Noteneingabe – ein subjektiver Vergleich von Capella und Finale

Als Fortsetzung des letzten ganz kurzen Beitrags möchte ich jetzt, nach einigen Stunden Noteneingabe mit Finale mal zusammenfassen, was mir als altem Capella-Nutzer so auffällt.

Ich bevorzuge grundsätzlich die Eingabe über Tastatur, da ich ein Zehnfinger-Tipper bin. Ein Midi-Keyboard habe ich nicht, das wäre eventuell noch eine gute Alternative (und wird vielleicht auch irgendwann noch angeschafft). Mit Capella war ich so gut trainiert, dass die Eingabe über Tastatur praktisch genauso schnell ging wie Einscannen einer durchschnittlichen Stimme und anschließende Bearbeitung der Fehler.

Mit Finale bin ich naturgemäß von einem derartigen Eingabetempo noch weit entfernt. Bei meinen allerersten Gehversuchen vor einigen Wochen, bin ich mit der Finale-Tastaturbelegung noch so ziemlich verzweifelt. Heute ging es schon etwas besser. Vermutlich war es von Vorteil, dass es schon eine Zeit her ist, dass ich das letzte mal mit Capella gearbeitet habe.

Die Grundphilosophie bei Capella ist, Tonlänge, Oktave und Versetzungzeichen per Tastatur festzulegen und dann durch Eingabe des Tonnamens die Note zu schreiben. Bei Finale ist das anders, dort kann die Note gesetzt und anschließend verändert werden. Das heißt, für eine Viertelnote as in der aktuell eingestellten Oktave drückt man in Capella folgende folgende Tasten: 4-a. Bei Finale kann man die Notenlänge im Nummernblock der Tastatur wählen, das wäre hier eine 5. Dann setzt man die Note mit a und das B mit -. Das heißt: 5a-.

Verwirrend ist bei Finale anfangs, dass die Nummerntasten für die Notenlänge nichts mit den Namen der Notenlängen zu tun haben. Viel mehr wird vom 128tel (0) bis zur doppelten ganzen Note (8) durchgezählt. Darum ist das Viertel die 5. Bei Capella sind die Notenlängen und die gewählten Zahlen inhaltlich verknüpft (6 für Sechzehntel, 3 für 32tel usw.). Ich finde die Capella-Variante einprägsamer, allerdings kann man selten benötigte Werte auch leicht vergessen. Bei Finale kann man die richtige Taste immer durch Abzählen identifizieren, muss sich also nur das Prinzip, aber keine „Vokabeln“ merken.

Oktavieren geht bei Capella über die Umschalt- (oder Shift-) Taste. Dabei ist zuvor per Maus ein Oktavbereich vorgewählt. Finale hat eine Art Automatik, die der Linie folgt. Das heißt, wenn man eine auf- oder absteigende Linie eingibt, dann wird die Eingabe eines Notennamens diese Linie fortsetzen (z. B. c1 – e1 – g1, dann Eingabe c: wird ein c2, wenn dagegen f2-a1 und dann c eingegeben wird, erscheint ein c1). Die Oktave kann über Umschalt- (oder Shift-)Taste und Pfeil nach oben bzw. nach unten gewechselt werden (vor oder nach Eingabe der Note). In Capella haben linke und rechte Shift-Taste unterschiedliche Bedeutung. Mit der linken kann man auch nach unten wechseln.

Für den Anfänger ist in Finale der notenförmige Cursor hilfreich. Damit weiß man schon vor Drücken einer Taste, welcher Notenwert gewählt ist und in welcher Lager das System gerade unterwegs ist. Trickreich ist die Tatsache, dass eine Eingabe immer wenn die zuletzt eingegebene Note noch aktiv (das heißt lila) ist, diese verändert und nicht den Cursor. Da trete ich immer noch häufig daneben. Die zuletzt eingegebene Note wird erst festgeschrieben, wenn sie schwarz dargestellt ist, dazu ist entweder der Tonname für den nächsten Wert zu tippen, oder aber Return. Schön ist, dass man mit den Pfeiltasten jederzeit zurückwandern und jeden Ton noch verändern kann (entweder neuer Notenname oder über Alt+Zahl neuer Notenwert, oder aber Versetzungszeichen, Punktierungen etc.)

Eine wirklich reine Eingabe per Tastatur geht mit Finale eigentlich nicht. Am Notebook ist man im Nachteil, weil das keinen richtigen Nummernblock hat, damit ist es bei häufigen Notenwerten etwas nervig und man klickt doch eher die Notenwerte in der Toolbar an, statt zuerst den Nummernblock per Funktionstasten zu aktiveren, die Notenlänge umzustellen und dann den Nummernblock wieder auszuschalten und die Noten einzugeben. Triolen, Bindungen und ähnliches lassen sich anscheinend (bisheriger Stand meiner Recherche) ausschließlich unter Zuhilfenahme der Maus eintragen. Capella erlaubt eine Noteneingabe über Tastatur, man muss sich nur recht viele Befehle merken.

Fehlende Noten kann man in Finale über den Einfügemodus (Tastatur: Ins bzw. Einfg) nachträglich dazwischenschreiben. In Capella steht der Cursor immer zwischen den Noten und eine Eingabe wird dort eingefügt. Finale dagegen legt Takt für Takt an, bricht automatisch um und bildet automatisch sinnhafte Takte. Schön ist dabei z. B. die Möglichkeit durch Betätigen des Rechtspfeils einen Takt mit Pausen automatisch auffüllen zu lassen.

Zusammenfassend würde ich sagen, dass Finale viele Automatismen hat, die für den Anfänger zunächst verwirrend sind, die Möglichkeit von Fehleingaben aber tatsächlich reduzieren und damit die Erfassung von Noten deutlich beschleunigen. In Capella kann man dagegen leicht relativ großen Salat schreiben, wenn man Noten vergisst oder sich vertut, das habe ich häufiger erlebt. Dafür benötigt man für viele Funktionalitäten in Finale die Maus, die man in Capella über die Tastatur erledigen kann.

Mehr zu den Details einer Partitur, wie Dynamik, Taktzahlen etc. dann in Kürze, wenn ich mich besser eingearbeitet habe.

 

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