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Bläsertag

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Das ist nicht etwa der Unesco Tag der Bläser (so wie es Tage der Kinder, Frauen, Fahrradfahrer, Haustiere und was weiß ich gibt), nein es ist die kurze Bezeichnung, die ich vor ca. einem halben Jahr für ein musikalisches Projekt gewählt hatte. Es begann vor ca. einem halben Jahr und wurde gestern sozusagen Realität.

Seit vielen Jahren habe ich einige Werke für größere Bläserbesetzungen im Regal stehen. Und seit ich nicht mehr in einem Orchester spiele, ergibt sich einfach keine Möglichkeit, diese Stücke zu spielen. Nie hat man genug Leute zusammen, einen Raum zur Verfügung, in dem einem mit 10 Bläsern nicht die Ohren abfallen.

Nun spiele ich aber seit einiger Zeit in zwei Quintetten und habe daneben noch eine Menge musizierende Freunde und Bekannte. So entstand die Idee, an einem Wochenende einen Tag lang alle die Lust haben zusammenzuholen und einfach nur zu musizieren.

Das Vorhaben wurde nebenbei zu einer Gelegenheit, alle die zusammenzuführen (abgesehen von den Streichern natürlich), mit denen ich Musik mache oder gemacht habe. Es bot mir neben dem zum Leben bringen der Noten auch die Gelegenheit, Musiker zusammenzubringen, denen ich gegenseitig voneinander erzählt hatte. Irgendwie war das auch eine Art „Familienzusammenführung“.

Im Mittelpunkt stand aber natürlich die pure Lust am Musizieren in einer Art Maßlosigkeit, verglichen mit den üblicherweise zweistündigen Proben unter der Woche. Zu meiner Freude waren alle angesprochenen spontan von der Idee eingenommen und wollten mitmachen. Mit Hilfe von Doodle wurde ein Termin gesucht, an dem alle frei haben. Und wie nicht anders zu erwarten, lag dieser weit in der Zukunft. September…. das klingt im Februar oder März wie eine Ewigkeit.

Als der Termin stand, war die nächste Hürde zu nehmen: Wo kann man mit so vielen Leuten einen Tag lang spielen. Noch dazu für eine bezahlbare Miete und bitte mit Klavier, da ich die Gelegenheit nutzen wollte, die wunderschönen Sextette (Bläserquintett + Klavier)  auch mal auszuprobieren. Die erwarteten Schwierigkeiten entstanden aber gar nicht erst. Vielmehr stand ich in Kürze vor zwei Angeboten, eines kostenlos, beim anderen war das noch nicht so klar (vielleicht eine kleine Spende). Die Räumlichkeiten waren beide kirchlich, was mich wiederum nicht überraschte. Am Ende sind wir in der evangelischen Kirche in Köln Esch gelandet. Einer unserer zwei Hornisten spielt da auch die Orgel und die Gemeinde nahm uns mehr als freundlich auf. Wunderbar, großzügig und heute nicht mehr selbstverständlich. Das war die Basis des Ganzen und von hier ein ganz herzliches Dankeschön! Natürlich auch insbesondere an den Vermittler.

Die Rahmenbedingungen standen, die Planung konnte beginnen. Listen mit verfügbaren Noten und den erforderlichen Besetzungen, zunächst meine Ausgaben, dann ergänzt um die der Mitmusiker. Und dann natürlich dafür sorgen, dass alle Stimmen besetzt werden können. Zunächst ein kleiner Überhang in Fagott (drei Interessenten) und Oboe (drei Interessenten). Ich fand das ganz gut, weil ich wohl weiß, dass alle anderen Beteiligten mehr Schwierigkeiten mit  stundenlangem Spielen bekommen werden, als ich mit der Flöte. Ein Problem waren die Hörner. Zwei Hörner zu finden, die einen ganzen Tag am Wochenende Zeit für so was haben? Wo gute Hörner doch von bezahlter Mugge zu bezahlter Mugge fallen können….

Für unser Vorhaben war ein Hornmangel ein großes Problem. Das Horn ist beinahe in jeder Besetzung größer als Quintett gedoppelt. Und Hornisten haben auch nur eine begrenzte Kondition (dachte ich jedenfalls bis gestern). So wäre mir lieber gewesen, drei oder vier zur Verfügung zu haben, damit jeder auch mal aussetzen kann.

