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Gestern war der 300. Geburtstag von Friedrich dem Großen. Und gestern war Pahud in der Kölner Philharmonie und zwar zusammen mit der Kammerakademie Potsdam und Trevor Pinnock. Das ist exakt die Besetzung, die auf der aktuell so heftig beworbenen neuen CD Flötenkönig zu hören ist.

Das Programm des Abends war denn auch eine Hommage an den musikalischen Hof Friedrichs, zu hören waren Werke von Carl Philipp Emanuel Bach, Franz Benda und Johann Joachim Quantz. Eingerahmt wurde dieses Sanssouci-Programm durch zwei Werke von Haydn.

Die Stückauswahl hatte uns ein bisschen verwundert, hätte es doch nahe gelegen, an seinem Ehrentag auch ein Werk des Königs erklingen zu lassen. Aber schließlich kam es auch so, denn die Zugabe Pahuds war der dritte Satz aus Friedrichs C-Dur-Konzert.

Die Philharmonie war, wie nicht anders zu erwarten, recht gut gefüllt. Das Publikum war eine interessante Mischung des üblichen dem Rentenalter nahen Konzertpublikums, einiger Schulklassen (vermute ich) und nach meiner Einschätzung einer nennenswerten Anzahl Flöte spielender Teenager, Frauen, Kinder, Männer.  Spürbar wurde die Mischung mit offensichtlich größeren Anteilen wenig Konzert erfahrener Besucher, als bei beinahe jedem Werk zwischen den Sätzen geklatscht wurde.

Nun kenne ich von anderen die Meinung, dass es doch egal sei, dass man klatschen soll, wenn einem etwas gefällt.  Ich bin da anderer Ansicht und zwar deswegen, weil man deutlich spüren kann, wie sehr das Klatschen zwischen den Sätzen die Musiker irritiert, es unterbricht den Fluss der Musik, den Spannungsbogen zwischen den Sätzen. Die Sätze sind schließlich durch einen inneren Zusammenhang verbunden. Es wäre also wirklich schön, wenn das Publikum dieses Konzentrationsbedürfnis, die Empfindung der Musiker, ein zusammengehörendes Werk aufzuführen, berücksichtigen würde. Mehr noch, als Hörer sollte man sich selbst darauf einlassen. Das kennt jeder, der öfter klassische Musik hört. Am Ende eines Satzes erwartet man bereits den Klang des Anfangs des nächsten. Ich möchte das mal mit einem guten Essen vergleichen. Ein gutes Gericht ergibt sich aus der Mischung der einzelnen Geschmacksrichtungen. Ein leckeres Stück Fleisch, etwas Gemüse, eine Soße. Man schiebt alles nacheinander in den Mund und genießt den Geschmack jedes einzelnen, woraus sich ein wunderbares Ganzes entwickelt. So ist es auch bei mehrsätzigen Werken, bei denen beispielsweise ein fröhlicher erster Satz in schnellem Tempo auf einen melancholischen langsamen folgt und dann vielleicht von einem furiosen Finale gefolgt wird. So stellt sich ein Gleichgewicht ein, die verschiedensten Bedürfnisse werden befriedigt, verschiedene Gefühle angesprochen. Der Applaus dazwischen kann den Genuss nur reduzieren. Was er im übrigen auch gestern tat, leider.

Zurück zum gestrigen Abend. Das Orchester spielte im Stehen. Ein zunächst sehr ungewohnter Anblick. Der Abend zeigte aber, wie viel Dynamik sich aus dem stehend Spielen ergab. Wenn ich recht gezählt habe, standen da 10 Geiger, drei Bratschen, zwei Kontrabassisten und je nach Werk zwei Flötistinnen, zwei Oboisten,  zwei Fagottisten, zwei Trompeter und zwei Hornisten. Und je nach Charaktertyp  und Musik standen sie eben nicht, sondern tanzten beinahe. Insbesondere der junge Konzertmeister lebte diese Musik, er animierte seine Mitmusiker, sprang sie teilweise geradezu an.

