Glück im Unglück

Letzten Sonntag kam ich hungrig von einer langen Probe und habe mich auf den Rest eines Brotlaibs gestürzt. Und vor lauter Gier und Müdigkeit habe ich außer dem Brot auch gleich noch einen Zipfel meiner Fingerspitze abgeschnitten, beinahe wenigstens. Linker Stinkefinger. Panikattacke, wächst das wieder an? Reicht die Fingerkuppe noch für Ringklappen abdecken? Wie ist das, wenn da kein Gefühl mehr drin sein sollte anschließend mit dem Spielen? Horrorszenarien vor dem inneren Auge.

Da zog ich also am nächsten Tag los und versuchte in meiner Mittagspause beim nahegelegenen Musikalienhändler Tonger Stöpsel zum Verschließen von Ringklappen zu bekommen. Hab ich auch bekommen, wusste allerdings nicht, in welcher Größe ich die brauche. Also beide verfügbaren Kaliber mitgenommen. 1,5o Euro pro Stück, das sind auch Preise vom Mann im Mond. Aber ich wollte ja üben, also Notkauf…..

Abends dann der Test. Und es ging. Und zwar ohne Stöpsel einfach mit Pflasterfinger auf Klappe. Komisches Gefühl, aber dicht. Keine Schmerzen. Prima also und für meine Verhältnisse recht ausführlich geübt. Einzige wesentliche Veränderung: wenn ich zu doll auf die Klappe drücke, tut’s ein bisschen weh. Also eine gute Kontrolle, locker zu bleiben.

Am nächsten Tag dann voller Vorfreude wieder ran an die Flöte. Und da tut es das tiefe d kaum noch. Verwunderung. Passt das Pflaster heute nicht so gut aufs Loch? Das war es aber nicht. Irgendwo deckte die Flöte gar nicht gut. Hatte die Wochen zuvor schon manchmal den Eindruck, dass nicht alles perfekt war, konnte aber nicht recht sagen, ob es an mir lag oder am Instrument.

Also am nächsten Morgen Termin beim Flötenbauer gemacht. Flöte vorbeigebracht, Schnelldiagnose: in der linken Hand sind zwei Polster runtergespielt. Nach nur einem Jahr. Da habe ich aber mal viel geübt 🙂 Glücklicherweise ist Herr Siewers bereit, die Reparatur spontan einzuschieben.

Und mein Glück daran? Ich muss sowieso auf Dienstreise, sitze im Moment im Hotel und hätte heute nicht üben können. Normalerweise ärgere ich mich da immer und fühle mich durch meinen Job musikalisch ausgebremst. Heute aber ist das anders, weil da ja gar keine Flöte zum Üben wäre. Und durch den noch immer kaputten Finger habe ich jetzt die Gelegenheit, den offensichtlich übermässigen Druck von Ring- und Mittelfinger links durch Schmerzwarnung vielleicht weg zu trainieren. Irgendwie passten jetzt doch noch alle Pannen un Übehindernisse zusammen und liefern so was wie eine neue Erkenntnis (drücke zu doll). Und besser jetzt, als Ausfall des Instruments kurz vor den bald anstehenden Konzerten. Man betrachte die Dinge positiv (nach dem Schreck vom blutenden Finger und der defekten Flöte). Ich freu mich schon auf die Probe kommenden Samstag mit frischer Flöte in alter Zuverlässigkeit. Danke Herr Siewers!

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