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Zum Auftakt einer neuen Serie mit Instrumenten-Besprechungen, möchte ich heute eine Azumi Wave-Line Kinderflöte vorstellen. Das Testobjekt wurde mir freundlicherweise von Flutissimo zur Verfügung gestellt. Das ist sozusagen die Flöte mit dem „Blup“Statt eines gebogenen Kopfes befinden sich bei der Wave-Line die Klappen genau wie bei einer normalen großen Flöte in einer Linie mit dem Kopfstück. Damit Kinderhände trotzdem leicht alle Klappen erreichen können, hat die Flöte eine Art „Umleitung“ eingebaut. Auf diese Art entsteht kein ungewöhnliches Drehmoment, wenn die Kurve der Flöte exakt nach unten ausgerichtet wird. Das ist besonders darum sehr sinnvoll, weil für Anfänger gerade die Balance eines der Hauptprobleme beim Erlernen darstellt. Daher ist es gut, wenn beim Umstieg auf die normale Flöte an dieser Stelle keine Umstellung mehr erforderlich wird.

Zur Reduzierung des Gewichts fehlen bei der AZUMI Wave-Line beide Trillerklappen, der b-Hebel rechts und die E-Mechanik.  Insgesamt wiegt die mir vorliegende Wave-Line rund 80 g weniger als meine eigene Flöte. Gefühlt ist der Unterschied noch größer, was wohl am verkürzten Hebel liegt. Die fehlende E-Mechanik fand ich mehr klanglich spürbar als in der Ansprache. Im Bild ist die Mechanik der rechten Hand zu sehen. Wie gesagt, keine Trillerklappen, dafür aber Griffplatten für kleine Hände.

Das Instrument liegt angenehm in der Hand, fässt sich nicht billig an und hat einen wirklich sehr schönen Klang.
Die Ansprache ist sehr gut und ich hatte tatsächlich nicht den Eindruck, ein Billiginstrument zu spielen. In der Tat ist die Azumi auch keines. Bei Thomann legt man, ebenso wie bei Flutissimo, fast 700 Euro für die Kinderflöte hin. Das ist eine ganze Menge Geld, insbesondere wenn man mehrere Kinder hat oder nicht sicher ist, ob der Nachwuchs auch dabei bleiben möchte. Eine spätere Aufrüstung zu einer normalen Flöte ohne Kurve ist nicht möglich und aufgrund der reduzierten Mechanik auch nicht sinnvoll.

Bei dieser Preisbildung und dem robusten Eindruck, den das Instrument im ganzen auf mich macht, würde ich es als ideale Anschaffung für Musikschulen oder Flötenlehrer ansehen, die häufig frühe Anfänger unterrichten und ein geeignetes Instrument zur Verfügung stellen wollen. Ich würde eine derartige Anschaffung auf jeden Fall für mich in Erwägung ziehen, wenn ich noch unterrichten würde.

Das Gesamtpaket wird mit einem leichten Flötenkasten abgerundet, der mit einem Reissverschluss versehen sicher schließt und sowohl einen Handgriff als auch einen Umhängegurt für den Transport mitbringt. Damit ist keine Tasche für das Instrument erforderlich. Im Kasten ist ein kleiner Holzständer für die Ablage des Instruments enthalten, da ein ebenes Ablegen auf dem Tisch durch die Kurve verhindert wird.

Die Wave-Line ist auch ohne C-Klappe erhältlich, was sie noch leichter und kürzer macht.

Ein wirklich durchdachtes Prinzip, wie ich finde. Toll, was es heute alles für Anfänger gibt.

…. und das wird keine Konzertkritik. Ich bin eben nach Hause gekommen, habe das „große Fussballspiel“ komplett verpasst und kann gar nicht so recht sagen, wo diese drei Stunden eigentlich geblieben sind. Wie so was geht? Ein Besuch bei Flutissimo. Das ist eine unauffällige Adresse in Sankt Augustin (wo ich ja auch mal gewohnt habe, sozusagen ein Besuch in meiner Vergangenheit). Zu meiner Zeit war da flötistisch nicht besonders viel los (ich bin schon seit 2005 oder 2006 weg). Heutzutage ist das aber eine Lokalität, die sich der flötende Mitmensch merken sollte.

