Diesmal ist es ein ganz persönlicher Nachruf. Herrn Niehaus, Komponist, Regisseur und ehemaliger Redakteur des WDR,  habe ich persönlich gekannt. Das macht das Schreiben irgendwie leichter und schwerer zugleich.

Irgendwann um den Beginn dieses Jahrtausends habe ich angefangen, beim Ehrenfelder Kammerorchester mitzuspielen. Das war und ist ein kleines der Kirche angeschlossenes Orchester mit damals recht hohem Durchschnittsalter, geleitet vom Kantor. Bläser gab es da damals kaum (außer mir nur noch eine Oboe). Unter den Bratschen saß ein älterer Herr, der immer für geselliges Zusammensein zu haben war. Den Namen Niehaus habe ich damals auch recht schnell aufgeschnappt, der sagte mir aber nix. Und dann haben wir irgendwann ein Stück gespielt, auf dem als Komponist auch Niehaus stand. Da war ich verwundert und konnte es noch nicht so recht einordnen.

Etwa um die gleiche Zeit habe ich die Webseite des Ensemble Contrasts (gibt es wohl in der Form nicht mehr) gepflegt. Die bestanden hauptsächlich aus Musikern des WDR-Sinfonieorchesters, aktuellen und ehemaligen. Ich war dann oft bein Konzerten und tippte auch viele Texte zu den Programmen und Werken ab, darunter war auch ein ganzes Konzert zum Thema Gruppe 8. Da war ich dann schon recht beeindruckt, dem Namen Niehaus schon wieder zu begegnen.

Über die Jahre ergab sich bei Orchesterfeiern, Nach-Proben-Kneipengängen und Geburtstagen viel Gelegenheit, die zahllosen bunten Anekdoten von Manfred Niehaus zu hören, in denen er die Begegnungen mit vielen illustren Gestalten der Neuen Musik von Glass bis Cage und vielen weiteren erzählte. Das war stets unterhaltsam und ich kam aus dem Staunen gar nicht raus.

Als wir dann in den Bläsern im Orchester voll besetzt waren und immer, wenn im Tutti nix zu tun war, Kammermusik spielen wollten, steuerte Manfred auch extra für uns geschriebene Werke bei. Vor ca. fünf Jahren hatte ich dann auch das Glück, dass er für meine damals nagelneue Altflöte, die ich mir zugelegt hatte und nun auch unbedingt benutzen wollte, einige Stücke schrieb. Wir führten die Werke bei seinen Hauskonzerten auf, wo man auch immer auf interessante Menschen treffen konnte. Bei diesen Gelegenheiten durften aber auch andere Komponisten ihre Werke vorstellen, so dass wir die Gelegenheit bekamen, die Flötensonatine von Thomas Pehlken dort aufzuführen. Ich war oft überrascht, in welch kurzer Zeit Manfred sozusagen auf Zuruf originelle Werke für eine bestimmte Gelegenheit oder Besetzung schuf, teilweise auch unter Synonym (z. B. Hanns Hermann Blatt). Eine echte Spezialität ist die Vertonung skurriler und witziger Texte. Dank Manfred kann ich auch sagen, dass Altflöte und Gesang (Bariton) eine zauberhafte Kombination ist, so ganz ohne Begleitung.

Als wir mit unserem Quintett keinen Probenraum fanden, bot er uns an, in seinem Studio mitten in Ehrenfeld zu spielen. Auch hier zeigte sich wieder die Großzügigkeit und Freundlichkeit Manfreds.

Nachdem ich das Orchester verlassen hatte und er dann wohl auch nicht allzu lange danach, traf man sich nur noch sporadisch zufällig in einer Kneipe ums Eck.

Seine unkomplizierte, humorvolle Art, seine Geschichten und die Lebensfreude trotz der jahrelangen Erkrankung, die ihn Bewegungstechnisch sehr einschränkte (ich kannte Ihn nur mit Bratschenkasten am Rollator hängend), das alles hat ihn ausgezeichnet. Köln hat ein Original verloren, die Kölner Musikszene einen engagierten alten Hasen, der sich auch intensiv der Laienmusik gewidmet hat und nie durch irgendeine Art von Statuswahrung oder Dünkel die Bodenhaftung verloren hat, eher im Gegenteil (das beweist seine jahrelange Mitwirkung in unserem Orchester). Mein Mitgefühl gilt seiner Frau, die ich immer sehr sympathisch fand. Ich werde mich erst daran gewöhnen müssen, hier im Veedel nicht mehr nach ihm Ausschau zu halten. Tschöö Manfred, es freut mich sehr, dass ich Gelegenheit hatte, mit Dir zu musizieren.

Morgen, Donnerstag den 28.2.2013 wird auf WDR 3 um 22.00 Uhr in „Szene NRW“ eine Würdigung Manfred Niehaus‘  ausgestrahlt.