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Wie kommt es, dass man so wenig Flötisten trifft, die gerne Piccolo spielen?
Vermutlich liegt das daran, dass es so schwer ist und relativ undankbar, da falsche Töne und schlechte Intonation fast in allen Lebenslagen von jedem zu hören sind, weil das Piccolo sich meist in luftigen Höhen über allem anderen bewegt und heraussticht. Sticht… ja, das trifft wohl das Hörempfinden in den meisten Fällen auch ganz gut.

Es ist so schwierig, ein Piccolo angenehm und unauffällig erklingen zu lassen. Die Größe des Mundstücks erfordert einen noch viel exakteren Ansatz, jede kleine Abweichung von der Ideallinie ist ja in Relation zur Größe des Instrumentes schon ein Riesenfehltritt und wirkt sich auch so aus. Hier sind echte Feinmechaniker gefragt!

Als weiter Ursache für die weit verbreitete Abneigung würde ich vermuten, dass viele Flötisten und Flötistinnen ihre ersten Versuche am Piccolo auf entsetzlich schlechten Instrumenten machen müssen. Man braucht die Dinger ja nicht so oft, Orchester und Kapellen schaffen welche an, damit sie den Musikern geliehen werden können, aber investiert wird in solche Instrumente wenig (ich hatte eine Schülerin bei deren Vereins-Piccolo (Kunststoff-Instrument von Yamaha) die Klappen abfielen, weil die Gewinde für die Schräubchen im Korpus fast alle ausgebrochen waren).

In meinem Fall war das erst Piccolo ein uraltes Metallinstrument der Firma Grassi, das vermutlich schon sehr viele Flötisten aber noch nie eine Werkstatt von innen gesehen hatte. Die enge Mensur und meine Unkenntnis der Problematik führten zu wahnsinnigen Kraftanstrengungen. Das Ganze spielte sich in einem der unzähligen Musikvereine Süddeutschlands ab. Ich war etwa 10, spielte ein gutes Jahr die Querflöte und quälte mich nun mit Marschmusik, einer entsprechenden Marschgabel am linken Arm, dem Gleichschritt, dem Ansatz und der auswendig zu spielenden Locke (die Problematik der Pferdeäpfel kam dann beim ersten Ernstfall dazu)…….

Im nächsten Schritt dann der Florentiner-Marsch…. eine Hassliebe…. gegenüber Repertoire a la „Gruß aus Kiel“ ein wirklich reizvolles Werk…. mit einem fetten Piccolopart, technisch sehr anspruchsvoll (damals jedenfalls für mich). Zunächst die solistische Einleitung und später das Genudel im Trio…. viel geübt und nie gehört, weil das Blech an der Stelle alles andere plattgetrötet hat.

Und dann wurde ein neuer Dirigent eingestellt und beim Probedirigieren wurde der Florentiner aufgelegt. Ich war schon gewohnt, dass keiner hört oder hören will, was und ob und wie ich diesen technischen Part von mir gebe…. aber weit gefehlt. Der „neue“ hatte studiert, viel gelernt und probte das mit mir…. vor der versammelten Kapelle. Ich ca. 13 und seeeeeeehr peinlich berührt unter den Mitmusikern (die meisten um die 50)….. üble Erinnerungen.

Irgendwann hielt ich es dann für einen klugen Schachzug, mir selbst ein Piccolo zuzulegen. Erstens um nie wieder auf solchen Gurken spielen zu müssen und zweitens in der Hoffnung, dadurch vielleicht für ein paar Muggen attraktiver zu werden (hat auch einmal geklappt). Naja und dann kam die Bewerbung beim Landesblasorchester mit Vorspiel und mein damaliger Lehrer (Karl Strobel in Stuttgart) hat mit mir auch eine Piccolostelle eingeübt. Und da gab es dann tatsächlich ein paar Tipps, die mir seither das Leben leichter machen. Zum Beispiel hatte ich das Piccolo immer zu tief angesetzt. Und da merkte ich zum ersten Mal, dass das tatsächlich ein Instrument und kein archaisches Folterwerkzeug ist…

Inzwischen kann ich durch Querflöten-Quartett, Sinfonieorchester und Bläserquintett das Piccolo etwas besser leiden und akzeptieren, dass ich es eben nicht kann, weil man dieses schwierige Instrument einfach richtig gut üben muss, was ich ja nicht tue. Friede ist eingekehrt und seit ich von einer Freundin die CD von Gudrun Hinze erhalten habe auch Freude am Piccolo hören….. seit ein paar Tagen besitze ich das wunderschöne Piccolo-Konzert von Stephenson von dieser CD nun auch als Noten und habe sogar freiwillig Piccolo gespielt.

Vielleicht macht das Alter ja wirklich reifer und versöhnlich?

Summertime

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Ich finde es jeder Jahr wieder erstaunlich, wie sehr mein Instrument auf das Wetter reagiert. Bei Temperaturen gut über 20 Grad und mittlerer Luftfeuchtigkeit spielt meine Flöte fast alleine. Der Blaswiderstand verschwindet beinahe ganz. Jedesmal faszinierend:-)

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