Ich habe heute zum ersten Mal live Querflöten aus Kunststoff bzw. Grenadit („Kunstholz?“) gesehen bzw. in Händen gehalten oder sogar gespielt. Ich konnte eine Azumi-Wave-Line-Flöte anspielen (das ist die mit dem „Plub“). Auch die Flötenmarke Koge war mir bis heute kein Begriff. Von der Flute d’amor in G (irgendwo zwischen Piccolo und Flöte) habe ich gehört, gelesen und geschrieben. Heute habe ich sie gehört. Daneben viele Geschichten und Informationen und die Bekanntschaft eines sehr sympathischen Flötenbekloppten. Ich bin begeistert.

Bisher musste man für eine gute Auswahl von Instrumenten zum Anspielen recht weit fahren (Bertram in Freiburg oder Adams in Holland). In Sankt Augustin findet der Interessierte vom Piccolo der günstigen bis mittelteuren Klasse bis zu hochklassigen Flöten, Altflöten und Bassflöten alles wünschenswerte vor (heute drei verschiedene Bassflöten, was ich viel fand, für Flutissimo wohl aber eher Ebbe auf der Basslinie bedeutet). Termin vereinbaren und eventuell noch spezielle Wünsche absprechen und es kann losgehen.  Auf keinen Fall vollständig, aber hier ein Ausschnitt aus dem Angebot: Bassflöten von Jupiter, Pearl, Guo, Koge, Altflöten von Pearl, Miyazawa und ich weiß nicht wem, Flöten von Miyazawa, Sankyo, Powell, Sonarè, Yamaha, Pearl, Azumi, Altus, Trevor James, Viento, Koge, Piccoli (auch Hammig), Köpfe, Flötenständer, sonstiges Zubehör. Alles was Sinn macht und Qualität darstellt und dazu ausführliche Beratung, Probespielen (auch mit Mitnehmen und mehrere Tage testen). Eine echte Empfehlung für jeden, der gerne quer pfeift. Vom Anfängerschüler bis zum Profi kann hier jeder das passende finden.

Der Service wird ergänzt durch Kursangebote, Flötenorchesterprojekte und die Tatsache, dass da einer aus innerem Antrieb und eigener Leidenschaft werkelt und nicht um möglichst viel Geld am Ende übrig zu behalten (das wird durch die nebenberufliche Selbständigkeit und ein festes Gehalt sozusagen garantiert).

Irgendwie finde ich es jetzt schon wieder ganz schön schade, dass ich schon wirklich gut mit Instrumenten bestückt bin. So viele Möglichkeiten und Klänge, wirklich beeindruckend.

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Bei uns in der Familie bin ich zuständig, wenn ein Musik bezogenes Geschenk benötigt wird. Und da meine Nichten und mein Neffe alle musizieren, kommt das öfter mal vor. Dieses Jahr war der Wunsch ein Stimmgerät fürs Schlagzeug. Ein bisschen Recherche und mein eigenes Bauchgefühl führten dazu, dass wir ausnahmsweise nicht das Gewünschte besorgt haben (besser die Ohren benutzen). Musikalisch sollte es dennoch sein, also haben wir für meine Schlagzeug und Marimba spielende Nichte ein Cajon gesucht.

Zunächst eine Onlinerecherche, dann dachten wir, es kann nix schaden, sich ein paar dieser vielen verfügbaren Modelle mal in echt anzusehen. Wir also raus zum nagelneuen Riesenladen des Musicstore in Köln-Kalk. Neugierig war ich ja ohnehin. Leider brachte der Besuch wenig Erkenntnis, da der offensichtlich einzige Kundenbetreuer in der Percussion-Abteilung gerade auf dem Sprung zum Mittagessen war. Wir also so geguckt, keine neuen Erkenntnisse gewonnen und wieder heimgefahren.

Abends dann eine weitere Internetrecherche, die drei möglichen Bezugsquellen waren der Musicstore, der Rockshop und Thomann. Das ganze fand exakt eine Woche vor Weihnachten statt. Wichtig war also vor allem die unmittelbare Verfügbarkeit und der zeitnahe Versand (sollte ja nach Süddeutschland zu meiner Familie und darum wollte ich es professionell verpackt haben). Letztendlich habe ich mich Samstag abend (17.12.) für ein Cajon vom Musicstore entschieden, dass als „auf dem Lager“ gekennzeichnet war. Laut Versandbedingungen sollte das bestellt unter diesen Voraussetzungen in ein bis zwei Tagen, also bis ca. Mitte der Woche, beim Empfänger sein.

