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Ein Taschenbuch von 1963, Verfasser ist Dr.  med. D. Kerner. Es gibt dazu übrigens auch einen zweiten Band sowie inzwischen eine Neubearbeitung aus dem Jahr 2007.

Hier geht es aber um dieses blau-schwarze Büchlein mit leicht vergilbten Seiten.  Erschienen ist es im Friedrich-Karl Schattauer Verlag in Stuttgart. Mit nicht einmal 220 Seiten durchaus kein dicker Wälzer.

Behandelt werden hier die Biographien von zehn Komponisten: Mozart, Beethoven, Schubert, Schumann, Chopin, Reger, Debussy, Mahler, Berg und Schönberg. Jedem der Kandidaten ist ein Kapitel gewidmet, dass die Biographie kurz abhandelt, wobei der Schwerpunkt auf Informationen zu Erkrankungen liegt (logisch). Schön sind die vielen Wortzitate aus Briefen und anderen Schriftstücken von Zeitzeugen. Teilweise werden auch Arzt-und Obduktionsberichte zitiert. Sinnvollerweise endet dann auch jedes Kapitel mit einer wissenschaftlich korrekten Literaturliste der Quellen.

Eingefasst werden die biographischen Kapitel von einem Vorwort und einem Ausklang, der die gefundenen medizinischen Fakten nochmals zusammenfasst. Jedem Kapitel ist ein Stückchen Poesie vorangestellt. In der Mitte des Büchleins finden sich einige Abbildungen der portraitierten, darunter insbesondere viele Fotografien von Totenmasken.

Je nach Quellenlage wird nach der kompletten Biographie vom Autor in fast kriminalistischer Weise aus den Quellen ein „moderner“ Befund hergeleitet. Das gilt insbesondere für die Fälle Mozart und Beethoven. Bei den jüngeren Lebensgeschichten, die größtenteils auch medizinisch besser belegt sind, bleibt eine solche Zusammenfassung teilweise aus bzw. fällt eben sehr kurz aus.

Schön fand ich die Zusammenhänge, die zwischen Gesundheitsstatus und Produktivität hergestellt werden, auch die ausführlichen Zitate von Angehörigen, den Komponisten selbst und ihrem Umfeld fand ich spannend. Leider konnte ich den medizinischen Betrachtungen teils nicht folgen, weil mir die Fachbegriffe einfach nichts sagen. Im Ergebnis kommt der Mediziner auf eine Quecksilbervergiftung als Todesursache bei Mozart, Syphilis (wenn ich es recht verstanden habe) bei Beethoven und Schubert, Schumann erlag einer Hirnsklerose (?), Chopin einer Lungentuberkulose, Debussy hatte eine bösartige Wucherung im Darm, Reger starb an den Folgen von Bluthochdruck, Berg und Mahler wurden jeweils von einer Sepsis dahingerafft und Schönberg wurde das Opfer eines schwachen Herzen.

Interessant ist auch, dass die Fakten teilweise vorsätzlich verschleiert wurden, um das Andenken der verblichenen aufzuhübschen (insbesondere in Sachen Syphilis).

Im „Ausklang“ stellt der Autor auch noch die eher dünne Nachkommenschaft der genannten dar. Besonders schön ist in diesem Zusammenhang, dass eine für mehrere Fälle wesentliche Zeitzeugin, Alma Mahler-Werfel, zum Zeitpunkt der Entstehung des Buches noch lebte, ebenso einige der direkten Nachkommen Mahlers und Schönbergs. Ich finde, solche zeitlichen Zusammenhänge zeigen einem erst, wie nahe deren Lebenszeit der unsrigen doch ist, auch wenn das heute fern scheint. Das gleiche gilt für die zeitlichen Zusammenhänge von Biographien und Weltkriegen. Solche Zusammenhänge mache ich mir eigentlich viel zu selten bewusst, wenn ich nicht gerade Biographien lese.

