Eine der häufigsten Fragen, die ich per Mail durch meine Homepage bekomme, ist die, wie man es anfangen soll, Flöte zu lernen. Ein Buch kaufen? Im Web nach Hilfe suchen? Leider kommt selten die Frage nach Unterricht. Die Tendenz geht bei allen, die mir so schreiben, ganz klar in Richtung autodidaktisches Lernen.

Warum ich „schade“ schreibe? Ich habe selbst zeitweise Unterricht gegeben und auch gelegentlich Schüler gehabt, die so angefangen haben. Und ich habe selbst mir immer wieder irgendetwas angewöhnt, dass nicht eben hilfreich war. Und daher weiß ich definitiv, dass etwas „umlernen“ sehr viel schwerer ist als etwas zu lernen.

Mit einer Querflöte Töne zu erzeugen und die richtigen Griffe zu finden ist nicht sooooo wahnsinnig schwierig. Vermutlich ist das der Grund, dass alle einfach mal anfangen wollen (würde man das bei Geige versuchen?). Dennoch hat das Musizieren im Allgemeinen und auch das Flöte spielen sehr viele Dimensionen. Die Haltung, die Atmung, die Griffe, die Zunge, das Noten lesen, Artikulation, Dynamik… sehr, sehr viele Parameter sind richtig zu kombinieren um ein schönes Ergebnis zu erzielen. Häufig ist man beim Spiel so in ein Problem vertieft, fixiert sich auf eine Aufgabe und vermasselt dabei etwas (oder alles) andere….. man kommt mit einer schnellen Passage nicht klar und merkt nicht, dass das eigentlich an der Luft liegt, weil sie einem ausgeht oder man sie einfach nicht mehr richtig führt.

Solche Dinge sieht und hört ein Beobachter von außen einfach besser. Er bemerkt sie und, wenn man Glück hat, hat er sogar eine Idee, mit welchen Mitteln man gegen das Problem vorgehen kann. Ein Gedankenspiel, eine Übung oder einfach nur der Hinweis auf das eigentliche Problem lösen den Knoten auf.

Darum bin ich ein Befürworter von Unterricht. Gerade Erwachsene, die sich noch den Wunsch erfüllen wollen, ein Instrument zu lernen, sollten auf eine solche Hilfe wenigstens alle paar Wochen nicht verzichten. Wie schnell landet man sonst in einer Sackgasse, hat keine Erfolgserlebnisse oder verkrampft beim Spiel. Für alle, die schon länger spielen, ist der Lehrer auch eine Fundgrube für Notenliteratur (das habe ich bei Herrn Strobel in Stuttgart ganz intensiv erlebt). Ein Lehrer vermittelt einem einen anderen Blickwinkel auf das Instrument und die Musik. Musizieren, Musik hören, Musik empfinden… all das ist so subjektiv und individuell wie die Menschen. Und ein zweiter Mensch neben einem teilt sein musikalisches Universum mit uns beim Unterrichten.

Zudem kann Unterricht auch eine Gelegenheit sein, gemeinsam zu musizieren, Flötenduette oder ein Duo Flöte/Klavier. Und das ist doch das schönste überhaupt!

Ich selbst suche mir immer wieder Lehrer, hole mir Anregungen und Motivation und lerne immer wieder etwas dazu…. und das seit mehr als dreissig Jahren. Ich denke, das will ich eigentlich nie aufhören…….

Probiert’s doch einfach mal aus!