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Vor mir liegt ein kleines Taschenbuch aus dem Jahr 1956, dem man das Erscheinungsjahr auch ansieht (vergilbte Seiten und ein apart designtes Deckblatt). Das Ganze umfasst gerade mal 125 Seiten und war dennoch eine langwierige und anstrengende Lektüre für mich.

Die Ausgabe Dissonanzen von Adorno umfasst insgesamt vier Aufsätze des Philosophen, alle zwischen zweitem Weltkrieg und dem Erscheinungsjahr verfasst. Das sind die Titel:

  • Über den Fetischcharakter in der Musik und die Regression des Hörens
  • Die gegängelte Musik
  • Kritik des Musikanten
  • Das Altern der Neuen Musik

Mein Hauptproblem beim Lesen wird am ersten Titel vielleicht am offensichtlichsten. Das gesamte Buch pflegt einen sehr eigenen Sprachstil. Zu Beginn habe ich sehr wenig verstanden, und dass, obwohl ich eigentlich immer der Meinung war, sprachlich ganz fit und auch in Fremdworten nicht allzu schlecht gebildet zu sein (Latein bis Klasse 13!). Half hier aber nix. Die hier gepflegte Sprache ist eine aus Sozialkritik, Politik und Philosophie zusammengemischte Fachsprache, noch dazu auf dem Stand von 1956. Ich kann nur sagen: schwer verdaulich. Ein bisschen möchte ich hier aber auch Absicht unterstellen. Man könnte annehmen, dass dem Autor nicht unbedingt daran lag, dass jeder das versteht, sondern eher daran, seinem wissenschaftlichen Ruf gerecht zu werden. (Das war jetzt aber eine ganz subjektive Unterstellung, selbstredend).

Um was geht es? Zunächst mal die Schlagworte zu den vier Abhandlungen: Im ersten Aufsatz wird die Musik Amerikas kritisiert. Besondere Schwerpunkte liegen dabei auf Jazz und Schlagern (Pop und Rock gab es ja noch nicht so recht). Wesentliche Aspekte sind hier die Vermarktung und die veränderten Hörgewohnheiten (Regression: Abnahme, Zurückweichen oder so).

Im zweiten Artikel geht es um die zweite gesellschaftliche Hauptrichtung nach dem Krieg: Musik in Ostblockstaaten, hier insbesondere der Tschechoslowakei. Beschrieben und wiederum kritisiert wird der Einfluss des totalitären sozialistischen Staates auf Musik und Komponisten, die Wirkung der Organisation der Kunsttreibenden und der Instrumentalisierung von Kunst und Musik.

Die „Kritik des Musikanten“ greift die so genannte Jugendmusik-Bewegung an. Für mich war das so gar kein geläufiger Begriff. Es geht um Singkreise und ähnliches. Durch den Artikel habe ich eine bestimmte Assoziation zum Begriff entwickelt. Adorno nennt als populärsten von der Bewegung „besetzten“ Komponisten Hindemith. Ein mir aus meiner ersten Flötenschule, Schmitz‘ Flötenlehre, bekannter Name war außerdem Sigfried Borris. Es geht um gemeinschaftliches Musizieren mit einem leicht „semi-religiösen“ Touch und laut Adorno ohne „Qualitätsanspruch“. Der gesamten Bewegung, die wohl in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts entstand, haftet ein deutschtümelnder Ruf an. Das Singen wurde auch im Dritten Reich als gemeinschaftsbildend genutzt und irgendwie gab oder gibt es da wohl die eine oder andere Verstrickung, so wie ich das verstanden habe.

Der letzte Aufsatz setzt sich mit „Neuer Musik“ (man merke von 1956) auseinander. Als Begründer einer neuen Musik sieht Adorno Schönberg, Webern und Strawinsky, vor allem, weil sie die etablierten Strukturen in Form und Harmonie aufzulösen begonnen haben. Adorno beschreibt einen „Verfall“ in den neuen Werken nach dem zweiten Weltkrieg und begründet das auch ganz gut und verständlich.

Für mich wurde das Geschriebene während des Lesens immer verständlicher. Ob das am Text lag oder tatsächlich am „Sichdrangewöhnen“ kann ich nicht 100%ig beurteilen. Ich denke aber, neben der Übung hat mir geholfen, dass die Artikel inhaltlich immer mehr musikalisches und weniger gesellschaftlich-politisches darstellten. Und da kann ich dann etwas besser folgen.

Ich fand es rückblickend für mich sehr wichtig, dass ich nun zu dem mir schon lange bekannten Namen „Adorno“ auch einen Leseeindruck habe. Obwohl ich mich generell für die Verknüpfung von Mensch und Musik soziologisch, psychologisch, kulturell und geschichtlich sehr interessiere, hatte ich mit der politischen Sicht hier doch etwas meine Probleme. Vor allem in den ersten beiden Artikeln war mir die Musik zu sehr nur Mittel. Für mich ist Musik etwas anderes und auch mehr, denke ich, als nur eine gesellschaftliche „Waffe“. Vermutlich ist aber das Isolieren eines einzelnen Aspektes auch wichtig, um Sachverhalte und Theorien schärfer darstellen zu können.