Dienstag (zwei Wochentage nach Bestellung) erhielt ich eine Auftragsbestätigung, die besagte, dass hiermit ein Vertrag zustande gekommen sei. Dazu eine Bestellnummer und ein Ansprechpartner. Ich hab erst mal abgewartet und als ich nichts weiter hörte habe ich angerufen (Donnerstag, 4 Wochentage nach Bestellung) um zu erfragen, was denn die Auftragsbestätigung bezüglich des Versandstatus bedeute (meine erste Bestellung bei dem Verein).

Der freundliche Mensch am Telefon erklärte, das Ding sei nicht am Lager. Ich, schon leicht gereizt, weise darauf hin, dass diese aber im Netz als „am Lager“ gekennzeichnet gewesen wäre. Er guckt nochmal und sagt, doch, ja, es sei da, aber im alten Lager in der Budengasse. Ich Ahnungslose frage, was das den für den Versand heißt, da meint er, von da würde nicht versendet (????). Wo ich den wohnen würde? Ich sag „in Köln“, da bietet er mir an, ich könnte es abholen. Ich erklär ihm, dass das nach Stuttgart muss. Da meint er, dass das wohl nicht mehr zu schaffen sei. Da bin ich echt stinkig geworden und habe ihm erklärt, dass es ja wohl eine Frechheit wäre, das als „am Lager“ und „in 1 bis 2 Tagen beim Empfänger“ zu markieren. Wann sie denn gedächten, das zu versenden. Das wusste er nicht.

Also habe ich mich ans Telefon gehängt, bei Thomann in der Percussion-Abteilung angerufen, telefonisch noch eine kompetente Beratung zur Wahl des richtigen Cajon erhalten, telefonisch bestellt, für UPS-Versand 25 Euro abgedrückt und wups….. am nächsten Morgen um kurz vor neun Uhr ist es angekommen. So geht es also auch.

Die Musicstore-Bestellung habe ich storniert. Ich habe mich auch per Kontaktformular beschwert, natürlich ohne Reaktion. Ich frage mich nur, wie es sein kann, dass zu Beginn des 21. Jahrhunderts der Rhein ein derartig unüberwindliches Hindernis für die Logistik darstellen kann? Wie kann man sich so dämlich anstellen? Es gibt in Köln sieben oder acht Brücken um auf die Schäl sick (Deutzer Seite, wo der neue Laden ist) zu kommen. Es gibt Autos, Züge, Versanddienste. Und es gibt die Möglichkeit, zu kennzeichnen, dass ein Artikel nicht unmittelbar verfügbar ist.

Was die da machen ist für mich eigentlich eine Art von Betrug. Man gaukelt etwas vor und erhält so eine Bestellung. Der Kunde spielt keine Rolle. Die Ignoranz, die mir bei meiner Anfrage entgegenschlug war atemberaubend. Mich haben die jedenfalls gesehen. Nie wieder, das ist mal sicher. Scheinbar führt eine gute Marktposition dazu, dass man meint, sich nicht mehr anstrengen zu müssen.

Übrigens liegen laut Google maps (siehe auch unten) knapp 6 km zwischen den beiden Standorten dieses Ladens. Ebenfalls laut Google benötigt man mit dem Auto dafür 10 Minuten. Rechnet man weihnachtliche Verkehrsprobleme en, das Be- und Entladen, dann kommt man vielleicht auf eine halbe Stunde. Nöööööö, so eine Weltreise kann man natürlich nicht planen, geht ja gar nicht.

Das ist wie in dem alten Lied von den zwei Königskindern: „Sie konnten zueinander nicht kommen“. Da war auch ein Gewässer im Weg. Vielleicht müssen die armen Store-Mitarbeiter ja mit der Ware rüberschwimmen oder nehmen das Paddelboot oder ein Floss? Wer weiß, wer weiß….

Thomann hat mich sehr positiv überrascht. Freundlich, hilfsbereit, kompetent und zuverlässig. Das hat mich ehrlich überzeugt. Hut ab und danke schön!

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Am 24. Oktober wurde gegen Mittag (12 Uhr) einer Flötistin ihre goldene Brannen-Cooper aus dem Thalys-Zug zwischen Paris und Rotterdam gestohlen. Es handelt sich um das Instrument mit der Nummer 2833.

