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Mit Ergebnissen meine ich hier nicht das Fazit meines Vergleichs, dafür bin ich noch lange nicht erfahren genug mit Finale. Nein mit Ergebnis ist einfach eine Partitur gemeint, das Ergebnis der Arbeit mit dem Programm.  Meine letzte praktische Übung mit Finale bestand in Änderungen an einem Notentext, den ich vor Monaten mit Capella erstellt hatte. Es handelt sich um eine Klarinetten-Transposition einer Violin-Stimme einer Triosonate.

Leider hatte ich einige Fehler in die Stimme eingebaut, die während der Proben von meiner lieben Mitmusikerin händisch korrigiert wurden. Eine gute Gelegenheit das gesamte Stück in bessere Form zu bringen. Ich habe die Dateien zu den drei Sätzen also in Capella als MusicXML exportiert und die XML-Daten dann nach Finale importiert.

Die Ausgangsdatei im Capella-Format ist in dem Bild rechts zu sehen. Besonderes Augenmerk bitte ich auf die Nachschläge in Zeile eins am Ende und auf die Taktmarkierungen zu richten.

Screenshot der Klarinettenstimme in Capella

Capella-Druckbild Klarinettenstimme

Bei dem Umweg über MusicXML nach Finale sind die mehrtaktigen Pausen leider irgendwie verstümmelt worden. Ich konnte diese nicht mehr mit Finale-Mitteln ersetzen (was aber vermutlich einfach an meiner noch immer großen Unkenntnis lag), als Notlösung habe ich die Pausen in Finale durch reine graphische Symbole ersetzt.

Finale-Druckbild der Klarinettenstimme

Finale-Druckbild der Klarinettenstimme

Das Ergebnis nach Bearbeitung in Finale ist im linken Bild zu sehen. Beim Vergleich fällt das gleichmäßigere Notenbild auf, der Nachschlag in Zeile eins zieht keinen verschobenen Taktstrich nach sich, die Taktmarkierungen stehen in gleichmäßigen quadratischen Rahmen.

Die Unterschiede resultieren aus den unterschiedlichen Philosophien der beiden Programme. In Capella legt der Benutzer den Zeilenumbruch fest, die Software macht keinen automatischen Umbruch. Mit einer Art Blocksatz werden die in einer Zeile eingegebenen Noten dann nur auf die komplette Seitenbreite verteilt (heißt Randausgleich oder so ähnlich).

Finale, das in vielerlei Hinsicht zu einer vom Programm vorgegebenen Formatierung und zu vielen Automatismen tendiert, sortiert im Normalfall die Takte automatisch in die Zeilen. Dazu kann für das gesamte Dokument eine Taktzahl je Zeile vorgegeben werden. Möchte man diesen Standard durchbrechen, so ist das möglich und die Zeile wird als manuell formatiert markiert und für die automatische Verteilung gesperrt. Nach dem Import der XML-Datei waren praktisch alle Zeilen derart gesperrt. Nach Auflösen der Sperre und Neuverteilen der Takte ergab sich dann das ausgeglichenere Notenbild wie in der linken Abbildung zu sehen.

Die Vorschläge musste ich in Finale alle löschen, um sie dann neu und korrekt formatiert erzeugen zu können (ginge vielleicht auch leichter, wenn man sich besser auskennt). Die Taktnummerierung in den Kästchen wird in Capella mit dem Textwerkzeug und Rahmen von Hand erstellt (jedenfalls habe ich das immer so gemacht). In Finale gibt es bei den Vortragsbezeichnungen so genannte „Orientierungszeichen“. Damit lässt sich eine automatische Nummerierung ähnlich wie in Word erstellen, deren Formatierung einmalig festgelegt wird. Der Vorteil dieses Verfahrens (neben dem wunderbar quadratischen Rahmen, den man in Capella von Hand kaum hinbekommt) ist, dass man durch die automatische Vergabe der Nummern sofort bemerkt, falls man versehentlich ein Zeichen abzuschreiben vergessen hat (das nächste hat dann die falsche Ziffer bzw. den falschen Buchstaben).

Der Nachteil an Finale für Anfänger ist, dass aufgrund der Vielzahl von Funktionalitäten und Automatismen ein Arbeiten ohne die Hilfe kaum möglich ist. Ich für meinen Teil verbringe mindestens so viel Zeit mit der Suche nach den richtigen Werkzeugen wie mit dem Eingeben von Noten oder Vortragsbezeichnungen. Bei Capella dagegen kann (und muss) man alles mit einer relativ übersichtlichen und damit schnell erlernbaren Anzahl von Werkzeugen und Tastaturbefehlen erledigen.

