Derzeit lese ich „Die Flöte“ von Pierre-Yves Artaud und bin dabei heute im Kapitel zur Technik und Physiologie gelandet. Artaud’s erstes Stichwort zu diesem Thema ist „Gleichgewicht“.

Einerseits ist das natürlich nicht überraschend, da wohl bei jeder Muskelnutzung das Gleichgewicht das wichtigste ist und ja auch jede Verspannung, Rückenschmerzen oder ähnliches letzten Endes aus einem Ungleichgewicht zwischen den verschiedenen Muskelgruppen entsteht (dank an meinen lieben Physiotherapeuten, der mir mit Gyrotonics (keine Ahnung, ob man das so schreibt) da endlich Abhilfe geschaffen hat). Gleichgewicht an sich ist also logisch. Aber warum ist das gerade für Flötisten vielleicht ein besonderes Thema? Und hier hat Artaud eine interessante und für mich sehr logische Beobachtung angeführt.

Die Flöte unterscheidet sich in verschiedener Hinsicht sehr von anderen Instrumenten. Zum einen erfolgt die Tonerzeugung an sich vollkommen unsichtbar indem die Luft auf die Schneide des Mundlochs trifft. Und die Luft kann man ja nicht sehen…. Das heißt auch, die Intensität mit der man spielt kann sich nicht so leicht in Form entsprechend ausladender oder kraftvoller Bewegung beim Spielen „entladen“.  Zum anderen geht die Luft durch die Lippen direkt in die Umgebung, man hat also auch keinen „Gegendruck“ (das merken auch Trompeter unangenehm, wenn sie mal auf einer Flöte zu spielen versuchen. Die Luft geht einfach weg. Die Dosierung muss man selbst machen, das wird nicht durch einen Gegendruck irgendwie geregelt). Und, das fand ich besonders interessant, wir sehen die Flöte ja nicht. Die meisten Instrumentalisten haben ja Blickkontakt zu dem was sie da machen und gerade Anfänger können sonst immer sehen, was ihre Hände so machen. Dieses „Nicht Sehen“ führt zu einer am Anfang sehr spürbaren Verunsicherung. Man hat zu Beginn immer das Gefühl, dass einem die Flöte wegrollt und dass sie nicht stabil liegt.

Und nun passt diese Beobachtung und die von Artaud angestellten Überlegungen auch noch zu einem Thema, dass mein lieber Coautor Christian demnächst mal vorstellen will. Die interessante Übevariante, auf einem Balance Board stehend zu spielen. Und auch da geht es, wie der Name sagt, ja um Gleichgewicht. Und so schließt sich der Kreis und Praxis und Theorie begegnen sich.

Ich finde das immer wieder sehr faszinierend. Mehr, wie gesagt, in Kürze hier….