Sollte jemandem das Instrument zum Kauf angeboten werden, bitte die Polizei benachrichtigen. Die Eigentümerien, Juliette Hurel, wäre sehr dankbar.

Ich bitte also um Aufmerksamkeit!

Eva Kingma ist eine holländische Flötenbauerin, die sich insbesondere auf die tiefen Instrumente der Querflötenfamilie spezialisiert hat. Daneben hat sie das Böhmsystem erweitert und mit ihrem Kingma-System das Spiel von Viertelstönen ermöglicht. Ihre tiefen Flöten sind außerdem auch mit Ringklappen erhältlich. Alles in allem also eine sehr innovative Frau, die kennenzulernen und deren Instrumente zu testen wohl einen Tag Urlaub wert war.

Die zündende Idee dazu kam von Christian, meinem Co-Autor hier im Blog, der bei Brannen in Amerika eine Kingma-System-Flöte gesehen hatte und nun mehr wollte. Wir haben uns also dort verabredet.

Nach ziemlich exakt drei Stunden Fahrt auf einer beinahe leeren Autobahn und durch idyllische Alleen zwischen weidenden Pferden auf dunstig umnebelten Weiden kam ich in Grolloo an. Einem malerischen kleinen Dörfchen irgendwo im Nirgendwo (bin aber auch gar nicht fit in Niederländischer Geographie).

Da mein Kollege leider verkehrstechnisch ausgebremst wurde, hatte ich das Privileg, zuerst zu klingeln und die geräumige helle Werkstatt zu bestaunen, in der die Rohlinge für Subcontrabass-Flöten einen fast an eine Klempnerwerkstatt erinnern konnten. Frau Kingma empfing mich mehr als freundlich, Kaffee und eine Führung eingeschlossen. In solchen Momenten merke ich immer noch, warum ich eigentlich auch mal Ingenieur gelernt habe, die ganzen technischen Details und Werkzeuge können mich auch als Schreibtischtäter noch immer begeistern.

Das umgebaute Häuschen von der vergangenen Jahrhundertwende zeichnet sich nach Kingma’s umfangreichen Umbau durch reichlich Licht, helle Farben und großzügige Räume aus. Im Erdgeschoss die Werkstatt mit insgesamt drei Arbeitsplätzen, unter dem Dach ein großer Präsentationsraum mit Büroecke, Couch und Instrumenten.

Beim Probespielen bereute ich als erstes, dass ich mich nicht ein paar Tage zuvor mehr mit meiner Altflöte befasst hatte und daher zunächst mal „üben“ musste. Altflöte ist ein eigenständiges Instrument. Und auch wenn man die Griffe kann und ein Ton rauskommt, so ist doch der Anblaswinkel und der Ansatz hier meiner Meinung nach übewürdig und anders als bei der „normalen“ Flöte.

Ich habe die letzten Wochen zwar gelegentlich auf meiner Jupiter-Alt gespielt, aber nur kurz und es war auch schon einige Tage her.  Trotz allem war der Unterschied meines Billiginstruments zu diesen handgemachten Altflöten naturgemäß sehr spürbar. Zunächst einmal waren die Kingma-Altflöten ergonomisch sehr viel angenehmer (das gilt naturgemäß für die Ringklappenversion nicht in gleichem Maße wie für die mit geschlossenen Klappen, zumal mit kleinen Händen wie meinen). Die Ansprache ist in allen Lagen weich wie Butter und der Ton hat einen wirklichen Kern, wohingegen meine Altflöte immer klingt, als fehle im Zentrum des Tones irgendwas (wie ein Gespensterton).

Nach ein paar Stunden vergleichen der Instrumente mit offenen und geschlossenen Klappen, mit der weiteren und engeren Bohrung sowie der verschiedenen Altflötenköpfe hatte ich am Ende gar nicht mehr dieses Gefühl, eine übergroße, sperrige Flöte in der Hand zu haben. Es fühlte sich einfach an wie Flötespielen. Das fand ich schon sehr erstaunlich, da ich vom Spielen meines eigenen Instruments leicht Schmerzen in Schulter, Nacken und Rücken bekomme.

