing an mit Bassflöte und Cello. Neben Artaud saß Catherine Tunnel, die Witwe des Komponisten. In der Tag fand ich in diesem Stück vieles was in der Einführung angesprochen worden war wieder. Die Musik wurde von liegenden Klängen dominiert, dunkle Klangfarben und tiefe Töne standen im Vordergrund. Ein schlichtes Motiv war leicht zu erkennen, ebenso die Struktur des Zusammenspiels. Die Flöte erklang relativ konventionell, wohingegen das Cello mit neuen Spieltechniken und ungewohnten Klängen aufwartete. Alles in allem eine Musik, die zum Entspannen und Versinken tauchte. Es fing also gut an.

Das zweite Werk für Gitarre und Einspielungen, etwa 10 Jahre vor dem ersten komponiert, gefiel mir dagegen nicht besonders. Die Einspielungen waren elektronisch erzeugte Geräusche irgendwo zwischen Zirpen und Tropfen, die relativ nervös und unstrukturiert durchliefen. Mit dem was die Gitarre machte, hatte das irgendwie gar nix zu tun, jedenfalls konnte ich keine Verbindung erkennen. Der Gitarre wurden kaum Töne entlockt, die man als Gitarrentöne hätte identifizieren können. Eher perkussive Geräusche und mit dem Bogen gestrichen irgendetwas zwischen Didgeridoo und Panflöte (diesen Effekt fand ich allerdings ganz spannend). Insgesamt war das gar nicht meins.

Das dritte Werk, entstanden zeitnah zum ersten und später nochmals überarbeitet, wurde von einem Bläserquintett, Bratsche und Flöte (Herr Artaud) dargeboten. Auch diesem Werk konnte ich nicht so viel abgewinnen. Ich stellte fest, wie befremdend es auf mich wirkt, wenn die Beteiligten lange fast ohne Blickkontakt jeder vor sich hinspielt. Erst in der zweiten Hälfte des langen Werkes konnte ich deutlich Kommunikation zwischen den Mitwirkenden ausmachen, das war irgendwie eine Erleichterung. Auch hier überwiegend lange liegende Töne in allen Stimmen. Die Musiker sind zur Improvisation innerhalb dieses Rahmens aufgerufen. Ich empfand das insgesamt als nicht sooooo gelungen.

Es folgte Klavier solo. Zu Beginn eine emotionsfreie Aneinanderreihung von Einzeltönen, sehr seltsam. Mit dem Verlauf des Stückes stellten sich für mich allerdings mehr Zusammenhänge dar und ich fand es insgesamt zum Ende hin immer interessanter und schöner. Der Ausklang mit Pedal entsprach dann auch wieder dem, was ich nach der Einführung als spektrale Musik erwartet hätte, hier wurde mit Resonanzen gearbeitet.

Der nächste Programmpunkt, Flöte und Gitarre, war ein Frühwerk aus den sechziger Jahren. Zwischen beide Musiker wurde eine junge Frau zum Blättern postiert (das habe ich so noch nie gesehen). Es waren deutliche Strukturen erkennbar, die Musiker kommunizierten sichtbar miteinander. Ich scheine diese Zusammenhänge zu brauchen, das gefiel mir wieder ganz gut.

Der Höhepunkt kam aber, wie es sich gehört, am Schluss. Eine mehrsätzige Sonate für Cello und Klavier. In jeder Hinsicht faszinierend und sehr schön. Die Cellistin lebte diese Musik so sehr, das Zusammenspiel war perfekt (nur mit der Blättererin gab es einmal ein Problem). Geprägt von anspruchsvollen Spieltechniken auf dem Cello und verschiedentlich auch wieder unter Einsatz von Resonanzen, riss mich dieses Werk wirklich mit. Einfach schön, fand ich.

Es gab denn auch noch eine Zugabe daraus, den eingängigsten Satz, der deutlich die Rumänischen Wurzeln des Komponisten durchblicken ließ. Ein gelungener Abend. Allerdings hatte der mir etwas steif und brummelig erscheinende Artaud auch ein etwas zwiespältiges Gefühl bezüglich meines gebuchten Meisterkurses hinterlassen. Ziemlich albern erschienen mir die Horden von Umbaupersonal, die unzählige Mikros zwischen den Stücken postierten. Dies war vermutlich der Aufnahme durch den Deutschlandfunk geschuldet, der das Konzert irgendwann ausstrahlen wird. In jedem Fall herrschte zwischen Helfern und Musikern ein Missverhältnis, fand ich.