An dieser Stelle zum Abschluss vielleicht noch ein Wort-Zitat, das ich aus heutiger Sicht sehr witzig, wenn auch fast prophetisch, finde:

„Die Erfahrung lehrt, daß in der Regel erst einige Dekaden nach dem Tode eines Tonschöpfers dessen künstlerisches Vermächtnis Weltgeltung erlangt. So werden die Werke von Max Reger und Gustav Mahler in unseren Tagen allmählich Allgemeingut der Konzertsäle auf der ganzen Erde.

Aus dem Repertoire der modernen Musik ist der Name Alban Berg nicht mehr wegzudenken; auch Arnold Schönbergs Stunde wird kommen!“

Und recht hat er behalten, der Herr Dr. Kerner!

Heute geht es um einen Roman zu Mozart. Hier erst mal wieder die bibliographischen Angaben:  Mozart von Paul Barz, erschienen 2005 im dtv Verlag. ISBN 3-423-24517-4. Wie es sich für den Deutschen Taschenbuchverlag gehört, handelt es sich um ein Taschenbuch. Der schwarze Einband trägt vorne einen roten Titel und darunter das bekannte relativ naturalistische Profilbild von Mozart, sieht wirklich sehr einladend und gediegen aus. Die Buchdeckel haben vorne und hinten Klappen, die man als Lesezeichen verwenden kann. Es ist eine robuste Ausgabe, die in der Mitte einige Seiten mit Monochromabbildung enthält. Am Ende finden sich eine Zeittafel zu Mozarts Leben und eine Liste von Literatur zu seiner Biographie.

Aber es handelt sich trotzdem um einen Roman. Von der Ausstattung her könnte man denken, es wäre ein Sachbuch oder eine Biographie mit den Bildern etc., es ist aber eben ein Roman. Der Roman erzählt die Zeit, in der Mozart an der Zauberflöte schrieb. Eigentlich aber bildet diese Erzählzeit nur den Rahmen für zahllose Rückblicke und wird von einem Ausblick auf ein Treffen zwischen Nannerl und Konstanze dreißig Jahre nach seinem Tod gefolgt.

Zu Beginn wird quasi die Geburt der Zauberflöten-Idee durch Schikaneder geschildert, am Ende ein Besuch Salieris in einer Aufführung auf Einladung von Mozart. Die eingeschobenen Rückblicke folgen der Chronologie und beginnen mit dem kleinen Kind Mozart. Insgesamt deckt das Buch damit die gesamt Biographie in Romanform ab.

Leider finde ich die Romanform hier nicht hilfreich. Es ist ein bisschen so, wie ich Frauchinger zitiert habe: hier beschreibt ein heutiger Autor angebliche Gefühle und Gedanken von Mozart, einem Menschen aus einer vollkommen anderen Zeit und noch dazu einer Ausnahmebegabung. Leider ist nicht zu sehen, wie der Autor zu seinen Behauptungen bezüglich Mozarts Verhältnis zu Salieri, Konstanze, Schikaneder, Haydn oder Süßmayer kommt. Was ist belegbar und was ist Fiktion?

Gut gefallen hat mir die Einordnung in die Zeitgeschichte, die während des ganzen Buches immer wieder neu vorgenommen wird. Auch die Verknüpfungen mit anderen Komponisten der Zeit ist ein wichtiger Aspekt des Buches. Johann Christian Bach, Haydn, Salieri, Beethoven, sie alle finden sich hier wieder. Auch auf Vater Bach und Carl Maria von Weber wird nicht verzichtet. Leider hatte ich den Eindruck, dass hier auch versucht wurde, möglichst viele der interessantesten „Anekdoten“ aus dem Leben der „Großen“ mit in dieses Buch zu packen. Von der Geschichte des musikalischen Opfers bis zur Widmung der Eroica. Mir stößt das eher ein bisschen als Angabe des Autors bezüglich seiner Musikgeschichtskenntnisse vor. Zudem ist die Wahl der genannten Personen auch sehr durch die heutige Perspektive bestimmt. Manch einer war damals kaum bekannt (Bach) und es gab sicher noch andere, die sehr bedeutend für ihre Zeit waren und nicht genannt werden.

Vor einiger Zeit habe ich hier schon mal einen Mozart-Roman besprochen, der drehte sich um die Entstehung des Don Giovanni. Jener Roman von Hanns-Josef Ortheil hat mich wirklich begeistert. Was ist der Unterschied? Ortheil bleibt seiner Geschichte, die eben genau diese Tage in Prag beschreibt. Er zeichnet lebendige Figuren und hat eine wirkliche Geschichte  zu erzählen, in der Mozart eine der Figuren ist, mehr nicht. Auch sein Roman hat Tatsachen der Geschichte und/oder Musikgeschichte als Basis. Die eigentliche Romanhandlung nutzt aber diese Fakten und erzählt eine fiktive Geschichte. Und diese Geschichte wird ausgesprochen gut und mit sprachlicher Eleganz beschrieben. Von alledem kann in „Mozart“ keine Rede sein.

Es ist ein Roman, aber furztrocken. Die gewählte Geschichte und die Rückblicke, all das scheint konstruiert, nur um darin eine komplette Biographie zu „verstecken“. Ich mag diese Art von Fachroman nicht besonders. Entweder möchte ich einen Roman lesen, oder ein Sachbuch oder eine Biographie. Für mich ist diese Mischung unglücklich. Ich kann mir aber denken, dass jemand, der Sachbücher und Biographien nicht lesen mag und noch nichts oder nicht viel über Mozarts Leben weiß, dieses Buch sehr wohl mögen würde. Die Geschmäcker sind ja schließlich sehr verschieden.

Zum Autor noch ein Wort: Paul Barz ist Schriftsteller und Journalist und hat auch schon viele Sachbücher geschrieben. ich denke, das passt ganz gut zu meinem Eindruck vom Buch. Eine Biographie ist es aber jedenfalls nicht…..

Drei Wochen Sommerurlaub….. wunderbar!…… und leider schon zu Ende. Da Urlaub mit Wegfahren auch immer bedeutet, nicht zu spielen, habe ich mir, seitdem ich blogge, angewöhnt, dafür um so genauer auf musikalische Funde am Wegesrand zu achten. So auch diesmal.

Erstes Ziel und Hauptaufenthaltsort für den Urlaub war die Kvarner Bucht in Kroatien, genauer gesprochen der kleine Ort Lovran am nördlichen Ufer. Damit wir am Anreisetag nicht in den ersten Stress gerieten (das hasse ich im Urlaub), fuhren wir am Tag zuvor bereits los und legten eine Übernachtung in Salzburg ein. Als wir am späteren Abend in das per Handy gebuchte Hotelzimmer kamen, wurde ich durch die Vorhänge (siehe Foto) überrascht. Salzburger HotelkulturDie kleine Nachtmusik als Gardinenmuster…. schon ungewöhnlich.  Das zeigt aber auch, dass Salzburg seit ca. 200 Jahren gut von einem einzigen Sohn der Stadt lebt. Dieser Eindruck wurde bei einem Blick auf die an der Rezeption ausgelegten Prospekte bestätigt. Keine Sehenswürdigkeit ohne Mozart-Zitate…..

Am nächsten Tag gings dann weiter Richtung Kroatien und bereits am Nachmittag konnten wir unser Ferienhäuschen beziehen. Dieses befand sich im Garten ca. 3 Meter vom Wohnhaus unserer sehr netten Vermieter. Das Balkongeländer des Haupthauses war als Notenzeile gestaltet. Obwohl wir zwei Wochen da waren, habe ich es verbummelt, ein Foto zu machen oder mal nachzufragen, wer in der Familie denn da musikalisch ist. Irgendwie machte das Ganze aber auch nicht so recht Sinn: 4 b vorgeschrieben, ist schon ungewöhnlich für eine populäre Melodie, und dann in manchen Takten 4, in anderen 6 Viertel notiert…. vielleicht doch nur ein optischer Gag?

