Heute wäre er 94 geworen, Hans-Peter Schmitz. Von hier aus daher ein kurzer Gruß. Immerhin war sein Name der allererste geschriebene, den ich mit Querflöte verbunden habe. Ich gehöre zu den sicher unzähligen Kindern, die mit seiner Schule „Flötenlehre“ die ersten Töne gelernt haben.

Das Heft zeichnete sich durch seine Überformatigkeit aus, die großen Textmengen mit geradezu wissenschaftlich anmutender Aufmachung (da waren sogar Röntgenbilder drin, wenn ich mich recht entsinne). Weit ab von der heutigen eher Kind-orientierten Gestaltung einer Instrumentalschule.

Auch die Literaturauswahl war mir mit etwas über 9 Jahre eher fremd. Da war neben Quantz und anderen „alten Hasen“ auch Neue Musik zu finden und das ging mir gar nicht ein. Aus der Grundschule und dem Blockflötenheft war ich dann doch eher Kinder- und Volkslieder gewohnt. Irgendwo im Mittelteil dann die verhassten Tonleitern. Und doch gab es einige Stücke in diesem ersten Band, die ich noch Jahre lang mit Begeisterung gespielt habe.

Auch er war einer der Musiker, die aktiv am zweiten Weltkrieg teilnehmen mussten. Ich stelle mir diese Erfahrung gerade für musisch begabte Menschen extrem schwer vor. Als Lehrer muss er wohl sehr beeindruckend gewesen sein, wie dieser Bericht eines Studenten zeigt.

Für alle heutigen Flötisten haben wohl vor allem seine Verdienste um Neuauflagen von schon fast verschollener Flötenmusik Bedeutung. Die durch ihn praktizierte Zweigleisigkeit als aktiver Flötist (im Orchester, als Lehrer und kammermusikalisch mit dem Berliner Trio) und Musikwissenschaftler trifft man bei deutschen Flötisten seiner Generation häufiger. Mir scheint diese Verknüpfung von Praxis und Wissenschaft tatsächlich ein Deutschland-spezifisches Phänomen. Vielleicht sogar mit begründet durch die Kriegserfahrung, da während der Militärzeit eine praktische Auseinandersetzung mit Musik so gut wie unmöglich wurde und die rein theoretisch-wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem vermissten Themengebiet in solchen Zeiten ein Trost sein kann. Zudem kann ich mir vorstellen, dass die Erlebnisse des Kriegsgeschehens einen neuen Blick auf Geschichte und Vergänglichkeit öffnen und so die Bewahrung und Wiederbelebung verschütteten Kulturguts zu einem sehr persönlich empfundenen Anliegen machen.

Vielleicht bringt der 95. Geburtstag im nächsten Jahr uns ja noch weitere Einblicke in das Wirken von Hans-Peter Schmitz. Wäre doch eine schöne Gelegenheit….