Mein persönliches Fitnesstraining

Seit ich mir vor ca. 4 Jahren meine Flöte gekauft hatte, stellte ich bald fest, dass ich den großen Ton und tollen Klang mit Kurzatmigkeit bezahlen musste. In altbekannten Stücken reichte plötzlich der Atem nicht mehr für die gewohnten Phrasen. Außerdem passierte es mir leichter als zuvor, dass Töne in der dritten Lage nicht ansprangen oder abstürzten. Als diese Zustände sich auch mit der Zeit nicht wirklich besserten, war ich schon kurz davor, mir mal andere Köpfe anzusehen und glaubte beinahe an einen Fehlkauf, dass das größere Gewicht der Flöte, die dickere Rohrwand eben neben dem Klangunterschied auch für diese Veränderungen verantwortlich war.

Am Kopf-Kauf gehindert hat mich zum einen das Geld (schließlich möchte ich ja auch bald mal ein Haus kaufen) und die Überlegung, dass mit einem anderen Kopf auch der Klang nicht der selbe bleiben würde und der gefiel mir ja außerordentlich gut und hatte auch den Kauf des Instruments bestimmt. So quälte ich mich lange und wurde nicht glücklich damit.

Inzwischen ist das anders. Ich empfinde eine deutliche Verbesserung aller oben beschriebenen Probleme. Und alles nur wegen ein paar Tonübungen. Die Hinweise auf Kurse und im Unterricht mehrten sich, dass ich nicht zu wenig Luft hatte, sonder vielmehr zu viel davon vergeudet habe. Die Information alleine konnte ich noch nicht für mich nutzen.

Fokus war wohl das eigentliche Zauberwort. Und nun habe ich zwei ganz simple Tonübungen, die ich in der Tat praktisch jeden Tag mache, wenn es der Tagesablauf irgendwie zulässt. Manchmal, wenn die Motivation ganz übel ist, dann mache ich nur diese Übungen und spiele sonst gar nichts. Für mich ist das optimal, eine Art Fitness-Training und Grund-Erhaltungsbetrieb.

Ich habe lange überlegt, ob ich das hier posten soll, schließlich ist es vermutlich ein Teil des Kapitals meines Lehrers, so was zu wissen und aufzugeben. Aber ich denke, Kapital hat er so viel, dass er mir das nicht übel nehmen wird….

Hier also Übung Nummer eins: Oktaven. Und zwar in der unteren Oktave im piano oder pianissimo beginnend, crescendierend und am lautesten Punkt in die obere Oktave wechseln. Dort dann ebenso weit wieder decrescendo. Klingt ganz einfach. Der theoretische Teil ist es auch… ausprobieren….. das fordert den Ansatz ganz ordentlich.

Teil zwei ist eine modulhaft aufgebaute Übung. Beginnend mit der achtmaligen Wiederholung des Ausgangstons, dann vier Töne hoch, vier wieder runter. Diesen Bogen zweimal und anschließend wieder achtmal der Anfangston. Das ganze dann beginnend von jedem Ton der gewählten Tonleiter. Wenn man damit durch ist, das gleiche nochmal. Diesmal schiebt man zwischen die zwei Vierer und die abschließende Tonwiederholung einen Oktavbogen hoch und wieder runter. Auch das wieder die ganze Oktave durch. Die dritte Steigerung ergänzt das ganze dann symmetrisch, indem nach dem Oktavbogen und vor den Tonwiederholungen nochmal die zwei Viererbögen gespielt werden.

Der Witz dabei ist, jeweils einen Durchgang (von Tonwiederholung bis Tonwiederholung) in einem Atem zu spielen. Der erste Ton soll sauber ansprechen und nicht rausplatzen. die Klangqualität ist gleichbleibend und die Töne alle sauber in Ansprache und Klang. Dazu muss man wirklich jeden exakt treffen und stellt bald fest, dass in jeder Lage und für jeden Ton für ein optimales Ergebnis die Lippenposition ein winziges bisschen variiert. Für mich war der Hinweis, zwischen der Lippenöffnung und der Stütze eine Spannung (langziehen) aufzubauen, sehr hilfreich. Und es zeigt sich: Zielübungen sind alles. Genau wie bei den ganz frischen Anfängern kann man auch als alter Hase hier noch viel rausholen. Eigentlich kannte ich das Prinzip…. manchmal schon peinlich. Jedenfalls habe ich Hoffnung in Sachen Luft und keinen Bedarf mehr, Geld für einen neuen Kopf zu investieren. Außerdem habe ich das Gefühl, nach einer Pause oder vor einem wichtigen Konzert jetzt ein nicht mehr geheimes Mittel zur „Stärkung“ zu haben. Wunderbar! Danke nochmal an meinen wunderbaren Herrn Lehrer 🙂

Und wer sich nun fragt, warum das ganze mit der neuen Flöte anfing, dem kann ich nur meine Vermutungen mitteilen. Zum ersten ist der Kopf natürlich anders und man muss ihn sich erarbeiten. Zum zweiten hat das ältere leichtere Instrument mit der total leichten Ansprache eben auch mehr Ungenauigkeit verziehen. Ich brauche für diese Flöte einfach eine höhere Effektivität. Die absolute Nutzung aller Luft für den Ton. Das war vorher nicht erforderlich. Aber wie gesagt… nur meine persönliche Vermutung.

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