Ein frappierendes Beispiel waren die Synkopen der ersten Geige gleich zu Beginn des ersten Satzes der Sinfonia von Carl Philipp Emanuel Bach. Die Synkopen waren eine Provokation an den Rest des Orchesters. Und der Konzertmeister trat auf die anderen zu wie ein Grundschulkind, das immer wieder einen Schritt nach vorne tut, um den anderen ein „Ätschbätsch“ zu zu werfen. Foppen nennt man so etwas. Es war eine wahre Freude ihm zuzusehen und zuzuhören. Das Zusammenspiel profitierte ungemein von diesem stehend Spielen, das ein ganz eigenes Schwingen erzeugte.

Bemerkenswert war auch der Einsatz von Naturhörnern und -trompeten. Ein sehr feiner Klang. Ich habe nicht ganz verstanden, warum das Blech auf solchen „alten“ Instrumenten spielte, das Holz aber auf modernen.

Vor dem Orchester stand Trevor Pinnock am Cembalo. Im Programm wurde er als Dirigent bezeichnet. Dirigiert hat er aber ausgesprochen wenig. Er hat musiziert und wenn das Cembalo nichts zu tun hatte, legte er seine Hände links und rechts auf dem Cembalo ab. Er war mehr wie ein weiterer Kristallisationspunkt für die anderen, neben dem des Konzertmeisters (der in der Tat manchmal mehr Einfluss zu haben schien als Pinnock).

Nun zum erwarteten Hauptakteur des Abends, Emmanuel Pahud. Auftritt im Smoking (Jacke und Hose) mit schwarzem T-Shirt. Der gewohnt federnde Schritt auf die Bühne, Spiel von Noten und auch hier, das mir von ihm schon wohl bekannte Tänzeln. Weniger bekannt war mir aus anderen Konzerten das „Taktschlagen“ mit dem Fuss, das vielleicht gar keines war. Es ergab sich teils aus den „Tanzschritten“, teils wirkte es wie ein ungeduldiges Anmahnen, schneller zu spielen.  Jede lange Phrase war frühzeitig am Atemholen mit weit geöffnetem Mund zu erkennen. Insgesamt zeichnet sich Pahuds Spiel immer wieder durch eine ausgeprägte Körperlichkeit, ein Spiel mit dem ganzen Körper, unter vollem Einsatz und mit einer sichtbaren elastischen Körperspannung, der eines Balletttänzers vergleichbar, aus.

Gleich der Beginn des ersten Flötenkonzertes, Quantz G-Dur, offenbarte den unglaublichen Ton in der Tiefe. Ein eindrucksvoller Einstieg des Solisten. Dieses Konzert war eines der ersten, die ich auf Schallplatte hatte (die LP hieß: Flötenkonzert auf Sanssouci) und zu dem ich mir auch die Noten besorgte und versuchte, mit der Aufnahme mitzuspielen. Im gestrigen Konzert wurde mir erst bewusst, wie tief sich diese Musik in mein Gedächtnis eingegraben hatte. Jede zusätzliche Verzierung Pahuds liess mich aufschrecken. Gleichzeitig erschien mir aus dem Gedächtnis die Musik gestern viel leichtfüssiger, tänzerischer und eleganter.

Pinnock schien den ganzen Abend über die Intention und Agogik des Solisten geradezu zu wittern. Pahud flirtete mit dem Orchester, man beflügelte sich wechselseitig, kurz: es war ein Genuss.

„Empfindsamer Stil“. Das war zu sehen und zu hören. Lebendige Musik, vielleicht beschreibt das den Abend am besten. Ein Genuss, der nur durch meine hartnäckige Erkältung und die Notwendigkeit unablässig Hustenbonbons zu lutschen und das wie oft in Köln nach der Uhr aufbrechende Publikum, das bereits zehn Minuten nach zehn mitten im Konzert in Scharen den Saal zu verlassen begann, getrübt wurde. Anschließend dann mit wund gelutschter Zunge nach Hause.

