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Musik für alle

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Vielleicht hat es der eine oder die andere mitbekommen. Kindergärten und Schulen haben die letzten Jahre viel Ärger wegen Kopien von Seiten aus Liederbüchern gehabt. Ein Resultat ist, dass viele Einrichtungen das Singen mit Kindern stark reduziert oder ganz eingestellt haben. Jetzt habe ich eben entdeckt, dass es einen Verein gibt, der GEMA-freie Liederbücher herausgibt und an Kinderbetreuungseinrichtungen verteilt. Der Verein Musikpiraten e. V. setzt sich für GEMA-freie Musik ein. Wenigstens das geschilderte Projekt finde ich sehr sinnvoll. Die DiBa vergibt 1000 € an einen Verein, der im Internet in einer Abstimmung gewinnt. Wer die Musikpiraten hier unterstützen will, möge dem folgenden Link folgen: https://verein.ing-diba.de/kultur/65451/musikpiraten-ev#

Wie schon häufiger angemerkt bin ich ein absoluter Verfechter von Unterricht. Dennoch besteht immer das Risiko, durch einen schlechten Lehrer mehr kaputt zu machen als Freude am Instrument zu wecken. Woran erkennt man also einen guten Lehrer?

Ich denke, es gibt verschiedene Arten von „guten“ bzw. „schlechten“ Lehrern. Zum einen gibt es natürlich Fälle, in denen ein Lehrer selbst nicht spielen kann oder zumindestens nicht gut. Es gibt Lehrer, die falsches lehren. Das ist in jedem Fall natürlich von Übel. Daneben gibt es aber auch Lehrer, die sehr gut spielen, es aber nicht vermitteln können. Entweder, weil ihnen hierfür passende Worte, Techniken und Bilder fehlen, oder weil sie kein wirkliches Interesse daran haben.  Und dann gibt es noch den Fall, dass ein Lehrer alles richtig macht, aber nicht zum Schüler kompatibel ist. Und, ganz wichtig, ein Lehrer, von dem man vieles gelernt hat, kann irgendwann nicht mehr der richtige sein, weil sich das Lehrer-Schüler-Verhältnis mit der Zeit abnutzt.

Ein aus meiner Erfahrung wichtiger Rat ist daher auch der rechtzeitige Wechsel des Lehrers.

Ich bin der Ansicht, ein Lehrer sollte das Instrument, das er lehrt in jedem Fall unbedingt selbst beherrschen. Auch dies ist leider keine Selbstverständlichkeit. Zum zweiten muss zwischen Schüler und Lehrer eine Art Sympathie und auch gegenseitiger Respekt herrschen, sonst wird der Unterricht nichts bringen. Ein Lehrer, der ausschließlich unterrichtet, um davon zu leben und keinerlei persönliches Interesse am Fortkommen des Schülers hat, wird wohl häufig auch nicht viel zum Lernen beitragen können.

Ich bin der Ansicht, dass es für die wichtigen Qualitäten eines Lehrers verschiedene Gewichtungen gibt, je nachdem, wie weit ein Schüler ist. Für den Anfänger ist es wichtig, nichts wirklich falsches zu lernen und eine Bindung zum Instrument zu entwickeln. Bei Kindern heißt das auch eine Begeisterung für das Spielen zu wecken. Das hat hier auch viel mit Sympathie und mit Freude am Spielen zu tun. Je älter und je fortgeschrittener die Schüler werden, desto wichtiger ist die Systematik des Unterrichts und eine gewisse Forderung und Förderung durch den Lehrer. Auch die Arbeit an Literatur und die Möglichkeit zum Vorspielen finde ich mit wachsendem Können wichtiger. Bei Jugendlichen spielt Ensemblespiel mit Gleichaltrigen hier auch eine sehr große Rolle, um gerade über die Pubertät hinweg, die Musik weiterhin als selbstverständlichen Lebensanteil zu erhalten.

Bei Erwachsenen ist es wichtig, dass die Randbedingungen (Uhrzeit, Häufigkeit, Flexibiltät und Zahlungsplan) des Unterrichts zum eigenen Lebensstil passen, sonst ist das Vorhaben Unterricht sofort zum Scheitern verurteilt. Je stärker die Bindung zum Instrument ist, desto weniger sollte die Sympathie für den Lehrer eine Rolle spielen, da ein erwachsener Mensch in der Lage sein sollte, auch gegen die eigene Neigung den Nutzen des Unterrichts erkennen zu können. Für alle, die schon eine gewisse Selbsteinschätzung Ihres Spiels haben, ist außerdem wichtig, dass der Schwerpunkt des Unterrichts sich mit den eigenen Interessen und Bedürfnissen deckt.

