Jugendkonzert des WDR-Sinfonieorchesters

Gestern um 19 Uhr spielte das WSO in der Kölner Philharmonie unter der Leitung von Thierry Fischer ein wunderschönes Programm mit Gustav Mahlers Liedern aus „Des Knaben Wunderhorn“, gesungen von Christian Gerhaher und im zweiten Teil die Bilder einer Ausstellung von Mussorgskij in der Orchestrierung von Ravel.

Die Mahler-Lieder waren ein wirkliches Klangbild. Die Bandbreite der Stimmungen ist unglaublich. Leider hatte ich gelegentlich den Eindruck, dass innerhalb des Orchesters nicht wirklich rhythmische Einigkeit herrschte und die Einsätze etwas kleckerten. Ein totaler Genuss war der Solist. Manche Einsätze kamen  wie aus dem Nichts. Da war plötzlich ein glasklarer Ton, man wusste gar nicht so recht, ob Instrument oder Stimme, aus dem sich dann der Gesang herausentwickelte. Ich wusste gar nicht, dass eine Stimme so klingen kann.

Leider wurde der erste Teil durch die ausgesprochen große Unruhe im Publikum sehr beeinträchtigt. Die Zielgruppe des Abends, die Jugend, war wohl von der Programmauswahl nicht so angetan. Nach jedem Lied wurde geklatscht und ich hatte den Eindruck, man konnte den Musikern, dem Sänger und dem Dirigenten ansehen, wie schwer es war, die Spannung zu halten. Leider schienen die Klatscher das  nicht zu bemerken. Das Übel gipfelte, als einmal an einer leisen Stelle mitten im Stück applaudiert wurde…. ein Tipp: Man muss nur gucken, was der Dirigent macht. Alle Interpreten holen sich Ihren Applaus, wenn sie fertig sind. Sie drehen sich um, sehen ins Publikum und verbeugen sich. Es reicht, wenn man dann anfängt……Auch am Ende konnte man gar nicht wirklich genießen, da sofort Applaus einsetzte. Sehr schade! Zum wirklich in der Musik Versinken, war diese Atmosphäre nicht tauglich. Vielleicht ist auch die gute Akustik in der Philharmonie Teil des Problems. Unterhaltungen während der Musik sind eben leider sehr weit zu hören.

Im zweiten Teil wurde das Publikum ruhiger. Außerdem war die Musik ja glücklicherweise im Schnitt lauter, vielleicht habe ich also die Unruhe auch nur nicht so gut hören können, oder aber die Unruhestifter haben in der Pause das Konzert verlassen. Ich frage mich aber auch, was Kinder im Grundschulalter in so einem Konzert verloren haben? Selbst für Jugendliche ohne entsprechende „Vorkenntnisse“ und aktives Interesse ist meiner Meinung nach der Mahler einfach zu viel. Das ist keine leichte Kost und überhaupt fand ich selbst als Jugendliche klassischen Gesang immer eher „unnatürlich“.

Das ganze Konzert dauerte am Ende fast zweieinhalb Stunden. Das lag unter anderem daran, dass die einführenden Texte von Herrn Lengersdorf so lange gedauert haben. Würde es nicht Sinn machen, zu einem Jugendkonzert vielleicht nur ein Werk zu spielen? Dann wäre man zusammen mit den ausführlichen Erläuterungen vielleicht nur bei anderthalb Stunden und die Chance, dass das Publikum „dabeibleibt“ wäre viel größer.

Ich bin ein wirklicher Verfechter von einer breiten und frühen Förderung des musikalischen Interesses. Ich denke jedoch, dass ein Konzert, wie das, das ich erleben durfte, keine neuen fleissigen Konzertbesucher und Musikbegeisterten erzeugt. In einem anderen Rahmen wäre der Mahler vermutlich ein einmaliger Genuss gewesen, so ging leider viel verloren. Ich denke, auch für die Musiker war das vermutlich ein eher hartes Brot…… und es steht zu befürchten, dass einige der jungen Gäste so froh waren, dass sie draußen waren, dass sie so schnell kein Konzert mehr hören wollen.

Der Dirigent war übrigens früher mal Flötist…. und er ist sehr sympathisch :). Ach ja…. und an den Flöten waren diesmal Michael Faust, Martin Becker und Leonie Brockmann.

Ein Gedanke zu „Jugendkonzert des WDR-Sinfonieorchesters“

  1. Ja, da hast Du vollkommen Recht. Kinder und junge Menschen an anspruchsvollere Musik heranzuführen ist ein besonders schwieriges Geschäft und wird von den meisten Verantwortlichen für meinen Geschmack nicht mit der notwendigen leichten Hand ausgeführt. Ob ein Konzert über knapp 3 Stunden mit sedierenden Kommentaren oder Einführungen bewirkt genau das Gegenteil. Das Hauptproblem scheint mir ob bei dieser oder bei schulischen Veranstaltungen immer zu sein, dass nicht darauf geguckt wird, wo man die meisten Kinder abholen muss. Selbst wenn es im Elternhaus mehr oder weniger gelebt wird, ist eine Aufbereitung notwendig, die wahrscheinlich irgendwo im Crossover oder so zu finden ist.
    In der Tat sind natürlich auch die Eltern aufgerufen solche Besuche mit dem notwendigen Augenmaß auszuwählen.
    Ich meine mich zu erinnern, dass heute die Filmsequenzlängen bei wenigen Sekunden liegen. Wenn dann junge Menschen mit diesen Seh-und Hörgewohnheiten in so einer Veranstaltung sitzen, kann man sich leicht ausrechnen, wann die Kids anfangen, den Fokus auf veranstaltungsfremde Wahrnehmungen zu legen.
    Christian

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