Kroatien bot ansonsten wenig musikalische Anregung. Einzig eine Gedenkplatte an den gnadenlos überlaufenen Plitwitzer Seen erinnerte an eine Opernsängerin, nach der einer der Wasserfälle benannt war.

Auf dem Rückweg machten wir bei Bad Reichenhall einen Zwischenstopp, den ich dann doch noch für einen offiziellen Mozartbesuch in Salzburg nutzte. Geburtshaus Mozart während der Festspiele für den stolzen Eintritt von 10 Euro für jeden Erwachsenen. Das ist nochmal ein Euro mehr als bei Mozart in Wien. Dafür gab es in Salzburg keinen Audio-Guide, aber die Möglichkeit, sich ergänzende Texte in einer App aufs Handy zu laden. Habe ich gemacht und so kann ich auch heute noch nachlesen, gar nicht schlecht. Innen hatte das Haus viel Ähnlichkeit mit dem in Wien: Innenhof, Holzdielen etc.  Ein erfreulicher Unterschied war die Befüllung der Räumlichkeiten mit zahllosen Vitrinen, in denen auch Handschriften und Briefe enthalten waren. Viel neues erfährt man da nicht, wenn man sich schon mal mit Mozart befasst hat. Interessant fand ich die Informationen über Frau, Kinder und Schwester in der Zeit nach Mozarts Tod. Insgesamt erschien mehr der Eintrittspreis eher gerechtfertigt als in Wien, aber das mag auch an meiner durch den Urlaub freundlicheren Stimmung gelegen haben.

Neben Mozart fanden sich noch einige in den Fotos dokumentierte weitere Fundstücke in Salzburg. Das Plakat der Festspiele zeigt den einzigen Flötisten, dessen Spuren in in Salzburg anlässlich des Events finden konnte: Felix Renggli…. und ich hatte ihn genau um einen Tag verpasst :(.

 

Unsere verbliebenen Urlaubstage führten dann noch an den Mondsee und nach Füssen. Beides gänzlich unmusikalische Regionen (aber schön zum Ausspannen).  Alles in allem diesmal eine mäßige Ausbeute, die aber doch dazu beitrug, den Flötenmangel etwas zu mildern.

Eine Woche Urlaub, das war genau richtig, um dieses Taschenbuch auszulesen. Es geht um “Das Glück der Musik“, mal wieder von Ortheil. Dieses mal ist es kein Roman, sondern ein ganz spezielles Buch, eine Art „Hörtagebuch“. Ortheil hat 2005 in einer Art Selbstversuch die Musik Mozart`s in sein Leben integriert. Das ist jetzt eigentlich falsch formuliert, da diese Musik wohl schon sehr lang oder auch immer Teil seines Lebens ist. Was ich meine ist ein ganzes Jahr, in dem er täglich Werke von Mozart gehört hat. Klingt zunächst vielleicht unspektakulär,  doch jeder weiß, dass man es nicht immer schafft, überhaupt Musik zu hören und dass man (ich jedenfalls) ja auch gerne etwas mehr variiert. Jeden Tag Mozart bedeutet also schon eine gewisse Anstrengung.

Die schriftliche Aufarbeitung dieses Selbstversuchs ist bei Luchterhand erschienen. Entstanden ist ein Taschenbuch mit 221 sehr kurzweiligen Seiten. In Art eines Tagebuchs schreibt Ortheil kurze Absätze mit Datumsbezug. Die Texte beschreiben, wie er die Musik in seinen Alltag integriert hat, wo er was und wie (Lautstärke, Ohrstöpsel oder Lautsprecher, Beschäftigung während des Hörens…) gehört hat, setzen Mozart in direkten Bezug zum Hier und Heute. Er schreibt über die Stücke, ihre Entstehungsgeschichte,  Auszüge aus Mozart`s Biographie und auch seinen persönlichen Bezug zu den verschiedenen Werken. Es ist sowieso ein sehr persönliches Buch. Ortheil ist ein hervorragender Pianist und wirklicher Fachmann für Musik. Die persönliche Note dieses Buches (das vermutlich nie erschienen wäre, wenn Ortheil nicht bereits einen Namen als Autor hätte, ein Noname-Autor hätte vermutlich keinen Verleger für ein solches Buch gefunden) hat mich dazu gebracht, über mein Verhältnis zu Mozart`s Musik nachzudenken.

