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Gegenwartskunst

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Wie kommt man bei einem Konzert über das Lampenfieber weg? Wie schafft man, dass Musik überzeugend klingt? Wie kann Musik, das Üben oder eine Probe zur Entspannung beitragen? Ich glaube, die Lösung für alle diese Fragen liegt darin, ganz in der Gegenwart zu sein. Wenn man es schafft, sich ganz auf den Klang zu konzentrieren, ganz im Moment, in der Musik zu sein, dann ist man nicht nervös, dann kann man abschalten und dann klingt es auch am besten. Das gilt natürlich für Konzerte, aber besonders auch für Proben. Wenn man in der Probe nicht zu hundert Prozent bei der Sache ist, wenn man die Zeit nur „ableistet“ oder nur das nötige tut, dann kann man die Probe auch einfach lassen. Um richtig zu proben, muss man ja auch tatsächlich das proben, was man später im Konzert spielen möchte. Das heißt, man muss alles hineinlegen, absolut überzeugen wollen und den Ausdruck „leben“. So macht es dann auch am meisten Spaß und man entwickelt sich weiter.

Ich habe das früher nicht getan, bin von Probe zu Probe gerannt und habe nur vor mich hin gedudelt. Das ist Beschäftigungstherapie, mehr nicht. Musik ist ja eine Gegenwartskunst, das heißt, sie findet absolut im jetzt und hier statt. Selbst wenn man was aufnimmt, kann man ja nur aufnehmen, was auch gespielt wurde.  Eine Korrektur ist nicht möglich, das macht die absolute Konzentration so wichtig. Wenn ich nun beim Spielen abschweife, an eine schwere Stelle oder den nächsten Satz denke, oder womöglich an das Bier danach, dann kann es fast nur schief gehen. Schwierig ist das insbesondere bei einfachen Stücken, für die man diese Konzentration nicht zwingend benötigt. Aber gerade da kann man mit voller Konzentration besonders viel rausholen.

Auch hier merkt man wieder, das hat was von Autogenem Training oder Meditation.

Lampenfieber

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Eigentlich bin ich meistens bei Konzerten verhältnismässig ruhig. Da ich schon so lange spiele und von Anfang an immer wieder auch öffentlich, kann mich da nicht mehr so richtig viel schocken. Ein bisschen Nervosität, klar, aber nicht so richtig schlimm. Dennoch gibt es oft spezielle Situationen, in denen ich sehr nervös werde. Das ist immer dann der Fall, wenn ich irgendwo spielen soll, wo ich nicht weiß, was für Mitmusiker mich erwarten und wenn mir ein gutes Ergebnis besonders wichtig ist.

So war es auch am Mittwoch. Einzige Probe für meine morgige Weihnachtsmugge und ich hatte keine Ahnung, ob da Profis angeheuert wurden, Gemeindemitglieder oder was sonst. Kurz, keine Ahnung, was da auf mich zukommt. Und ich wollte doch so gerne, dass man mich vielleicht irgendwann mal wieder fragt. Da stellte sich natürlich neben der Frage, ob ich positiv würde auffallen können, auch die Frage, warum eine „fremde“ Flöte benötigt wurde. So was kann ja ein Einzelfall wegen Krankheit oder Verhindertsein der „Stammflöte“ sein, oder aber jemand spielt da gar nicht mehr (wegen Umzug, Krankheit oder schlimmerem), oder, oder, oder….

Ich hatte also keine Ahnung, was mich erwartet. Nur die Noten hatte ich und die waren ganz einfach. Trotzdem, im Büro merkte ich, wie die Nervosität in mir hochstieg. Ich kam mir richtig albern vor. Nur eine Probe und noch dazu so simples Zeug. Aber, wie gesagt, ich mag nicht, wenn ich nicht weiß, was mich erwartet und ich wollte zwingend einen guten Eindruck hinterlassen.

Also war ich sehr pünktlich, soll heißen, 10 Minuten zu früh. Aber ich war nicht die erste, das fand ich schon mal eher ungewöhnlich. Cellistin und Kontrabassistin waren auch schon da und wirkten auf mich sehr sympathisch. Kurz danach ein bekanntes Gesicht. Eine Geigerin, mit der ich schon in einer anderen Gemeinde häufiger gespielt habe, das hat mich beruhigt. Mit einem bekannten Gesicht hat man schon mal eine Hausnummer und weiß, dass die Liga nicht eine ganz unbekannte ist.

Beim Auspacken muss ich dann feststellen, dass von einem Dutzend normalerweise in meiner Flötentasche herumfliegenden Bleistiften kein einziger da ist. Das ist wirklich ungewöhnlich. Mist, das kann ich nicht leiden. Anmerkungen sollten sofort eingetragen werden und Stift leihen sieht nicht gut aus. Vermutlich habe ich die ganzen Bleistifte bei diversen Proben und auf dem heimischen Notenständer liegen gelassen. Und ein paar hatte ich für das bereits erwähnte Musicalprojekt in meine andere Tasche umgepackt (die große, wo die Altflöte reingeht).

Ich also etwas peinlich berührt und ohne Bleistift. Dann gab es noch ein paar zusätzliche Stücke (neben dem, was ich schon seit zwei Wochen zuhause hatte und nur einmal angespielt hatte).

Während der Probe dann leichte Verständigungsprobleme. Dirigent und große Teile des Ensembles russisch-stämmig. Da ist die Wortwahl manchmal etwas anders und ich mit meinem nervösen Kopf habe zweimal Schwierigkeiten zu verstehen, was der da vorne schlägt (Viertel? Halbe?) und komme gar nicht erst rein. Alles wird eher total langsam gespielt, damit hatte ich nicht gerechnet.

Zweiter Teil der Probe dann in der (arschkalten) wunderschönen Kirche. Jetzt stößt der Chor dazu. Die sind auch nicht besser als andere Chöre, die ich bisher begleitet habe. Allmählich gewinne ich meine Ruhe zurück und schaffe es, den notwendigen Schalter umzulegen. Das ist der Schalter „Trau Dich“. Alles geben, sich richtig reinlegen und auch das Risiko, dass dann mal was schief geht, nicht scheuen. Einfach wirklich 100% spielen und nicht nur vorsichtig reinhauchen. Auf die Art steht die Musik plötzlich im Zentrum und all die doofen Gedanken und Ängste, die das Lampenfieber eigentlich verursachen, verschwinden. Das geht immer, egal ob Probe, Konzert oder sonstige Verwirrungen. Wenn man es schafft, den Schalter umzulegen und sich ganz auf „denen zeig ich es“ oder „jetzt geb ich alles“ konzentriert, dann geht das Lampenfieber auch weg und was bleibt ist nur die zum guten Spielen erforderliche Anspannung. Das ist dann ein richtig gutes Gefühl.

Ab diesem Moment geht es also auch in meiner Probe besser, trotz eiskalter Flöte, endlos Kondenswasser im Instrument und entsprechenden Intonationsproblemen. Jetzt kann auch der Gottesdienst morgen kommen….

Natürlich gibt es leider auch Tage und Gelegenheiten, an denen man den Schalter nicht findet. Das ist dann Pech. Aber ich glaube, zu wissen, dass es so einen Schalter überhaupt gibt, ich glaube, das kann schon eine Hilfe sein.

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