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In der Reihe Atlantis Musikbuch ist diese Textsammlung 1996 erschienen. Die Übersetzung des Werkes von David Brown aus dem Englischen hat Tobias Döring gemacht. Alles in allem 291 Seiten mit Klappen am vorderen und hinteren Buchdeckel, die als Lesezeichen genutzt werden können. Die 15 Kapitel

  • Präludium : Kindheit und Studienjahre
  • Die Moskauer Jahre
  • Die Krise
  • Erste Eindrücke – und Mehr (Teil I: 1879-90)
  • Das „ewige Kind“ – und der Misanthrop
  • Das Leben auf dem Lande
  • Dirigent und Berühmtheit
  • Drei Komponisten
  • Tschaikowsky in Gesellschaft: Begegnungen
  • Vorlieben, Charakterzüge und Eigenarten
  • Zwei Würdigungen
  • Erste Eindrücke – und Mehr (Teil 2: 1888-93)
  • Die letzten Jahre
  • Wie starb Tschaikowsky?
  • Postume Notizen und Nachrufe

werden eingeleitet von Vorwort und einer editorischen Notiz und durch eine Zeittafel, ein Quellenverzeichnis sowie ein Personenregister abgerundet.

Dieser Aufbau zeigt schon den wissenschaftlichen Anspruch und die Ernsthaftigkeit der Darstellungen. Brown zitiert aus zahlreichen Veröffentlichungen, in denen Zeitgenossen Tschaikowskys aus Ihrer Erinnerung an gemeinsame Erlebnisse und Eindrücke vom Komponisten berichten. Jedem Ausschnitt sind Anmerkungen zur Person der jeweiligen Autoren vorangestellt, so dass sich die Textausschnitte gut einordnen lassen.

Unter den zitierten Zeitgenossen sind viele russische Musiker, Künstler und Komponisten, sowie Interpreten und Dirigenten aus der ganzen Welt. In Zusammenwirkung mit den einleitenden Texten ergibt sich damit auch eine Skizze der Kunst- und Musikszene der damaligen Zeit in Moskau.

Die verschiedenen Erinnerungen zeichnen ein ausgesprochen sympathisches Bild des Komponisten. Bei mir entsteht beim Lesen dann immer sogleich der Wunsch, denjenigen kennengelernt zu haben. Besonders witzig finde ich dabei, dass mir auch seine Musik (insbesondere natürlich die berühmten Ballette) schon immer sehr zu Herzen gegangen ist. Meiner Empfindung nach passt der in diesem Buch skizzierte Mensch sehr zu den traumhaften Melodien, die seiner Feder entstammen.

Das Kapitel zu Tschaikowsky’s Tod stellt die zeitgenössischen offiziellen Berichte zum Cholera-Tod den späteren Zitaten zu einem Ehrengerichtsurteil aufgrund seiner Homosexualität mit anschließendem Selbstmord ohne Bewertung nebeneinander.

In der abschließenden Zeittafel werden Ereignisse aus dem Leben und Schaffen des Komponisten dem Geschehen der Zeit- und Kulturgeschichte direkt gegenüber gestellt.

Alles in allem ein interessantes Buch, das mir den Menschen hinter der von mir ohnehin geliebten Musik näher gebracht hat.

Vor nicht allzu langer Zeit habe ich hier bereits den ersten Teil vorgestellt. Der zweite Teil, um den es hier gehen soll, ist völlig gleichartig aufgebaut (Gliederung, Format etc.) und unterscheidet sich auf den ersten Blick vor allem durch den schwarzen Einband gegenüber dem weißen des ersten Teils.

Die poträtierten Flötisten in diesem Band sind András Adorján, Julius Baker, William Bennett, Jean-Pierre Rampal, Kurt Redel und Karlheinz Zoeller. Diesmal nur Männer, das zeigt deutlich, die damals noch viel eindeutigere Übermacht der Herren in dieser Profession.

Schön an diesem Band ist insbesondere, dass einige der Herren (Baker, Redel und Zoeller) heute nicht mehr so bekannt sind, wie Graf oder Nicolet, die im ersten Teil zu Wort kamen. Die Gespräche beleuchten an vielen Stellen auch die Bedingungen, unter denen während des Kriegs gearbeitet und studiert werden musste. Das fand ich persönlich besonders spannend und es hat mich sehr nachdenklich gemacht.

Sehr eindrücklich auch die Diskographie Rampals, die fast 20 Seiten umfasst, da kann sonst keiner mithalten.