Als Kind war ich fast so etwas wie ein Mozart-Fan. Er war mir der liebste klassische Komponist. Seine Musik, so weit ich sie kannte, war für mich leicht verständlich, sie klang fröhlich und mich haben die Geschichten über das Wunderkind fasziniert. In der Grundschule haben wir dann irgendwann „Reich mir die Hand mein Leben“ besprochen. Eine wunderbare Melodie, die meine positive Einstellung zu Mozart noch bestärkte. Ich kaufte damals auch ein oder zwei Biographien, Mozart war sozusagen einer meiner Helden.

Mit dem älter werden erschlossen sich mir auch andere klassische Werke. Mit dem Erlernen der Querflöte rückte Quantz in die Rolle des Helden (die Flöte, die ich zur Konfirmation geschenkt bekam, habe ich nach ihm benannt). Ich musste auch feststellen, dass es für Querflöte wenig Originalwerke von Mozart gab. In den Duettheften fanden sich kleine Stücke, für Flöten bearbeitet, aber das war es auch schon. Ich habe um das Abitur und kurz danach die Zauberflöte live gesehen und auch Don Giovanni zweimal. Die Opern gefielen mir und natürlich auch die Flötenkonzerte. Darüber hinaus klang mein Interesse an Mozart ab. Je mehr ich später die sinfonischen Werke von Mahler, Bruckner,  die Flötenmusik der Romantiker und ähnliche spätere Werke kennenlernte, desto mehr schätzte ich die großen Besetzungen, die etwas schrägeren Harmonien und diese intensiven Klänge. Mozart wurde mir zu „einfach“ oder zu „langweilig“. Ich mochte die Sinfonien nicht, wenn ich sie in der Philharmonie hörte, zu wenig Bläser, zu „leise“.

Mit der Lektüre von Ortheils Buch ist mir das erst so richtig bewusst geworden. Er beschreibt Klänge und Strukturen, Stimmungen und Werke so lebendig, dass ich nun unbedingt eine Mozart-Gesamtaufnahme haben möchte. Ich möchte mich wieder mit Mozart beschäftigen. Ortheil hat wie ein Appetitanreger gewirkt. Meine Flöten-Fixierung wurde in den letzten Jahren (glücklicherweise) ohnehin bezüglich meiner Hörgewohnheiten allmählich „aufgeweicht“. Jetzt möchte ich unbedingt die Klavier-, Violin- und Kammermusik Mozarts kennenlernen.

Was ich als Kind mit Mozart verband, waren kleine Tänze und Melodien, wie sie sich in unzähligen Blockflöten-Heftchen finden oder in Anfängersammlungen für Klavierschüler. Es ist Zeit, das Bild zu vervollständigen, mein Mozart-Bild erwachsen werden zu lassen. Darauf freue ich mich.

Für Musikfreunde ist dieses Buch eine Fundgrube, finde ich. Ein ungewöhnliches Buch, vermutlich geradezu einzigartig. Eine Liebeserklärung und auch ein Blick auf den Menschen Ortheil, was ich, da ich seine Bücher sehr schätze, auch genossen habe.

