Musik und Instrumente in der Belletristik

In meiner persönlichen Unterhaltungsbibliothek herrscht ein Klavier-Überhang. Irgendwie scheint es am beliebtesten zu sein, wenn man Musik oder Musiker oder Instrumente in einem Buch hat, das Klavier zu wählen. Wie kommt das?

Ich vermute mal, das Klavier ist bei uns ganz allgemein das bekannteste und vertrauteste Instrument. Klaviere stehen offen in allen möglichen Wohnzimmern, in Kneipen, in Sälen und Schulen. Fast jeder hat schon mal irgendwie ein paar Töne angeschlagen und vermutlich hat auch jeder jemand in Familie oder Bekanntenkreis, der tatsächlich spielt oder mal gespielt hat.

Wenn man bei amazon in der Kategorie Bücher den Suchbegriff „Pianist“ eingibt, erhält man unter Belletristik genau 666 Treffer, was für eine symbolische Zahl 🙂 Im Gegensatz dazu ergibt die gleiche Suche mit „Flötist“ nur 133 Hits. Ist das nicht ungerecht? Ich finde schon…. Vermutlich müssen sich diese 133 Einträge auch noch unter Quer-, Block- und Panflöten aufteilen…. bleibt nicht eben viel für uns übrig (genau gesagt, für „Querflötist“: 2 Einträge), wie ich finde. Das einzige Belletristik-Buch mit einer „Flöte“ im Titel, an das ich mich aktiv erinnern kann, ist . Ein wunderbares Buch, aber es war trotzdem keine Querflöte….

In der Poesie dagegen ist die Flöte durchaus verbreiteter, was ja irgendwie auch schön ist. Zum Beispiel auf www.gedichte.xbib.de oder auf Gratis-Gedichte.de.

Das Klavier und die Pianisten in Büchern sind eigentlich immer mit professionellem Musizieren, mit Konzerthäusern und elitären Kreisen verknüpft. Die Flöte in der Poesie ist dagegen meist mit Natur und Liebe verknüpft, wird mit Hirten, Frühling und Liebe verbunden. Das mag an der Mehrstimmigkeit des Klavierspiels liegen und der relativen Einfachheit einer Flötenmelodie.

Wenn man übrigens statt nach den Musikern (Pianist und/oder Flötist) nach dem Instrument in Amazon sucht, dann sind die Verhältnisse etwas ausgeglichener (ca. 3:2 für das Klavier). Vielleicht heißt das auch, dass der durchschnittliche Leser oder Autor mit dem Instrument Flöte eher etwas verbindet als mit dem Musiker, der es bedient.

Macht man den gleichen Vergleich mit den Suchbegriffen Pianist und Flötist in der Kategorie Biographien bei Amazon, so sieht das Verhältnis zunächst wieder sehr ungleich aus. Bei genauem Betrachten der Ergebnisse zeigt sich dann aber schnell, dass es tatsächlich noch viel krasser ist, als die Zahlen vermuten ließen. Die Ergebnisse für Flötist sind gar keine Flötisten-Biographien, da finden sich Dirigenten, Komponisten und gar die Beatles. Flötisten scheinen nicht das gleiche Sendungsbewusstsein zu haben wie Pianisten. Vielleicht verleiht einem die Bezähmung eines so großen Gegenübers wie dem Konzertflügel und die dabei freigesetzte Schallenergie einfach ein anderes Selbstbewußtsein. Nach dieser Logik müsste es unfassbar viele Orgelbiographien geben.

Vielleicht wäre das mal ein gutes Thema für eine kulturwissenschaftliche Arbeit: „Die Bedeutung der verschiedenen Instrumente in Poesie und Belletristik“. Ich finde das nicht uninteressant und dann könnte man in der Psychologie die Erwartungen und Klischees aus der Literatur gegen die Typen, die tatsächlich diese Instrumente spielen, spiegeln.

Ich bin schon der Ansicht, dass es bestimmte Typen gibt, die tendenziell bestimmte Instrumente spielen (und natürlich gibt es auch immer Ausnahmen dazu). Die Mutter einer Schülerin hat mir mal gesagt, dass Querflötistinnen für sie immer dünne, große, bleiche rothaarige Mädchen gewesen wären. Sie war sehr überrascht, als ich vor Ihrer Tür stand 🙂

Ich denke dennoch, wenn jemand das für sich passende Instrument gefunden hat und sich lange und intensiv damit befasst hat, dann hat er eine Vorliebe für dieses Instrument und die damit verbundenen Schwierigkeiten und den richtigen Charakter und die richtigen Eigenschaften, um damit umzugehen. Und darum sind sich diese Menschen häufig ähnlich. Das ist natürlich nur eine Meinung, die ich allerdings häufig bestätigt sehe. Wobei es mit dieser Bestätigung auch ein bisschen wie mit dem Eintreten von Horoskopen sein kann, man sieht nur das, was man erwartet….

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