Wichtig ist, zu verstehen, dass es nicht „den guten Lehrer“ gibt, sondern es sich um eine Beziehung handelt, die durchaus von Mensch zu Mensch verschieden gelingen kann. Darum muss ein mündiger Schüler auch selbst entscheiden, ob und wie lange er einem Lehrer treu bleibt (Ausnahme ist natürlich die Beziehung zwischen Student und Professor, wo ein Wechsel unter Umständen viele Schwierigkeiten mit sich bringen kann). Musik ist stark mit Persönlichkeit und Gefühl verknüpft. Daher kann auch der damit verbundene Lernprozess meiner Ansicht nach nur in einem menschlich angenehmen Klima wirklich funktionieren. Daher möchte ich auch Eltern ermutigen, andauernde Unlust des Kindes oder häufige Beschwerden ruhig ernst zu nehmen und nach Alternativen Ausschau zu halten oder/und das Gespräch mit dem Lehrer zu suchen (ich konnte nie verstehen, dass so viele Eltern ihre Kinder einmal die Woche zum Unterricht schicken, ohne den dort auf die Kinder wartenden Menschen auch nur einmal kennengelernt zu haben).

Für funktionierenden Unterricht halte ich es für besser, wenn Eltern nicht permanent im Raum anwesend sind (außer das Kind fürchtet sich, aber das spricht dann wohl dafür, dass es der falsche Lehrer ist).

Für mich sind wichtige Qualitäten eines guten Unterrichts, dass ich mich auf jede Stunde freue, dass ich nach jeder Stunde das Bedürfnis habe, das Gelernte und Gehörte auszuprobieren, dass ich das, was ich gehört habe in meinem Musizieren auch bei anderen Stücken nutzen und einsetzen kann, dass mein musikalischer Horizont durch den Unterricht erweitert wird (neue Literatur und zusätzliche Informationen), dass möglichst alle Bereiche des Flötenspiels zum Tragen kommen (musikalische Arbeit, Fingertechnik, Ansatz, Atmung, Haltung) und insbesondere das Wechselspiel dieser Bestandteile erkannt wird.

Mich irritiert es, wenn die Information einer Stunde derjenigen einer anderen Stunde diametral entgegengesetzt ist. Ich mag es, wenn ich auch verstehen kann, warum ich etwas tun soll und nicht nur Vorgaben erhalte, was zu tun ist (z. B. Herleitung von Betonungen oder Spannungsbögen aus der Harmonik, stilistische Details eingebettet in musikhistorische Tatsachen, Zusammenhang zwischen Physiologie und Klang etc.).  Ich wünsche mir von meinem Lehrer, dass er mein Empfinden eigener Schwachpunkte in seiner Unterrichtsgestaltung berücksichtigt.

Ein ganz besonderer Glücksfall ist es dann, wenn ein Lehrer auch noch selbst die geübte Literatur am Klavier begleiten kann. Aber erwarten sollte man das nicht, es ist die Ausnahme (und das hier ein freundlicher Gruß in Richtung Karl Strobel).

Kinder und Musik

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Ich bin ein großer Verfechter einer musikalischen Ausbildung für Kinder.

Das ist jetzt nicht die Nummer, dass alle Geige spielen und in Konzerte rennen sollen. Kein elitärer Spleen oder so was. Nein, ich bin überzeugt, dass Musik Kindern vieles ermöglicht, dass sie dadurch bessere Chancen im Leben erhalten. Ich denke, die vielen Studien, die zu diesem Thema schon gemacht wurden, haben gezeigt, dass das Spielen eines Instrumentes gut für intellektuelle Leistungen und Konzentrationsfähigkeit sind.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass jedenfalls die Mustererkennung gefördert wird, die auch in anderen Zusammenhängen (zum Beispiel bei der Arbeit mit Software) von Vorteil sind. Die Auffassungsgabe wird besser, auch das Gedächtnis, finde ich. Dazu kommt das Training der Koordination und Feinmotorik. Die Konzentrationsfähigkeit durch Proben, Unterricht und Üben. Neben diesen Solo-Fähigkeiten wird durch Kammermusik und Orchester auch die Kommunikation und das Einfühlungsvermögen verbessert. Wer gut musizieren will, der muss mit seinen Mitmusikern zusammenarbeiten, der muss sich öffnen. Ich glaube, die derzeit in unserer Gesellschaft zu beobachtenden Spaltungstendenzen, das fast schon autistisch desinteressierte und egozentrische Verhalten in allen gesellschaftlichen Bereichen (im Job, im Strassenverkehr, in der Nachbarschaft) wären zu bremsen, vielleicht sogar ganz aufzuhalten.

