So furchtbar lange bin ich ja noch nicht bei Facebook, aber eines habe ich festgestellt: für Musiktermine findet sich dort ein wahres Füllhorn der Möglichkeiten. Aus aller Welt werde ich von Flötisten, Verbänden und Geschäften zugeschüttet mit Einladungen zu Kursen, Konzerten, Wettbewerben usw.

So auch kurz vor dem Jahreswechsel. Flutissimo, eine von mir sehr geschätzte Adresse in Sachen Flöte, lud zum Workshop mit Thomas von Lüdinghausen. Zunächst nach Xanten für einen Abendworkshop am 3. Januar, kurz darauf war dieser ausgebucht und eine zweite Möglichkeit bot sich in Sankt Augustin am 2. Januar. Wie wunderbar, ich konnte noch umbuchen und die kurze Anfahrt in meine ehemalige Heimatstadt wählen, anstatt mich Freitags bis Xanten durchfummeln zu müssen.

Für 30 Euro sollte es also einen dreistündigen Kurs beim aktuellen Soloflötisten der Stuttgarter Philharmoniker und Dozenten der Hochschule für Musik in Stuttgart geben. Im Preis enthalten waren Wasser, Obst und ein handliches Skript zum Abend. Preis-Leistung war also schon mal in jedem Fall absolut unschlagbar.

Kurz vor knapp als vorletzte angekommen, fand ich eine Gruppe von insgesamt 11 interessierten Flötisten aller Alterstufen, Geschlechter und Fortschrittsgrade vor. Die Damen waren mit neun Teilnehmern allerdings mal wieder klar in der Überzahl.

Was kann man mit einer so heterogenen Gruppe in drei Stunden anfangen? Das hatte ich mich vorher auch schon gefragt und lernte an diesem Abend: alles wesentliche.

Los gings mit „Trockenübungen“ ohne Flöte. Zunächst gymnastische Übungen zur Lockerung der Muskulatur insbesondere von Nacken, Wirbelsäule und Schultern. Die Haltung unseres heißgeliebten Instruments ist ja leider nicht dazu angetan, Orthopäden zu Freudenschreien anzuregen. Die Empfehlung unseres Kursleiters lautete, sich die wenigen Minuten vor jeder Übeeinheit, die länger als eine Stunde dauert, zu nehmen.

Das schöne daran ist, dass auch gleich der Kreislauf und die Atmung ein bisschen aktiviert werden, wie ich finde.

Schritt zwei waren Atemübungen. Ziel der Arbeit war die reflektorische, sprich automatische und natürliche „inaktive“ Atmung (meine Lehrerin zeichnet für solche Atmungen gerne kleine Säckchen unter die Noten statt spitze Pfeile oben drüber. Sehr bildhaft, finde ich). Sozusagen der natürliche Druckausgleich, wenn innen keine Luft mehr ist, außen aber wohl. Schließlich ist es alles andere als einfach, die Luft einfach einströmen zu lassen. Zu erkennen ist diese Schwierigkeit an den mitunter sehr lauten Einatemgeräuschen beim Spielen, die den Widerstand hörbar machen.

Thomas von Lüdinghausen trainierte mit uns zunächst ohne Flöte, wobei die Einatempause streng rhythmisch immer weiter zu verkürzen war (ganz schön schwer, für mich jedenfalls).

Im nächsten Schritt wurde die korrekte Haltung der Flöte geübt. Für die meisten recht ungewohnt, da praktisch ohne Drehung der Wirbelsäule. Das ergibt eine Fußstellung, die völlig anschaulich mit der Uhrzeigerstellung bei zwei Minuten vor 2 beschrieben wurde, wobei auf zwölf Uhr dann der Notenständer stehen sollte.

Nachdem die Position bei allen einigermaßen saß, konnte nun die Atemübung mit Flöte wiederholt werden, auch nicht wirklich einfacher als ohne (das Zählen jedenfalls).