Nach dem dann der „verkehrsbehinderte“ Christian angekommen war, erhielten wir neben einem weiteren Kaffee eine Kurzeinweisung in das Kingma-System. Im Grundsatz funktioniert die Vierteltonmechanik, indem im Böhmsystem geschlossene Klappen sozusagen als Ringklappen konstruiert werden, für deren Loch in der Mitte dann eine zweite Klappe auf die Klappe aufgesetzt wird. Dazu kommen ein oder zwei zusätzliche Klappen für Tonlöcher direkt im Flötenrohr. Auch für diese zusätzlichen Klappen ist der Durchmesser der Tonlöcher etwa halb so groß wie der der regulären Tonlöcher, da ja der erzielte Tonhöhenunterschied auch nur ein Viertelton ist.

Neben der Genialität der Idee an sich ist eine Hauptfaszination des Systems für mich die Eleganz, mit der sich die zusätzlichen Klappen in das bekannte Griffsystem einfügen. Man kann eine Kingma-System-Flöte einfach spielen und die zusätzlichen Klappen komplett ignorieren. Ich habe in etwa 10 Minuten benötigt, um eine Vierteltonskala auf dem Instrument zu spielen, da sich die zusätzlichen Klappen immer in der Nähe der passenden regulären Klappen befinden und man so nicht viel nachdenken muss. Zum Beispiel liegen die Klappen zum Erhöhen des C2 direkt beim linken Zeigefinger. Das Kingma-System ist erhältlich auf den tiefen Kingma-Flöten, wird aber auch für normale C-Flöten angeboten, in diesem Fall hat man die Wahl zwischen einer Kingma-Brannen oder einer Kingma-Sankyo (mit den zu erwartenden Preisdifferenzen).

Das dritte Testobjekt war die Bassflöte. Bei Kingma sind Bassflöten wahlweise mit gebogenem Kopf als Querversion oder als T-Version senkrecht vor einem stehend mit einer Art Cello-Dorn erhältlich. Beide Modelle haben die bei der Altflöte bereits festgestellte durchgängig leichte Ansprache und einen satten warmen Klang. Ich war überrascht, wie einfach es war, auf Anhieb mit dem Instrument zurecht zu kommen. Ich fand es viel einfacher, als die ersten Versuche auf meiner eigenen Altflöte.

Auch bei den Bassflöten und den weiteren noch größeren Vertretern (Subcontrabass, Contrabass und Contr’alto) steht Ergonomie im Vordergrund. Aufgrund des Gewichtes wird daher auch Messing statt Silber eingesetzt, wodurch eine Bassflöte auch billiger wird als eine Altflöte (aus silber). Die Anordnung der Klappen wird wo nötig auch an die Bedürfnisse des Bestellers angepasst.

Wie vielleicht die Länge des Reiseberichts schon zeigt, hat mich diese Visite mehr als begeistert. Eva Kingma wird seit Jahrzehnten von einer Klangvorstellung für tiefe Flöten geleitet. Sie arbeitet die letzten Jahre zusammen mit Matthias Ziegler zusammen an der Weiterentwicklung ihrer Flöten. Auch seine Matsumiflöte (mit resonierender Membran) wird bei Kingma weiterentwickelt. Neben den eigenen Entwicklungen hatten wir auch Gelegenheit einen Zugkopf von Robert Dick, mit dem Frau Kingma früher eng zusammengearbeitet hat und den sie weiterhin unterstützt, zu sehen und zu hören. Bei diesem Kopf lässt sich die Mundlochplatte mit einem Teil des Kopfes verschieben, in dem man die Kinnpartie mit einer Art Klammer mit dem Mundstück verbindet und dann die Flöte verschiebt und so die Länge des Kopfes verändert.

Alles in allem ist dieses kleine Häuschen in Holland eine Ideenschmiede, die wohl auf diesem Gebiet ihres gleichen sucht. Die Offenheit zu Experimenten, die Begeisterung mit der Ideen verfolgt werden, sucht Ihres gleichen. Wunderbar, dass es solchen Enthusiasmus gibt und wir alle davon mitprofitieren können.

Die Kingma-Altflöten heißen übrigens ab jetzt Kingma-Brannen-Flöten und werden in einer Cooperation zwischen Frau Kingma und Herrn Brannen weiterentwickelt. Die Firma Brannen-Cooper hat damit nichts zu tun, diese wurde von Herrn Brannen verkauft, der sich nun ganz seiner neuen Cooperation widmet.