Heute morgen ging es dann per KVB zur Alten Feuerwache. Dort, im Südtrakt, 2. Obergeschoss, sollte der Meisterkurs stattfinden. Auch hier war ich vorher noch nie. Die Feuerwache zu finden war ja kein Problem. Auf dem Gelände dann den Südtrakt im Regen zu entdecken, schon eher. Ich stiefelte also die Treppe hoch um im genannten Raum (Großes Forum) einen vollkommen leeren Saal vorzufinden, in dem eine Teilnehmerin mutterseelenalleine mit ihrem Koffer rumstand. Es war nicht mehr ganz eine halbe Stunde bis zum Beginn des Kurses und wir hatten beide das Gefühl, am falschen Ort zu sein.

Nach und nach tröpfelten dann aber weitere Teilnehmer und mit als letzte dann auch die Vertreterin des Veranstalters ein. Wir stellten Stühle und Notenständer auf, sie verteilte Kopien des zu besprechenden Stücks für Flöte solo und wir warteten auf den Meister, der dann auch ziemlich genau um 10 Uhr erschien.

Zu meiner Überraschung gab es nur zwei aktive Teilnehmer (und das beim Spottpreis von 40 Euro) und mit mir 5 passive (einer kam ganz spät noch dazu).

Artaud fragte zur Eröffnung ab, wer welches Stück spielen wolle. Die beiden aktiven Teilnehmer hatten Mei von Fukushima und Voice von Takemitsu gewählt. Er schien mir etwas überrascht und vielleicht auch ärgerlich, weil ja keiner das Radulescu-Stück machen wollte. Mir schien, dass ihm nicht bekannt war, dass wir vor Beginn gar nicht wussten, was aufgelegt werden sollte. So erzählte er uns etwas zur Geschichte des Werks und seiner Zusammenarbeit mit Radulescu, etwas darüber, wie er am Pariser Konservatorium mehr durch Zufall während des Studiums an die Neue Musik geriet und sich über die Jahre zu einem wahren Spezialisten dieses Fachs entwickelt hat.

Ich stellte schnell fest, dass er ein sehr freundlicher und umgänglicher Mensch ist, der leider nur unter einer fiesen Erkältung litt, was vermutlich den Eindruck des Vorabends erklärt.

Ganz unumwunden erklärte er, dass vieles was Komponisten der Neuen Musik schrieben, so gar nicht spielbar sei und der Interpret versuchen müsse, mit Augen und Hirn herauszufinden, was der Komponist ausdrücken wollte, welchen Klang er sich vorgestellt habe, als er das so aufschrieb. Das läge daran, dass unsere Notenschrift eben sehr begrenzt sei (da hat er zweifellos recht). Als Ursprung vieler Schwierigkeiten nannte er auch ein Buch von Bruno Bartolozzi „New Sounds for Woodwinds“, erschienen 1967, in dem erstmals Multiphonics, Viertelstöne und ähnliches beschrieben wurden. Artaud sagte, dieses Buch sei voller Fehler und weil alle Komponisten der damaligen Zeit daraus sozusagen entnahmen, was möglich ist, sind viele Stücke nicht spielbar.  Daraus ergibt sich, wie er wörtlich sagte: „Don’t respect the text, respect the music.“

Herr Artaud erklärte, dass mit einer Ringklappenflöte insgesamt ca. 900.000 Griffkombinationen möglich sind, von denen beim Spielen in der temperierten Stimmung nur 42 genutzt werden. Er empfahl ganz allgemein, beim Erlernen eines neuen Werkes anhand des Notenbildes sich eine Vorstellung der Musik zu erarbeiten und Aufnahmen erst dann anzuhören, wenn man eine eigene Interpretation erarbeitet hat. Er unterstrich dies mit einer Anekdote: in den 60er Jahren gab es die meiste Flötenmusik in Frankreich nur von Rampal aufgenommen. Darunter auch die Bach-Sonaten. Im Fall der C-Dur Sonate war Rampal allerdings tatsächlich ein Fehler unterlaufen, er hatte ein zusätzliches Viertel als Pause eingebaut. Das führte dann dazu, dass alle französischen Flötisten diesen Fehler auch machten, weil sie ihn durch Anhören der Aufnahme so verinnerlicht hatten. Aufgeflogen ist das erst, als Artaud mit einem italienischen Pianisten diesen Satz spielen wollte (der kannte die Aufnahme nicht.