Neben meiner Beziehung zu Mozart hat mich das Buch auch meine Hörgewohnheiten reflektieren lassen. Im Buch beschreibt der Autor, wie er in Kirchen (wenn sonst keiner da war), in Zugabteilen oder gar im Frühstückraum des Hotels Musik hörte. Der Bezug zwischen Gehörtem und der Umgebung bzw. dem Raum des Hörenden ist ein wesentliches Thema des Buches. Ich für meinen Teil war nie ein wirklicher Hörer. Ich höre Musik im Auto, allerdings meist eher Pop-Radio (WDR2 zum Beispiel). Gelegentlich auch Klassik von CD (das geht mit einem Hybrid besser als mit meinen früheren Benzinern). Ansonsten höre ich seit einigen Jahren im Büro Klassik. Damit habe ich gute Erfahrungen gemacht, es tut mir gut und ich lerne endlich viel mehr Musik kennen. Zuhause höre ich so gut wie nie (früher habe ich beim Wochenendfrühstück Sinfonien gehört und beim Putzen Pop oder Rock). Meine Hörgewohnheiten haben sich mit jedem Umzug, mit jeder neuen Wohnung geändert. Ich habe eine zeitlang versucht, auf meinem Fussweg zur Arbeit Musik vom mp3-Player zu hören, meist die Stücke, die ich gerade geübt habe. Für mich hat das nie funktioniert. Ich fühle mich entfremdet, wenn ich im Freien Musik auf den Ohren habe. Das ist ganz seltsam und schwer zu beschreiben. Eine kurze Zeit habe ich in Hotels auf Dienstreise zum Einschlafen Klassik gehört, ich wollte damit etwas gutes für mich tun, Privatsphäre in der „aufgezwungenen“ Fremde. Das war auch nicht das richtige. So blieb und bleibt Musik für mich immer auf ganz private Räume beschränkt. Die Verknüpfung von Orten mit Musik gibt es für mich nur in der Musikausübung.  Ich bedauere das seit der Lektüre des Buches. Auch hier hat mir das Werk Lust auf mehr gemacht, auf mehr Mut, mehr Musik und ein bisschen Experimentieren.

Ich denke, dass meine Unfähigkeit zum Improvisieren, die Gebundenheit an Noten auch mit meinen Hörgewohnheiten zusammenhängt. Ich weiß, dass Hören der Schlüssel zum Spielen ist. Ich habe seit langem das Hören auf mein Spielen entdeckt und entwickelt. Jetzt denke ich, dass auch das Hören von Musik ganz allgemein, ein wesentlicher Schlüssel ist. Musik kommt über das Ohr in den Kopf, das könnte der Weg sein, sich von Noten zu befreien und auch mal „einfach zu spielen“. Mich macht das ganz aufgeregt und neugierig. Jetzt muss ich nur noch den Schritt ins Experimentieren gehen. Musik mitnehmen, draußen hören, entdecken, genau wie Ortheil in seinem Buch. Sehr aufregend. Für mich war diese Lektüre ein Türöffner (hoffe ich wenigstens)…..

Reich mir die Hand….

2 Kommentare

Vielleicht eine der berühmtesten Arien überhaupt. Wir haben diese wunderbare Melodie aus dem Don Giovanni schon in der Grundschule in Musik behandelt (was sich mir bis heute eingeprägt hat). Die Variationen aus Beethovens Feder über diese Arie gibt es in zahlreichen Besetzungen unter Flötenbeteiligung (drei Flöten, Flöte – Klarinette – Fagott, Flöte – Violine – Bratsche und sicher noch in manch anderer Bearbeitung). Und nun habe ich einen Roman gelesen, in dem auch gerade diese Arie eine zentrale Rolle spielt.

Mal wieder ein Buch von dem von mir so gerne gelesenen Hanns-Josef Ortheil: Die Nacht des Don Juan. Es dreht sich, wie man aus dem Titel schon erahnen kann, um die Entstehung der Oper Don Giovanni. Die Geschichte handelt in Prag (logisch, da wurde Don Giovanni uraufgeführt). Neben den zu erwartenden Figuren Mozarts und seiner Frau sowie des Librettisten da Ponte, stehen Casanova und der Haushalt seines Gastgebers, des Grafen Pachta, im Zentrum der Geschichte.

Meines Wissens vermutet man, dass Casanova sich tatsächlich in Prag aufhielt zur Premiere von Don Giovanni, die Geschichte, die ihm eine Mitwirkung am Zustandekommen der Premiere unterstellt, stimmt vermutlich so aber nicht. Das tut dem Lesegenuss aber keinen Abbruch.