In dieser Notsituation griff zum ersten mal das, was uns im Verlauf der Vorbereitungsphase noch öfter zugute kommen sollte. Jeder der beteiligten spielt ja nicht nur in einem Ensemble, jeder hat eine Geschichte und Kontakte und unser Einzugsgebiet ging von Wuppertal über Leverkusen und Köln ins gesamte Umland. Ein zweites Horn konnte also über die verzweigten musikalischen Bekanntschaften gefunden werden. Und ich war beeindruckt, dass auch Musiker, die eigentlich gar nicht so recht wissen konnten, auf was sie sich einlassen, wen sie da antreffen werden und ob wir überhaupt irgendein Stück zustande bekommen würden, dass auch solche sich darauf einließen und Zeit und Weg nicht scheuten. Ich war ja in der komfortablen Situation, fast alle zu kennen und zu wissen, was in etwa machbar sein würde.

Somit lief die Vorbereitung an, Aufnahmen der geplanten Stücke wurden gestreut, Noten verteilt (allerdings nur einige wenige Werke). Im Verlauf der Vorbereitungszeit kamen vereinzelte Absagen oder die Einschränkung der verfügbaren Zeit bei einzelnen Musikern. Und immer wieder musste über unser tönendes Netzwerk ein Ersatz gefunden werden. Am Ende waren wir nur am vormittag vorübergehend Fagott-technisch unterbesetzt.

Und was soll ich sagen? Gestern morgen um 9.30 Uhr trafen wir uns. Gegen 10.00 Uhr begannen wir zu spielen und ich war erst um 19.30 Uhr wieder zuhause. Wir spielten Beethoven, Mozart, Gouvy (den meisten unbekannt und wohl eine positive Überraschung), Reinecke, D’Indy, Schmitt (zu schwer vom Blatt, vor allem vom spontanen Verständnis her,  und der einzige stimmungsmäßige Missklang des Tages), Rheinberger und natürlich den allgegenwärtigen Gounod, dazu noch Caplet und vermutlich habe ich auch noch Werke vergessen.

Neben und zwischen der Musik gab es Pizza, Tee, Kaffee, Kuchen, Kekse und Gespräche. Immer wieder die Überraschungen, wer so alles wen kennt und wie klein die Welt der Musikbekloppten doch so ist.

Und selbst nach dem Musizieren zogen alle weiterhin an einem Strang beim gemeinsamen Aufräumen. Ich weiß nicht, auf welche Art ich für mich einen Tag besser hätte verbringen können. Viel Musik, lauter nette Menschen, kaum Mißstimmungen. Und es war doch so einfach, weil eben alle das gleiche wollten und mitgeholfen haben. Es ist also nicht nur ein Projekt, das nach Wiederholung schreit sondern auch eines, das ich jedem musizierenden Menschen zur Nachahmung wärmstens empfehlen möchte. Vieles ist möglich, wenn man die Initiative ergreift und man ist nicht alleine mit solchen Ideen 😉

Als Berufstätiger Hobby-Flötist ist es ziemlich schwierig, sich noch neue, schwierige Stücke draufzuschaffen. Manchmal hat man gar den Eindruck, dass das gar nicht mehr geht. Einfach zu wenig Zeit, um wirklich ausführlich zu üben und noch dazu fällt es einem doch deutlich schwerer als noch als Teenager.

Fast noch schlimmer aber wird es, wenn man sich ältere schlechte Angewohnheiten und Fehler wieder wegtrainieren will. Für dieses letztere Problem gibt es aber tatsächlich Hilfen, die es erlauben, auch mit relativ wenig Zeit noch einigermaßen vorwärts zu kommen.

Zum einen ist es gerade beim Umgewöhnen sehr, sehr wichtig, dass man diese Veränderung nicht nur in dem Stück oder an der Stelle, an der der Lehrer oder die eigene Erkenntnis das Problem entdeckt hat, trainiert. Zum Beispiel hatte ich mir angewöhnt, kurze Töne auch mit der Zunge zu beenden (‚tat‘). Ursache war vermutlich, dass ich immer das Gefühl hatte, nicht wirklich kurz und schon gar nicht knackig anzustossen. Also habe ich mir so einen Mist angewöhnt. Das abschließende ‚t‘ schneidet den Klang ab, ‚kastriert‘ den Ton geradezu. Ganz entsetzlich….