Die Gespräche ranken sich hauptsächlich um Stilfragen (immer wieder das Thema Vibrato), Orchestererfahrungen und Zusammenarbeiten mit berühmten Dirigenten. Alles was zwischenmenschliche Verwicklungen betrifft, kann mich immer zusätzlich begeistern. Schließlich sind all das Menschen und keine Maschinen und es ist schön, das auch mal schriftlich fixiert zu finden.

Alles in allem ein durchaus nostalgisches Bändchen. Die biographischen Informationen sind nicht so detailliert, dass sie den Kauf rechtfertigen könnten. Eher bieten die Gespräche einen Blick auf professionelle Einstellungen und Menschen.

Die bibliographischen Daten in Kürze:

Gespräche mit Flötisten II
herausgegeben von Regula Müller
1. Auflage 1987
Salm Verlag
ISBN 3-7262-0037-1

Der erste von zwei Bänden erschien 1985 im Salm Verlag. das Büchlein im DIN A 5 Format mit etwas über 100 Seiten enthält Gespräche mit Peter-Lukas GrafIrena Grafenauer, André Jaunet, Paul Meisen, Aurèle Nicolet und Gustav Scheck in genau dieser Reihenfolge.

Jeder Flötist wird dabei mit einer Seite füllenden Fotografie und einer Kurzbiographie vorgestellt, es folgt eine Discographie, eine Bibliographie und dann das Interview, das Regula Müller geführt hat. Die Bibliographie enthält auch Notenausgaben, die durch den Künstler herausgegeben wurden.

Die Gespräche sind hinsichtlich Inhalt und Länge ziemlich unterschiedlich (Graf zum Beispiel 12 Seiten, Grafenauer nur 6). Dem Abschnitt zu Gustav Scheck ist die von ihm erstellte „Natürliche Intonationstabelle der Böhmflöte“ angehängt.

Ganz interessant fand ich die ganzen Geschichten von „wer kennt wen“ und wer findet was gut, wichtig oder fragwürdig. Immer wieder geht es auch um die verschiedenen Schulen (französische und deutsche vor allem).

Da das Büchlein schon fast dreißig Jahre alt ist, ist das schon ein richtig historisches Werk. Ansonsten muss ich gestehen, ist bei mir wenig hängen geblieben (allerdings habe ich das auch verteilt über mehrere Monate gelesen).

Zur Abrundung hier noch wie immer die bibliographischen Angaben:

Gespräche mit Flötisten I

herausgegeben von Regula Müller

2. Auflage 1985, Salm Verlag

ISBN 3-7262-0003-7

 Viel mehr fällt mir leider nicht mehr ein. Die Diskographien mögen für LP-Liebhaber auch noch eine Fundgrube sein.

Bei dem vor mir liegenden Band handelt es sich um ein Buch aus dem Antiquariat. Der Band „Händel“ ist eine Ausgabe aus der Reihe „Berühmte Musiker – Lebens- und Charakterbilder nebst Einführung in die Werke der Meister“. Es ist die zweite Auflage des Buchs und erschien 1906 in der schlesischen Verlagsanstalt. Der Autor ist Fritz Volbach, einen Dirigenten, Komponisten und Musikwissenschaftler, der 1940 verstarb.

Das Buch, etwas größer als DIN A 5 und in dunkelrot mit Goldprägung gebunden, umfasst etwas weniger als 100 Seiten und ist sehr liebevoll gemacht. Die Darstellungen enthalten viele Stiche, Notenbeispiele und sogar Faksimiles von Handschriften Händels (Notenauszug und Testament). Im Anhang findet sich ein Werkverzeichnis, die zitierten Quellen und Bühnenpläne von Händel-Aufführungen um die Jahrhundertwende zwischen neunzehntem und zwanzigstem Jahrhundert.

Die Biographie ist aufgeteilt in folgende Kapitel:

  • Händels Abstammung
  • Die Kinderzeit
  • Lehrjahre
  • Händel in Hamburg
  • Händel in Italien
  • Händel in London
  • Oper und Oratorium
  • Lebenskämpfe
  • Der Lebensabend.

Neben den direkten Informationen zu Händel und seinen Werken, fand ich insbesondere die Einblicke in die Zeit- und Musikgeschichte und deren Wechselwirkung auf den Lebensweg Händels spannend. Zusätzlich bietet dieses hundert Jahre alte Schätzchen auch ein paar Hinweise auf den Umgang mit Händels Musik um 1900. Die Sprache darf man natürlich auch nicht vergessen, es ist kaum zu glauben, wie viel 100 Jahre an einer gelebten Sprache ausrichten, aber dazu später noch mehr.