Zum Abschied wurden wir mit Putztuch, Demonstrations-DVD (Matthias Ziegler auf Kingma-Flöten), einer Preisliste und einer Übersicht der Kingma-Flötenfamilie versorgt. Jetzt habe ich zu grübeln. Ich fürchte, ich habe mich infiziert. Der Unterschied zwischen meiner Altflöte und einer Kingma ist einfach unfassbar. Eventuell werde ich den Service nutzen, meinen Kopf von Kingma umrüsten zu lassen und so zumindestens die Ansprache und den Klang zu verbessern (Austausch von Mundlochplatte und Kamin). Oder aber doch eine ganze Kingma-Alt und meine verkaufen? Oder vielleicht eine Bassflöte und damit eine Menge zusätzliches Repertoire für das Querflötenquartett erschließen? Es gibt so viele Möglichkeiten…..

Ich kann erst mal nur Danke sagen für die Zeit, die Einblicke und einen wirklich tollen Tag!

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Glück im Unglück

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Letzten Sonntag kam ich hungrig von einer langen Probe und habe mich auf den Rest eines Brotlaibs gestürzt. Und vor lauter Gier und Müdigkeit habe ich außer dem Brot auch gleich noch einen Zipfel meiner Fingerspitze abgeschnitten, beinahe wenigstens. Linker Stinkefinger. Panikattacke, wächst das wieder an? Reicht die Fingerkuppe noch für Ringklappen abdecken? Wie ist das, wenn da kein Gefühl mehr drin sein sollte anschließend mit dem Spielen? Horrorszenarien vor dem inneren Auge.

Da zog ich also am nächsten Tag los und versuchte in meiner Mittagspause beim nahegelegenen Musikalienhändler Tonger Stöpsel zum Verschließen von Ringklappen zu bekommen. Hab ich auch bekommen, wusste allerdings nicht, in welcher Größe ich die brauche. Also beide verfügbaren Kaliber mitgenommen. 1,5o Euro pro Stück, das sind auch Preise vom Mann im Mond. Aber ich wollte ja üben, also Notkauf…..

Abends dann der Test. Und es ging. Und zwar ohne Stöpsel einfach mit Pflasterfinger auf Klappe. Komisches Gefühl, aber dicht. Keine Schmerzen. Prima also und für meine Verhältnisse recht ausführlich geübt. Einzige wesentliche Veränderung: wenn ich zu doll auf die Klappe drücke, tut’s ein bisschen weh. Also eine gute Kontrolle, locker zu bleiben.

Am nächsten Tag dann voller Vorfreude wieder ran an die Flöte. Und da tut es das tiefe d kaum noch. Verwunderung. Passt das Pflaster heute nicht so gut aufs Loch? Das war es aber nicht. Irgendwo deckte die Flöte gar nicht gut. Hatte die Wochen zuvor schon manchmal den Eindruck, dass nicht alles perfekt war, konnte aber nicht recht sagen, ob es an mir lag oder am Instrument.

Also am nächsten Morgen Termin beim Flötenbauer gemacht. Flöte vorbeigebracht, Schnelldiagnose: in der linken Hand sind zwei Polster runtergespielt. Nach nur einem Jahr. Da habe ich aber mal viel geübt 🙂 Glücklicherweise ist Herr Siewers bereit, die Reparatur spontan einzuschieben.

Und mein Glück daran? Ich muss sowieso auf Dienstreise, sitze im Moment im Hotel und hätte heute nicht üben können. Normalerweise ärgere ich mich da immer und fühle mich durch meinen Job musikalisch ausgebremst. Heute aber ist das anders, weil da ja gar keine Flöte zum Üben wäre. Und durch den noch immer kaputten Finger habe ich jetzt die Gelegenheit, den offensichtlich übermässigen Druck von Ring- und Mittelfinger links durch Schmerzwarnung vielleicht weg zu trainieren. Irgendwie passten jetzt doch noch alle Pannen un Übehindernisse zusammen und liefern so was wie eine neue Erkenntnis (drücke zu doll). Und besser jetzt, als Ausfall des Instruments kurz vor den bald anstehenden Konzerten. Man betrachte die Dinge positiv (nach dem Schreck vom blutenden Finger und der defekten Flöte). Ich freu mich schon auf die Probe kommenden Samstag mit frischer Flöte in alter Zuverlässigkeit. Danke Herr Siewers!

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