Flöte im Amateurorchester

Und diesmal meine ich ein Sinfonieorchester, in dem der Flötist (oder auch die Flötistin) immer mehr oder weniger ein Solist ist.

Zunächst mal ist das einfach nur toll und macht viel Vergnügen. Vor allem auch, wenn man zuvor nur Blasorchester kannte, in denen man in der Regel einfach untergeht. Jedem, dem am Gesamtergebnis gelegen ist, wird aber auch schnell die große Verantwortung bewusst, die man da hat. Ganz leicht kann man mit einem falschen Einsatz oder Griff, mit dem „Verrecken“ eines Tones oder Intonationsproblemen, allen Mitmusikern ein Konzert vermasseln. Heikel also….

So was nennen wir eine Herausforderung 🙂

Besonders wichtig finde ich es in dieser Konstellation, dass alle Beteiligten, ihre jeweiligen Rollen verstehen und wahrnehmen. Nach meinem Verständnis heißt das, der Dirigent ist der absolute Chef. Demokratie hat während der Probe nichts verloren. Der Chef sagt an, das Orchester spurt. So einfach und so absolut. Meiner Meinung nach, heißt das aber nur, dass der Dirigent deutlich macht, was er möchte, nicht, wie man das zu erreichen hat. Flöte kann er im Regelfall ja nicht spielen, aber ich kann das. Schön wäre also: „An der Stelle bist Du zu tief“ anstatt „Stimm nochmal, Du bist zu tief“. Wenn ich nämlich erfahre, dass ich irgendwo zu tief war (wenn ich es nicht selbst gemerkt habe), dann kann ich selbst einschätzen, ob es ein Intonations- oder ein Stimmungsproblem ist. Das heißt, der Dirigent soll und muss eine musikalische Vorstellung haben, die sollte er vermitteln. Die Mittel, mit denen die Musiker diesen Ausdruck erreichen, ist ihnen selbst überlassen. Das ist meine Meinung (wie immer in diesem Blog).

Im Orchester, wie bei der Kammermusik, ist es von großem Vorteil, wenn man sich mit seinen Kollegen gut versteht. Aufgrund der Zahl der Mitmusiker werden das nicht alle sein, sondern die im nächsten Umfeld. Jeder der schon mal im Orchester gespielt hat, wird festgestellt haben, dass der Bläsersatz von gemeinsamer Kammermusik fast ebenso sehr profitiert wie von gemeinsamen Parties und ähnlichem 🙂 Das ist nur teilweise ein Witz. Wenn man ein Gefühl für den Mitmusiker entwickelt, dann spielt man besser zusammen. Der feinfühlige Dirigent wird auch das feststellen und den Bläsern auch ein wenig musikalische Freiheiten einräumen.

Als Flötist im Orchester hat man mehr Verantwortung als als „normaler“ Geiger. Es gibt nur eine erste Flöte und nur eine zweite. Fehlt man, so fehlt eine Stimme komplett. Darum sollte man sich klar machen, dass es eine Verpflichtung ist, in einem Sinfonieorchester eine Bläserstimme zu übernehmen. Man sollte die Proben ernst nehmen, pünktlich kommen und rechtzeitig absagen, wenn es mal gar nicht geht. Und man muss dafür sorgen, dass man die Stimme auch beherrscht. Nicht sofort, aber vor dem Konzert. Das heißt auch, üben ist angesagt. Verstecken kann man sich auf so einem Posten nicht.

Heißt das jetzt, dass die Bläser in so einem Orchester die verhätschelten Helden sind? Ich finde, dass darf nicht so sein. Ja, vermutlich müssen Bläser häufig oder manchmal ein bisschen mehr tun, als ein Bratscher am dritten Pult oder so. Aber gerade in einem Laienorchester ist das „Commitment“ das wichtigste. Jeder der Streicher besucht die Proben (hoffentlich). Keiner von den Tutti-Spielern kann sich beim Konzert in den Vordergrund drängen. Sie spielen alle ganz und gar zugunsten des Orchesters. Die Bläser tun das zwar auch, haben aber auch ein Podium, können sich hervortun, erhalten bei Gelingen oft persönliches Lob von den Zuhörern. Sie brauchen dafür aber die Streicher. Ohne Streicher kein Orchester. Daher sollten alle gleich behandelt werden. Egal ob von den Musikern oder vom Dirigenten. Jeder opfert oder schenkt seine Zeit. Und eigentlich ist auch keiner entbehrlich.

Ist es also ein Kriterium, wer wie gut spielt? Ich finde, auch das sollte keine Rolle spielen. Jemand, der sehr gut spielt, muss vielleicht kaum Engagement einbringen, um ein Programm zu bewältigen. Ein anderer, der noch nicht so sicher musiziert, übt vielleicht jeden Tag, um mithalten zu können. Und selbst, wenn ihm im Konzert noch nicht alles gelingt, so hat er doch alles gegeben. Das muss honoriert werden. Das ist Teil der Motivation und wird dazu führen, dass der gleiche Musiker irgendwann viel besser spielt. Ein Orchester ist ein ganzes. Jeder stellt seine Kraft in den Dienst des Ganzen und der Musik. Anders geht es nicht. Ich freue mich, wenn man mich für gelungenes Musizieren lobt. Aber ich mag nicht, dass ein Mitmusiker schlecht behandelt wird, weil er vielleicht nicht so gut gespielt hat oder einfach, weil er nicht so wichtig erscheint. Wie gesagt, dass ist meine Philosophie…. wer allerdings kein Engagement zeigt, andere runter macht oder das Gesamtgefüge stört, der ist ein echtes Problem und sollte auch so behandelt werden.

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