Händel selbst bleibt ohne menschliches Profil, die Beschreibung seines Weges ist nicht so gefasst, dass man sich ein Bild seines Charakters oder persönlicher Eigenschaften machen könnte (abgesehen von seinem offensichtlichen Arbeitseifer).  Die Darstellungen sind sozusagen eher unpersönlich und distanziert. Auffallend ist die tendenziell verherrlichende Formulierung, die heute so wohl nicht mehr zeitgemäß wäre. Hier ein paar Zitate:

„Vor allem aber war es sein eigenes geniales Gefühl, welches ihn die UNzulänglichkeit der bisherigen Form der Oper fühlen liess und ihn in neue Bahnen zwang.“

„Die Art, wie Händel hierbei verfährt, zeigt wieder einen neuen Zug seiner genialen Gestaltungskraft, die den Gegenstand stets von der richtigen Seite erfasst.“

Um solche Zitate zu finden, muss man einfach nur eine beliebige Seite aufschlagen, auf jeder einzelnen sind derartige Aussagen vorhanden.

Die Besonderheiten einzelner Werke werden immer wieder mit Notenbeispielen erläutert. Hierbei geht es praktisch ausschließlich um Opern und Oratorien, die Kammermusik spielt in dem Buch eigentlich keine Rolle. Somit ist auch Händels Umgang mit der Flöte in seinen Werken kein Thema, das auch nur gestreift würde.

Die neben Händel zweit wichtigste Figur in dieser Biographie ist der Musikwissenschaftler Friedrich Chrysander, der um 1900 zu einer Händel Renaissance in Deutschland beigetragen hat. Er war 1856 der Mitbegründer der Deutschen Händel Gesellschaft.  Er war der erste Herausgeber des Gesamtwerks Händels basierend auf systematischer Quellenforschung.  Seine Biographie Händels blieb unvollendet.

Volbach beschreibt, dass Chrysander Händels Werke für die erneute Aufführung gute hundert Jahre nach dem Tod des Komponisten bearbeitet hat. Seine Begeisterung für die Bearbeitung ist kaum weniger ausgeprägt als die für die Komposition selbst.

Zur Abrundung dieser Besprechung, als Appetizer oder einfach nur, um eine Vorstellung von dem Buch im Leser dieses Artikels zu ermöglichen, hier noch ein paar kurze Textausschnitte, die die Besonderheit der Sprache des Autors aus heutiger Sicht aufzeigen können:

„Während das Ohr sich den immer reicher hervorquellenden Tönen hingibt, ist für das Auge nicht minder gesorgt.“

„Kaum sind die Klänge des Te Deums verrauscht, so sehen wir den Meister bereits wieder ei einem neuen Werke.“

„Alle diese Unannehmlichkeiten, all dieser Aerger haben trotzdem nicht vermocht, auf Händels Schaffenskraft lähmend zu wirken.“

Alles in allem fand ich die Lektüre kurzweilig, wenn auch ungewohnt. Über Händels Biographie habe ich nicht sooooo viel neues gelernt, wohl aber über sein Werk. Besonders habe ich aber auch etwas über die Zeit um Neunzehnhundert gelernt. Und da ich alte Bücher, in ihrer Machart, der Sprache und mit der Liebe zum Detail, die man da sieht, sowieso total genial finde, hat sich für mich das Lesen in jedem Fall gelohnt.

Diesmal ist es ein ganz persönlicher Nachruf. Herrn Niehaus, Komponist, Regisseur und ehemaliger Redakteur des WDR,  habe ich persönlich gekannt. Das macht das Schreiben irgendwie leichter und schwerer zugleich.

Irgendwann um den Beginn dieses Jahrtausends habe ich angefangen, beim Ehrenfelder Kammerorchester mitzuspielen. Das war und ist ein kleines der Kirche angeschlossenes Orchester mit damals recht hohem Durchschnittsalter, geleitet vom Kantor. Bläser gab es da damals kaum (außer mir nur noch eine Oboe). Unter den Bratschen saß ein älterer Herr, der immer für geselliges Zusammensein zu haben war. Den Namen Niehaus habe ich damals auch recht schnell aufgeschnappt, der sagte mir aber nix. Und dann haben wir irgendwann ein Stück gespielt, auf dem als Komponist auch Niehaus stand. Da war ich verwundert und konnte es noch nicht so recht einordnen.