Als nächstes ging der Fokus Richtung Luftstrom. Der soll eigentlich immer gleich intensiv durchgehalten werden, auch wenn artikuliert werden muss. Das ist alles andere als ein Selbstverständlichkeit. Der Trick dabei ist, die Luft nicht hinter der Zunge aufzustauen. Das geht nur, wenn die Zunge oben am Gaumen hinten zwischen den oberen Backenzähnen festliegt und nur ein möglichst kleiner Teil der Spitze für den Anstoß sorgt. Ein Kunststück und für mich sehr übenswert.

Unterstützt werden kann der gleichbleibende Luftstrom, indem man die Übung mit gleichzeitigem Singen und Spielen durchführt. Ich kenne das als Maßnahme, den Hals zu öffnen, gleichzeitig scheint es aber auch die Atmung zu stimulieren. Der Unterschied ist im Anschluss an diese Übung jedenfalls klar hörbar.

Das nächste Thema des Abends war die Fingertechnik. Da fragt sich erneut: wie geht das mit Leuten, die so unterschiedlich weit fortgeschritten sind? Und es ist ganz einfach: behandle die Grundlagen. Daran muss jeder immer arbeiten und es gibt auch bei jedem was zu verbessern.

Zunächst also eine unverkrampfte Handhaltung an der Flöte, die allen Fingern (vor allem auch dem rechten kleinen Finger) gleiches Bewegungsvermögen lässt. Ich werde wohl meinen Haltungsabschnitt auf Flutepage nochmal korrigieren müssen….. Die richtige Haltung erkennt man daran, dass die Flöte ruhig liegen bleibt, auch wenn man ohne kleinen Finger der rechten Hand spielt und zum Beispiel das cis ohne linken Daumen umspielt. Die Flöte wird dann nur zwischen linkem Zeigefingergrundglied und rechtem Daumen ausbalanziert.

Für die rechte Hand kann man die korrekte und unverkrampfte Betätigung der Klappen am besten üben, indem man den rechten Daumen mal wegnimmt. Nicht einfach, aber sehr effektiv, auch dann wenn die rechte Hand beim Üben mal zu fest wird. Ohne Daumen kein Griff, ohne Griff kein Krampf.

Es folgte die bekannte aber schwer umzusetzende Anweisung, nicht mehr zu drücken als nötig um die Klappe zu schließen und die Finger nicht weiter zu heben als für die Öffnung der Klappe erforderlich. Das ist Teil der unendlichen Geschichte des Flötenübens…..

Als Tipp zum effektiven Üben schwerer Stellen folgte dann noch die Rhythmisierungstechnik, bei der in Tönen einer Reihe mit gleichen Notenwerten jeweils einer verlängert wird. Dieser verlängerte wandert dann von der ersten Note der Gruppe zur zweiten, dann zur dritten usw. Es ergeben sich x Varianten, wobei jede drei bis vier mal zu wiederholen ist. Das führt dazu, dass man unabhängig von Tonhöhen und Intervallen jedem Ton des Laufs einmal mehr Aufmerksamkeit widmet, sozusagen ein Spotlight auf ihn richtet. Super für das Hirn und perfekt, um eine schwere Stelle schneller draufzubekommen.

Wir haben das ganze noch auf ein Duett angewendet, dass wir mit Flötenorchester zum Schluss aufgeführt haben.

Ein sehr gelungener Abend bei dem wohl jeder was mitnehmen konnte. Tolle Idee, tolle Durchführung und fantastisches Preis-Leistungsverhältnis. Ich wäre jederzeit wieder dabei. Das kann sich jeder leisten, vom Aufwand zeitlich sowie finanziell.

Zu erwähnen sind noch die tollen Räumlichkeiten der Musikschule Sankt Augustin. Da scheint sich eine produktive Zusammenarbeit mit dem örtlichen Flötenhändler Flutissimo anzubahnen. Was könnte sinnvoller sein?

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