Irgendwie scheint es, als wäre ich in diesem Jahr bis jetzt mehr unterwegs in Sachen Musik gewesen als zuhause. Vergangenes Wochenende war es auch wieder so weit. Kammermusikkurs in der Eifel. Diesmal nicht „Winds only“ sondern eher „Mostly strings“.

Letztes Jahr war ich schon mal da (zum ersten Mal) und habe berichtet. Dieses Jahr also wieder. So wild ich bereits direkt nach der Heimfahrt im letzten Jahr darauf gewesen war, so schwer fiel mir dann doch die Entscheidung, als es so weit war, sich anzumelden.

Zunächst hatte meine Begleiterin vom letzten Jahr bereits frühzeitig angekündigt, dass ihr Geburtstag sie dieses Jahr von einer Teilnahme abhalten würde. Dann war ich zudem noch zu eben diesem Geburtstag eingeladen (genau wie zu einem weiteren). Ich beschloss im Stillen, am Kurs teilzunehmen und zur abendlichen Feier mich dann vorübergehend abzusetzen. Als sich dann Anfang dieses Jahres herausstellte, dass die Feier gar nicht am Abend sondern eher am Mittag statt fände, musste ich meine „ich nehme alles mit“-Taktik fallen lassen und guter Rat war teuer.

Da aus meinen zwei Bläser-Quintetten drei andere Kollegen auch schon da gewesen waren und nur eine von diesen definitiv abgesagt hatte, schlugen wir dem Rest des Haufens auch vor, mitzukommen. Somit wäre das letztjährige Fagott-Problem bereits vermieden gewesen und wir hätten ein langes gemeinsames Wochenende mit Musik genießen können, eigentlich eine schöne Idee. Ich hatte damit gerechnet, dass der Vorschlag auf wenig Gegenliebe stoßen würde und hatte mich noch immer selbst nicht angemeldet, da teilte mir unsere Oboistin mit, dass sie schon angemeldet sei. Die zwei anderen Müllenborn-Erfahrenen zogen relativ schnell nach und so meldete auch ich mich auf den letzten Drücker noch an, weil ich ja kein Spielverderber sein wollte.

Leider gab es aber wieder keine Fagott-Anmeldung, dafür zu dem Zeitpunkt zwei Klarinetten, zwei Oboen und zwei Hörner. Nun ging also die händeringende Fagott-Pirsch von neuem los. Meinerseits leider vollkommen erfolglos. Ich spielte bereits mit dem Gedanken, mich doch wieder abzumelden, weil ich keine Lust auf etwas Elgar-ähnliches wie im Vorjahr hatte und mich durchaus auch mit einem Eine-Party-sonst-frei-Wochenende hätte anfreunden können, da kam von der Organisatorin die freudige Erfolgsnachricht: Fagott an Bord. Um spielbare Besetzungen zu erreichen, wurden allerdings die anderen Bläser (außer den Hörnern) auf einfache Besetzung zurückgestutzt und so blieb von meinem Quintett nur der Hornist noch übrig.

Am gleichen Tag erreichte mich die Information, dass am selben Wochenende Patrick Gallois in der Musikhochschule Düsseldorf zu Gast sein würde, öffentlicher Unterricht und Konzert eingeschlossen. Wenn ich etwas beweglicher wäre, ich hätte mich bestimmt in den Hintern gebissen. So aber wurde es nur der saure Apfel…. die freudige „ein Fagott, ein Fagott-Stimmung“ (frei nach Loriot) wollte ich jetzt, wo alle Besetzungen schon eingetütet waren nicht durch eine Absage zerstören.

Somit ging es diesmal am Mittwoch einer hektischen Woche bei miesem Wetter und irrem Verkehr mit deutlicher Verspätung auf die Piste. Unser Quintett-Hornist und ich zusammen mit mehreren Kabeltrommeln und wiederum säckeweise Noten. Wir kamen mit gut einer Stunde Verspätung an, gönnten uns noch einen Happen zu Essen und warfen uns dann in die mir jetzt schon bekannten Vorstellungs-, Einführungs- und Tutti-Spiel-Rituale.