Für die Persönlichkeit eines Kindes bildet die Musik Erfolgserlebnisse und eine Ausdrucksmöglichkeit. Im Idealfall bietet ein Verein, ein Schulorchester oder die Musikschule auch die Möglichkeit, gemeinsam mit Gleichaltrigen Wochenenden zum Proben oder Konzertieren auswärts zu verbringen. Das ist ein Weg, mal die Nase außerhalb des Elternhauses in den Wind zu halten.

Der wesentliche Unterschied zum Sport (von dem ich zugegeben sehr wenig Ahnung habe), ist, dass Musik eigentlich mehr ein Mit- als ein Gegeneinander ist. Natürlich gibt es auch in der Musik Wettbewerbe und Konkurrenz. Aber das ist nicht die Eigenschaft der Musik sondern das, was durch eine Institutionalisierung daraus wird. Beim Sport ist dagegen der Wettkampf eines der Grundthemen. Der Begriff „Konzert“ kommt zwar von „concertare – wetteifern“, das ist aber eher bildlich zu verstehen. Musik ist immer als Miteinander zu verstehen, sonst funktioniert es nicht. Es hat wohl auch noch nie jemand Fans verschiedener Orchester in einer Prügelei erwischt im Gegenteil zu Fussballfans.

Wichtig ist, dass Kinder Freude am Musizieren haben, dass nicht der Ehrgeiz der Eltern der Antrieb ist sondern die Neugier des Kindes. Ich halte nicht viel von großem Druck am Beginn des Lernens. Ich finde, ein Kind muss eine natürliche Bindung zu seinem Instrument entwickeln, soll das Spielen vermissen, wenn es nicht möglich ist, soll die Musik als Bestandteil des eigenen Lebens empfinden und so auch dabei bleiben. Das heißt für Eltern auch, dass bei andauernder Unlust oder Beschwerden des Kindes über den Instrumentallehrer ein neuer Lehrer her sollte. Es gibt nicht „den“ guten Lehrer, der Lehrer muss zum Kind passen und sich auf den Schüler einstellen. Ich finde, das ist zu Beginn beinahe das Wichtigste überhaupt.

Sehr erfreulich sind die aktuellen Entwicklungen mit Bläserklassen in Grundschulen und Gymnasien (ich hoffe, das gibt es auch auf Haupt-, Real- und Gesamtschulen?). Auch das Projekt in NRW, das jedem Kind den Zugang zu einem Instrument eröffnen will, ist sehr zu begrüssen. Es geht nicht darum, Profimusiker heranzuziehen oder Wunderkinder zu sammeln. Es geht darum, Kindern Chancen zu eröffnen und eine spannende Welt voller Musik zu eröffnen. Ich bin sicher, das bereichert jedes einzelne, egal wie lange es dabei bleibt. Vorausgesetzt natürlich, die Lehrer in diesen Projekten schaffen es, einen gewissen Idealismus zu behalten und das Unterrichten nicht nur als irgendeinen Job anzusehen.

In Köln, einer so musikalischen Stadt, müssten eigentlich unzählige solcher Projekte möglich sein. Vergleichbar mit den großartigen Projekten zum Lesenlernen in Grundschulen sollten die unzähligen Musiker in Köln, die wirklich gut von Ihrer Arbeit leben können, auch einen Weg finden, Kindern, denen ihre Eltern den Zugang zur Musik nicht bieten können, ehrenamtlich ein wenig Einblick in diese Entfaltungsmöglichkeiten zu gewähren.

Im Verlauf eines Lebens bietet die Musik immer wieder Halt und ein Ventil, erlaubt es einem auch nach Umzügen und anderen Veränderungen immer wieder neue Kontakte zu schließen und Menschen kennenzulernen, die dieses Interesse teilen. Das ist einfach wunderbar!

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