Hingewiesen wurde ich durch meinen Lehrer auf dieses Problem (erste Stunde beim neuen Lehrer, Mozartkonzert….. und ein Schock). Als ich erst mal darauf aufmerksam war, stellte ich den gleichen Effekt natürlich überall fest. Eine Chance, eine solche üble Angewohnheit wieder wegzubekommen, hat man dann meiner Meinung nach nur, wenn man bei allem was man spielt konsequent darauf achtet und es auch gleich zu ändern versucht. In meinem Fall hieß das zum Beispiel: Trioprobe (Flöte, Klarinette und Fagott, sehr zu empfehlen…), Staccato-Stelle, mit den Tonenden kämpfen…. Auf diese Art hat man viel mehr Gelegenheit zum Trainieren. Das ist etwas anstrengend, weil man unter Umständen an noch mehr Dinge als normalerweise denken muss. Aber zum Bilden von Gewohnheiten und (noch schwieriger) zum „Überschreiben“ alter Gewohnheiten ist die Wiederholung absolut essentiell. Das heißt auch, jede Probe, bei der man Umstellungsziele aus dem Auge verliert, verfestigt die alte (falsche) Gewohnheit, und untergräbt damit die Effekte, die man sich mit Üben bei knapper Zeit erarbeitet hat.

Das Prinzip ist natürlich für jeden, der irgendetwas übt, gleich. Für Berufstätige ist allerdings die größere Effektivität und das am Ende (hoffentlich) stehende Erfolgserlebnis vielleicht noch ein wenig wichtiger. Ich habe mir jedenfalls als Schüler oder Student noch nicht so viele Gedanken über so was gemacht, sondern im Zweifelsfall einfach noch einmal mehr oder länger geübt und dann kam der Erfolg auch irgendwann. Heute ist genau die Häufigkeit und Regelmäßigkeit der Wiederholung ein Hauptproblem um sich schwere Stellen zu erarbeiten oder Ecken auszubügeln.

Der zweite „Trick“ zum Schaffen von Gewohnheiten ist das Üben ohne Instrument. Das heißt für mich, dass ich beispielsweise in der Bahn oder abends im Bett oder wann immer ich daran denke oder Langeweile habe, aktuelle Übethemen einfach nochmal im Kopf durchgehe. Angefangen habe ich das bei einer neuen Tonleiterübung vor vielen Jahren, die ich auswendig spielen sollte und bei der ich die Wendungen nicht richtig in den Kopf bekommen wollte. Auf dem Weg zur Arbeit bin ich also im Kopf zum einen das Notenbild „entlanggegangen“ und habe mir dann auch die Griffe vorgestellt, sozusagen die Flöte in den Händen „nachgefühlt“. Und ich schwöre, es hat geholfen.

Diese Methode geht einerseits für Technikprobleme, fürs Auswendiglernen von Stücken oder Übungen (Mozartkonzert ging auch auf diese Art irgendwann auswendig) oder auch für Details der Interpretation oder Ausführung. Im letzten Fall denke ich an das Notenbild und an die Stellen, an denen ich zu verbessern habe. Durch das Wiederholen im Geiste ist es beim Üben viel leichter an möglichst viele oder alle Problemstellen zu denken und diese gleich im ersten Durchlauf korrigiert zu spielen. Auch hier gilt ja wieder, dass jede falsche Ausführung die fehlerhafte Fähre wieder tiefer eingräbt. Und so merke ich mir z. B. seit meiner letzten Stunde eine ganze Liste von Korrekturen für Danse de la Chevre: zu Anfang die Viertel besser binden, die Punktierungen rhythmisch exakter ausführen, die Dynamik- und die Artikulationsunterschiede besser ausführen, auch die Pausen korrekt zählen…… eine endlose Liste. Aber eine, die ich im Kopf habe…. und das ist Gold wert.

Ganz nebenbei trainiert das natürlich auch einfach das Hirn und vielleicht sogar ein bisschen die Vorstellungskraft…. Effektives Üben ist also nicht unbedingt ausschließlich eine Frage der Zeit….. Ich finde das immer sehr beruhigend.

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