Das Konzert von Pahud in Sanssouci kommt am 22. Januar 2012 um 18.3o Uhr auf Arte! Wiederholungen für Frühausteher gibt es am 27.01. und 02.02. jeweils morgens um 6.00 Uhr. Alle Infos bei Arte

Alle drei sind derzeit in aller Munde. Der alte Fritz wird am 24. Januar 300 Jahre alt.  Das ist zwar erst nächstes Jahr, die Medienlandschaft brummt aber schon seit Monaten. Die EMI hat zu diesem Anlass eine CD mit Werken von Friedrich herausgegeben, die kein geringerer als Pahud eingespielt hat. Die derzeit rollende Werbelawine sucht ihres gleichen in der Klassikwelt. Pahud tourt von Radio-Interview zu Harald Schmidt  und das Cover der CD (mit grau gestyltem Haar und nachgemachter preussischer Uniform) ziert Dutzende von Onlinemedien. Kurz, man kommt nicht vorbei an diesem Album. Aktuell verlost zudem jpc einen Kunstdruck basierend auf diesem Coverbild. Der Reclam-Verlag veröffentlicht auch ein Bändchen zu Ehren des alten Preußen.

Hier einige der Online-Artikel der letzten Wochen:

Was findet man da so alles? Eigentlich nichts neues, der musizierende Fritz wäre eigentlich lieber nicht König geworden, er hat  den Deutschen die Kartoffelgebracht (das gibt Pommes frites (gesprochen „fritz“) noch eine zweite Bedeutung, wie schon Heinz Erhardt erkannte (siehe unten)), sein Vater richtete vor seinen Augen seinen Geliebten hin, als er mit diesem abhauen wollte. Kurz, er hatte es wirklich schwer, trotz oder wegen des Königseins. Sein von ihm überaus geschätzter Flötenlehrer war übrigens Quantz und am Hof war auch lange Carl Philipp Emanuel Bach Musikus, dessen Werke der König aber wohl nicht unbedingt schätzte (war ihm zu modern).

Im Potsdamer Neuen Palais veranstaltet die Stiftung Preußische Schlösser von April bis Oktober eine Ausstellung unter dem Titel Friederisiko. Das Land Brandenburg organisiert ebenfalls eine ganze Reihe von Events zu seinen Ehren, z. B. ein Konzert mit 300 Flöten in Rheinsberg, wo sein eigenes Schloss stand, eine Tagung in Potsdam und eine weitere Ausstellung in Schloss Branitz.

Die katholische Akademie des Bistum Dresden-Meißen veranstaltet am 16.02.2012 einen Vortragsabend zur Musik in der Zeit Friedrichs. Vortragende sind die Dres Poppe und Schwinger (20.00 Uhr im Kathedralforum Dresden). Die ARD bringt am 16. Januar um 22.45 Uhr einen flammneuen Dokumentarfilm (kommt bei Arte schon am 7. um 20.15 Uhr), in dem die beiden Damen Thalbach den alten Fritz geben (siehe Westfälische Nachrichten oben).

Hier noch Heinz Erhardt zum Thema:

Vom Alten Fritz, dem Preußenkönig

weiß man zwar viel, doch viel zu wenig.

So ist zum Beispiel nicht bekannt,

dass er die Bratkartoffeln erfand!

Drum heißen sie auch – das ist kein Witz –

Pommes Fritz!

26. November um 19 Uhr spielen Sebastian Hidalgo (Flöte) und Maria Gianniki (Klavier) ein Programm durch drei Jahrhunderte mit Werken von Händel bis Bartok in der Trinkkurhalle am Timmendorfer Strand. Der reguläre Eintrittspreis beträgt 10 Euro, für Mitglieder des Kulturkreises wird es zwei Euro billiger. Alles was noch nicht volljährig ist, kommt kostenlos rein (tolle Idee!).

Am Dienstag den 28. November spielt András Adorjan in Nürnberg in der Meistersingerhalle im kleinen Saal ab 19.30 Uhr gemeinsam mit dem Kuss-Quartett Werke der Klassik und Romantik (Mozart, Beethoven, Schubert etc.). Der Eintritt kostet 25 Euro.

Noch bis zum 5. Februar findet im Schloss Köpenick eine Ausstellung statt, die sich mit dem dramatischen Fluchtversuch Friedrich des Großen vor seinem Vater befasst. Die Ausstellung ist zugänglich von Dienstag bis Sonntag jeweils zwischen 10 und 18 Uhr.

Am 27. Mai rockt Jethro Tull mit dem Flötisten Ian Anderson Mannheim. Für 36 Euro ist man dabei im Rosengarten. Der Vorverkauf läuft seit dem 2.11. über Internet, Telefon oder in den bekannten Vorverkaufsstellen.

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