Zu meiner Verwunderung stellte ich fest, dass man in Anwesenheit von „Neuen“ als „einjähriger“ schon ein richtiger alter Kenner der Materie ist. Irgendwie ulkig, konnte ich mich doch noch gut an meine leichte Nervosität und Unsicherheit im Vorjahr erinnern. „Was wird mich da wohl erwarten?“ so dachte ich damals. Diesmal grinste ich leicht in mich hinein, da auch den diesjährigen Neuen die Fragezeichen recht deutlich ins Gesicht geschrieben standen.

Ich erwischte durch Zufall das gleiche Zimmer wie im letzten Jahr (unter dem Dach), allerdings das andere der zwei Betten und eine andere Mitbewohnerin (logisch, die ursprüngliche war ja nicht da :)).

Die Aufteilung der Besetzungen ergab für die Bläser (abgesehen von den Hörnern) relativ wenig Abwechslung. Mit Austausch des jeweiligen Hornisten spielten wir einmal Sextett (Bläserquintett + Kontrabass) und einmal Nonett (Bläserquintett + Geige, Bratsche, Cello und Kontrabass).

In den jeweils ersten Sitzungen wurden das Onslow-Nonett Op. 77 und eine Bearbeitung der Schubert-Fantasie in f-moll für 4-händiges Klavier ausgewählt.

Die vier Tage zeigten, dass in beiden Besetzungen die allerbeste Stimmung herrschte, die Probenarbeit entspannt, zielgerichtet und humorvoll verlief. Was kann man mehr wollen? Einmal angekommen habe ich so bis zur Rückreise keinen Gedanken mehr an den Besuch des Herrn Gallois in Düsseldorf verschwendet.

Die „Neuen“ so weit sie in meinen beiden Ensembles beschäftigt waren, erwiesen sich als echter Gewinn für Musik und Gemeinschaft. Die Abende verliefen entspannt und gesellig. Alles in allem könnte man sich höchstens darüber beschweren, dass dank des Wetters der obligatorische Grillabend inklusive Bierfässchen dran glauben musste. Dafür waren die Temperaturen übefreundlich: nicht zu heiß und nicht zu kalt.

Unsere Schlussaufführung verlief in beiden Fällen sehr erfreulich. Auch hier führte die Erfahrung vom Vorjahr zu stark reduzierter Nervosität. Allerdings muss ich sagen, auch wenn der Schubert mich als Ohrwurm auch heute wieder heimgesucht hat (da-da-da-diiiii-da, da-da-da-di-da-da….), den brauch ich glaube ich nicht nochmal. Das Stück ist auch in der Bearbeitung unfassbar lang und voller Wiederholungen, viel zu wenig Pausen und doch relativ schwer zu gestalten (wie? Soll ich das jetzt nochmal spielen…..pfffffff). Der Onslow war ein Vergnügen (vor allem dank unseres Frontman mit absoluten Alleinunterhalter-Qualitäten). Beide Stücke boten wenig flötistisch brenzliges vor dem man ernsthaft hätte zittern müssen und erlaubten so die Konzentration auf Zusammenspiel und musikalische Linie.

Es bleibt der feste Vorsatz: Nächstes Jahr unbedingt wieder. Allerdings habe ich mir vorgenommen, nicht mehr mit Tonnen von Noten anzureisen (wenigstens nicht, wenn ich die einzige Flöte bin), sondern vorzusortieren und eine Handvoll Werke zu wählen, die ich dann auch unbedingt beim Blattspielen mal machen möchte. Übrigens gab es in dieser Disziplin dieses Jahr einmal Flötenquintett (zwei Werke von Romberg) in der Besetzung Flöte – Geige – 2 Bratschen und Cello sowie ein Trio mit Cello und Kontrabass, in dem ich die Geige machte.

Besonders schön war für mich die Beobachtung der vielen richtig guten Geiger. Da konnte ich als Anfangs-Schrubber wirklich allerhand abschauen und staunen….