Ich für meinen Teil weiß allerdings das Notenbild von Finale, das dem von gekauften Noten am Ende doch sehr viel näher kommt, zu schätzen. Bei der Zeit, die man in so einen Notensatz investiert, ist es schön, wenn das Endergebnis dann auch für den Ausführenden wirklich gut lesbar ist. In Sachen „Geläufigkeit“ hoffe ich noch immer auf einen Lerneffekt bei regelmäßigerer Nutzung der Anwendung.

Nachdem ich mich  jetzt ein bisschen eingiebiger mit Finale befasst habe, kann ich etwas mehr zu den Unterschieden zwischen den beiden Systemen sagen, als in Teil 1 des Vergleichs.

Im ersten Schritt habe ich versucht, eine Partitur mit Finale einzuscannen. Es zeigte sich leider, dass die Installation eines Mehrfunktionsgerätes von Brother (Fax, Telefon, Drucker, Scanner und Kopierer) den schon zuvor installierten Finale-Scannertreiber irgendwie zerstört hatte. Das heißt, das Einscannen aus Finale heraus funktionierte gar nicht. Aber Finale kann als Alternative auch eine tiff-Datei einlesen. Also habe ich mit dem Brother-Treiber eine Seite gescannt und als Tiff gespeichert. Die Datei selbst zeigt ein recht deutliches Notenbild. Dennoch hat Finale leider so gut wie nichts korrekt erkannt. Meine Erfahrungen mit Capella Scan sind da deutlich besser. Bleibt zu vermuten, dass nur die Light-Version so schlecht arbeitet, damit man motiviert ist, ein upgrade anzuschaffen. Außerdem ist denkbar, dass der handschriftartige Satz das Scannen erschwert oder die Auflösung noch nicht optimal war.
Partitur

Ich habe dann einfach die Noten von Hand eingegeben, eine gute Möglichkeit, das Programm besser kennenzulernen.

Beide Anwendungen (Capelle und Finale) unterscheiden sich in der Grundphilosophie. Für Finale ist ein Takt eine feste Einheit. Beim Anlegen einer Partitur wird ein Takt immer als Pausentakt angelegt, die ganztaktige Pause kann dann mit Noten überschrieben werden. Muss später etwas geändert werden, dann muss man erst mal was löschen, um Platz zu schaffen. Gibt man beim Schreiben von Noten eine Note ein, die in den Takt nicht mehr hineinpasst, so wird sie über den Taktstrich hinweg mit einem Haltebogen notiert. Der Takt stimmt immer.

Wenn man bei Capella zu viele Schläge in einem Takt angibt, dann markiert Capella den fehlerhaften Takt farbig. Wenn der Cursor irgendwo zwischen den geschriebenen Noten steht und man gibt neue Töne ein, dann wird alles danach einfach verschoben.

Beide Philosophien haben ihre Vor- und Nachteile. Bei Capella kann man leicht mal versehentlich alles durcheinanderbringen, wenn der Cursor nicht an der richtigen Stelle steht, bei Finale ist es schwer, nachträglich Fehler auszubessern (jedenfalls für den Anfänger).

Die Regelung zur Eingabe von Vorzeichen ist ebenfalls in beiden Systemen geregelt. Gemeinsam ist beiden die erforderliche Tastenkombination: + setzt ein Kreuz, – ein B. Der erste auffällige Unterschied (der den Wechsler leicht Fehler machen lässt), ist die Reihenfolge. Bei Capella muss man erst das Vorzeichen eintippen, dann die Tonhöhe. Bei Finale ist es genau umgekehrt. Noch gravierender empfinde ich aber die Logik, die bei Capella verlangt, den klingenden Ton einzugeben, bei Finale dagegen den geschriebenen. Das klingt erst mal schwer verständlich, heißt aber im Fall von im Takt vorgezeichneten Versetzungszeichen, dass bei Capella das Versetzungszeichen für jeden Ton im Takt anzugeben ist, auf den das Vorzeichen zutrifft (man tippt, als ob man es spielen müsste). Bei Finale dagegen gibt man ein, was man auf dem Papier sieht (wie abschreiben oder sogar abmalen). Das heißt, man gibt ein zusätzliches Versetzungszeichen ein, wenn es notiert ist, bei Wiederholung des modifizierten Tones nicht noch einmal. Das bedeutet, bei Capella wird bei Tonwiederholungen, zu denen ein Versetzungszeichen nicht erneut angegeben wird, ein Auflösungszeichen setzen. Finale dagegen macht bei erneuter Eingabe eines bereits einmal im Takt vorkommenden zusätzlichen Vorzeichens eine Verdoppelung daraus. Tricky!

