Oder wie soll man das nennen? Ich habe heute schon in einem Fronleichnams-Gottesdienst gespielt, obwohl das eigentlich ja erst kommenden Dienstag ist. Wie so was sein kann? Einfach in Köln leben…. 🙂

Nicht lachen, das stimmt schon, hat nix mit Karneval zu tun. Donnerstag veranstaltet der Dom die große Prozession und es gibt die Schiffs-Prozession. Und damit da viel Publikum kommt, feiern alle anderen katholischen Gemeinden entweder einen Sonntag vor dem Feiertag oder einen danach. Naja, St. Joseph und St. Mechtern in Ehrenfeld feiern also voraus.

Heute morgen um 10 Uhr ging es los. Wir (Kirchenchor und Ehrenfelder Kammerorchester) traten schon eine Stunde früher an, nochmal eine Anspielprobe. Ich bin da nur Vertretung (wie schon an Ostern), war aber als eine der ersten da, zum einen, weil es geregnet hat und ich die Chauffeurdienste meiner besseren Hälfte nutzen wollte, der vor mir schon zur Arbeit musste, und zum anderen, weil ich mich, seitdem ich übe, vorher unbedingt einspielen muss.

Chor und Orchester inklusive Vertretungen waren erfreulich vollzählig. Einzige Ausnahme: die erste Klarinette. Da klaffte eine Lücke in unseren Reihen. Natürlich hatte der freundliche Kollege die Noten mit. Naja, es regnete, die Parkplatzsituation war kritisch und es war Sonntag morgens, vermutlich war er ja nur zu spät. Wir haben also angespielt, was im konkreten Fall hieß, alle vier Nummern aus der Schöpfung nochmal komplett durch. Und? Immer noch keine Klarinette. Erste Irritationen und Verwunderung…..

Das Glockenläuten setzt ein, da öffnet sich die Tür und der Vermisste erscheint, packt aus geht an seinen Platz und trötet in die verklingenden Glocken hinein noch ein paar Töne, wie selbstverständlich. Bis ihn seine Nebensitzerin anschubst, das zu lassen (kaum zu verstehen, dass unser Dirigent da nicht schon ausgeflippt ist). Dann der Gottesdienst, dazwischen immer leise Klarinettentöne (auch er kann wohl nicht wirklich ohne Einspielen). Alles läuft ganz gut, bis auf einen verpennten Einsatz des besagten Schwarzwurzellutschers. Highlights sind die Gesangs- und Orgelsolis des Chefs. Ich finde ja, das macht er mit Abstand am besten.

Nach der Probe treibt mich die Neugier und ich frage nach, was der Verspätete dann als Grund genannt hat (seiner wartenden Nebenklarinette). Und, man höre und staune, weder Reifenpanne noch Magenverstimmung, defekter Wecker oder Mutter im Krankenhaus, nein: der Herr brauchte keine weitere Probe mehr. Ist ja toll, darum hat wohl auch der Einsatz so gut geklappt. Ich bin gespannt, ob ich den da noch mal sehe. Wenn ich der Dirigent wäre, dann würde dieses Orchester nächstes Mal schon zwei Aushilfen an der Klarinette brauchen. Unfassbar.

Ich gebe zu, in diesen Dingen bin ich ausgesprochen altmodisch. Ich bin der Ansicht, ein Orchester ist ein Gesamtkonstrukt, so wie ein Chor oder sonst ein Ensemble. Man geht nicht nur zur Probe, weil man seine eigene Stimme nicht kann und da üben will (das sollte man ohnehin zuhause tun). Man geht hin, damit sich ein klangliches Gesamtbild aufbauen kann, damit alle wissen, wer mit wem wann wo was spielt, damit man sich aufeinander einstellt und damit jeder die Chance hat zu hören, wer da so alles was spielt. Vielleicht braucht die Oboe ja den Klarinetteneinsatz, damit sie klar kommt? Wer nur mit sich befasst ist und sich für den Nabel der Welt hält, der sollte solistisch musizieren. Ich bin sicher nicht immer pünktlich. Aber wenn ich feststelle, dass ich regelmäßig keine Lust habe, zur Probe zu gehen, dann verabschiede ich mich von dieser musikalischen Betätigung und gebe den Beteiligten die Chance, eine interessierte und engagierte Flöte zu finden. Das habe ich schon öfter so gemacht.

Ein Orchester ist außerdem autoritär. Wenn der Dirigent nochmal alles spielen will, dann ist das so und dann spielen alle mit. Wenn einem das nicht gefällt, dann kann er das mit dem Chef unter vier Augen zu diskutieren versuchen, wenn der sich nicht überzeugen lässt, dann muss man eben in den saueren Apfel beißen. Wer das nicht so sieht, der sollte nicht im Orchester spielen. Ich hoffe sehr, dass auch in diesem Fall der Mann am Pult seine Autorität zumindest einmal verbalisiert.

So sehe ich das. Und wenn ich schon denke, dass ich eine Probe nicht benötige, dann sollte ich zum Auftritt wenigstens so zeitig kommen, dass ich das Blatt anspielen und die Tröte stimmen kann, ohne dabei den Gottesdienstbeginn zu stören. Das nenne ich Professionalität…..

Es gab heute morgen aber auch noch richtig eindrucksvolle Pfeifen. Ich war da schon x-mal, aber die Bass-Pfeifen der Orgel habe ich nie bewusst gesehen… leider ohne Größenvergleich, aber glaubt mir, die waren echt beeindruckend in Real: