blog-FLOETE

Der Blog zu flutepage.de

Durchsuche Beiträge mit Schlagwörtern Lehrer

Wie schon häufiger angemerkt bin ich ein absoluter Verfechter von Unterricht. Dennoch besteht immer das Risiko, durch einen schlechten Lehrer mehr kaputt zu machen als Freude am Instrument zu wecken. Woran erkennt man also einen guten Lehrer?

Ich denke, es gibt verschiedene Arten von “guten” bzw. “schlechten” Lehrern. Zum einen gibt es natürlich Fälle, in denen ein Lehrer selbst nicht spielen kann oder zumindestens nicht gut. Es gibt Lehrer, die falsches lehren. Das ist in jedem Fall natürlich von Übel. Daneben gibt es aber auch Lehrer, die sehr gut spielen, es aber nicht vermitteln können. Entweder, weil ihnen hierfür passende Worte, Techniken und Bilder fehlen, oder weil sie kein wirkliches Interesse daran haben.  Und dann gibt es noch den Fall, dass ein Lehrer alles richtig macht, aber nicht zum Schüler kompatibel ist. Und, ganz wichtig, ein Lehrer, von dem man vieles gelernt hat, kann irgendwann nicht mehr der richtige sein, weil sich das Lehrer-Schüler-Verhältnis mit der Zeit abnutzt.

Ein aus meiner Erfahrung wichtiger Rat ist daher auch der rechtzeitige Wechsel des Lehrers.

Ich bin der Ansicht, ein Lehrer sollte das Instrument, das er lehrt in jedem Fall unbedingt selbst beherrschen. Auch dies ist leider keine Selbstverständlichkeit. Zum zweiten muss zwischen Schüler und Lehrer eine Art Sympathie und auch gegenseitiger Respekt herrschen, sonst wird der Unterricht nichts bringen. Ein Lehrer, der ausschließlich unterrichtet, um davon zu leben und keinerlei persönliches Interesse am Fortkommen des Schülers hat, wird wohl häufig auch nicht viel zum Lernen beitragen können.

Ich bin der Ansicht, dass es für die wichtigen Qualitäten eines Lehrers verschiedene Gewichtungen gibt, je nachdem, wie weit ein Schüler ist. Für den Anfänger ist es wichtig, nichts wirklich falsches zu lernen und eine Bindung zum Instrument zu entwickeln. Bei Kindern heißt das auch eine Begeisterung für das Spielen zu wecken. Das hat hier auch viel mit Sympathie und mit Freude am Spielen zu tun. Je älter und je fortgeschrittener die Schüler werden, desto wichtiger ist die Systematik des Unterrichts und eine gewisse Forderung und Förderung durch den Lehrer. Auch die Arbeit an Literatur und die Möglichkeit zum Vorspielen finde ich mit wachsendem Können wichtiger. Bei Jugendlichen spielt Ensemblespiel mit Gleichaltrigen hier auch eine sehr große Rolle, um gerade über die Pubertät hinweg, die Musik weiterhin als selbstverständlichen Lebensanteil zu erhalten.

Bei Erwachsenen ist es wichtig, dass die Randbedingungen (Uhrzeit, Häufigkeit, Flexibiltät und Zahlungsplan) des Unterrichts zum eigenen Lebensstil passen, sonst ist das Vorhaben Unterricht sofort zum Scheitern verurteilt. Je stärker die Bindung zum Instrument ist, desto weniger sollte die Sympathie für den Lehrer eine Rolle spielen, da ein erwachsener Mensch in der Lage sein sollte, auch gegen die eigene Neigung den Nutzen des Unterrichts erkennen zu können. Für alle, die schon eine gewisse Selbsteinschätzung Ihres Spiels haben, ist außerdem wichtig, dass der Schwerpunkt des Unterrichts sich mit den eigenen Interessen und Bedürfnissen deckt.