Neben diesen und vielen weiteren allgemeinen Geschichten und Empfehlungen erläuterte Artaud uns Besonderheiten zu Radulescu, Fukushima und Takemitsu. Dabei fand ich besonders beeindruckend, auf welch umfangreiche Kenntnisse der japanischen Kultur und der Lebenswege der Komponisten er für seine Anmerkungen zurückgreift. Seine Arbeit ist tatsächlich ganzheitlich. Er setzt die Werke in den zeitgeschichtlichen Kontext und den Zusammenhang der Komponisten-Biographie. Das wird dadurch erleichtert, dass er die Komponisten dieser Generation alle persönlich kannte und aktiv mit ihnen gearbeitet hat. Auf dem Stuhl vor uns saß ein großes Stück Musikgeschichte. Vieles was er sagte erschien mir geradezu weise. Gerade auch Voice, das ich vor ca. zwei Monaten in Düsseldorf noch von Pahud gehört hatte, erschloss sich mir durch seine Kommentare viel besser als zuvor.

Noch ein paar besondere Highlights: wenn ein Glissando zu spielen ist, dann spielt man das mit den Augen (er schiebt die Brille hoch in die Haare, spielt einen Ton, guckt zu seinen Füssen und der Ton wird tief, er guckt an die Decke und der Ton geht hoch). Wie übt man für neue Musik? Skalen (oder Moyse bzw. Gaubert, wie er immer sagte) mit Flatterzunge, mit viel Wind (Nebengeräusch) oder als Whistletöne spielen. Und er führte vor, wie man das auch im Repertoire nutzen kann. Ein Lauf aus einem Vivaldi-Konzert mit Flatterzunge und da war genau das Hörerlebnis aus dem letzten Pahud-Konzert (der ja auch bei ihm studiert hat, da wird mir einiges klar).  Zum Anfang von Mei verlangte er Bewegungslosigkeit von der Flötistin (da bewegt sich die Musik ja auch nicht, dann musst du das auch nicht tun).

Kurz, was er sagte war eigentlich so klar, so logisch und doch so schwer umzusetzen. Denn, wie er auch sagte, wir müssen unsere Klangvorstellungen und Erwartungen ändern, müssen Abstand nehmen von unseren Maßstäben, die wir für das „alte“ Repertoire entwickelt haben, wenn wir neue Musik machen wollen. Die eigentliche Schwierigkeit ist die Programmierung im Kopf und nicht die Spieltechnik.

Es war ein sehr lehrreicher und aufregender Kurs. Ich freue mich, ihn live erlebt zu haben und werde vieles mitnehmen. Die Organisation fand ich ziemlich mangelhaft und ich fürchte, dass ihm das auch nicht gefallen haben kann. Zumal der Raum kaum beheizt war (ich jedenfalls war am Ende durchgefroren) und er mit seinem Husten und nur einem Pappbecher Kaffee für die vier Stunden sicher mehr gelitten hat als wir.

 

Ich möchte gleich zu Anfang betonen, dass hier mit Technik weder die Finger-, noch die Ansatz- oder Atemtechnik gemeint ist, sondern die moderne Technik: Computer, DVD, Fernsehen etc.

Vielleicht fragt sich mancher, wo ich die Termine, die hier veröffentlicht werden, immer hernehme. Anfangs habe ich gesucht. Das war sehr aufwändig. Irgendwann bin ich dann auf Google Alert gestoßen. Hier kann man sozusagen bestimmte Suchbegriffe abonnieren. Sehr praktisch und ein wahrer Segen. Neben einer Menge Termine erhalte ich auch andere Nachrichten zu flötistischen Themen. Das ist wirklich interessant und kostet mich leider auch eine Menge Geld. Wegen der vielen Hinweise auf Noten, Bücher, CDs und auch DVDs, die mich immer sehr leicht in Versuchung führen einzukaufen.

Auf diesem Weg wurde ich auch auf die erste DVD aufmerksam, die seit heute auf Flutepage geführt wird. Mangels Kollegen habe ich sie als Buch erfasst mit einem Klammerhinweis, dass es sich um eine DVD handelt. Das gute Stück zeigt Flötenunterricht bei Pierre-Yves Artaud. Um 1990 gabe es im französischen Fernsehen eine Serie mit 12 Folgen, in denen der Unterricht der damals bekanntesten Musiker gezeigt wurde. Die ist eine Folge dieser Serie, von harmonia mundi auf DVD veröffentlicht. Leider ist das ganze auf Französisch, was ich ja nicht verstehe. Deutsche und Englische Untertitel sind aber vorhanden, so dass man nur durch das Lesen ein wenig vom Hören abgelenkt wird.