Das Buch beschreibt ein sehr sympathisches Paar Wolfgang Amadeus – Constanze, es handelt von Musik, Liebe und Genuss (wie oft und gerne bei Ortheil) und wählt eine Sprache, die einem das Prag des 18. Jahrhunderts und die Figuren sehr nahe kommen lässt. Es ist unverkennbar, dass Ortheil Mozart liebt. Er schafft es, in Worten die Musik so zu beschreiben, dass man den Wunsch hat, eine Don Giovanni-Aufführung zu besuchen (am liebsten sofort).

Kurz, es ist ein Buch, das mir warm ums Herz gemacht hat. Ein Buch für Musikliebhaber und auch für diejenigen, die gerne historische Romane lesen.

Allüberall flötet es die nächsten Wochen, daher hier noch mehr Konzerttermine:

Dieter Fleury (Soloflötist der Wiener Philharmoniker) spielt in Baden-Baden am 18. November, 20 Uhr, Kurhaus, Weinbrennersaal (Mozart: Konzert D-Dur und Divertimento für Flöte und Orchester).

Das eher seltene Trio Flöte, Oboe und Fagott ist am 18. November um 19.30 Uhr im Neumarkter Reitstadel zu hören. Es musizieren die drei Professoren der Hochschule für Musik in Nürnberg: Anne-Catherine Heinzmann (Flöte), Clara Dent-Boganyi (Oboe) und Bence Boganyi (Fagott).

Am 19. November um 19.30 Uhr gibt es in Gaildorf im Wurmbrandsaal des Alten Schlosses Kammermusik mit Flöte (Hans-Peter Fink), Oboe (Hans-Jörg Alber), Klarinette (Uschi Dahlhausen) und Fagott (Oliver Hasenzahl), zusammen auch Stuttgarter Kammersolisten genannt. Es gibt Werke von Mozart, Rossini, Strauss, Beethoven und anderen.

Am 20. November lädt um 20 Uhr der Verein Blaue Blume zu einem Konzert mit Lesung ein. Thema ist Liszts Beziehung zur Gräfin Sayn-Wittgenstein. Es musizieren die Pianisten Nicolas Namoradze und Susanne Pentek sowie die Flötistin Saskia Schneider. Leser der Briefe und Episoden ist Helmut Winkelmann. Veranstaltungsort ist die Loge zur Einigkeit in der Kaiserstr. 37 in Frankfurt am Main.

Ebenfalls am 20. spielen in Edewecht Elisabeth Moest (Flöte) und Ronith Mues (Harfe) ein Programm von Bach bis Jolivet. In der Christuskirche an der Oldenburger Straße geht es um 20 Uhr los.

Am 21. November, dem 200. Todestag von Kleist, wird mit einer musikalisch umrahmten Lesung im Töpfereimuseum Langerwehe des Literaten gedacht. Es liest Robert Gericke „Über das Marionettentheater“. Die Umrahmung wird in Duetten von Tulou und Kuhlau, gespielt auf  Holzflöten aus der Romantik von Darja Großheide und Susanne Schrage. Beginn ist um 19.30 Uhr, der Eintritt kostet 10 Euro.

Bei Kerzenschein sind am 9. Dezember ab 19 Uhr Evelyn Ebert (Flöte) und Beatrice Höhn (Orgel) in der Christuskirche in Neumarkt zu hören.

Am 10. Dezember spielt Mathias von Brenndorff (Flöte, Dozent an der Berufsfachschule für Musik in Königshofen) mit der Harfenistin Maria Stange ein Konzert im Kloster Wechterswinkel. Los geht es um 19.30 Uhr, der Eintritt kostet 12 Euro (für Schüler nur 8 Euro).

Und wiederum am 10. Dezember, um 19 Uhr musizieren Petra Erdtmann (Querflöte), Norma Lukoschek (Blockflöte) und Heidrun Eggert (Klavier) zugunsten von Ruanda. Der Eintritt kostet 11 Euro (ermässigt 8 Euro). Das Konzert findet in der Matthäuskirche in Bad Kreuznach statt.

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