Die Nachbearbeitung von Noten, das heißt das Setzen von Dynamik, Artikulationszeichen und anderen Anweisungen, habe ich in Capella meist weitgehend per Tastatur erledigt. In Finale gelingt mir das noch nicht und ich bin auch nicht sicher, ob es überhaupt möglich sein wird. Finale bevorzugt für viele Aktionen den Doppelklick. Man wählt ein Werkzeug und wendet es über Doppelklick an. Ich brauche auf diesem Weg relativ lang um alle Einträge vorzunehmen. Schön ist, dass die Positionierung von Dynamik, Bögen etc. tatsächlich recht sauber erfolgt und mir scheint, die resultierende Partitur sieht auch dank dieser Ordnung etwas professioneller aus, als die Seiten, die ich mit Capella gestaltet habe.

Als Fortsetzung des letzten ganz kurzen Beitrags möchte ich jetzt, nach einigen Stunden Noteneingabe mit Finale mal zusammenfassen, was mir als altem Capella-Nutzer so auffällt.

Ich bevorzuge grundsätzlich die Eingabe über Tastatur, da ich ein Zehnfinger-Tipper bin. Ein Midi-Keyboard habe ich nicht, das wäre eventuell noch eine gute Alternative (und wird vielleicht auch irgendwann noch angeschafft). Mit Capella war ich so gut trainiert, dass die Eingabe über Tastatur praktisch genauso schnell ging wie Einscannen einer durchschnittlichen Stimme und anschließende Bearbeitung der Fehler.

Mit Finale bin ich naturgemäß von einem derartigen Eingabetempo noch weit entfernt. Bei meinen allerersten Gehversuchen vor einigen Wochen, bin ich mit der Finale-Tastaturbelegung noch so ziemlich verzweifelt. Heute ging es schon etwas besser. Vermutlich war es von Vorteil, dass es schon eine Zeit her ist, dass ich das letzte mal mit Capella gearbeitet habe.

Die Grundphilosophie bei Capella ist, Tonlänge, Oktave und Versetzungzeichen per Tastatur festzulegen und dann durch Eingabe des Tonnamens die Note zu schreiben. Bei Finale ist das anders, dort kann die Note gesetzt und anschließend verändert werden. Das heißt, für eine Viertelnote as in der aktuell eingestellten Oktave drückt man in Capella folgende folgende Tasten: 4-a. Bei Finale kann man die Notenlänge im Nummernblock der Tastatur wählen, das wäre hier eine 5. Dann setzt man die Note mit a und das B mit -. Das heißt: 5a-.

Verwirrend ist bei Finale anfangs, dass die Nummerntasten für die Notenlänge nichts mit den Namen der Notenlängen zu tun haben. Viel mehr wird vom 128tel (0) bis zur doppelten ganzen Note (8) durchgezählt. Darum ist das Viertel die 5. Bei Capella sind die Notenlängen und die gewählten Zahlen inhaltlich verknüpft (6 für Sechzehntel, 3 für 32tel usw.). Ich finde die Capella-Variante einprägsamer, allerdings kann man selten benötigte Werte auch leicht vergessen. Bei Finale kann man die richtige Taste immer durch Abzählen identifizieren, muss sich also nur das Prinzip, aber keine „Vokabeln“ merken.

Oktavieren geht bei Capella über die Umschalt- (oder Shift-) Taste. Dabei ist zuvor per Maus ein Oktavbereich vorgewählt. Finale hat eine Art Automatik, die der Linie folgt. Das heißt, wenn man eine auf- oder absteigende Linie eingibt, dann wird die Eingabe eines Notennamens diese Linie fortsetzen (z. B. c1 – e1 – g1, dann Eingabe c: wird ein c2, wenn dagegen f2-a1 und dann c eingegeben wird, erscheint ein c1). Die Oktave kann über Umschalt- (oder Shift-)Taste und Pfeil nach oben bzw. nach unten gewechselt werden (vor oder nach Eingabe der Note). In Capella haben linke und rechte Shift-Taste unterschiedliche Bedeutung. Mit der linken kann man auch nach unten wechseln.

Für den Anfänger ist in Finale der notenförmige Cursor hilfreich. Damit weiß man schon vor Drücken einer Taste, welcher Notenwert gewählt ist und in welcher Lager das System gerade unterwegs ist. Trickreich ist die Tatsache, dass eine Eingabe immer wenn die zuletzt eingegebene Note noch aktiv (das heißt lila) ist, diese verändert und nicht den Cursor. Da trete ich immer noch häufig daneben. Die zuletzt eingegebene Note wird erst festgeschrieben, wenn sie schwarz dargestellt ist, dazu ist entweder der Tonname für den nächsten Wert zu tippen, oder aber Return. Schön ist, dass man mit den Pfeiltasten jederzeit zurückwandern und jeden Ton noch verändern kann (entweder neuer Notenname oder über Alt+Zahl neuer Notenwert, oder aber Versetzungszeichen, Punktierungen etc.)