Als ich mir das Fundstück heute endlich ansehen wollte, bekam ich einen ganz schönen Schrecken. Mein DVD-Player verweigerte die Wiedergabe mit einer Meldung, dass der Fernseher irgendwie nicht für diesen Film tauge (Tücken der Technik). Nach einer kurzen Panikattacke, habe ich die verschiedenen Einstellungen durchsucht und war schließlich erfolgreich, indem ich das Farbsystem von PAL auf NTSC umgestellt habe. Nochmal Glück gehabt, ich dachte schon, ich könnte gar nicht gucken….

Der Film zeigt Aufnahmen von Artaud mit zeitgenössischer Musik und Unterrichtsstunden mit drei Schülern: Veronique Lorand, Clara Novakova und Emmanuel Pahud. Letzterer gerade nach Ende seiner Pubertät mit einer zeitgemäßen riesengroßen Brille auf der Nase, blutjung und schmal. Irgendwie hatte ich fast den Eindruck, ein wenig indiskret zu sein, indem ich da so weit in die Vergangenheit eines der ganz großen unserer Zeit blicke.

Im Unterricht werden Syrinx von Debussy, zwei Werke von Taira und Cassandra‘ Dream Song von Ferneyhough erarbeitet. Alles sehr spannend, zumal Ferneyhough selbst Anweisungen zu seinem Werk gibt. Ein echtes Zeitzeugnis und eine Gelegenheit, von einem ganz großen noch was zu lernen. Ich fand es toll…. trotz Startschwierigkeiten und Untertiteln.

Derzeit lese ich „Die Flöte“ von Pierre-Yves Artaud und bin dabei heute im Kapitel zur Technik und Physiologie gelandet. Artaud’s erstes Stichwort zu diesem Thema ist „Gleichgewicht“.

Einerseits ist das natürlich nicht überraschend, da wohl bei jeder Muskelnutzung das Gleichgewicht das wichtigste ist und ja auch jede Verspannung, Rückenschmerzen oder ähnliches letzten Endes aus einem Ungleichgewicht zwischen den verschiedenen Muskelgruppen entsteht (dank an meinen lieben Physiotherapeuten, der mir mit Gyrotonics (keine Ahnung, ob man das so schreibt) da endlich Abhilfe geschaffen hat). Gleichgewicht an sich ist also logisch. Aber warum ist das gerade für Flötisten vielleicht ein besonderes Thema? Und hier hat Artaud eine interessante und für mich sehr logische Beobachtung angeführt.

Die Flöte unterscheidet sich in verschiedener Hinsicht sehr von anderen Instrumenten. Zum einen erfolgt die Tonerzeugung an sich vollkommen unsichtbar indem die Luft auf die Schneide des Mundlochs trifft. Und die Luft kann man ja nicht sehen…. Das heißt auch, die Intensität mit der man spielt kann sich nicht so leicht in Form entsprechend ausladender oder kraftvoller Bewegung beim Spielen „entladen“.  Zum anderen geht die Luft durch die Lippen direkt in die Umgebung, man hat also auch keinen „Gegendruck“ (das merken auch Trompeter unangenehm, wenn sie mal auf einer Flöte zu spielen versuchen. Die Luft geht einfach weg. Die Dosierung muss man selbst machen, das wird nicht durch einen Gegendruck irgendwie geregelt). Und, das fand ich besonders interessant, wir sehen die Flöte ja nicht. Die meisten Instrumentalisten haben ja Blickkontakt zu dem was sie da machen und gerade Anfänger können sonst immer sehen, was ihre Hände so machen. Dieses „Nicht Sehen“ führt zu einer am Anfang sehr spürbaren Verunsicherung. Man hat zu Beginn immer das Gefühl, dass einem die Flöte wegrollt und dass sie nicht stabil liegt.

Und nun passt diese Beobachtung und die von Artaud angestellten Überlegungen auch noch zu einem Thema, dass mein lieber Coautor Christian demnächst mal vorstellen will. Die interessante Übevariante, auf einem Balance Board stehend zu spielen. Und auch da geht es, wie der Name sagt, ja um Gleichgewicht. Und so schließt sich der Kreis und Praxis und Theorie begegnen sich.

Ich finde das immer wieder sehr faszinierend. Mehr, wie gesagt, in Kürze hier….

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