Wichtig ist, zu verstehen, dass es nicht “den guten Lehrer” gibt, sondern es sich um eine Beziehung handelt, die durchaus von Mensch zu Mensch verschieden gelingen kann. Darum muss ein mündiger Schüler auch selbst entscheiden, ob und wie lange er einem Lehrer treu bleibt (Ausnahme ist natürlich die Beziehung zwischen Student und Professor, wo ein Wechsel unter Umständen viele Schwierigkeiten mit sich bringen kann). Musik ist stark mit Persönlichkeit und Gefühl verknüpft. Daher kann auch der damit verbundene Lernprozess meiner Ansicht nach nur in einem menschlich angenehmen Klima wirklich funktionieren. Daher möchte ich auch Eltern ermutigen, andauernde Unlust des Kindes oder häufige Beschwerden ruhig ernst zu nehmen und nach Alternativen Ausschau zu halten oder/und das Gespräch mit dem Lehrer zu suchen (ich konnte nie verstehen, dass so viele Eltern ihre Kinder einmal die Woche zum Unterricht schicken, ohne den dort auf die Kinder wartenden Menschen auch nur einmal kennengelernt zu haben).

Für funktionierenden Unterricht halte ich es für besser, wenn Eltern nicht permanent im Raum anwesend sind (außer das Kind fürchtet sich, aber das spricht dann wohl dafür, dass es der falsche Lehrer ist).

Für mich sind wichtige Qualitäten eines guten Unterrichts, dass ich mich auf jede Stunde freue, dass ich nach jeder Stunde das Bedürfnis habe, das Gelernte und Gehörte auszuprobieren, dass ich das, was ich gehört habe in meinem Musizieren auch bei anderen Stücken nutzen und einsetzen kann, dass mein musikalischer Horizont durch den Unterricht erweitert wird (neue Literatur und zusätzliche Informationen), dass möglichst alle Bereiche des Flötenspiels zum Tragen kommen (musikalische Arbeit, Fingertechnik, Ansatz, Atmung, Haltung) und insbesondere das Wechselspiel dieser Bestandteile erkannt wird.

Mich irritiert es, wenn die Information einer Stunde derjenigen einer anderen Stunde diametral entgegengesetzt ist. Ich mag es, wenn ich auch verstehen kann, warum ich etwas tun soll und nicht nur Vorgaben erhalte, was zu tun ist (z. B. Herleitung von Betonungen oder Spannungsbögen aus der Harmonik, stilistische Details eingebettet in musikhistorische Tatsachen, Zusammenhang zwischen Physiologie und Klang etc.).  Ich wünsche mir von meinem Lehrer, dass er mein Empfinden eigener Schwachpunkte in seiner Unterrichtsgestaltung berücksichtigt.

Ein ganz besonderer Glücksfall ist es dann, wenn ein Lehrer auch noch selbst die geübte Literatur am Klavier begleiten kann. Aber erwarten sollte man das nicht, es ist die Ausnahme (und das hier ein freundlicher Gruß in Richtung Karl Strobel).

Beim Zusammenschreiben der vielen Biographien bin ich immer wieder verwundert, wie eng die Geflechte zwischen den Lebensläufen sind. Das eine sind musikalische und biologische Stammbäume. Das soll heißen familiär miteinander verbundene Musiker und Komponisten, wie die Bach-Familie, die Brüder Doppler, Rampal und sein Herr Papa oder auch Mozart, sein alter Herr und weniger bekannt, auch sein Sohn. Musikalische Stammbäume sind die zahllosen Schüler-Lehrer-Beziehungen, auf deren Spuren man vermutlich vom Barock bis zu Stockhausen von einem großen zum nächsten wandeln könnte.

Neben diesen sehr organischen Zusammenhängen gibt es aber auch unzählige Freundschaften, unterstützende Beziehungen und Zufallsbegegnungen. Gerade unter diesen unerwarteten Zusammenhängen findet man viele echte Überraschungen. Zum Beispiel schätzte Beethoven einen Herrn Emmanuel Aloys Förster sehr, dessen Quintett meine Kollegen und ich eher als langweilig bewertet haben. Herr Spohr, heute ein Insidertipp, war ebenfalls mit Beethoven befreundet. Danzi war durch eine enge Freundschaft mit Carl Maria von Weber verbunden. Im Licht der Musikgeschichte aus heutiger Sicht eher ein ungleiches Paar. Weber war außerdem auch mit Fürstenau, dem Flötisten befreundet, der noch dazu Weber nach dessen Tod in seiner Wohnung auffand.

Auch Liszt scheint ein weites Netzwerk an musikalischen Freundschaften gepflegt zu haben, darunter Chopin und Saint-Saens. Milhaud war mit Villa-Lobos und Koechlin verbandelt, Joseph Bohuslav Foerster stand mit Mahler in engem Kontakt. Im Barock war Händel ein Kumpel von Scarlatti, Haydn war ein väterlicher Freund für Mozart… so könnte man ewig fortfahren.

