Partnersuche…. musikalisch

Was macht einen guten Kammermusikpartner aus? Da gibt es die ganz offensichtlichen Dinge: er muss ein Instrument beherrschen und zwar eines, das in eine Besetzung mit dem eigenen Instrument passt, die man auch zusammenbekommen kann. Und natürlich muss er es gut genug beherrschen, damit man die entsprechende Literatur auch spielen kann. Das ist sozusagen die rein formelle Voraussetzung.

Zu den weiteren sozusagen „äußeren“ Randbedingungen gehört auch, dass man nicht weiter auseinander lebt, als man bereit ist zu fahren und auch irgendwann mal Termine findet, zu denen alle beteiligten Zeit haben. Zuletzt benötigt man noch einen geeigneten Proberaum, der zu diesen Terminen auch zugänglich ist. Das bedeutet in meiner Erfahrung, Mitmusiker mit eigenem Haus (und toleranter Familie) und/oder Auto sind ein klarer Vorteil. Schwierig sind nach meiner Erfahrung häufig gemischte Ensemble, in denen Rentner mit Lehrern und/oder Eltern von schulpflichtigen Kindern zusammenspielen. In solchen Gruppen hat man leicht rund ums Jahr einzelne Mitmusiker im Urlaub. Die Probenabstände wachsen in den Bereich von Monaten und man muss sich bei jeder Probe quasi wieder neu einspielen.

Bis hierher wird jeder sagen, das ist doch logisch und uninteressant. Mag sein, aber einfach ist es nicht immer, ein Ensemble unter guten Voraussetzungen zusammenzubekommen.

So, nun gibt es auch ein paar tiefer liegende Eigenschaften, die irgendeinen Kammermusikpartner von einem wirklich guten unterscheiden. Ich würde sagen, die meisten davon fallen in die Kategorie „B-Note“ oder „Softskills“.

Ich finde es wichtig, dass auch der Musikgeschmack irgendwie zusammenpasst. Das heißt, wenn ich hochromantische Musik oder noch spätere, leicht dissonante Werke liebe, dann habe ich Probleme mit einem Mitmusiker, der das Gefühl hat, nach Mozart oder Haydn hört Musik für ihn sozusagen auf.  Wichtig ist auch, dass die Bereitschaft, Zeit zu investieren, vielleicht zu üben, Termine auch wirklich frei zu halten und vielleicht darum auf das eine oder andere zu verzichten, um Musik zu machen, bei allen beteiligten in etwa gleich groß ist. Wenn es häufiger vorkommt, dass jemand im Ensemble einen Probetermin nicht für wirklich bindend hält und kurzfristig wegen anderer Dinge absagt, wird das Ensemble vermutlich irgendwann zu Bruch gehen, oder aber alle anderen Mitglieder stellen sich darauf ein und plötzlich klappt keine einzige Probe mehr. Dieses Problem hat auch etwas mit Achtung voreinander zu tun.

Ein gemeinsamer Anspruch an die erreichten Leistungen ist auch eine wichtige Basis für ein Ensemble. Wollen wir etwas wirklich erarbeiten? Spielen wir lieber vom Blatt? Möchten wir auftreten oder nicht? Soll die Literatur lieber einfach sein und stressfrei zu spielen oder wagen wir uns lieber an schwere Stücke ran, die vielleicht nie perfekt klappen? Auch hier gibt es viel Konfliktpotential.

Das vielleicht wichtigste aber ist, wie man harmoniert. Es gibt in der Tat Menschen, mit denen man musiziert und innerhalb kürzester Zeit dahin kommt, dass einer blind weiß, was der andere möchte. Man kann ritardieren, crescendieren, beschleunigen und der andere folgt. Man spürt, wann der andere beginnen möchte und in welchem Tempo. Das ist kein Witz. Ein solches Zusammenspiel geht ohne viele Absprachen. Das zu erreichen ist vielleicht das höchste Glücksgefühl, das einem gemeinsames Musizieren bringen kann. Ich bin überzeugt, dass der Schlüssel hierzu natürlich in einer gewissen gegenseitigen Sympathie liegt, dazu kommen aber auch Flexibilität, geistige Beweglichkeit und ausgefahrene Antennen (Ohren, Augen und auch so eine Art 7. Sinn). Offen sein und empfangen, nicht nur steuern wollen, nicht Recht haben müssen, nicht Fehler bei anderen nachweisen wollen. Das klingt vielleicht seltsam, aber es gibt sehr viele Musiker, die beim Spielen keine Kapazität haben, zuzuhören.

Ein guter Kammermusikpartner weiß, wann er begleitet und spielt dann leise, er merkt, wenn eine schwere Stelle einen bremst und bremst mit, er springt, wenn man sich  vertut. Dadurch, dass das Miteinander menschlich und musikalisch passt, stellt sich auch eine gewisse Ruhe und Gelassenheit ein, die einem viel gestalterischen Raum gibt. Keiner muss sich beweisen und alle wissen, dass der oder die ander(n) bei Problemen reagieren und einen auffangen, falls nötig.

Ich habe das große Glück ein paar solcher Menschen zu kennen, mit denen ich so Musik machen kann. Das ist ein Geschenk, es macht einen glücklich und führt dazu, dass man nach einer Probe, zu der man vorher keine Lust hatte oder für die man eigentlich schon viel zu müde war, plötzlich besser gelaunt und fitter ist als vorher. In solchen Musizierstunden geht es wirklich um die Musik, ums Wohlfühlen und darum sich gemeinsam zu entfalten.

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