Etwa um die gleiche Zeit habe ich die Webseite des Ensemble Contrasts (gibt es wohl in der Form nicht mehr) gepflegt. Die bestanden hauptsächlich aus Musikern des WDR-Sinfonieorchesters, aktuellen und ehemaligen. Ich war dann oft bein Konzerten und tippte auch viele Texte zu den Programmen und Werken ab, darunter war auch ein ganzes Konzert zum Thema Gruppe 8. Da war ich dann schon recht beeindruckt, dem Namen Niehaus schon wieder zu begegnen.

Über die Jahre ergab sich bei Orchesterfeiern, Nach-Proben-Kneipengängen und Geburtstagen viel Gelegenheit, die zahllosen bunten Anekdoten von Manfred Niehaus zu hören, in denen er die Begegnungen mit vielen illustren Gestalten der Neuen Musik von Glass bis Cage und vielen weiteren erzählte. Das war stets unterhaltsam und ich kam aus dem Staunen gar nicht raus.

Als wir dann in den Bläsern im Orchester voll besetzt waren und immer, wenn im Tutti nix zu tun war, Kammermusik spielen wollten, steuerte Manfred auch extra für uns geschriebene Werke bei. Vor ca. fünf Jahren hatte ich dann auch das Glück, dass er für meine damals nagelneue Altflöte, die ich mir zugelegt hatte und nun auch unbedingt benutzen wollte, einige Stücke schrieb. Wir führten die Werke bei seinen Hauskonzerten auf, wo man auch immer auf interessante Menschen treffen konnte. Bei diesen Gelegenheiten durften aber auch andere Komponisten ihre Werke vorstellen, so dass wir die Gelegenheit bekamen, die Flötensonatine von Thomas Pehlken dort aufzuführen. Ich war oft überrascht, in welch kurzer Zeit Manfred sozusagen auf Zuruf originelle Werke für eine bestimmte Gelegenheit oder Besetzung schuf, teilweise auch unter Synonym (z. B. Hanns Hermann Blatt). Eine echte Spezialität ist die Vertonung skurriler und witziger Texte. Dank Manfred kann ich auch sagen, dass Altflöte und Gesang (Bariton) eine zauberhafte Kombination ist, so ganz ohne Begleitung.

Als wir mit unserem Quintett keinen Probenraum fanden, bot er uns an, in seinem Studio mitten in Ehrenfeld zu spielen. Auch hier zeigte sich wieder die Großzügigkeit und Freundlichkeit Manfreds.

Nachdem ich das Orchester verlassen hatte und er dann wohl auch nicht allzu lange danach, traf man sich nur noch sporadisch zufällig in einer Kneipe ums Eck.

Seine unkomplizierte, humorvolle Art, seine Geschichten und die Lebensfreude trotz der jahrelangen Erkrankung, die ihn Bewegungstechnisch sehr einschränkte (ich kannte Ihn nur mit Bratschenkasten am Rollator hängend), das alles hat ihn ausgezeichnet. Köln hat ein Original verloren, die Kölner Musikszene einen engagierten alten Hasen, der sich auch intensiv der Laienmusik gewidmet hat und nie durch irgendeine Art von Statuswahrung oder Dünkel die Bodenhaftung verloren hat, eher im Gegenteil (das beweist seine jahrelange Mitwirkung in unserem Orchester). Mein Mitgefühl gilt seiner Frau, die ich immer sehr sympathisch fand. Ich werde mich erst daran gewöhnen müssen, hier im Veedel nicht mehr nach ihm Ausschau zu halten. Tschöö Manfred, es freut mich sehr, dass ich Gelegenheit hatte, mit Dir zu musizieren.

Morgen, Donnerstag den 28.2.2013 wird auf WDR 3 um 22.00 Uhr in „Szene NRW“ eine Würdigung Manfred Niehaus‘  ausgestrahlt.

Herr Prof. Klemeyer verstarb am Montag . Leider war er mir nicht persönlich bekannt, aber die Reaktionen lassen auf einen sehr sympathischen Menschen und großartigen Lehrer und Musiker schließen, den wir damit verloren haben. Ein Nachruf von Menschen, die ihn wirklich kannten, findet sich hier:

Hochschule für Musik Würzburg

Die Musikhochschule hat außerdem ein Kondolenzbuch ausgelegt. Am 10.12. um 11 Uhr findet zu seinem Gedenken ein Requiem in St. Pius in Pöcking am Starnberger See statt.

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