Eine wirklich reine Eingabe per Tastatur geht mit Finale eigentlich nicht. Am Notebook ist man im Nachteil, weil das keinen richtigen Nummernblock hat, damit ist es bei häufigen Notenwerten etwas nervig und man klickt doch eher die Notenwerte in der Toolbar an, statt zuerst den Nummernblock per Funktionstasten zu aktiveren, die Notenlänge umzustellen und dann den Nummernblock wieder auszuschalten und die Noten einzugeben. Triolen, Bindungen und ähnliches lassen sich anscheinend (bisheriger Stand meiner Recherche) ausschließlich unter Zuhilfenahme der Maus eintragen. Capella erlaubt eine Noteneingabe über Tastatur, man muss sich nur recht viele Befehle merken.

Fehlende Noten kann man in Finale über den Einfügemodus (Tastatur: Ins bzw. Einfg) nachträglich dazwischenschreiben. In Capella steht der Cursor immer zwischen den Noten und eine Eingabe wird dort eingefügt. Finale dagegen legt Takt für Takt an, bricht automatisch um und bildet automatisch sinnhafte Takte. Schön ist dabei z. B. die Möglichkeit durch Betätigen des Rechtspfeils einen Takt mit Pausen automatisch auffüllen zu lassen.

Zusammenfassend würde ich sagen, dass Finale viele Automatismen hat, die für den Anfänger zunächst verwirrend sind, die Möglichkeit von Fehleingaben aber tatsächlich reduzieren und damit die Erfassung von Noten deutlich beschleunigen. In Capella kann man dagegen leicht relativ großen Salat schreiben, wenn man Noten vergisst oder sich vertut, das habe ich häufiger erlebt. Dafür benötigt man für viele Funktionalitäten in Finale die Maus, die man in Capella über die Tastatur erledigen kann.

Mehr zu den Details einer Partitur, wie Dynamik, Taktzahlen etc. dann in Kürze, wenn ich mich besser eingearbeitet habe.

 

Seit gut 20 Jahren habe ich Noten immer ausschließlich mit Capella gesetzt. Der Funktionsumfang war für mich durchaus ausreichend, der Preis akzeptabel. Dennoch stellte ich im Gespräch mit anderen fest, dass man mit dieser Wahl Teil einer Minderheit zu sein scheint. Egal, den Ausschlag dafür, mir jetzt Finale zuzulegen, war, dass ich mich im Zusammenhang mit einem anderen Produkt der capella-Software AG doch sehr wundern und ärgern musste. Als ich im Sommer dann ein Angebot für Finale zu reduziertem Preis erhielt, habe ich einfach zugeschlagen.

Natürlich habe ich noch keine echte Erfahrung mit dem neuen Werkzeug. Dennoch möchte ich hier schon mal ein paar anfängliche Offensichtlichkeiten gegenüberstellen. Aktuell ist Finale für 178 Euro erhältlich, Capella 7 für 188 Euro. Dafür enthält Finale bereits eine (noch nicht getestete) Schnittstelle zum Einscannen von Noten zur weiteren Bearbeitung. Für Capella muss man zu diesem Zweck Capella Scan erwerben (nochmal 188 Euro). Finale kommt mit der Lite-Version des Scan-Moduls, diese kann anscheinend keine Dynamik, Liedtexte etc. erkennen. Als Upgrade kommen verschiedene Pakete (speziell für Gitarre, Klavier, Midi oder ähnliches) in Frage. Die Preise variieren von 50 Euro bis knapp 200 Euro.

Meine Erfahrung mit Capella-Scan sagt mir, dass man bei Artikulationen, Dynamik etc. sowieso häufig nachbessern muss. Von daher werde ich die Lite-Variante in Finale erst mal testen.

Das erste, was ich mit Finale probiert habe, war, ob ich meine Capella-Partituren damit irgendwie weiterverarbeiten kann. Ja, es geht. Die neueren Capella-Versionen bieten einen xml-Export, dieses Format liest Finale. Die Noteneingabe per Tastatur folgt einer vollkommen anderen Logik als die bei Capella, hier brauche ich noch reichlich Übung, bis das halbwegs flüssig geht. Aber davon ein andermal ausführlicher, wenn ich mehr Erfahrung gesammelt habe.

Als Abschluss hier noch zwei Screenshots des Eingangsbildes beim Aufruf der beiden Programme:

Screenshot Startbildschirm Capella 7

Screenhot Eröffnungsbildschirm Finale

 

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