Seit etwas über eine Woche tu ich das. Ich gehe fremd mit einer Geige 🙂

Ich habe die Geige, auf der meine Mutter als Kind ein paar Stunden hatte, vom Dachboden geholt und richten lassen und probier jetzt ein bisschen aus. Zuerst musste ich neben der Generalüberholung von Geige und Bogen (die ein fachlich bewanderter Musikkollege für mich eingefädelt hat) noch eine Schulterstütze und Kollophonium einkaufen. Dazu habe ich mir aus dem Antiquariat eine Geigenschule für Erwachsene gegönnt.

Als Instrument und Bogen frisch überholt zurück waren, musste ich natürlich direkt probieren. Ich habe mir die Schule geschnappt und einfach mal ein bisschen ausprobiert. Und ich war sehr überrascht, zum einen weil es gar nicht soooooo schrecklich klang, wie ich befürchtet hatte (wenigstens nicht alle Töne), zum anderen, weil es mir total viel Spaß gemacht hat.

Das Gefühl, den Ton mit der Hand (sprich dem Bogen) führen zu können, ist irgendwie cool. Außerdem kann man die Hände bei ihrer Arbeit beobachten, auch sehr praktisch, vor allem für den Anfänger. Schnell bemerkte ich, dass  mir schon nach zwanzig Minuten die Knochen weh taten (Schultern, Arme und Genick). So ging es also nicht weiter. Nach knapp einer Woche kümmerte ich mich um eine erste Unterrichtsstunde, die ich vergangenen Donnerstag dann hatte.

Cool! Ich hatte die Schulterstütze falsch zusammengesetzt und falsch rum an die Geige gesetzt. Außerdem hatte ich die Geige total falsch zwischen Wange und Schulter geklemmt. Die Bogenhaltung war natürlich auch daneben… naja, eben alles. Ich weiß schon, warum ich ein Verfechter von qualifiziertem Unterricht bin.

Bei der Erklärung der korrekten Haltung konnte ich dann erstaunlich viele Parallelen zu Flöte feststellen. Natürlich ist erst mal sozusagen alles andersrum. Aber wie bei der Flöte ist der rechte Daumen sozusagen das Auflager für den Geigenbogen, der kleine Finger hält durch Aufsetzen von oben die Balance. An der linken Hand liegt der Geigenhals genau wie die Flöte am ersten Gelenk des Zeigefingers an und natürlich sollen alle Finger immer schön gebogen und die Gelenke nicht durchgedrückt sein. Kommt mir alles total bekannt vor.

Beim Spielen kann man sehr vom geübten Gehör profitieren, weil das Finden der Griffpositionen vielleicht für den Anfänger eine der schwersten Aufgaben ist. Tatsächlich funktioniert das Korrigieren nach vielen Jahren Musizieren sehr viel besser als für Kinder, die gerade erst beginnen, ihre Ohren musikalisch zu nutzen.

Verspannungen bekomme ich auch nach dieser ersten Stunde noch beim Spielen. Die Konzentration darauf, den Bogen richtig zu halten oder die Griffe zu finden, führt bei mir einfach zu Verkrampfung. Ein wichtiger Trick fürs Üben ist das Trennen von links und rechts. Momentan streiche ich also nur leere Seiten und zupfe, wenn ich greife. Das ist vergleichbar mit dem Üben auf dem Kopfstück ohne Griffe bei der Flöte. Es zeigt sich also, aller Anfang ist einerseits schwer, vor allem aber auch ähnlich für alle Instrumente. Ich bin voller Erwartung und Vorfreude 🙂