Makler, musikmuffelige intolerante Nachbarn und andere Unannehmlichkeiten

In meinem Haus lebt eine junge Frau, die bereits nach zwei gespielten Tönen die Treppe heraufstürmt und klingelt. Und dann in den unfreundlichsten Worten auf ein Ende des Übens hinwirkt. Ungelogen, man fragt sich, wie schnell die die Treppe geht, dass sie so unmittelbar nach dem ersten Pup bereits klingeln kann. Obwohl ich derzeit selten länger als eine halbe Stunde am Tag spiele (ich hoffe, das liest jetzt weder mein Lehrer noch sonstige Leute, die denken, ich wäre im Sinne gemeinsamer musikalischer Ambitionen fleissiger), scheint es nicht möglich, das zu ertragen. Ich spiele keinesfalls nur Tonleitern oder neue Musik oder schreckliche Tonübungen. Da ich ohnehin schon sehr sensibilisiert bin, besteht ein gut Teil der Zeit tatsächlich aus Musik: Mozart, Haydn und andere verträgliche Geschichten.

Vor unserem Haus ist eine Ampel, mitten in Köln mit derzeit unfassbar langen Schlangen von Autos. Bei ca. jedem fünften dröhnt Musik aus dem Cockpit, von Hiphop, Heavymetal und Schlager bis hin zu arabischen Tönen. Dazu kommt das obligatorische Hupen und Bremsenquietschen. Am Wochenende wird das ergänzt durch das Sirenengeheul der Richtung Autobahn ausfahrenden Rettungsfahrzeuge . Hinter dem Haus befindet sich ein gut frequentierter Kinderspielplatz, auf dem glücklicherweise auch noch richtig geschrien werden kann und darf. Und neben an wohnen vornehmlich partyfreudige Studenten. All diese Störgeräusche werden hingenommen, aber drei Flötentöne mag man nicht ertragen. Richtig verstehen kann ich das nicht.

Der Nachbar meiner Eltern, mein späterer Physiklehrer, spielte Flügel. Ich kann mich gut erinnern, dass ich häufig beim Lernen das Fenster geöffnet habe, wenn ich gehört habe, dass er übt. Das ist einfach schön! Ich verstehe ja, dass das nicht jedem zwingend gefallen muss. Aber es gibt ein Recht, zu üben, wenn man sich an die Zeiten hält und die Fenster schließt. Abgesehen von der Rechtmässigkeit des Übens sollte es auch so was wie Toleranz geben. Aber vermutlich ist das out.

Was ist der Lösungsansatz? Wir wollen ein freistehendes Haus kaufen. Und was passiert? Der Makler betuppt uns. Bzw. eigentlich hat er die Verkäufer angelogen. Wir hatten schon die Finanzierungsbestätigung an ihn weitergeleitet und dann wird die abschließende Besichtigung abgesagt weil eine Reservierung vorliegt. Den Verkäufern hatte er mitgeteilt, wir hätten kein Interesse mehr, hätten uns nicht mehr gemeldet und seien auch telefonisch nicht erreichbar. Dabei hatten wir für den Tag nach der Reservierung ja einen Termin vereinbart. Schon seltsam wie das wohl ohne Interesse und ohne Kommunikation ging?

Die Verkäufer hätten jedenfalls letzten Donnerstag abend sich mit uns für den Notar verabreden können und haben jetzt stattdessen eine Reservierung an der der Makler für den Fall, dass der Käufer das Geld nicht bekommt oder es sich noch anders überlegt, ca. 800 Euro verdient. Die absagende Dame des Immobilienbüros hatte noch so schön gesagt: „Die Reservierung läuft bis zum ????, wenn das dann nicht geklappt hat, würde ich mich gerne wieder bei Ihnen melden.“ Klar, dass ich das Geld bekomme, wissen sie ja und…. schwuppdiwupp verdient der Makler 110% Provision am Häuschen…. so einfach kann es gehen….

Warum also, wollte der Makler nicht an unser verkaufen? Ich kann nur vermuten, dass wir zu „schwierig“ waren: Wir hatten uns auf das unseriös erscheinende Angebot einer kostenpflichtigen Reservierung nicht eingelassen und auch noch Fragen zur Preisbildung gestellt… böse, böse. Menschen, die Fragen stellen, bevor sie sich bis zum Ende ihrer Tage verschulden werden von Maklern nicht gern gesehen. Der besagte Makler hatte seine Verkäufer auch nicht informiert, dass der Energiepass schon einige Zeit vorgeschrieben („ernsthaften Interessenten unaufgefordert vorzulegen“) ist. Auch das ist eine Ordnungswidrigkeit. Aber Makler darf sich ja leider jeder nennen. Vielleicht hat die Übereinstimmung in der Anfangssilbe mit „Mafia“ ja tieferliegende Gründe oder ist ethymologisch begründet?

Und die Moral von der Geschicht: Wen jemand im größeren Umfeld von Köln (soll heißen: Leverkusen, Pulheim, Frechen, Erfstadt, Porz oder so) ein freistehendes Haus mit über 100m² Wohnfläche verkaufen möchte. OHNE Makler! Dann möge er sich doch melden, falls der gewünschte Preis nicht über 250.000 Euro liegt. Ich bin für jeden Tipp dankbar.

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