Kammermusik und Kommunikation

Hochtrabender Titel…. aber was ist das schöne am Kammermusikspiel? Für mich ist es eine Art Sucht, wenn ich merke, dass ich mit anderen ohne Worte und Absprachen und ohne den großen Wedler (auch Dirigent genannt) vor der Nase zum gleichen Empfinden eines Stücks Musik komme. Das kann sich in Tempo-Wechseln  oder -Schwankungen ausdrücken, im „Hochschaukeln“ der Dynamik (einer wird leiser, alle werden leiser….), in Verzögerungen oder im Ausgleichen eines falschen Einsatzes. Alles das, was gar nicht in den Noten steht und trotzdem blind funktioniert.  Und wie funktioniert das? Man muss sich zuhören… beim Spielen und auch beim Reden. Man muss sich einlassen auf den anderen…. man sollte nicht immer nur Recht haben wollen, man sollte Spass daran haben… man muss sich vielleicht selbst ein bisschen aufgeben, das ganze sehen und hören und nicht nur das große Solo spielen wollen.

Und nach meiner Erfahrung geht das (wenigstens unter Amateuren) eigentlich fast nur, wenn man sich auch mag. Und so kommt es, dass das Zusammenspiel manchmal durch gemeinsame Kneipenbesuche, Gespräche oder andere Aktivitäten genauso viel besser wird (fast) wie durch gemeinsame Proben.

Musik ist klingendes Menschsein….. (das schreibe ich und höre gleichzeitig den Blues, den man für Köhler spielt, auch ein sehr menschlicher, wie ich finde….)

Sentimental? Stimmt….

2 Gedanken zu „Kammermusik und Kommunikation“

  1. Da stimme ich Dir voll und ganz zu. Mit „Fremden“ zu spielen kann eine ganz besondere Art von Stress auslösen: Wie reagieren die auf mein Spiel? Gehen sie mit? Fühlen die überhaupt, wo ich hin will? Die Viertel da mit Staccatopunkten. Spiele ich die zu breit, die anderen zu kurz? Soll ich mich anpassen? Oder Brust raus, Nacken steif, sollen die anderen sich doch mir anpassen! Wie reagieren die wohl auf Fehler? Genervt? Wie soll ich selbst reagieren? Es ist wie überall im Leben. Wenn einem andere Menschen begegnen, mit denen man gemeinsam etwas erreichen will oder sogar muss, sind zunächst alle Sinne weit geöffnet und sozusagen auf Alarm gestellt. Ich denke, dass wir per Evolution einfach so geeicht sind, aber die gleiche Evolution hat uns die Mittel an die Hand gegeben, damit umgehen zu können: Höflichkeit, Freundlichkeit, Empathie, Wohlwollen.
    Nach diesem weiten Schlenker wieder zur Kammermusik. Mit Höflichkeit, Freundlichkeit und Respekt lassen sich die ersten paar Tausend Takte gut über die Runden bringen. Wenn man, wie Claudia das beschreibt, darüber hinaus mal ein Bier (oder drei) zusammen trinkt und über Gott und die Welt redet oder gemeinsam auf der Achterbahn fährt, stellt tatsächlich fest, dass auch das musikalische Zusammenspiel erheblich gewinnt. Man lernt, unbewußt Körperhaltungen, Stimmlagen richtig einzuschätzen . Man lernt zu vertrauen und traut sich selbst auch mehr. Vorteil für alle !!!!!

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