Insgesamt sind alle Aufsätze sehr negativ. Es handelt sich um Kritik in Reinstform. Mal böser und mal weniger bös. In allen Fällen führt diese extreme Form der Bewertung für mich zum Eindruck eines etwas überheblichen Autors, was ich persönlich nicht so gerne mag. An vielen Einzelstellen konnte ich Adorno aber innerlich auch ganz gut zustimmen. Ich vermute mal, in Zeiten von „Voice of Germany“ und „Deutschland sucht den Superstar“, von mp3 und Hitparaden wäre er vollkommen entsetzt (oder mittlerweile schon ganz abgestumpft).

In Adornos Aufsätzen gibt es eigentlich nur zwei absolute Positiverscheinungen, das sind Bach und Beethoven. Kurz danach kommen Webern, Schönberg und Strawinsky. Ansonsten lässt er wenig gelten. Speziell Schütz, der wohl gerade von der Jugendmusik- oder Singbewegung wiederentdeckt und gefeiert wurde, findet bei ihm keine Anerkennung. In diesem Zusammenhang empfinde ich das Abwerten früher Musik aufgrund geringerer kompositorischer Fähigkeiten als sehr überheblich und aus heutiger Sicht als nicht korrekt. Die Mittel und die Ziele waren andere. Die Menschheit hat eben in allen Feldern „Fortschritte“ oder besser „Entwicklungen“ erfahren. Das mindert die Leistungen unserer Vorfahren aber nicht.

Schwer zu trennen, was von dem in den Texten, das mich heute befremdet hat, Adorno-spezifisch und was davon auch Zeitgeist war. Schlecht weg kommen im ersten Aufsatz auch die Jazzer, weil „viele noch nicht mal Noten lesen können“ (? unfassbar irgendwie). Herr Adorno hat jedenfalls sehr klare Vorstellungen, was „gut“ in der Musik ist und was nicht.

Zur Abrundung hier noch ein paar Kurzzitate, um einen Eindruck meiner Leseprobleme zu vermitteln:

 „…In den Klavierauszügen der Schlager finden sich sonderbare Diagramme. Sie beziehen sich auf Gitarre, Ukelele und Banjo – ebenso wie die Ziehharmonika der Tangos, verglichen mit dem Klavier, infantile Instrumente – und sind Spielern zugedacht, die nicht die Noten lesen können….“

„…Die totale gesellschaftliche Erfassung bestätigt sich ihre Macht und Herrlichkeit durch den Stempel, der allem aufgeprägt wird, was in die Maschinerie geriet. Diese Affirmation ist aber zugleich destruktiv….“

„…Der Begriff des Musikanten aber meint insgeheim bereits den Vorrang des Musizierens über die Musik; daß einer fidelt soll wichtiger sein, als was er geigt….“

„…Der Objektivismus, der so eitel ist auf seinen Mangel an Eitelkeit und sich so leicht moralisch überlegen dünkt, setzt selbstgerecht eine Prämie auf die Mängel seiner Exponenten aus….“

Ich sage nur Mahlzeit und merke an, dass es das Büchlein auch in einer aktuellen Ausgabe gibt, allerdings in Englisch (?echt?).

Heute wurde das Musikfest Berlin 2012 eröffnet.  Bei zwei der 25 Konzerte ist auch Flöte dabei. Am nächsten Freitag, dem 7. September spielen um 20.00 Uhr im Kammermusiksaal der Philharmonie in Berlin Andrea Kollé (Flöte), Heinrich Mätzener (Klarinette), Christoph Keller (Klavier) und das Pellegrini-Quartett und dem Titel „Hanns Eisler  in Amerika“. Das Konzert ist gleichzeitig Teil Hanns-Eisler-Tage zu dessen 50. Todestag.

Der zweite Termin ist der 16. September, 19.00 Uhr ebenfalls im Kammermusiksaal. Es handelt sich um ein Benefizkonzert für die Gründung eines Kinderchors in der Präfektur Fukushima. Es spielen Emmanuel Pahud, Kai Vogler (Violine), Ulrich Eichenauer (Viola), Danjulo Ishizaka (Cello) und das Le Musiche Quartett Werke von Carter, Piazzolla, Bacharach, Dvorak, Schönbert und Varèse.

Musik für Flöte, Harfe und Viola ist am 21. Oktober 2012 bei den Ahauser Schlosskonzerten zu hören. Um 19.30 Uhr spielt das Trio Debussy aus München beispielsweise Werke von Debussy und Piazzolla.

Vom 19. September bis 3. Oktober 2012 veranstaltet die Jeunesse Musicale einen Flötenkurs mit Carin Levine in Schloss Weikersheim. Es geht um Spieltechniken für neue Musik.  Achtung: Morgen (1. September) ist Anmeldeschluss.

Schon im neuen Jahr, genau am 17.02.2013 spielt das Quartett VerQuer um 19.30 Uhr in Bad Säckingen im Kursaal (obwohl da ja eigentlich Trompeten hin gehören)

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