Oftmals erfreuten sich die “kleinen” großer Wertschätzung durch ihre heute berühmten Kollegen und sicher haben gemeinsame Abende und Musizieren beide Seiten bereichert. Teils verhalfen sich Freunde gegenseitig zu Schülern, Veröffentlichungen oder Gönnern oder die Werke des einen wurden durch den anderen bearbeitet oder instrumentiert. Und all dies zeigt nur, was jeder musizierende Mensch auch heute noch erfährt. Musik verbindet, sie ist ein guter Grundstein für Freundschaften, überdauert Entfernungen und Jahre und ist sehr kommunikativ. Konkurrenz spielt da häufig anscheinend eher eine kleinere Rolle.

Eine der häufigsten Fragen, die ich per Mail durch meine Homepage bekomme, ist die, wie man es anfangen soll, Flöte zu lernen. Ein Buch kaufen? Im Web nach Hilfe suchen? Leider kommt selten die Frage nach Unterricht. Die Tendenz geht bei allen, die mir so schreiben, ganz klar in Richtung autodidaktisches Lernen.

Warum ich “schade” schreibe? Ich habe selbst zeitweise Unterricht gegeben und auch gelegentlich Schüler gehabt, die so angefangen haben. Und ich habe selbst mir immer wieder irgendetwas angewöhnt, dass nicht eben hilfreich war. Und daher weiß ich definitiv, dass etwas “umlernen” sehr viel schwerer ist als etwas zu lernen.

Mit einer Querflöte Töne zu erzeugen und die richtigen Griffe zu finden ist nicht sooooo wahnsinnig schwierig. Vermutlich ist das der Grund, dass alle einfach mal anfangen wollen (würde man das bei Geige versuchen?). Dennoch hat das Musizieren im Allgemeinen und auch das Flöte spielen sehr viele Dimensionen. Die Haltung, die Atmung, die Griffe, die Zunge, das Noten lesen, Artikulation, Dynamik… sehr, sehr viele Parameter sind richtig zu kombinieren um ein schönes Ergebnis zu erzielen. Häufig ist man beim Spiel so in ein Problem vertieft, fixiert sich auf eine Aufgabe und vermasselt dabei etwas (oder alles) andere….. man kommt mit einer schnellen Passage nicht klar und merkt nicht, dass das eigentlich an der Luft liegt, weil sie einem ausgeht oder man sie einfach nicht mehr richtig führt.

Solche Dinge sieht und hört ein Beobachter von außen einfach besser. Er bemerkt sie und, wenn man Glück hat, hat er sogar eine Idee, mit welchen Mitteln man gegen das Problem vorgehen kann. Ein Gedankenspiel, eine Übung oder einfach nur der Hinweis auf das eigentliche Problem lösen den Knoten auf.

Darum bin ich ein Befürworter von Unterricht. Gerade Erwachsene, die sich noch den Wunsch erfüllen wollen, ein Instrument zu lernen, sollten auf eine solche Hilfe wenigstens alle paar Wochen nicht verzichten. Wie schnell landet man sonst in einer Sackgasse, hat keine Erfolgserlebnisse oder verkrampft beim Spiel. Für alle, die schon länger spielen, ist der Lehrer auch eine Fundgrube für Notenliteratur (das habe ich bei Herrn Strobel in Stuttgart ganz intensiv erlebt). Ein Lehrer vermittelt einem einen anderen Blickwinkel auf das Instrument und die Musik. Musizieren, Musik hören, Musik empfinden… all das ist so subjektiv und individuell wie die Menschen. Und ein zweiter Mensch neben einem teilt sein musikalisches Universum mit uns beim Unterrichten.

Zudem kann Unterricht auch eine Gelegenheit sein, gemeinsam zu musizieren, Flötenduette oder ein Duo Flöte/Klavier. Und das ist doch das schönste überhaupt!

Ich selbst suche mir immer wieder Lehrer, hole mir Anregungen und Motivation und lerne immer wieder etwas dazu…. und das seit mehr als dreissig Jahren. Ich denke, das will ich eigentlich nie aufhören…….

Probiert’s doch einfach mal aus!

Switch to our mobile site